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13.5.2016

Editorial

Der Begriff "Kultur" geht zurück auf das lateinische Wort cultura, das übersetzt Landbau, Bearbeitung oder Pflege bedeutet. In der Tat stand Kulturpolitik bis in die 1970er Jahre hinein primär für "Kulturpflege": etwa für die Unterhaltung von Theatern, Museen oder Opernhäusern. Mit der "Neuen Kulturpolitik" rückte die Teilhabe in den Mittelpunkt. Leitziele wie "kulturelle Demokratie", "Bürgerrecht Kultur" und "Kultur für alle" setzten auf die Mitgestaltung aller Bürgerinnen und Bürger. Kulturpolitik als Gesellschaftspolitik hatte sich des Elitären zu entledigen – ein erweiterter Kulturbegriff nicht mehr nur für Literatur und Kunst zu stehen, sondern ebenso für Lebensstile, Werte und Überzeugungen.

Auf kommunaler und Landesebene ist Kulturpolitik meist Verteilungspolitik. Keine städtische Bühne in der Bundesrepublik könnte sich aus eigener Kraft am "Markt" halten. Mehr Kultur bedeutet entsprechend mehr Kosten. Gleichzeitig lebt Kunst vom Ideal, sich frei von Interessen entfalten zu können; ein Ideal, das zurzeit in einigen europäischen Ländern durch Bestrebungen infrage gestellt wird, Kultur vor allem in den Dienst von "Heimat" und "Nation" zu stellen.

Wenn von Kultur erwartet wird, dass sie Identität erzeugt, Orientierung bietet und Sinn stiftet – was kann Kulturpolitik leisten, um aktuellen gesellschaftlichen Herausforderungen zu begegnen? Wie ist beispielsweise nach Deutschland Geflüchteten kulturelle Teilhabe zu ermöglichen und damit ein Stück Integration? Was kann Kulturpolitik auf Seiten der Aufnahmegesellschaft beitragen, die virulenten Identitätskonflikte konstruktiv zu moderieren?
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Autor: Lorenz Abu Ayyash für Aus Politik und Zeitgeschichte/bpb.de
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Lorenz Abu Ayyash

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