Tagungsbericht

Kind. Kegel. Kalifat. Frauen und Kinder: blinde Flecken in der Salafismusprävention?


7./8. November 2018, Hotel Nikko, Düsseldorf

Hinweis:
Eine Podcast-Reihe, die die beiden Journalisten Joseph Röhmel (Bayerischer Rundfunk) und Claudia Hennen (Deutschlandradio) für diese Tagung produziert haben, widmet sich verschiedenen Themen – zum Beispiel Kindern, die in salafistischen Familien aufwachsen, kommunalen Aspekten oder dem Thema Gefangenenhilfe – ergänzt den Tagungsbericht an unterschiedlichen Stellen und gibt Gelegenheit, einzelne Aspekt noch einmal zu vertiefen. Die Podcasts werden nach und nach veröffentlicht und zeitnah auf dieser Seite ergänzt.

Salafismus spricht vor allem junge Männer an? Selbstproduzierte Propagandavideos und mediale Berichterstattungen vermitteln vielfach einen eben solchen Eindruck. Doch was ist mit den Frauen? Welche Rolle spielen sie im Salafismus? Sind sie die "blinden Flecken", die bislang nicht ausreichend berücksichtigt wurden? Noch ist über die Rolle der Frau und ihre Bedeutung für die salafistische Szene zu wenig bekannt. Nur selten wird erwähnt, dass Frauen überzeugte Islamistinnen sein können. Vielmehr dominiert das Bild der Frau am Kochtopf, als Braut an der Seite eines "IS"-Kämpfers und als "Gebärmaschine" für das Kalifat. Was ist von ihnen zu halten und wie soll die Gesellschaft mit ihnen umgehen?
Auch die Kinder dieser Frauen gehören zu jenen "blinden Flecken", ebenso wie Kinder, die hierzulande in salafistisch geprägten Elternhäusern groß werden. Wie kann verhindert werden, dass Kinder, die in salafistischen Familien aufwachsen, der Ideologie ihrer Eltern nacheifern? Wie soll die Gesellschaft mit Kindern von "IS"-Rückkehrerinnen umgehen? Wie müssen Präventionsmaßnahmen für Frauen und Kinder gestaltet werden?

Die Düsseldorfer Fachtagung Kind. Kegel. Kalifat. Frauen und Kinder: blinde Flecken in der Salafismusprävention? widmete sich möglichen Antworten auf diese und weitere Fragen. Expertinnen und Experten aus Forschung und Praxis boten spannende Perspektiven auf bisher vernachlässigte Aspekte innerhalb einer Thematik, die nach wie vor auf großes mediales und gesellschaftliches Interesse stößt. Der konstruktive Austausch, die rege Beteiligung an Diskussionen im Plenum und in den Vertiefungsmodulen und das Interesse an den diversen vorgestellten Präventionsprojekten zeigten, dass die Düsseldorfer Tagung einen Nerv bei den Fachleuten traf.

Das spiegelte sich auch in einer kleinen Umfrage wider, die die beiden Journalisten Joseph Röhmel (Bayerischer Rundfunk) und Claudia Hennen (Deutschlandradio) unter den Teilnehmenden und Referierenden der Fachtagung durchführten.

Podcast: Frauen und Kinder im Salafismus - Warum das Thema wichtig ist (© 2018 Bundeszentrale für politische Bildung)
Im ersten Podcast wird außerdem deutlich, warum das Thema aktuell von hoher Brisanz und großer gesamtgesellschaftlicher Relevanz ist.
Im Folgenden soll ein Blick zurückgeworfen und die zentralen Gedanken der PDF-Icon Düsseldorfer Tagung noch einmal gebündelt werden.

Bildergalerie: Impressionen der Tagung

Teilnehmerinnen informieren sich über Präventionsprojekte für Frauen und MädchenHanne Wurzel eröffnet die VeranstaltungDr. Gerwin Moldenhauer, Britta von der Heide und Claudia Dantschke sprechen über ihre Perspektiven auf den sogenannten Islamischen Staat, die Rolle der Frau im Salafismus und die Rückkehr von Frauen und Kindern aus dem selbsternannten KalifatDer Projektmarkt lädt die Teilnehmenden ein, sich auch zwischen den Vorträgen über Präventionsprojekte zu informierenÅsne Seierstad spricht über ihr Buch „Zwei Schwestern“Rudolf Müller liest aus Åsne Seierstads Roman "Zwei Schwestern"Die Lesung aus Åsne Seierstads „Zwei Schwestern“ findet im Düsseldorfer Savoy-Theater stattMichaela Glaser über Hinwendungsmotive und Erfahrungen von Frauen im IslamismusDr. Gerwin Moldenhauer bringt sich auch nach seinem eigenen Vortrag noch in einem der Vertiefungsmodule einProf. Dr. Herbert Scheithauer sprach in seinem Input über die Frage, inwiefern Erkenntnisse aus der Psychologie für die Präventionsarbeit nützlich sein könnenIm Vertiefungsmodul von Silke Baer und Stefan Hößl stand die Frage nach dem Zusammenhang von Diskriminierung und Radikalisierung im FokusAm Bücherstand konnten die Teilnehmenden unter anderem Jana Kärgels Buch „Sie haben keinen Plan B“ erhaltenDiana Schubert stellt den Kommunalen Präventionsrat der Stadt Augsburg vorTobias Meilicke und Kim Lisa Becker thematisierten die Sozialisationsbedingungen von Kindern salafistischer Eltern und Möglichkeiten der Prävention in Kindergärten, Schulen und JugendeinrichtungenChristian Kromberg erläutert die kommunale Präventionsstrategie der Stadt EssenIm Vertiefungsmodul „Salafismus 2.0: Frauen und Kinder im Netz – Propaganda und Prävention“ spricht Referentin Nava Zarabian über Internetangebote salafistischer Akteure für Frauen und KinderProf. Dr. Esther Lehnert zieht ein Resümee der Tagung und blickt auf die Erfahrungen aus der Rechtsextremismusprävention und mögliche Lernerfolge für die Salafismusprävention
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