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4.6.2018

13. Zu Besuch im Schriftstellerhaus in Sevan

Datum: 25.02.2018

Im Nordosten Yerevans, umgeben vom Sevan-Gebirge, liegt der größte Süßwassersee des Kaukasus, der Sevan-See. Hier findet sich auch das zu Sowjetzeiten erbaute Schriftstellerhaus, das durch seine Architektur und Lage beeindruckt. Eine Führung lieferte Einblicke in die Sowjet-Vergangenheit, in die aktuelle Kulturpolitik und in den gegenwärtigen Stand der Restauration.

Schriftstellerhaus (© Colette Choquet)


Das Schriftsteller Haus auf der Halbinsel des Sevan-Sees liegt etwa 60 Kilometer entfernt von der Hauptstadt Jerewan. Es ist die ästhetische Perfektion des Gebäudes und die Lage am Hang mit Blick über den Sewansee, die Besucher wie Architekten begeistern.

1932 errichteten die Architekten Mikael Mazmanyan und Gevorg Kochar im Auftrag der Writers Union of Armenia ein Gebäude im Stil des Konstruktivismus. Es sollte ein simpler, funktionalistischer Bau werden, der die Schönheit der Landschaft nicht überstrahlte. Nach seiner Fertigstellung zogen sich dort Autorinnen und Autoren in kreativen Schaffensphasen zurück und genossen den Blick auf den Sewansee.

Es sollte ein zweites Gebäude entstehen, aber unter dem Regime Stalins wurden Mazmanyan und Kochar 1937 verhaftet und in ein Gulag in Sibirien gebracht. Nach dem Tod Stalins kehrten Kochar und Mazmanyan 1955 nach Armenien zurück. 1963 begann Kochar mit dem Bau des zweiten Gebäudes und es entstand ein auf einer Felsklippe scheinbar freischwebender Flachbau mit einer Glasfront. Diesmal im Stil des Brutalismus errichtet mit dem dafür typischen Sichtbeton.

Zu Zeiten der Sowjetunion entwickelte sich das Gebäude-Duo zu einem der beliebtesten Resort für Schriftsteller, Intellektuelle und Künstler. Seine Bauweise inspirierte zudem Architekten weit über die armenischen Landesgrenzen hinaus.

Mit dem aufkeimenden Interesse an brutalistischer Architektur rückt es gegenwärtig wieder in den Fokus von Architekturliebhabern. Gleichzeitig aber ist das Zentrum von Verfall bedroht, eine Restauration überfällig. Viele Bauten aus der Sowjetzeit wurden zerstört oder aufgekauft. Das staatliche und gesellschaftliche Interesse an ihrer Erhaltung sei gering. „Oligarchen kaufen Gebäude und bauen sie bis zur Unkenntlichkeit um”, erklärt uns Nora Galfayan, Projektkoordinatorin im Restaurierungsprozess, der mit Hilfe der Getty Foundation angeschoben wurde.

Die Getty Foundation hat weltweit 20 Gebäude ausgesucht und fördert deren Erhaltung und Erneuerung. Das Schriftstellerhaus am Sevan See ist dabei. Mit 130.000 Dollar unterstützt die Stiftung die Arbeit an einem Restaurationsplan. Im April wird der Plan vorgestellt und man hofft schon bald finanzielle Mittel zu bekommen, um die Leitungen des Hauses zu erneuern und die Zimmer zu vergrößern. Schon bald sollen sich Künstler und die Öffentlichkeit wieder an der ästhetischen Perfektion des Baus und dem atemberaubenden Blick auf den Sevan See erfreuen können.

Verena Stöckigt

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