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Antijudaismus und Antisemitismus speisen sich seit jeher aus religiös motiviertem Eiferertum und sozialer Missgunst. Seit dem Zeitalter der entstehenden Nationalstaaten hat sich eine weitere Komponente hinzugesellt: das chauvinistisch begründete Streben nach einem homogenen Staatsvolk. Insbesondere in Ost- und Südosteuropa verschärfte sich mit dem Ende des Ersten Weltkriegs in vielen Staaten und Regionen das teils fanatische Ringen um nationale Reinheit, nach deren Verständnis Minderheiten unerwünscht waren. So konnten die Nationalsozialisten mit ihren auf die Entrechtung, Verfolgung und Vernichtung der europäischen Juden zielenden Plänen etwa in Polen, Litauen und Ungarn, aber auch in Griechenland und anderenorts an nationalistische, gegen Staatsfremde und Juden gerichtete Tendenzen anknüpfen. Zugleich, so der Historiker Götz Aly, kam die Marginalisierung den Ängsten der Mehrheitsbevölkerung vor dem tatsächlichen oder vermeintlichen sozialen und intellektuellen Kapital jüdischer Bürger entgegen: Wo diese an Aufstieg und Erfolg gehindert wurden, boten sich, so die krude Logik, „Einheimischen“ bessere Chancen. Aly zeichnet diese Prozesse nach und deutet sie als Faktoren, die den Völkermord begünstigten.


Autor: Götz Aly, Seiten: 432, Erscheinungsdatum: 08.11.2017, Erscheinungsort: Bonn, Bestellnummer: 10096

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