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27.1.2017

Editorial

Am 25. April 1967 nahm die Bundesrepublik mit einem Staatsbegräbnis Abschied von Konrad Adenauer. Der Altkanzler, der sechs Tage zuvor gestorben war, hatte wie kein zweiter die junge Bonner Republik und deren erfolgreichen Aufbau verkörpert – aber, so seine Kritiker, auch deren "Muff" und Spießigkeit. In der Rückschau erscheint die Trauerfeier auch wie der Abschied von einem Land, das es so nach 1967 nicht mehr geben würde. Schon wenig später bewegte ein weiterer Todesfall die Gemüter: Am 2. Juni wurde der Student Benno Ohnesorg während der Demonstration gegen den Schah-Besuch in West-Berlin von einem Polizisten erschossen. Sein Tod trug wesentlich zur Politisierung einer ganzen Generation bei, die schon bald als "68er" bezeichnet werden sollte.

Vieles von dem, was heute unter "1968" subsumiert wird, hat Ursprünge in den vorherigen Jahren – so auch die Protest- und Bürgerrechtsbewegungen, die sich vor allem, aber nicht nur in Westeuropa und den Vereinigten Staaten bildeten. Das Jahr 1967 steht in dieser Ausgabe somit als Chiffre für "die Zeit davor". Die Betrachtung der Ereignisse jenes Jahres kann den Blick für die Voraussetzungen schärfen, durch die "1968" erst möglich wurde – aber auch Dinge erhellen, die im Schlagschatten der 68er-Rezeption bisweilen untergehen.

Einschneidende Entwicklungen gab es 1967 auf der ganzen Welt: Während sich der Vietnamkrieg auf einem Höhepunkt befand, erlebten die USA im eigenen Land einerseits den summer of love, andererseits verheerende race riots. Das Vereinigte Königreich bemühte sich vergeblich um einen Beitritt zu den Europäischen Gemeinschaften, und im Nahen Osten wurde die Landkarte durch den dritten arabisch-israelischen Krieg nachhaltig verändert. Mit Ernesto "Che" Guevara starb in den Wäldern Boliviens ein Held der Linken, der durch seinen Tod zur Ikone für die sich herausformende Protestgeneration wurde.
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Autor: Johannes Piepenbrink für Aus Politik und Zeitgeschichte/bpb.de
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Johannes Piepenbrink

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