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29.5.2018

1. Junge Ideen für ein neues Armenien: Impact Hub

Datum: 21.02.2018

Im Impact Hub Yerevan konnte ein Einblick in einen Teil der armenischen NGO-Szene gewonnen werden. Hauptsächlich junge Menschen versuchen über diese Plattform, “Armenien zu einem besseren Ort zu machen“.

Impact Hub Yerevan (© Ingrid Schneider)


Das soll Jerewan sein? Wir sind noch nicht mal 24 Stunden im Land, und bislang hat sich kein einziges Vorurteil über das kleine und arme Armenien bestätigt. Schon das erste Treffen: ein Café, auf das Berlin-Mitte stolz wäre, Menschen mit Hipster-Bärten, veganes Soulfood. Und nun kommen wir in dieses lichtdurchflutete und schicke Loft mit jungen, zielstrebigen Frauen und Männern, die auf ihre Tastatur einhacken. Wir sind bei IMPACT HUB, einem Großraumbüro mit vielen Schreibtischen, Glaswänden und Menschen, die die Welt besser machen wollen. Aber halt, das erfahren wir ja erst noch.

Arman, ein alerter Enddreißiger begrüßt uns. Er leitet IMPACT HUB Jerewan und beballert uns mit Informationen. Die Kurzzusammenfassung: die Idee wurde 2005 in London geboren und will Menschen einen Raum zum gemeinsamen Arbeiten geben. Alle Projekte haben einen sozialen Anspruch oder Hintergrund. 95 HUBS gibt es auf der Welt. Das Büro in Jerewan existiert seit 2016, ist „ein Monopol an armenischer Kreativität“ und hat den Zweck „Armenien besser zu machen“. Hm, wir kritischen Journalisten und Professoren sind ja keine Fans solcher kernigen Marketing-Sprüche und fragen nach dem Einfluss der Regierung und was das Gesagte genau bedeutet. Arman antwortet mit einer Flut an Stipendien und Partnerschaften, vieles mit der EU, die in Zusammenarbeit mit IMPACT HUB entstanden sind.

Klingt alles toll, aber funktioniert das wirklich so reibungslos, wie Arman es uns erzählt? Bei manchem überwiegt die Skepsis. Dann stellen sich drei Projekte vor, die hier arbeiten. AYO! sammelt Geld für konkrete soziale Projekte: Defibrillatoren für ein Krankenhaus im Hinterland, neue Ausstattung für eine Suppenküche. GOALS will mit Fußball für Mädchen das traditionelle Frauenbild aufbrechen. Und dann HOMELAND. Nein, nicht die Serie, sondern das Erfolgsprojekt des Büros. Unter dem Motto „Hilfe zur Selbsthilfe“ ist Homeland eine Verkaufs-Plattform für Handwerkskunst aus Armenien: gehäkelte Tiere (der Verkaufsschlager), gestrickte Handytaschen, Keramik. Für viele Frauen ist der Verkauf eine der wenigen Möglichkeiten Geld zu verdienen und in ihrer Region zu bleiben. Man muss dazu wissen, dass in vielen Dörfern kaum noch Männer leben, weil die Arbeit fehlt. Rund 200 Frauen können auf diese Weise Geld verdienen, 60% des Erlöses sollen direkt an sie gehen.

Bei IMPACT HUB hat Homeland ein kleines Lager, in dem es die Handwerkskunst verkauft. Ein Teil unserer Truppe wird magisch davon angezogen (Abteilung Souvenirjäger). Mit einer Mitarbeiterin komme ich ins Gespräch. Sie ist in Zypern geboren, in England aufgewachsen, hat dort ihren Mann kennengelernt, Kinder bekommen. Vor zwölf Jahren ist sie nach Armenien zurückgekommen. Warum, frage ich, sie kannte Armenien doch kaum? Sie antwortet: meine Kinder sollen in dem Land aufwachsen, das ich im Blut habe. Ich erzähle ihr von unserem Befremden, dass alles so schick ist in Jerewan. Darauf lächelt sie und sagt: nehmt mal ein Taxi und fahrt raus aus der Stadt. Da seht ihr ein anderes Armenien. Das werden wir tun, aber das ist eine andere Geschichte.

Peter Twiehaus

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