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20.2.2019

Fazit und Ausblick

Generalmajor Reinhardt Zudrop, Kommandeur des Zentrums Innere Führung, beendete die Tagung mit einem Ausblick auf aktuelle und künftige Herausforderungen.

Die Digitalisierung sei ein hochaktuelles und spannendes Thema, das jeden in allen Lebensbereichen berühre. Würde das Thema, besonders bei der Bundeswehr, häufig auf die technische oder technologische Perspektive verengt, habe die Tagung den Blick geweitet auf das gesamte Spektrum der Digitalisierung und besonders die Konsequenzen für die freiheitlich-demokratische Gesellschaftsordnung.

Zudrop sagte, dass die Verteidigungsministerin Digitalisierung kürzlich als das Thema der Dekade benannt habe. Neben Personalgewinnung und Bildung sei es das dritte große strategische Thema der Bundeswehr. Dabei gehe es um die erfolgreiche Adaption der Digitalisierung – nicht nur IT und Sicherheit, sondern auch in Strategie, Prozessen, Strukturen, Kultur und Organisationskultur. Den Bereich Innere Führung beschäftigten vor allem die Legitimation soldatischen Handelns, Integration in die Gesellschaft, Motivation und die Ausrichtung an rechtlichen Grundlagen. Um die Ziele zu erreichen, müsse man die Methoden und Handlungsfelder in diesen Gestaltungsfeldern der Inneren Führung kontinuierlich weiterentwickeln.

Generalmajor Reinhardt Zudrop, Kommandeur des Zentrums Innere Führung, beendete die Tagung mit einem Ausblick auf aktuelle und künftige Herausforderungen. (© bpb/BILDKRAFTWERK/Zöhre Kurc)


Legitimation



Im Handlungsfeld Legitimation stellten sich durch die Möglichkeiten der Robotik neue Fragen der Sinnstiftung des soldatischen Dienstes. Wenn man Maschinen in den Kampf schicken könne, mit welcher Berechtigung solle man dann Soldaten einsetzen? Wie und wo setzt man autonome Systeme ein? Wo muss die Verantwortung beim Menschen bleiben? Solche ethischen Fragen müssten überprüft und beantwortet werden. Dazu gehört auch der Umgang mit Whistleblowern, bei denen auch die Motivlage entscheidend sein könne: Was treibt ihn? Es sei zunehmend schwierig, Entscheidungen mit großer Klarheit zu finden. Auch Themen wie die Wahrung von Persönlichkeitsrechten oder der Umgang mit persönlichen Daten seien von großer Bedeutung, so Zudrop.

Integration



Bei der Integration in die Gesellschaft gehe es zum einen um die Frage, wie die Bundeswehr es schaffen könne, in der Mitte der Gesellschaft zu bleiben. Dazu gehöre auch Medienpräsenz. Auch die Integration von Individuen in der Bundeswehr sei ein wichtiges Thema - junge Menschen kommen aus einem zivilen, digitalen Umfeld und müssten sich an militärische Erfordernisse anpassen. Durch die Digitalisierung veränderten sich auch die verschiedenen Bereiche der Bundeswehr: Es gebe Cyber-Krieger in Deutschland, die massiv einwirken könnten; andererseits die "archaischen Krieger" im Auslandseinsatz. Diese unterschiedlichen Welten gelte es zusammenzubringen, so Zudrop.

Motivation



Für die Motivation sei es wichtig, die Chancen der Technologien optimal zu nutzen, gleichzeitig aber die Risiken einzuhegen. Ergebnis einer Arbeitsgruppe beim Thementag Digitalisierung sei gewesen, dass die Einstellung zu Digitalisierung eher negativ ausfalle – sie werde mit zusätzlichem Leistungs- und Zeitdruck in Verbindung gebracht und bringe keinen persönlichen Mehrwert für Bundeswehr-Angehörige. Prozesse, die sich eignen, werden automatisiert, aber es entstünden keine Freiräume. Was die Führungskultur betreffe, sei Zurücknahme und Selbstdisziplin geboten bezüglich der Möglichkeiten, aus dem Hauptquartier Entscheidungen zu beeinflussen. Man solle weiterhin Ziele vorgeben und Aufträge erteilen, jedoch die Verantwortung dorthin geben, wo sie am besten ausgeführt werden könne.

Rechtlicher Rahmen



Die Digitalisierung bringe neue Rechtsthemen mit sich, die vermittelt werden müssten (z.B. Drohnen-Einsatz, Rüstung, Autonomie, Entscheidungshoheit, Maschinenlernen, Grenzen, die eingehalten werden sollen). Verhandlungen darüber würden erst einsetzen, wenn das politische Interesse da sei. Man müsse zudem eine neue Balance finden zwischen Persönlichkeitsrechten der Soldaten und militärischen Erfordernissen für Begrenzungen z.B. beim Umgang mit sozialen Medien.

An den Anforderungen an gute Führung habe sich im Kern nichts geändert, wie Oberstleutnant Hilleke in seinem Vortrag dargelegt habe. Ziel des Zentrums Innere Führung sei es, auch in Zukunft Beiträge zu leisten, um Führungskräfte in der Persönlichkeitsentwicklung zu begleiten.

Im Umgang mit den Herausforderungen der Digitalisierung spiele Bildung noch mehr als bisher eine herausragende Rolle: Dazu gehöre politische, historische und ethische Bildung. Je komplexer die Welt werde, desto wichtiger sei Bildung. "Wir wollen Menschen haben, die fähig sind, zu einem eigenen Urteil zu kommen", so Zudrop. Ebenso wichtig sei die Wertevermittlung. Wissen habe eine immer schneller werdende Halbwertszeit. Werte hingegen könnten Orientierung bieten, z.B. könne der Auftrag der Schutz der Menschenwürde in Situationen der Unsicherheit über Wissenslücken hinwegtragen. Das Netzwerk politische Bildung in der Bundeswehr könne in diesem Sinne eine wichtige Rolle spielen, möglicherweise noch mehr als bisher.

Mit Dank an die Kooperationspartner und das Organisationsteam beschloss Generalmajor Zudrop die Veranstaltung.

Dokumentation: Katharina Reinhold
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