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15.5.2014

Führt die Beschäftigung von Zuwanderern zu Lohnverlusten der Einheimischen?

Kurzfristige Effekte sind kaum messbar, langfristig sind steigende Produktivität und höhere Löhne wahrscheinlicher

Auf einen Blick



Hartnäckig hält sich die Behauptung, dass die Arbeitsmarktintegration von Zuwanderern zu Lohneinbußen unter einheimischen Beschäftigten führe. Seriöse wissenschaftliche Befunde widerlegen diese Annahme: Sie dokumentieren fast ausnahmslos, dass es im Durchschnitt keine messbare Auswirkung der Beschäftigung von Migranten auf die Lohnentwicklung gibt. Auch die Lohnabstände zwischen Hoch- und Geringqualifizierten werden durch Immigration allenfalls geringfügig beeinflusst. Auf längere Sicht kann die Beschäftigung von Zuwanderern vielmehr zu Spezialisierung und Lohnwachstum unter Einheimischen führen.

Zentrale Ergebnisse



Pro

Contra

  • Zuwanderung hat nur einen sehr geringen Einfluss auf die Lohnentwicklung.
  • Ein negativer Einfluss von Zuwanderung auf die Löhne von einheimischen Geringqualifizierten ist empirisch kaum belegt.
  • Langfristig sorgt insbesondere die Immigration von qualifizierten Arbeitskräften für Innovationen und Produktivitätsvorteile.
  • In vielen Staaten weisen Zuwanderer einen höheren Akademisierungsgrad auf als Einheimische.
  • Unternehmen reagieren auf die Verfügbarkeit von Zuwanderern häufig durch Produktionsausweitung und die Aufwertung der Tätigkeitsfelder von etablierten Beschäftigten.
  • Negative Lohneffekte von Zuwanderung sind in begrenztem Umfang unter früher eingereisten und erwerbstätigen Immigranten festzustellen.
  • Je weniger flexibel der Arbeitsmarkt, umso geringer fallen positive Lohneffekte aus, und umso wahrscheinlicher werden negative Beschäftigungswirkungen.
  • Aufgrund fehlender Auswahlsysteme verfügen manche europäischen Staaten über einen erhöhten Anteil von Geringqualifizierten unter Zuwanderern.

Kernbotschaft des Autors



Die wissenschaftliche Literatur der letzten 30 Jahre dokumentiert für die Industriestaaten – bei geringen Schwankungen der Befunde – einen Lohneffekt von Zuwanderung, der gegen Null tendiert. Jüngere Studien zeigen darüber hinaus, dass Zuwanderung auf lange Sicht sowhl die Produktivität als auch die Lohnentwicklung eher begünstigt – insbesondere dann, wenn der Anteil gut qualifizierter Zuwanderer mit spezifischen Qualifikationen und Innovationspotenzialen ausreichend groß ist. Aktive Auswahlsysteme für ausländische Arbeitskräfte können diesen positiven Effekt noch verstärken.

World of Labor - Einfluss von Zuwanderern auf das Lohnniveau der Einheimischen denkbar gering


https://wol.iza.org/articles/do-immigrant-workers-depress-the-wages-of-native-workers/lang/de

Das Online-Kompendium "IZA World of Labor" wird vom Forschungsinstitut zur Zukunft der Arbeit (IZA) herausgegeben. Es bereitet das aktuelle empirische Wissen zu zentralen Fragen der internationalen Arbeitsmärkte auf und wird in Kürze über 500 thematische Beiträge verfügen. Die Bundeszentrale für politische Bildung/bpb veröffentlicht ausgewählte Kurzfassungen mit freundlicher Genehmigung des IZA. Die Langfassungen der Artikel finden Sie hier.

Giovanni Peri

World of Labor - Giovanni Peri

Giovanni Peri

University of California, Davis (USA) und IZA


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