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4.6.2009

Lehrstücke in Sachen Medienaufsicht

Das britische "Office of Communications" hat in erster Linie das Wohl von Radiohörern und Fernsehzuschauern im Blick.

Das britische "Office of Communications" (Ofcom) ist eine Medienaufsichtsbehörde. Als solche ist sie auf den britischen Inseln sowohl für alle Privatanbieter, als auch für die öffentlich-rechtliche BBC zuständig. Grundlage für das Handeln und die Entscheidungen des Ofcom ist der "Communications Act 2003". Als wichtigste Aufgaben werden dort die Wahrung der Interessen der Mediennutzer, deren Schutz vor ungerechtfertigter Behandlung und vor Verletzung der Privatsphäre durch die Medien definiert.

4. Juni 2009. (is/hm) Diesmal hat es "Lakeland Radio" erwischt. Die kleine Privatstation im Norden Englands wurde in der vergangenen Woche von der britischen Medienaufsichtsbehörde Office of Communications , kurz Ofcom, zu einer Strafzahlung in Höhe von 15.000 Pfund verpflichtet. Außerdem müssen die Radiomacher eine Mitteilung der Ofcom über ihre Missetaten im eigenen Programm verbreiten; Tag und Zeitpunkt der Ausstrahlung werden von der Medienaufsicht verbindlich vorgegeben. Das dürfte für die Lakeland-Betreiber vermutlich peinlich werden und könnte sich zudem auch noch auf die Werbeeinnahmen niederschlagen. Wer bucht gerne Spots bei einem Sender, der wegen Betrügereien an den öffentlichen Pranger gestellt wurde?

Das Ofcom hatte im vergangenen Frühjahr "Lakeland Radio" bei Schummeleien während des Gewinnspiels "Suss the Celeb" (Erkenne den Promi) ertappt. Hörer wurden seinerzeit während der Nachmittagssendung aufgefordert, einen Prominenten anhand kurzer im Programm eingespielter Originaltöne zu erkennen und entweder auf der kostenpflichtigen Hotline anzurufen oder eine SMS mit der Lösung an den Sender zu schicken. Auf Hinweis eines Teilnehmers, der sich betrogen fühlte, überprüften Ofcom-Mitarbeiter die Aktion. Dabei stellten die Medienaufseher fest, dass in den Spielrunden gezielt Teilnehmer mit falschen Lösungen ausgewählt wurden, um die Laufzeit der Gewinnaktion zu verlängern und damit auch die Attraktivität zu steigern.

In Deutschland trat im Februar dieses Jahres eine gemeinsame Gewinnspielsatzung aller 14 Landesmedienanstalten in Kraft. Anlass waren zunehmende Beschwerden über so genannte "Call-in"-Sendungen. Die neue Gewinnspielsatzung ist verbindlich für private Fernseh- und Radioveranstalter. Demnach müssen Gewinnspiele nach klaren, für die Nutzer nachvollziehbaren und verständlichen Regeln ablaufen. Irreführung ist untersagt, die Lösungen müssen in einem jedermann leicht zugänglichen Lexikon nachschlagbar sein. Bei Missachtung der Vorschriften drohen den Veranstaltern Bußgelder bis zu 500.000 Euro. Bislang ist kein Fall bekannt geworden, dass eine Landesmedienanstalt im Zusammenhang mit Gewinnspielen im Radio aktiv geworden wäre oder gar Sanktionen wie Geldstrafen verhängt hätte.

Ohnehin halten sich die meisten Landesmedienanstalten eher bedeckt, wenn es um Unregelmäßigkeiten, speziell im Hörfunk geht. Im zuletzt veröffentlichten Geschäftsbericht der Bayerischen Landeszentrale für neue Medien (BLM) ist beispielsweise nachzulesen, dass im Jahr 2007 immerhin 29 Verstöße gegen die Werberichtlinien registriert wurden. Es heißt zwar weiter, dass die Landeszentrale tätig geworden sei. Genauere Hinweise zu den betroffenen Sendern, den festgestellten Verstößen und den daraufhin erfolgten Maßnahmen wurden aber nicht veröffentlicht.

Völlig anders ist dagegen die Handhabung durch das Ofcom in Großbritannien. Auf der Website der Medienaufsicht werden geahndete Programmverstöße ausführlich dokumentiert - und auch von der Presse regelmäßig verbreitet. Dabei geht es keinesfalls nur um Schummeleien von kleinen Privatstationen wie im Fall "Lakeland Radio". Das Ofcom ist auf den britischen Inseln sowohl für alle Privatanbieter, als auch für die öffentlich-rechtliche BBC zuständig. Erst im Dezember des vergangenen Jahres musste die BBC 95.000 Pfund Strafe zahlen, weil in zwei Radioshows vorher aufgezeichnete Gewinnspielrunden als"live" verkauft worden waren. Mit Tony Blackburn und Dermot O'Leary waren in die Mauscheleien gleich zwei der bekanntesten Hörfunkmoderatoren verwickelt, was für reichlich Schlagzeilen in der britischen Presse sorgte.

Grundlage für das Handeln und die Entscheidungen des Ofcom ist der "Communications Act 2003". Als wichtigste Aufgaben werden dort die Wahrung der Interessen der Mediennutzer, deren Schutz vor ungerechtfertigter Behandlung und vor Verletzung der Privatsphäre durch die Medien definiert.
4. Juni 2009
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