zurück 
30.5.2018

4. Identität durch Sprache und Schrift

Datum: 22.02.2018

Seit mehr als 1400 Jahren spielt die armenische Sprache und Schrift eine wichtige Rolle für die Erhaltung und die Stiftung der nationalen Identität. Sie beeindruckt durch ihre Einzigartigkeit, stellt ausländische Besucher allerdings immer wieder vor Herausforderungen – die durch die armenische Hilfsbereitschaft aber meist schnell überwunden werden können.

Identität durch Sprache und Schrift (© Ingrid Schneider)


Sprache und Schrift Armeniens sind wesentliche Elemente der Identitätsstiftung und des Identitätserhalts, auch in der Diaspora. Armenisch gehört der östlichen indogermanischen Sprachfamilie an, hat kaukasische und orientalische Teile aufgenommen und stellt ein Sinnbild für die Verschmelzung von Orient und Okzident dar. Ostarmenisch wird in Armenien, dem Iran und den Ex-Sowjetstaaten gesprochen, Westarmenisch in der Türkei dem Nahen Osten und der weiteren Diaspora. Die beiden unterscheiden sich in Intonation, Wortschatz und Grammatik, die Schriftzeichen aber sind gleich.

Das armenische Alphabet wurde um 400 nach Christus von dem armenischen Mönch Mesrop Maschtotz im Auftrag des Oberhaupts der armenischen Kirche entwickelt. Die 36 (heute 39) Schriftzeichen wurden genau dem Lautbild angepasst und werden noch heute so verwendet. Sie dienten der Sprachvereinheitlichung der verschiedenen Dialekte und hatten auch politische Beweggründe, weil Armenisch im offiziellen Sprachgebrauch immer weniger benutzt wurde. Denn die Eliten sprachen Griechisch und Mittelpersisch, die Kirchenleute auch Syrisch. Die neue Schriftsprache sollte der Assimilation durch die byzantinische Kultur im Religiösen und dem Persischen Reich im Politischen entgegenwirken. Mesrop Maschtotz‘ erste Bibelübersetzung ins Armenische bildete den Schlüssel zur Konstituierung der armenischen Identität. Die starke Bindung zu den Schriftzeichen lässt sich auch daran ablesen, dass die Buchstaben als „eine Armee von 36 Soldaten“ bezeichnet werden. Alphabetstafeln gibt es überall im Land, in Kirchen, Amtsgebäuden, aber auch zuhause und als Deko-Gegenstand.

Einen großen Schatz beherbergt das Matenadaran in Jerewan, eine Handschriftensammlung mit über 17000 Schriften aus Religion, Medizin, Geographie, Astronomie und Geschichte, die bis ins 5. Jahrhundert zurückreichen. Die Ausstellung ist eindrucksvoll und unbedingt empfehlenswert.

Die meisten Websites Armeniens sind in armenischer Schrift verfasst, für die internationale Kommunikation werden lateinische Schriftzeichen mit auf dem Englischen basierender Transkription verwendet. Die meisten Armenier sprechen Russisch als Zweitsprache, viele junge Leute auch ein sehr gutes Englisch. Das armenische Sprachinstitut Lezvi Testchutyun entwickelt neue armenische Worte, wie z.B. kayqu für Website, hamakaegich für computer, haeghum für link, meknik für mouse, hamatzants für internet und el.post für e-mail.

Quellen: Jasmine Dum-Tragut: Armenien. Trescher Vlg. 2017; Barbara Denscher: Reportage Armenien. Picus Vlg. 2014.

Ingrid Schneider

Nach oben © Bundeszentrale für politische Bildung Zur klassischen Website von bpb.de wechseln