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30.3.2013

Technik- und Programmvielfalt

Das Fernsehen bestand um 1980 aus drei bis sechs vom Zuschauer empfangbaren Programmen bestand, die terrestrisch verbreitet wurden. 2008 hat es sich in eine unübersichtliche Zahl von Programmen ausdifferenziert. Sie kommen über sehr unterschiedliche Wege (terrestrisch, Kabel, Satellit, Internet via Telefonkabel, Mobil-TV via UMTS, DMB, DVB-H oder DVB-T) und in unterschiedlicher Qualität (HDTV versus klassisches PAL-Bild, Schreibtischmonitor versus LCD-, Plasma- oder Projektionsgroßbild, Surroundsound gegen Mono-Ton) zum Zuschauer. Dieser kann die Sendungen individuell auf Festplatte oder DVD speichern.

Eines der erfolgreichsten Web-TV-Programme: Ehrensenf, 2006 moderiert von Katrin Bauerfeind (© Ehrensenf)


IPTV und Web-TV

Hinzu kommt, dass neben den traditionellen Fernsehprogrammen, die eine Angebotsfolge in einer zeitlich festgelegten Reihenfolge präsentieren, neue Angebotsformen durch das Internet entstanden sind, die unter den Stichworten IPTV und Web-TV die aktuelle Diskussion bestimmen.

Zum einen bieten unter dem Kürzel IPTV (Internet Protocol Television) seit 2006/2007 Telekommunikationsunternehmen wie die Deutsche Telekom (EntertainTV) und Vodafone (Vodafone TV) über ihre Netze Fernsehprogramme an, die der Zuschauer gegen eine Gebühr beziehen kann. Zusätzlich kann der Zuschauer auch Filme direkt abrufen. In diesen Programmpaketen („Programmbouquets“) befinden sich neben den traditionellen Angeboten auch Spartenprogramme wie z. B. History Channel, tv.gusto oder MTV sowie zahlreiche kleinere Anbieter. Ende 2011 hatte EntertainTV der Deutschen Telekom 1,6 Millionen Kunden. Die Digitalisierung der Programmverbreitung insgesamt führt zu einer weitgreifenden Zunahme von Spartenkanälen für alle möglichen Nutzergruppen.

Video und Fernsehen per Internet

Zum anderen werden unter Web-TV fernsehähnliche Angebote im Internet präsentiert, bei denen sich der Nutzer interaktiv mit den Bewegtbildangeboten beschäftigen kann: einerseits in Form großer Datenbanken, in die auch Nutzer eigene Bildsequenzen einstellen können, wie z. B. das Videoportal YouTube, oder andererseits in Form virtueller Welten, in denen man sich über die Platzierung eigener Figuren (Avatare) aktiv bewegen kann (Second Life). Internetgestützte soziale Netzwerke (z. B. Facebook) sind vor allem seit 2003/2004 durch die großen Nutzerzahlen auf Aufmerksamkeit gestoßen. Doch sind solche Formen mit dem Fernsehen im eigentlichen Sinne nicht vergleichbar, weil zahlreiche Bedingungen des Fernsehens hier nicht mehr gelten.

Neben diesen neuen Formen entstehen Mischformen von Fernsehen und Internet, wenn es z. B. Videomagazine im Netz gibt oder Serien speziell zur Präsentation im Netz produziert werden – auch mit dem Ziel, bei großem Erfolg Formate für das Fernsehen zu übernehmen. Ebenso gibt es zunehmend Bewegtbilder in Video-Blogs oder in den Online-Auftritten von Tageszeitungen. Das Internet entwickelt sich von einem reinen Schriftmedium, das es am Anfang war, zu einem Multimedia- und Meta-Medium, das andere Medien integriert, aber auch verändert, weiterentwickelt und durch spezifische Formen ergänzt. Seine zukünftigen Formen sind deshalb gegenwärtig noch nicht abzusehen.

Fernsehnutzung differenziert sich aus

Nicht alle neuen technischen Standards und Übertragungswege werden sich auf Dauer halten. Aber dank der raschen Entwicklung in der digitalen Komprimierungstechnik ist mit weiteren neuen Verbreitungswegen und mobilen Nutzungsformen zu rechnen. Der Fernsehkonsum, der lange Zeit die Mitglieder der Gesellschaft regelmäßig zusammenführte, differenziert sich in höchst unterschiedliche Interessen und Vorlieben aus. Die Mehrheit des Publikums schaut nur noch bei großen Ereignissen wie der Fußballweltmeisterschaft, bei visuell präsenten Katastrophen wie dem 11. September 2001 oder bei Kriegsereignissen, die in irgendeiner Form Deutschland berühren, gemeinsam fern.
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