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30.10.2019

Islamfeindlichkeit in Deutschland und Österreich

Dr. Farid Hafez, Universität Salzburg (© Peter-Paul Weiler)


Dr. Hafez eröffnete seinen Impuls mit einem Zitat von Jean-Paul Sartre: "Würde der Jude nicht existieren, der Antisemit hätte ihn erfunden." Alle Rassismen, so der Referent, seien im Wesentlichen entkoppelt von jenen Kategorien, die wir als "Jude", "Muslim" oder "Schwarzer" bezeichnen würden. Somit habe auch die Islamfeindlichkeit nichts mit Religion zu tun. Islamfeindlichkeit sei vielmehr eine erfundene Angst oder ein Vorurteil, welches sich gegen eine vermeintliche oder reale muslimische Gefahr richte. Dabei rationalisiere sie die Notwendigkeit von Gewaltanwendung als Mittel zur Herstellung einer "zivilisatorischen Rehabilitation" der anvisierten Gemeinschaft. Islamfeindlichkeit schreibe eine globale rassistische Struktur fort und bestätige diese zum Erhalt und zum Ausbau ungleicher Ressourcenverteilung. Letztlich sei es eine Machtfrage, die eine Islamfeindlichkeit konstituiert. Gegenwärtig sei Islamfeindlichkeit vor allem im Kontext der Neuen Rechten zu denken. Der niederländische Politiker einer rechtspopulistischen Partei, Pim Fortuyn, verband das Bekenntnis zur Vielfalt mit einem antimuslimischen Rassismus. Diese Strategie haben Europas Neue Rechte übernommen. Sie positionieren sich gegen einen Antisemitismus und präsentieren sich als Beschützer Israels und Verteidiger des jüdisch-christlichen Abendlandes. Letztlich, so der Referent, werden die Konflikte des 20. Jahrhunderts als Konflikte entlang einer "color line" bezeichnet, doch die Konflikte des 21. Jahrhunderts haben sich zu Konflikten entlang der "religion line" verschoben.
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