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10.1.2009

Aufrütteln und Wachmachen

Eindrucksvoll haben der NRW-Lokalsender Radio MK aus dem Märkischen Kreis im Sauerland und das junge Multimediaprogramm SPUTNIK des MDR gezeigt, dass in populären Radioprogrammen auch Schwerpunkte weitab vom Mainstream gesetzt werden können - zum Beispiel mit einer Themenwoche gegen den Rechtsextremismus.

Der Rechtsextremismus beginnt langsam die Alltagskultur zu durchdringen. Radiosender in Ost und West senden dagegen.

Radio gilt als schnellstes Medium. "Bei uns erfahren Sie es zuerst", lautet ein gern genutzter Slogan der flotten Pop- und Jugendwellen. Wer die Sender einschaltet, um sich neben der Unterhaltung zu informieren, soll wissen, was morgen als Schlagzeile in der Zeitung steht. Redaktionell aufbereitete Hintergrundinformationen sind im "Nebenbeimedium" eher die Ausnahme.

Wenn diese aber über den Äther gehen, dann lohnt sich das Hinhören. Eindrucksvoll haben der NRW-Lokalsender Radio MK aus dem Märkischen Kreis im Sauerland und das junge Multimediaprogramm SPUTNIK des MDR gezeigt, dass in populären Radioprogrammen auch Schwerpunkte weitab vom Mainstream gesetzt werden können - zum Beispiel mit einer Themenwoche gegen den Rechtsradikalismus.

Für 2009 sind bei MDR Sputnik neben der Aufklärung gegen Rechtsextremismus auch Themenwochen zu Drogen und Sekten geplant. (© sputnik )

Wo ist rechtes Gedankengut in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen bereits Alltag? Dieser Frage ging MDR SPUTNIK eine Woche lang auf über 60 Programmplätzen in Beiträgen, Live-Reportagen und Interviews nach. "Wir wollen aufrütteln, wach machen und den kritischen Blick für eine demokratische und tolerante Gesellschaft schärfen", sagt Programmchef Eric Markuse. Die "Respektwoche" bei SPUTNIK lief bereits im Vorjahr und ist auch für den Herbst 2009 erneut geplant. Der Arbeitsaufwand ist eine journalistische Herausforderung. Zwei Redakteure hat SPUTNIK-Redaktionsleiter Jörg Wiesner drei Monate im Vorfeld der Themenwoche für Planung und Recherche abgestellt, bevor eine Vielzahl von Autoren mit der konkreten Umsetzung beauftragt wurde.

Jörg Wiesner (38) ist Redaktionsleiter bei MDR Sputnik (© sputnik )

"Wir haben uns im Internet auf Propagandaseiten der rechten Szene 'rumgetrieben', Publikationen gewälzt, Braunes Gedankengut an unseren Universitäten analysiert, Aussteiger interviewt und Institutionen gesucht, die sich mit der rechtsradikalen Szene auseinandersetzen", beschreibt Wiesner die redaktionelle Hintergrundrecherche. "Es war uns wichtig, den Blick gerade Jugendlicher gegen Rechtsextremismus und Rassismus zu schärfen." Das sei bitter nötig, denn Neonazis betrieben reale Jugendarbeit. Sie organisierten Volksfeste und betreuten Nachhilfezirkel, verteilten Schulhof-CDs mit Rechtsrockwerbung und vertrieben eine Schülerzeitung namens 'Jugend rebelliert'. Wir müssen was dagegen setzen", sagt Wiesner. Deshalb habe sich die SPUTNIK-Mannschaft mit so viel Herzblut der Sache angenommen.

Logo Radio MK (© Radio MK )

Ähnliche Erfahrungen machte auch die Redaktion des privaten Lokalsenders Radio MK in Nordrhein-Westfalen. Die Stadtverwaltung hatte die Radiomacher um Unterstützung im Kampf gegen eine rechtsextreme Szene in der knapp 60.000 Einwohner zählenden Stadt Menden sowie im Märkischen Kreis gebeten. Erwartet wurde vom Sender zunächst nur die Bewerbung der "Night 4 Respect", eine Party für 600 Jugendliche gegen Rechts und gegen die wachsende Ausländerfeindlichkeit. Spontan entschied Chefredakteur Andreas Heine, das Thema größer aufzuziehen. So entstand auch bei Radio MK die Idee zu einer ganzen Themenwoche gegen Rechts.

Niels Deuter ist Volontär bei Radio MK, dem Sender für den Märkischen Kreis. (© Radio MK )

Zwei Monate Vorlauf hatte Volontär Niels Deuter, um die Beiträge redaktionell in allen Darstellungsformen aufzubereiten. "Die Resonanz unter den Jugendlichen war beeindruckend", beschreibt der Radioreporter seine Rechercheerfahrungen, "die fanden es toll, endlich über ein solches Thema reden zu können." Erschreckend war für Niels Deuter die Erfahrung, dass Neonazis heute nicht mehr so leicht zu erkennen seien. "Die tragen längst keine Bomberjacken mehr, sondern lange Haare", stellte er fest.

Eine Vielzahl von Berichten, Interviews und Reportagen aus der Respektwoche von MDR Sputnik oder Radio MK zum Nachhören und Ansehen finden sich im Internet unter den Adressen http://www.sputnik.de/respekt und http://www.radio-mk.de/aktionen/night4respect .

Wer selbst in das Thema einsteigen möchte, wird auch auf den Seiten der Bundeszentrale für politische Bildung fündig. Das ausführliche Dossier der bpb klärt kontinuierlich über Rechtsextremismus auf.

von Inge Seibel-Müller

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