Veranstaltungsdokumentation (März 2018)

Mit Gewalt ins Paradies (Leipzig, 21. März 2018)


Fachtag zur Radikalisierungsprävention in Leipzig

Noch vor zwei Jahren überboten sich Medien mit Schlagzeilen zu deutschen Ausreisenden in das syrische Kriegsgebiet. Heute stehen vielmehr die Radikalisierungsgefährdeten sowie Rückkehrerinnen, Rückkehrer und manchmal auch ihre Kinder im Mittelpunkt der Debatte.

Auf den ersten Blick wirkt es paradox, dass sich insbesondere Jugendliche zu radikal islamistischen Ideologien hingezogen fühlen und sich extrem konservativen Glaubensauslegungen wie dem Salafismus zuwenden.

Dabei stehen die unterschiedlichen Akteure, die sich präventiv in diesem Arbeitsfeld engagieren, oft vor den gleichen Fragen: Was steckt hinter den individuellen Radikalisierungsprozessen? Wie lassen sie sich unterbrechen oder gar umkehren? Welche Hilfsangebote gibt es vor Ort?

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Tagungsimpressionen

"Mit Gewalt ins Paradies?" Unter diesem Titel hatte die Bundeszentrale für politische Bildung zur Fachtagung nach Leipzig eingeladen.Rund 130 Teilnehmende waren zur Tagung gekommen, darunter sowohl Vertreter zivilgesellschaftlicher Einrichtungen als auch Mitarbeiter der Sicherheitsbehörden.Hanne Wurzel von der bpb eröffnete den Fachtag und betonte, dass Prävention immer als gesamtgesellschaftliche Aufgabe verstanden werden müsste.Die Veranstaltung wurde gemeinsam von der bpb und der Sächsischen Landeszentrale für politische Bildung ausgerichtet. Deren Direktor Roland Löffler sprach ebenfalls zur Eröffnung und erinnerte daran, dass Gruppierungen wie die Salafisten in ähnlicher Form in allen Religionen zu finden seien.Im Anschluss sprach Klaus Hummel, wissenschaftlicher Mitarbeiter beim Landeskriminalamt Sachsen, über "Salafismus und Überschneidungen zum Rechtsextremismus".Mehrfach betonte der Islam- und Politikwissenschaftler das "Kategorienproblem" innerhalb der Debatte um Salafismus.Nach Hummels Vortrag begann die Workshopphase.Zwischen zwei mal vier Arbeitsgruppen konnten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Tagung wählen.Zum Austausch boten die Pausen Raum......ebenso zur Diskussion.Die Steckbriefe für konkrete Angebote und Gesuche wurden dennoch rege genutzt.Büchertisch...der Büchertisch der bpb.Insgesamt acht Arbeitsgruppen wurden angeboten: Götz Nordbruch von ufuq.de referierte über "Politische Bildung als Prävention".Frances Rohde vom Violence Prevention Network und Erik Alm von der Koordinierungs- und Beratungsstelle Radikalisierungsprävention berichteten von der Arbeit in Beratungsstellen.Silke Baer vom Cultures Interactive e.V. sprach im Workshop über genderreflektierte Radikalisierungsprävention.Nava Zarabian von jugenschutz.net, Julian Junk von der Universität Potsdam und Said Haider von Datteltäter diskutierten zu Islamistischer Propaganda im Netz.Auch zwischen den einzelnen Workshopphasen gab es zahlreiche Gelegenheiten zum Besprechen...... und Vernetzen.Getwittert wurde von der Veranstaltung unter den Hashtags #bpbsalafismus und #radikalisierung.Özcan Karadeniz vom Verband binationaler Familien und Partnerschaften in Leipzig und Ethem Ebrem von Mosaik Deutschland führten auch die Arbeitsgruppe zu "Antidiskriminierungsarbeit als Radikalisierungsprävention?".Auch Schulen stehen im Fokus der Prävention. Das thematisierte die Arbeitsgruppe mit Stipo Zeba von Dialog macht Schule und Elke Seiler vom Zentrum für europäische und orientalische Kultur.Ein anderer Workshop beschäftigte sich mit dem Phänomen der unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge: "Radikalisierung als Herausforderung für die Jugendhilfe". Hier referierten Florian Endres vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge und André Taubert von der Fach- und Beratungsstelle Legato.Den Abschluss der Tagung gestalteten die Islamwissenschaftlerin Marfa Heimbach und Judith Weißenborn vom Jungen Schauspiel Düsseldorf.Kann Theater Prävention? "Aus meiner Sicht ja, klar!", sagte die Dramaturgin.Theater sei ein effektiver Weg der Präventionsarbeit, nicht nur im Bereich des Salafismus. Daher sollten alle in ihren Heimatstädten prüfen, inwieweit Kooperationen mit den Theatern vor Ort möglich seien, appellierte Marfa Heimbach zum Abschluss der Tagung an die Teilnehmenden.Ein umfangreiches Informationsangebot zum Themenkomplex Radikalisierungspraevention bietet der Infodienst Radikalisierungsprävention.Schließlich wurde auch die Zusammenarbeit von Zivilgesellschaftlichen Institutionen und Sicherheitsbehörden diskutiert. Holger Schmidt vom bayerischen Kompetenzzentrum für Deradikalisierung in München.und Verena Raatz vom Violence Prevention Network aus München leiteten gemeinsam den Workshop.
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