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27.1.2005

Moralische Vorwürfe sind fehl am Platz

Frank Trümper

Unternehmen orientieren sich am Ziel der Gewinnmaximierung. Doch müssen sie bei ihren Entscheidungen zwischen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Auswirkungen abwägen, denn auch Unternehmen haben eine soziale Verantwortung, so Frank Trümper.

Moralische Vorwürfe sind fehl am Platz Unternehmen orientieren sich am Ziel der Gewinnmaximierung. Doch müssen sie bei ihren Entscheidungen zwischen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Auswirkungen abwägen, denn auch Unternehmen haben eine soziale Verantwortung, so Frank Trümper. Lizenz: cc by-nc-nd/3.0/de/ (© 2004 Bundeszentrale für politische Bildung)
Unternehmensethik, so würde ich sagen, ist der Anspruch daran, dass Entscheidungen, die im Wirtschaftskontext gefällt werden, die von Unternehmern, von Managern im Unternehmen gefällt werden, eben nicht nur in dem engeren, wirtschaftlichen Sinne zu guten Ergebnissen führen, zu Gewinnen, zu Arbeitsplätzen usw., sondern auch außerhalb des Unternehmens im weiteren Sinne wünschenswerte Ergebnisse zeigen, dass ein Manager eben nicht nur daran gemessen wird, wieviel Gewinne er gemacht hat, sondern auch an anderen Faktoren, wie sie sozial wünschenswert sind.

Man kann einem Unternehmen nicht vorwerfen, dass, wenn es das fundamentale Interesse verfolgt, sich selbst zu reproduzieren, zu überleben, zu wachsen vielleicht auch, es neue Märkte sucht und woanders produziert, dass es neue Arbeitsplätze woanders schafft. Man kann ihm nicht per se einen moralischen Vorwurf machen, dass es Arbeitsplätze nach Tschechien verlagert, sondern muss gucken: Wie kann ich in diesem Zielkonflikt, in dem sich jemand befindet, die Koordinaten so verändern, dass das naheliegende wie auch notwendige Interesse, ein Unternehmen zu erhalten oder sogar zu stärken zusätzlich zu dem sozial wünschenswerten Ergebnis führt, in Deutschland Arbeitsplätze zu schaffen?


Man kann der Wirtschaft oder den Unternehmen nicht den Vorwurf der Ökonomisierung der Gesellschaft machen. Die Ökonomisierung der Gesellschaft oder die Auswirkungen, die wir spüren, haben eben ganz konkret mit der Globalisierung zu tun – was ein säkularer Prozess ist, an dem ein einzelnes Unternehmen, wahrscheinlich eine einzelne Regierung per se nichts ändern kann. Die Frage ist: Wie gehen wir damit politisch und wirtschaftlich um? Und in dieser Frage des Umgangs damit haben natürlich Unternehmen, hauptsächlich größere Unternehmen und vor allen Dingen solche, die international aktiv sind, in abgestufter Weise auch eine soziale Verantwortung.

06. Mai 2004

Frank Trümper

Foto Trümper Zur Person

Frank Trümper

Frank Trümper, Historiker, Volkswirt und Philosoph, war mehr als zehn Jahre als Manager in unterschiedlichen Ländern und Unternehmen tätig. Seit 2003 ist er bei der Deutschen Bank im Bereich "Corporate Cultural Affairs" zuständig für das Kulturmanagement.


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