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30.3.2013

Die Ökonomie des öffentlich-rechtlichen Fernsehens

Im Unterschied zu anderen Medienunternehmen dient der öffentlich-rechtliche Rundfunk in Deutschland nicht der Erzielung von Gewinnen. Er hat eine gesellschaftliche Funktion. Dennoch befinden sich ARD und ZDF mit RTL, Sat.1, ProSieben und anderen privatwirtschaftlichen TV-Programmanbietern in einem Wettbewerb. In diesem wird um Zuschauermarktanteile gerungen. Um verantwortungsvoll mit dem Geld der Gebührenzahler umzugehen, kann sich auch der öffentlich-rechtliche Rundfunk wirtschaftlichen Mechanismen nicht verweigern. So gilt es, ein ausgewogenes Verhältnis zwischen einem möglichst großen Wirkungsgrad in Bezug auf den Programmauftrag und den jeweils vertretbaren betriebswirtschaftlichen Kosten zu erreichen.

Aufteilung des Etats bei ARD und ZDF

Logo der "Kommission zur Ermittlung des Finanzbedarfs der Rundfunkanstalten" (© KEF)

Bei den Kosten geben ARD und ZDF etwa ein Drittel ihrer Etats für das Personal (inklusive Altersversorgung) aus (im Jahr 2007 lagen die durchschnittlichen Personalkosten je Stelle in der ARD bei 59.000 Euro.). Beim Westdeutschen Rundfunk (WDR), der größten Landesrundfunkanstalt der ARD, fließt knapp ein weiteres Drittel des Etats als "direkter Programmaufwand" in den Fernseh-Bereich. Dabei handelt es sich um Lizenzen, Honorare und Reisekosten freier Mitarbeiter und Kosten von Auftragsproduktionen. Je nach Format und Sendegattung, Produktionsaufwand und Rechtekosten müssen ARD und ZDF für einzelne Beiträge sehr unterschiedliche Summen aufwenden. So kostet – im Jahr 2007 – eine Sendeminute der "Tagesschau" etwa 2.700 Euro. Die Show "Wetten dass…?" schlägt beim ZDF mit rund 7.000 Euro pro Sendeminute zu Buche. Etwa das Doppelte dieser Summe muss die ARD pro Sendeminute für jede Tatort-Folge ausgeben. Bei der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 zahlten ARD und ZDF pro Sendeminute allein 58.000 Euro für die Übertragungsrechte. Hinzu kamen Kosten für Produktion und Übertragung. In jedem dieser Fälle gilt es abzuwägen, wie hoch der Preis sein darf, den das öffentlich-rechtliche Kulturgut Rundfunk kosten darf.

Kontrollinstanzen und Programmquellen

Dabei ist es Aufgabe der Kommission zur Ermittlung des Finanzbedarfs der Rundfunkanstalten (KEF), den von den Rundfunkanstalten angemeldeten Finanzbedarf zu überprüfen und auf dieser Grundlage gegenüber den Regierungschefs der Länder Empfehlungen über die Höhe des Rundfunkbeitrages abzugeben. Für die laufende Kontrolle der Finanzen wählen die ARD-Rundfunkräte und der ZDF-Fernsehrat sogenannte Verwaltungsräte. Diese Gremien prüfen regelmäßig Haushaltspläne, Jahresabschlüsse und Geschäftsberichte.

Ähnlich unterschiedlich wie die Kosten pro Sendeminute sind auch die Programmquellen öffentlich-rechtlicher Rundfunkanstalten. So waren etwa bei der ARD im Jahr 2006 jeweils knapp ein Drittel der Sendungen des Ersten Deutschen Fernsehens ("Das Erste") Eigenproduktionen und Wiederholungen. Jeweils ein Sechstel der Programmleistung wurde als Filme zugekauft oder gemeinsam mit Koproduzenten hergestellt.

Einnahmen durch Rundfunkbeitrag und Werbung

Bei den Einnahmen dominieren die Rundfunkgebühren (ab 2013 Rundfunkbeitrag), die in der Vergangenheit etwa beim WDR ca. 80 Prozent der Erträge ausmachten. Die Werbeeinnahmen tragen hingegen weniger als drei Prozent zum WDR-Budget bei. Etwa neun Prozent der Einnahmen fließen aus Vermietungen und Verpachtungen sowie Finanzanlagen und Zinsen. Die restlichen WDR-Haushaltsmittel stammen aus dem Verkauf von Senderechten eigener Produktionen sowie aus der Verrechnung von Leistungen, die für andere ARD-Anstalten erbracht werden.

Weil Radio Bremen und der Saarländische Rundfunk aufgrund ihrer relativ kleinen Verbreitungsgebiete über deutlich geringere Rundfunkbeitragseinnahmen verfügen als andere Landesrundfunkanstalten, erhalten sie zusätzlich Mittel aus dem sogenannten ARD-Finanzausgleich. Zu diesem Zweck wird zurzeit ein Prozent des jährlichen Nettogebührenaufkommens der ARD als Ausgleichsbetrag zur Verfügung gestellt, der jeweils etwa zur Hälfte Radio Bremen und dem Saarländischen Rundfunk zusteht.
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