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27.3.2019

Schriftstellerhaus am Sevansee

Eine kurze Busfahrt vom Ort Sevan, am wunderschönen Sevansee entlang, liegt die Halbinsel Sevanavank. Hier, in exponierter Lage mit unverbaubarem Blick auf den See und die am Horizont liegenden Berge, wurde zu Sowjetzeiten ein Haus für SchriftstellerInnen errichtet, wo sie sich zu Schaffensphasen zurückziehen konnten. Der Komplex besteht aus zwei Gebäuden: ein Unterbringungshaus, das 1932 von den Architekten Mikael Mazmanyan und Gevorg Kochar im Auftrag der Writers Union of Armenia entworfen wurde. Es ist im Stil des Konstruktivismus erbaut worden. Das zweite Gebäude, im Stil des Brutalismus, kam erst 1963 hinzu und beherbergt heute den Speisesaal.

Das letzte Stück des Weges führte eine recht steile, ausgetretene Treppe hinaus zu den beiden Gebäuden. Angekommen, klopften sich alle erstmal auf die Schulter: So anstrengend wie angekündigt war es ja gar nicht! Die Zimmer wurden schnell verteilt und wir bezogen die vermutlich einfachste Unterbringung auf der ganzen Reise. Dass dieser Ort früher einmal ein herrlicher Ort zum Entspannen und nach Inspiration suchen gewesen sein muss, sieht man dem Gebäude durchaus an, doch leider schien es uns auch so, dass seit dieser glorreichen Zeit keine Renovierungen mehr vorgenommen wurden. Nicht nur das Mobiliar und die Tapeten schienen original sowjetisch zu sein, auch der Geruch in den Räumen sprach von vergangenen Zeiten. Hier kann man ein Stückchen Sowjetunion noch live erleben. Die meisten Zimmer verfügten nicht einmal über eine Dusche, sondern nur einen Schlauch oder Duschkopf über der Toilette.

Das Interesse an einer Restaurierung dieses historischen wie kulturellen Ortes, war lange Zeit gering, bis das Gebäude kürzlich einen Förderpreis der Getty Foundation in Höhe von 130.000 € erhielt. Nun soll dieses Geld verwendet werden um dringend notwendige Renovierungsarbeiten an den Zimmern und Leitungen im Haus vorzunehmen.

Bis es soweit ist, können Gäste sich aber mit dem atemberaubenden Blick aus der Glasfront des Speisesaals trösten, der einem einen einmaligen Blick über den Sevansee ermöglicht. Mit so schöner Aussicht haben wir auf dem Rest der Reise nicht mehr gefrühstückt.

Blick auf den Sevansee vom Speisesaal des Schriftstellerhauses. (© Miriam Herbert)


Sonnenaufgang am Sevansee
Bereits am Vorabend wurde die wichtige Frage, wann genau der richtige Zeitpunkt sei, um sich zur Besichtigung des Sonnenaufgangs zu treffen, heiß diskutiert. Nach kurzer Internetrecherche konnte unser gruppeninterner Physiker uns ausführlich davon berichten, dass sich der Sonnenaufgang in drei unterschiedliche Phasen gliedern lässt. Astronomischer, nautischer und bürgerlicher Sonnenaufgang. Das machte die Entscheidung nicht einfacher, weshalb sich schließlich zwei Grüppchen bildeten – die einen, die die gesamte Morgendämmerung erleben wollten (ab astronomischen Sonnenaufgang) und diejenigen, die nur den "eigentlichen" (bürgerlichen) Sonnenaufgang sehen wollten.

So stapfte man in kleinen Grüppchen viel zu früh und viel zu müde in der kalten Dämmerung den Trampelpfad hinter dem Schriftstellerhaus hinauf. Der Weg war nicht weit bis zu der Spitze der kleinen Halbinsel auf der wir uns befanden. Was danach folgte lässt sich natürlich beschreiben, doch ein Bild sagt ohnehin viel mehr als tausend Worte. Man sollte es am besten einmal persönlich erlebt haben.

Die Gruppe auf dem Weg zum bürgerlichen Sonnenaufgang. (© Miriam Herbert)


Mit Spannung erblickt man die ersten zögerlichen Sonnenstrahlen. (© Miriam Herbert)


(© Miriam Herbert)


(© Miriam Herbert)


(© Miriam Herbert)


(© Miriam Herbert)


Miriam Herbert

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