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14.1.2011

"Kopf einschalten und miteinander reden"

Guidelines für Radiosender in sozialen Netzwerken

Auch für Radiosender sind die sozialen Netzwerke weitere wichtige Verbreitungswege neben ihrem UKW-Programm. Gewisse Spielregeln muss dabei jeder beachten. Manchem Radiosender reicht der "gesunde Menschenverstand". Radio SAW geht einen Schritt weiter und hat einen Leitfaden zur Nutzung von Social Media für seine Mitarbeiter erarbeitet. "Nicht um sie zu reglementieren, sondern für mehr Sicherheit im Umgang mit sozialen Medien", sagt Mario A. Liese, Geschäftsführer und Programmdirektor bei Radio SAW.

Das eigene Senderlogo auf einer fremden Website? Das Engagement der Mitarbeiter, an Blogs, Wikis und Social Communities mitzuwirken, ist bei den meisten Radiosendern erwünscht. Doch wie weit dürfen sie dabei gehen?

Beim landesweiten Magdeburger Radiosender Radio SAW hat man sich darüber Gedanken gemacht und eigene Regeln für diejenigen Kollegen erarbeitet, die ihre Kommentare bei Twitter, Wikipedia, MySpace, Facebook, StudiVZ, Xing oder ähnlichen Social-Media-Angebote hinterlassen wollen. Denn die Online-Aktivitäten der Mitarbeiter machten Sinn und brächten den Sendern durchaus Nutzen, ist Mario A. Liese, Geschäftsführer und Programmdirektor von Radio SAW und Rockland, Sachsen-Anhalt, überzeugt.

Foto: Radio SAW (© Pressefoto SAW )

Liese: "Wir wollen das Kreativpotential unserer Mitarbeiter nutzen und mit ihrer Hilfe Trends frühzeitig erkennen, auf Kritik reagieren oder eigene Themen anstoßen." Dabei lege Radio SAW allerdings großen Wert darauf, dass sich die Mitarbeiter im Netz frei entfalten könnten. "Wir wollen sie mit unserem Leitfaden nicht reglementieren, sondern ihnen Sicherheit im Umgang mit sozialen Medien geben", betont Liese.

Ausgangspunkt dieser Überlegungen war in der Tat, dass ein freier Mitarbeiter eine Radio-SAW-Gruppe in einem sozialen Medium gegründet und dafür auch das Logo von Radio SAW verwendet hatte. Eine Guideline für den Umgang in und mit sozialen Netzwerken hätte dies gewiss verhindern können.

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Surftipp

Leitfaden Social Media

Der Bundesverband Digitale Wirtschaft (BVDW) stellt auf seiner Website einen kostenlosen Leitfaden mit zehn Tipps für den geschäftlichen Umgang im Social Web zur Verfügung. Die Handlungsempfehlungen sind als Grundlage für individuell zu formulierende Unternehmensrichtlinien gedacht. Aufgegriffen werden Themen wie der Umgang in Social Media mit internen Informationen, öffentlicher Kritik am eigenen Unternehmen sowie das Verhalten in Social Media in kritischen Unternehmenssituationen.



Inhaltsübersicht:

1. Definieren Sie Ziele
2. Geheimnisse sind geheim und Interna bleiben intern
3. Mitarbeiter müssen authentisch sein
4. Wer veröffentlicht, übernimmt Verantwortung
5. Interne Kritik ist erlaubt, bleibt aber intern
6. Gehen Sie mit Fehlern offen um
7. Schonen Sie Ihre Geschäftsbeziehungen
8. Beachten Sie das geltende Recht
9. Schränken Sie private Nutzung von Social Media während der Arbeitszeit ein
10.Social Media erfordert kontinuierliches Engagement



Erhältlich ist der Leitfaden"Social Media Richtlinien – 10 Tipps für Unternehmen und ihre Mitarbeiter" unter www.bvdw.org.
Guidelines, wie sie große Unternehmen wie Siemens beispielsweise für alle nur erdenklichen Problemstellungen erlassen, kennt man im Radio vor allem von der BBC. Das britische Broadcasting-Unternehmen hält für seine Mitarbeiter ein umfangreiches Paket von redaktionellen Guidelines für den Umgang mit der Hörerschaft auf seiner Website bereit. "Social Media spielt im Journalismusverständnis der BBC eine immer zentralere Rolle", heißt es aus der Pressestelle des Unternehmens, "die Redakteure der BBC nutzen es zur Nachrichtenbeschaffung, um Geschichten noch besser zu erzählen, um Inhalte der Sender zu promoten und mit der Hörerschaft auch online besser in Kontakt zu treten."

Bei deutschen Radiosendern hingegen ist man mit solchen Richtlinien eher zurückhaltend. "Gestandene Journalisten kennen sich aus in der Medienwelt und wissen, was rechtlich wie auch ethisch und moralisch vertretbar ist und was nicht", meint Thomas Reiche, Pressesprecher beim Rheinland Pfälzischen Radiosender RPR.1. Dass sich gerade die Moderatoren in den sozialen Netzwerken äußern, sei absolut sinnvoll, sie seien ja schließlich Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens. Guidelines brauche man bei RPR.1 und BigFM nicht. Die Ludwigshafener Radiomacher hätten unter anderem ja auch schon den Safer Internet Day (9. Februar) inhaltlich on air begleitet und das setze voraus, dass die Moderatoren wissen, was sie im Web machen, so Reiche.

"planetradio", die Jugendwelle aus dem Hause FFH, ist kurz davor, die Hürde von Hunderttausend "Fans" zu knacken. Damit gehört planetradio zu den erfolgreichsten Radiomarken auf Facebook.

Für die hessischen Privatsender Planet Radio und Radio FFH sind die sozialen Netzwerke weitere wichtige Verbreitungswege. "Wir waren ja seinerzeit schon bei Second Life mit von der Partie. Da wir die neuen Kommunikationswege generell nutzen, sind viele unsere Mitarbeiter auch privat bei den sozialen Netzwerken aktiv", sagt Dominik Kuhn, Pressesprecher bei Hitradio FFH. Daher gelte es dafür auch gewisse Spielregeln zu beachten. Kuhn: "Es lässt sich aber halt längst nicht alles über harte Leitplanken reglementieren. Die wichtigste Regel für uns lautet daher: Kopf einschalten und miteinander reden!"

Es sei keine Selbstverständlichkeit, dass ein Arbeitgeber während der Arbeitszeit die Nutzung von Social Communities erlaubt, weiß Mario A. Liese. Einige deutsche Unternehmen hätten Social-Media-Leitfäden mit zum Teil sehr scharfen Restriktionen. Da Radio aber in der Öffentlichkeit stattfinde und wirke, müsse man die Mitarbeiter für ihr Engagement entsprechend wappnen. "Wir haben den Leitfaden intern nach Vorlagen von amerikanischen Social Media Guides erstellt und diesen dann an unsere Rechtsanwaltskanzlei zur Überarbeitung weitergeleitet", so Liese. Dabei hat Radio SAW die Guidelines keineswegs als festen Bestandteil des Arbeitsvertrages konzipiert, sondern stellt sie den Mitarbeitern lediglich als eine Art Orientierungshilfe im Intranet zur Verfügung. Man wolle die Kollegen schließlich nicht verschrecken, sondern eher zur Kommunikation über die neuen Medien ermutigen. "Wir wollen unsere Mitarbeiter schützen und mit dem Leitfaden Vorkehrungen treffen, damit sie in keine Falle tappen", stellt der Magdeburger Senderchef klar. Betriebsinterne Informationen wie insbesondere Livereader, Memos, interne Mails, Vertragsdaten, Kundeninformationen, unternehmerische Konzepte, Planungen und wirtschaftliche Daten dürfen nicht bekanntgegeben werden. Natürlich müssen auch Marken- und Urheberrechte, insbesondere Logos und Wortmarken des Unternehmens und Dritter beachtet werden.

Allerdings: wenn ein Mitarbeiter bewusst etwas verbreite, was nicht dem Unternehmen diene, dann könne da auch ein Leitfaden nicht weiterhelfen...

Von Wolfgang M. Seemann

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