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28.3.2019

Maritime State University

Ein Gang in der Maritime State University in Batumi. (© Justin Treutlein)


Nach Tagen im Bus wagen wir heute ein neues Abenteuer, Zugfahren! Von Tiflis reisen wir mit einem Expresszug (377 km, 6 h+) nach Batumi, in die Stadt des Glücksspiels. Wir haben (wie viele Glücksspieler) erstmals so richtig Pech: Es regnet und ein Programmpunkt nach dem anderen fällt ins Wasser. Giga, unser georgischer Guide, ist sichtlich bemüht ein Alternativprogramm herbei zu zaubern und macht uns, ganz spontan, mit einem echten Seefahrer bekannt, der uns beim Essen begleitet. Umso schöner, dass im Anschluss der lang geplante Besuch der Batumi State Maritime Academy stattfinden kann. Etwa ein Drittel der Gruppe findet sich pünktlich vor der Akademie ein, um mehr über die Ausbildung in Batumi zu erfahren.

Zu Beginn werden wir über die Akademie aufgeklärt: Wir befinden uns an einem Ort, der auf nationaler und internationaler Ebene ausgezeichnete Studiengänge anbietet, um in der Seefahrt aktiv zu werden. Neben Tätigkeiten an Bord der Schiffe, etwa Navigation, wird auch für Hafentätigkeiten ausgebildet. Die vier Studenten, die uns während des Programmpunkts begleiten, sind sich einig: Kapitän müsste man werden! Doch das Leben als Kapitän ist hart: Die lange Abwesenheit (vier bis sechs Monate!), die Verantwortung für Fracht (Exxon Valdez!) und Passagier (Schettino!) sind nur einige Gründe gegen das Leben auf See. Doch das üppige Gehalt (waren es Gehälter zwischen 5k und 15k Euro?) sind nicht nur für Georgier viel Geld. Wer derlei Verantwortung übernehmen möchte, muss sich schon früh anstrengen; nur die Besten haben eine Chance: Die Sprache der See ist Englisch, Praktika, auch auf dem akademieeigenen Schiff sind ebenso Pflicht wie Auslandsaufenthalte an den zahllosen Partneruniversitäten.

Es ist mitnichten Zufall, dass es sich bei den vier Studenten um Männer handelt. Dieses Geschlechterverhältnis ist gleichermaßen typisch für die spätere Besatzung wie für die übrigen Kommilitonen.

Die Praxis Ausbildung sieht auch jede Menge Module für den Ernstfall vor. Es schaudert uns leicht, als wir uns in den Laboren umsehen, wo für jede Eventualität vorbereitet wird. Nicht nur die Puppe mit den herausnehmbaren Organen im ersten Zimmer, auch die Feuerschutz-Anzüge im Zweiten regen die Fantasie an. Es gibt Rettungsinseln, die aufgebaut und zu Wasser gelassen werden können und allerlei Gerät um austretendes Öl unschädlich zu machen. Wessen Fantasie nicht ausreicht, sich eine Situation auszumalen, in der man einen Feuerschutz-Anzug braucht, der kann auch den High-End Simulator betreten und sich das Geschehen in einer beeindruckenden Virtual Reality direkt im Cockpit durchspielen: Dieser Simulator ist der Stolz der Universität! Die Aus- und Weiterbildung in dieser künstlichen Schiffsbrücke kostet Externe viel Geld. Leider werden zu dem Zeitpunkt unserer Anwesenheit gerade Updates aufgespielt, weshalb wir nur erahnen können, wie mächtig dieses Werkzeug sein kann.

Beeindruckt verlassen wir die Batumi State Maritime Academy wieder und verstehen jetzt, warum junge (männliche) Georgier hier studieren wollen: Das Leben auf See verspricht Abenteuer, ein sattes Auskommen und einen wachsenden Markt. Verlässt man das Gebäude, blickt man auf das offene Schwarze Meer und verfällt nur allzu leicht seiner Faszination.

Parzival Andreas Borlinghaus

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