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3.3.2015

Editorial

Die enormen technischen Entwicklungen der vergangenen Jahre haben ganz neue Möglichkeiten der digitalen Datensammlung, -speicherung und -auswertung eröffnet. Die Produktion digitaler Daten ist exorbitant angestiegen – jeder Klick, jeder Schritt, jeder Pulsschlag lässt sich heute dokumentieren und durch Verknüpfung mit anderen Daten zu neuer Information verarbeiten. Die schiere Menge der Daten und der damit verbundenen Optionen, diese für verschiedenste Zwecke zu nutzen, beschreibt das Schlagwort "Big Data". Mit ihm verbinden sich gleichermaßen Hoffnungen und Befürchtungen.

Zum einen lassen sich Datensammlungen nutzen, um in der "Industrie 4.0" Maschinen, Prozesse, Produkte und vieles andere optimal zu steuern. Gleiches gilt für die Planung von Energie- und Verkehrsströmen, sodass Ressourcen geschont und Infrastrukturen bestmöglich genutzt werden. Das "Internet der Dinge" – also die intelligente Vernetzung von Haushaltsgeräten, Fahrzeugen und anderen Gegenständen – und die durch Big Data ermöglichten Services verheißen in vielerlei Hinsicht sinnvolle Erleichterungen unseres Lebens. Nicht zuletzt wird in Big Data großes wirtschaftliches Potenzial gesehen; Daten gelten vielen als wichtigster "Rohstoff" des 21. Jahrhunderts.

Zum anderen wird es schwierig, sobald der Mensch und personenbezogene Daten ins Spiel kommen. Inwiefern lassen auch anonymisierte Daten Rückschlüsse auf ihre Urheber zu? Wem gehören die Daten? Welche Begehrlichkeiten staatlicher Stellen werden geweckt? Sensibilität ist nicht nur im Gesundheitsbereich gefragt, denn intime Details lassen sich auch durch vermeintlich belanglose Bewegungsdaten ermitteln. Politisch und ethisch wird es heikel, wenn Menschen aufgrund bestimmter Datenkorrelationen künftige Verhaltensweisen unterstellt werden. Problematisch erscheint auch die Anhäufung informationeller Macht auf wenige Konzerne, die allein durch nationale Gesetzgebung kaum mehr zu regulieren sind. Hier gilt es, genau hinzuschauen und darauf zu bestehen, dass demokratisch verabschiedete Gesetze die maßgeblichen Regeln darstellen – und nicht die AGB einzelner Unternehmen.

Johannes Piepenbrink

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