Veranstaltungsdokumentation (November 2018)

Mit Gewalt ins Paradies (Offenbach)


Fachtag zur Radikalisierungsprävention in Offenbach am Main, November 2018

Fachtag zur Radikalisierungsprävention in Offenbach am Main, November 2018



Prävention von Radikalisierung und islamistischem Extremismus ist mehr als nur ein Bündel an Maßnahmen und Gegenstrategien. Prävention bedeutet, einen Schritt voraus zu sein. Prävention kann nur gelingen, wenn sie als gesamtgesellschaftliche Aufgabe verstanden wird. Doch was bedeutet das genau?

Akteure, die sich im Arbeitsfeld der Islamismusprävention engagieren, stehen oft vor den gleichen Fragen: Welche Maßnahmen eignen sich, um Radikalisierungen frühzeitig vorzubeugen? Wie verlaufen Radikalisierungsprozesse? Wie lassen sie sich unterbrechen oder gar umkehren? Welche Hilfsangebote gibt es? An welchen Orten muss Präventionsarbeit geleistet werden?

Die Fachtagung in Offenbach sollte ein Ausgangspunkt für den Wissenstransfer sein. Darüber hinaus bot die zweitägige Veranstaltung eine bewährte Plattform für den multiperspektivischen Austausch und förderte die Vernetzung mit Expertinnen und Experten aus regional verankerten oder auch überregional agierenden Institutionen. Der inhaltliche Schwerpunkt der Fachtagung lag auf der Rolle der kommunalen Zusammenarbeit in der Radikalisierungsprävention.

Bildergalerie

Tagungsimpressionen

"Mit Gewalt ins Paradies?" Hanne Wurzel, Fachbereichsleiterin bei der Bundeszentrale für politische Bildung, und......Claudia Jäger, Erste Kreisbeigeordnete des Kreises Offenbach, eröffneten die Fachtagung.Prof. Christopher Daase vom Leibniz-Institut Hessische Stiftung Friedens- und Konfliktforschung startete inhaltlich in die Tagung und sprach über "Gesellschaft extrem: Radikalisierung und Deradikalisierung in Deutschland".Gereon Flümann von der Bundeszentrale für politische Bildung moderierte die anschließende Diskussion mit den Teilnehmerinnen und Teilnehmern.Unter anderem hatten die Teilnehmenden Rückfragen zu den von Daase angesprochenen Brückennarrativen.Im Anschluss sprach Marik Fetouh, stellvertretender Bürgermeister von Bordeaux, über die Herausforderungen kommunaler Präventionsarbeit.Zwischen den einzelnen Programmpunkten gab es Raum für Diskussionen und Austausch zwischen den Teilnehmenden, hier am Infostand von "Pro Prävention Contra Extremismus".Anschließend startete die erste Workshopphase.Zwischen sechs verschiedenen Themen konnten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer wählen. U.a. ging es um die Frage "Wie gelingt gute Präventionsarbeit gegen Radikalisierung?"...... unter anderem ging es um "Antisemitismus in der Migrationsgesellschaft"......oder um die Zusammenarbeit von zivilgesellschaftlichen Akteuren in der Präventionsarbeit und Sicherheitsbehörden; hier mit Dr. Marwan Abou Taam vom Landeskriminalamt Rheinland-Pfalz.Der nächste Programmpunkt widmete sich der Frage, nach der Radikalisierung der Gesellschaft. Die Autorin Shary Reeves moderierte die Veranstaltung an, Vorträge und Diskussion wurden live ins Internet gestreamt.Dr. Matthias Quent vom Institut für Demokratie und Zivilgesellschaft machte den Anfang und sprach über die Vergleichbarkeit der Phänomene Rechtsexremismus und Islamismus.Der ZEIT-Journalist Yassin Musharbash merkte anschließenden an, es sei zu einer "kompletten Vermischung" von Fragestellungen gekommen sei und für Muslime in Deutschland sehr schwierig eine eigene positive Identität aufzubauen.Die offene Diskussion mit den Teilnehmerinnen und Teilnehmern der Tagung griff verschiedenen Aspekte der Inputs von Quant und Musharbash auf. Zum Abschluss hob Reeves den Appell einer Teilnehmerin hervor, Bildung sei der entscheidende Aspekt im Kampf gegen Extremismus.Der zweite Tag der Fachtagung begann mit einer weiteren Workshopphase. Wieder konnten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer zwischen sechs verschiedenen Themenschwerpunkten wählen......über Seelsorge und Präventionsarbeit in Justizvollzugsanstalten......und über Moscheen als Orte der Prävention gesprochen.Den Abschluss der Tagung gestaltete der Offenbacher Verein Creative Change...... mit einem Theaterstück. Die Aufführung spielt auf die Schwierigkeit an, vor der Kinder, deren Familien einen anderen kulturellen Hintergrund haben, oft stehen: Die Erwartungen der Familie auf der einen, die Erwartungen von Schule und Gesellschaft auf der anderen Seite.Der Verein betreut jährlich 70-80 Projektwochen an Schulen bundesweit. Das reiche aber nicht: Perspektivisch brauche es ein Unterrichtsfach „Demokratie“. Creative Change e.V. entwickelt dafür gerade Materialien.
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