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18.3.2016

Editorial

Vor 30 Jahren, in der Nacht vom 25. auf den 26. April 1986, führte ein Sicherheitstest im Kraftwerk "Wladimir Iljitsch Lenin" nahe der ukrainischen Stadt Tschernobyl in die bis dahin schlimmste Katastrophe in der Geschichte der Atomenergienutzung. Die durch die Explosion des Reaktors freigesetzte Radioaktivität schädigte die Gesundheit zahlreicher Menschen und kontaminierte riesige Flächen vor allem in Belarus, der Ukraine und Russland. Auch wenn über Langzeitfolgen und Opferzahlen noch immer gestritten wird, ist die historische Bewertung eindeutig: Das Unglück teilt die Zeit in ein "Davor" und ein "Danach". Möglicherweise war "Tschernobyl" gar ein erster, unübersehbarer "Sargnagel" für die Sowjetunion.

Energiepolitisch änderte sich durch den GAU zunächst nicht allzu viel. Zwar wurden weltweit Sicherheits- und Evakuierungspläne aktualisiert, und die Antiatomkraftbewegung erlebte großen Zulauf, aber in den meisten Ländern wurde die friedliche Nutzung von Atomkraft staatlicherseits nicht infrage gestellt. In Deutschland beschloss die Bundesregierung erstmals 2000 den Atomausstieg; doch erst nach der nächsten Katastrophe, der Kernschmelze im japanischen Kraftwerk Fukushima Daiichi im März 2011, erfolgte der endgültige Schwenk zu einer grundlegenden "Energiewende".

Seither spielen erneuerbare Energien eine deutlich größere Rolle, im weltweiten Maßstab können sie den Energiebedarf aber bei Weitem (noch) nicht decken. Das Hauptproblem ist dabei weniger, den Anteil der Atomkraft am globalen Energiemix zu ersetzen, sondern der nach wie vor dominante Anteil von Kohle, Öl und Gas. Die Verbrennung der fossilen Energieträger führt unweigerlich zu weiterem CO2-Ausstoß und befeuert damit den Klimawandel. Ob die UN-Klimakonferenz in Paris im Dezember 2015 einen Wendepunkt darstellt, wird die Umsetzung der Vereinbarungen zeigen.
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Autor: Johannes Piepenbrink für Aus Politik und Zeitgeschichte/bpb.de
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Johannes Piepenbrink

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