zurück 
26.5.2002

Finanzkrisen, Währungskrisen, Wirtschaftskrisen: Konstanten des lateinamerikanischen Entwicklungsprozesses?

Finanz- und Währungskrisen in Asien und Russland blieben nicht ohne destabilisierende Auswirkungen auch auf Lateinamerika. So bewerteten internationale Investoren die Länderrisiken ihrer Kapitalanlagen strenger.

I. Lateinamerika im Krisenstrudel

Lateinamerika, in den achtziger Jahren eine notorische Krisenregion mit sinkenden Pro-Kopf-Einkommen und einer unbezahlbar gewordenen Auslandsverschuldung, ist im Verlauf der neunziger Jahre zu einer Region monetärer Stabilität und wirtschaftlichen Wachstums geworden. In vielen lateinamerikanischen Staaten sind seit der zweiten Hälfte der achtziger Jahre weitreichende wirtschafts- und finanzpolitische Reformen eingeleitet worden; mit dem Abschied von staatsinterventionistischen, importsubstituierenden Industrialisierungsstrategien früherer Dekaden und mit der Öffnung gegenüber dem Weltmarkt hat in den lateinamerikanischen Volkswirtschaften zunehmend marktkonformer Wettbewerb Einzug gehalten. Die durchschnittliche jährliche Wachstumsrate des lateinamerikanischen Bruttoinlandsprodukts (BIP), die während der achtziger Jahre lediglich 1,1 Prozent erreicht hatte, ist im Zeitraum 1990 bis 1999 auf 2,9 Prozent pro Jahr angestiegen [1] . Den Statistiken der Weltbank zufolge übertraf 1998 das lateinamerikanische Pro-Kopf-Bruttosozialprodukt (BSP) mit 3 860 US-Dollar die entsprechenden Vergleichswerte aller anderen Entwicklungsländer-Regionen [2] . Musste 1990 bei den Verbraucherpreisen im lateinamerikanischen Durchschnitt noch ein Anstieg um 660 Prozentpunkte gegenüber dem Vorjahr registriert werden, so ist es im Verlauf der neunziger Jahre gelungen, die jährliche Preissteigerungsrate auf unter zehn Prozentpunkte zu reduzieren.


Die Nachhaltigkeit der Stabilisierungs- und Wachstumserfolge lateinamerikanischer Volkswirtschaften ist allerdings gegen Ende der neunziger Jahre deutlich in Frage gestellt worden. Wirtschaftskrisen in Asien und Russland blieben nicht ohne destabilisierende Auswirkungen auch auf Lateinamerika. Krisenbedingte Rezessionen ha-ben innerhalb eines Jahres die Erfolge bei dem Abbau von Armut zur Hälfte oder gar völlig zunichte gemacht, die zuvor in vier oder fünf Jahren anhaltenden wirtschaftlichen Wachstums erzielt werden konnten [3] .

1997 hatten die meisten lateinamerikanischen Länder den Test auf ökonomische Krisenresistenz trotz ungünstiger weltwirtschaftlicher Rahmenbedingungen noch relativ erfolgreich bestanden. Die Primärgüter exportierenden Staaten der Region mussten starke Erlöseinbußen durch anhaltend sinkende Preise hinnehmen, und infolge der Finanzkrise in Südost- und Ostasien sahen sich die lateinamerikanischen Exporteure auf den pazifischen Absatzmärkten mit rückläufiger Nachfrage konfrontiert; besonders betroffen waren Chile, Mexiko, Peru und Venezuela. Nachteilige Auswirkungen hatten auch die drastische Abwertung mehrerer asiatischer Währungen und die damit einhergehenden Wettbewerbsvorteile der asiatischen Konkurrenten gegenüber lateinamerikanischen Anbietern auf den Märkten der Industrieländer.

Schwerwiegender waren die Auswirkungen der Asienkrise auf den Kapital- und Finanzmärkten. Vor dem Hintergrund der Erfahrungen mit den asiatischen Krisenländern begannen internationale Investoren, die Länderrisiken ihrer Kapitalanlagen strenger zu bewerten. Ein besonders hohes Risikopotenzial wurde in Brasilien gesehen, mit Defiziten beachtlicher Größenordnung in der Leistungsbilanz und in dem öffentlichen Haushalt, zumal die brasilianische Regierung gleichzeitig eine Antiinflationsstrategie mittels Hochzinspolitik und einer überbewerteten Wechselkursfixierung der nationalen Währung, des Real, gegenüber dem US-Dollar verfolgte. Der drohende Abzug von Auslandskapital aus Brasilien konnte durch weitere Zinserhöhung - auf zeitweise 40 Prozent für kurzfristige Kapitalanlagen - und Kürzung der Staatsausgaben erfolgreich begrenzt werden - allerdings um den Preis einer Rezession, die sich 1998 fortsetzte. Trotz zeitweiliger Krisenstimmung summierten sich 1997 die ausländischen (Netto-) Kapitalzuflüsse nach Brasilien auf 23 Mrd. US-Dollar. Lateinamerika insgesamt konnte 1997 sogar einen Rekordzufluss ausländischen Kapitals von (brutto) etwa 80 Mrd. US-Dollar registrieren [4] , rund 4,5 Prozent des regionalen BIP. Ungeachtet der negativen externen Einflüsse erreichte Lateinamerika 1997 die zweithöchste gesamtwirtschaftliche Wachstumsrate seit 1980; in Argentinien und Mexiko lag das Wirtschaftswachstum mit 7,8 bzw. 7,1 Prozent gegenüber dem Vorjahr sogar auf einer Rekordhöhe, die deutlich werden ließ, dass sich die beiden Länder von dem Krisenjahr 1995 relativ schnell erholt hatten.

Zum Jahreswechsel 1994/95 hatten Turbulenzen auf den mexikanischen Finanzmärkten zu einer Währungskrise mit einem drastischen Wertverfall des Peso geführt. Innerhalb von wenigen Tagen war das Land in einen Strudel von Kursstürzen, hohen Dollartransfers in das Ausland und Wertverlusten bei Neuinvestitionen in Milliardenhöhe gestürzt. Dank eines im Schnellverfahren geschnürten monetären "Hilfspaketes" von Krediten im Gesamtwert von ca. 50 Mrd. US-Dollar, an dem sich die Regierungen der führenden Industrieländer und Banken beteiligten, gelang es, die schwere Finanzkrise Mexikos relativ rasch zu überwinden; auch der Internationale Währungsfonds (IWF) beteiligte sich an dieser Rettungsaktion mit einem Kredit an Mexiko in Höhe von 17,8 Mrd. US-Dollar - die höchste Kreditsumme, die seit Bestehen des IWF einem Mitgliedstaat bewilligt worden war [5] .

Während es im Gefolge des mexikanischen "Tequila-Schocks" von 1995 auch in anderen lateinamerikanischen Finanzmärkten - vor allem in Argentinien - zu Turbulenzen und einem nennenswerten Abzug von Auslandskapital gekommen war, hielten sich die Auswirkungen des "Caipirinha-Schocks" von 1997 außerhalb Brasiliens in Grenzen. Chile und Venezuela konnten in diesem Jahr nennenswerte Zuwächse der Kapitalimporte registrieren, und es gelang sogar kleineren Ländern der Region - wie beispielsweise Guatemala und Jamaika - erstmals Anleihen auf den internationalen Kapitalmärkten zu platzieren. Die Risikoprämien (spread), die auf staatliche Anleihen lateinamerikanischer Emittenten 1997 im Durchschnitt gezahlt werden mussten, hatten sich zwar im Oktober 1997 - während der Finanzkrise in Hongkong - um knapp 200 Basispunkte [6] erhöht, waren dann aber sehr rasch wieder auf durchschnittlich 100 Basispunkte gegenüber den Risikoprämien des Vorkrisenniveaus gesunken. Diese Erhöhung des Risikozuschlags für lateinamerikanische Anleihen war relativ gering im Vergleich zu dem Anstieg des spread um 1 300 Basispunkte im Gefolge der Mexiko-Krise von 1995 [7] . Lateinamerika schien gegen die Ansteckungsgefahren internationaler Finanzkrisen weitgehend immun geworden zu sein.

Die Situation änderte sich jedoch in der zweiten Hälfte des Jahres 1998, als Lateinamerika - wie auch die meisten anderen Entwicklungsländer-Regionen - von der russischen Finanz- und Währungskrise in Mitleidenschaft gezogen wurde. Die durchschnittlichen Risikoprämien auf lateinamerikanische Anleihen stiegen um mehr als 700 Basispunkte gegenüber dem Höchststand während der Mexiko-Krise von 1995. Die Aktienkurse an lateinamerikanischen Börsen sanken um mehr als ein Drittel, und Devisenspekulanten setzten erkennbar auf die Abwertung mehrerer Währungen in der Region. Zur Verteidigung ihrer Währungen erhöhten die betroffenen Länder das Zinsniveau, um weiteren Kapitalabflüssen zu begegnen, und/oder versuchten, durch Verkauf zentraler Devisenreserven die Wechselkurse ihrer nationalen Währungen zu stützen. Vor allem die brasilianische Währung geriet unter massiven Abwertungsdruck, nachdem internationale Rating-Agenturen die brasilianische Kreditwürdigkeit im September 1998 herabgestuft hatten. Zwischen Juli und Oktober 1998 sanken die Reserven der brasilianischen Zentralbank um mehr als 40 Prozent, und gleichzeitig wurde das Zinsniveau um über 17 Prozent erhöht [8] . Der Regierung des wiedergewählten Präsidenten Fernando Henrique Cardoso schien jedoch die Krisenbewältigung zu gelingen, als im November 1998 eine internationale Finanzhilfe von über 41 Mrd. US-Dollar angekündigt werden konnte, die der IWF, die Weltbank, die Interamerikanische Entwicklungsbank sowie bilaterale Kreditgeber grundsätzlich zugesagt hatten. Aber bereits wenig später, im Januar 1999, zwang eine erneute Spekulationswelle die brasilianische Regierung zur Aufgabe ihrer Wechselkurspolitik einer moderaten, kontinuierlichen Abwertung des Real. Hinter der massiven Kapitalflucht aus Brasilien stand vor allem die Furcht der internationalen Anleger, das gesamwirtschaftliche Risiko könne nicht mehr begrenzt werden, das sich aus dem "Zwillingsdefizit" in der Leistungsbilanz und im öffentlichen Haushalt der brasilianischen Volkswirtschaft ergab [9] .

Um das Vertrauen der ausländischen Kapitalgeber wieder herzustellen, vereinbarte die brasilianische Zentralregierung im März 1999 mit dem IWF ein für drei Jahre angelegtes Stabilisierungsprogramm einer strikten Inflationsbekämpfung und straffen Haushaltskonsolidierung durch Ausgabenkürzungen und Einnahmesteigerungen, bei gleichzeitiger Beibehaltung eines flexiblen Wechselkurses. Der mit diesem Anpassungsprogramm verbundene rezessive Effekt blieb 1999 geringer als ursprünglich befürchtet; das brasilianische BIP erhöhte sich um 0,4 Prozent, und damit sogar geringfügig mehr als im Rezessionsjahr 1998, in dem das gesamtwirtschaftliche Wachstum mit einer Zuwachsrate von 0,1 Prozent gegenüber dem Vorjahr praktisch stagniert hatte [10] .

Die Kosten der wirtschafts- und finanzpolitischen Krisenbewältigung hatte allerdings nicht nur Brasilien zu tragen. Negative Auswirkungen des Brasilien-Debakels bekam auch Argentinien zu spüren, dessen beachtliches Wirtschaftswachstum der letzten Jahre durch die intensivierten außenwirtschaftlichen Verflechtungen mit dem Nachbarland Brasilien begünstigt worden war. Zwar blieben die argentinischen Finanzmärkte von den Turbulenzen im Nachbarland weitgehend verschont, aber die Exporte nach Brasilien - die etwa ein Drittel der argentinischen Gesamtausfuhren ausgemacht hatten - gingen nach der Abwertung des Real deutlich zurück, während sich gleichzeitig die Einfuhren von Konsumgütern und Rohstoffen aus Brasilien infolge der wechselkursbedingten Verbilligung vervielfachten. Bereits 1998 war das Defizit der argentinischen Handelsbilanz auf rund drei Mrd. US-Dollar in die Höhe geschnellt, und der Passivsaldo in der Leistungsbilanz hatte 14,7 Mrd. US-Dollar erreicht. Infolge der gesetzlich verankerten festen Anbindung des argentinischen Peso an den US-Dollar konnte die Regierung in Buenos Aires nicht mit einer Abwertung der nationalen Währung reagieren. Die systembedingte Einschränkung der Geldmenge infolge des Leistungsbilanzdefizits sowie das damit steigende Zinsniveau begrenzten das Wachstumspotenzial der argentinischen Volkswirtschaft erheblich und erschwerten somit den Abbau der hohen Arbeitslosigkeit. 1999 ist das argentinische BIP um drei Prozent gegenüber dem Vorjahr gesunken, das Pro-Kopf-BIP preisbereinigt um über 200 US-Dollar [11] .

Die Währungskrise in der mit Abstand größten Ökonomie der Region hat die MERCOSUR-Partner Brasiliens - Argentinien, Paraguay und Uruguay - deutlich stärker getroffen als andere lateinamerikanische Volkswirtschaften; das Integrationsbündnis im südlichen Lateinamerika musste 1999 erstmals in seiner bislang sehr erfolgreichen Geschichte die Erfahrung machen, dass der Außenhandel zwischen den Mitgliedstaaten drastisch zurückging, um rund 25 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die außenwirtschaftlichen Verwerfungen hatten zur Folge, dass die gesamtwirtschaftliche Wertschöpfung in Paraguay und Uruguay - ebenso wie in Argentinien - rückläufig war, wenn auch weniger ausgeprägt.

Die negativen Folgen des Brasilien-Debakels blieben nicht auf den wirtschaftlichen Integrationsraum im Cono Sur beschränkt; auch in Kolumbien, Venezuela und Ecuador verstärkten sich die Krisensignale. In einigen zentralamerikanischen Staaten (Dominikanische Republik, Honduras, Nicaragua) kamen zu den widrigen außenwirtschaftlichen Bedingungen noch die verheerenden Auswirkungen der Wirbelstürme Georges und Mitch, so dass das wirtschaftliche Wachstum zusätzlich von der Angebotsseite her beeinträchtigt wurde. In allen lateinamerikanischen Krisenökonomien waren die Pro-Kopf-Einkommen 1999 rückläufig.

Wie Währungs- und Wirtschaftskrisen sich in Lateinamerika zu politischen Krisen ausweiten können, zeigt exemplarisch der Fall Ecuadors. Der Wechselkurs der Landeswährung Sucre befand sich 1999 in freiem Fall; innerhalb eines Jahres verlor der Sucre fast 200 Prozent seines Außenwertes gegenüber dem US-Dollar. Die wirtschafts- und finanzpolitischen Bemühungen der ecuadorianischen Regierung des Präsidenten Mahuad zur Krisenbewältigung - wie beispielsweise im März 1999 die vorübergehende Schließung aller Banken und das anschließende Einfrieren der Kundeneinlagen - hatten zu einem fortschreitenden Vertrauensverlust der wirtschaftlichen Akteure geführt und den Kursverfall des Sucre rasant beschleunigt. Einen Ausweg aus der Krise sah Präsident Mahuad schließlich nur noch in einer festen Anbindung der Landeswährung an den US-Dollar, die er am 9. Januar 2000 ankündigte.

Mahuad konnte allerdings seinen Dollarisierungs-Plan nicht mehr selbst durchsetzen. Tagelange Massendemonstrationen von Indio-Organisationen, Gewerkschaften und Teilen der Streitkräfte, die den Rücktritt des Präsidenten forderten und zeitweilig den Nationalkongress, den Obersten Gerichtshof sowie den Präsidentenpalast besetzten, gaben der Militärführung den willkommenen Anlass, Mahuad in der Nacht des 21. Januar 2000 abzusetzen, eine Regierungsjunta zu bilden und am Morgen des 22. Januar den bisherigen Vizepräsidenten Noboa als fünften Staatspräsidenten Ecuadors innerhalb von drei Jahren einzusetzen. Präsident Noboa gelang schon wenig später das, woran Mahuad gescheitert war: die Zustimmung der Parlamentsmehrheit für ein Paket neoliberaler Wirtschaftsreformen und die Dollarisierung der Währung zu erhalten. Am 9. März 2000 konnte Noboa ein Gesetz unterzeichnen, das die ecuadorianische Regierung verpflichtet, 80 Prozent des Bargeldumlaufs von Sucre gegen US-Dollar umzutauschen, zu einem festen Kurs von 25 000 Sucre je US-Dollar.

II. Die lateinamerikanische Dollarisierungsdebatte

Der Fall Ecuador hat der Dollarisierungsdebatte in Lateinamerika neue Aktualität verliehen. Bei dieser Debatte ging und geht es nicht nur um die Frage, inwieweit durch eine Ankoppelung an den US-Dollar eine monetäre Stabilitätsgarantie gewonnen wird, sondern auch darum, ob die Dollarisierung einen wirkungsvollen Schutz vor Finanz- und Wirtschaftskrisen bieten kann, die durch externe Faktoren ausgelöst werden. Tatsächlich existiert die Dollarisierung lateinamerikanischer Volkswirtschaften in unterschiedlichen Formen und mit unterschiedlicher Intensität schon seit langem. Erhebliche Bestände an US-Dollar werden überall in Lateinamerika in Form von Bargeld gehalten, in legaler Form, parallel neben den Landeswährungen, oder auch illegalerweise [12] . Selbst in Kuba wurde inzwischen der Dollarbesitz freigegeben - mit der Folge, dass sich eine Zwei-Klassen-Gesellschaft der lohnabhängigen Peso- und der privilegierten Dollar-Besitzer gebildet hat [13] .

Es entspricht durchaus ökonomischer Rationalität, wenn der US-Dollar einer inflationsgeschwächten Landeswährung vorgezogen wird. In lateinamerikanischen Volkswirtschaften mit hohen Inflationsraten und/oder hohen politischen Stabilitätsrisiken neigen inländische Wirtschaftsakteure traditionell dazu, Vermögenswerte auf Dollar-Konten bei ausländischen Banken zu halten. Um die Flucht inländischen Kapitals auf Auslandskonten zu begrenzen, haben die Regierungen mehrerer lateinamerikanischer Länder ihren Bürgern die Möglichkeit eröffnet, Vermögenswerte im Inland auf Dollar-Basis zu halten, in Form von Dollar-Guthaben im nationalen Bankensystem oder in Form von Staatsanleihen, die auf US-Dollar lauten. So werden beispielsweise bei den Geschäftsbanken in Argentinien, Bolivien, Peru und Uruguay mehr Einlagen auf US-Dollar lautend gehalten als Guthaben in den jeweiligen Landeswährungen [14] .

Eine Möglichkeit staatlicher Geldpolitik, Preisstabilität anzusteuern, ist die Koppelung der Landeswährung an eine stabile Auslandswährung durch einen festen Wechselkurs bei gleichzeitiger Garantie von Konvertibilität, d. h. das Recht für jedermann, die heimische Währung zum festgelegten Kurs in eine andere Währung umzutauschen. Für die meisten lateinamerikanischen Volkswirtschaften bietet sich als "Ankerwährung" der US-Dollar an, der sich gegen externe Schocks und Spekulationsattacken vergleichsweise immun erwiesen hat. Bis in die siebziger Jahre waren die Währungen fast aller lateinamerikanischer Staaten mit einem festen Wechselkurs an den US-Dollar gebunden. Nach dem Ausbruch der Verschuldungskrise zu Beginn der achtziger Jahre gaben die meisten Länder Lateinamerikas ihre Systeme fixer Wechselkurse auf und gingen dazu über, die Paritäten ihrer Landeswährungen gegenüber dem US-Dollar völlig frei oder innerhalb bestimmter Bandbreiten schwanken zu lassen. Ungeachtet einiger durchaus positiver Erfahrungen mit flexiblen Wechselkursen hat aber eine zunehmende Zahl lateinamerikanischer Länder im Laufe der Zeit wieder für festere Wechselkursarrangements optiert.

Eine extreme Form des Festkurssystems ist das Currency-Board-System, wie es zu Beginn der neunziger Jahre in Argentinien eingeführt wurde. Nachdem mehrere Anläufe zur Bekämpfung der Hyperinflation jeweils bereits nach kurzer Zeit gescheitert waren, wurde im März 1991 ein Currency-Board-System eingerichtet. Zum Jahresbeginn 1992 wurde die neue argentinische Währung, der Peso, mit einem festen Wechselkurs im Verhältnis 1 : 1 an den US-Dollar angekoppelt. Der US-Dollar ist als Parallelwährung neben dem Peso zugelassen, und alle Verträge können in Pesos oder US-Dollar abgeschlossen werden. Die Aufgaben der argentinischen Zentralbank sind hauptsächlich auf die eines "Währungsamtes" beschränkt, dem der An- und Verkauf von Devisen zu dem festgelegten Kurs obliegt [15] .

Mit der argentinischen Währungsreform von 1991 und der Einführung des Currency-Board-Systems gelang es, die gesamtwirtschaftliche Preissteigerungsrate, die 1990 noch über 2000 Prozent betragen hatte, auf unter zehn Prozent zu reduzieren, und auch in den folgenden Jahren blieben die Inflationsraten auf niedrigem Niveau. Wie die argentinischen Erfahrungen gezeigt haben, kann ein Currency-Board-System in Krisenzeiten mit hohen volkswirtschaftlichen Kosten verbunden sein, die jedoch zur Sicherung der Glaubwürdigkeit des gesamten Geld- und Kreditwesens unumgänglich sind. Die argentinische Erfahrung hat aber auch deutlich gemacht, dass Glaubwürdigkeit nicht allein durch die Etablierung eines Currency-Board-Systems importiert werden kann; vielmehr muss ein solcher Systemwechsel durch weitreichende marktorientierte Reformen der gesamten staatlichen Wirtschafts- und Finanzpolitik abgesichert werden.

Überlegungen lateinamerikanischer Regierungen, den US-Dollar als gesetzliches Zahlungsmittel anstelle der bisherigen nationalen Währung einzuführen, treten immer dann in ein konkreteres Stadium ein, wenn sich zeigt, dass die wirtschaftlichen Akteure die Landeswährung für ökonomische Kontrakte mit längeren Laufzeiten nicht mehr akzeptieren. Ein deutliches Warnsignal für die eigene Währung ist es zudem, wenn auf ausländischen Kapitalmärkten keine Anleihen platziert werden können, die auf die Landeswährung lauten. Auch auf den heimischen Kapitalmärkten haben sich in den zurückliegenden Jahren in (fast) keinem Land Lateinamerikas langfristige Schuldverschreibungen auf Landeswährung lautend unterbringen lassen; finanzielle Kontrakte mit langen Laufzeiten, wie beispielsweise Hypotheken für den Wohnungsbau, werden (fast) überall in Lateinamerika auf der Basis von US-Dollar abgeschlossen oder sie werden indexiert, d. h. automatisch an die Inflationsrate angepasst.

Erweisen sich die Vorteile eines flexiblen Wechselkursregimes als begrenzt und seine gesamtwirtschaftlichen Kosten als hoch, dann erscheint der Übergang zu festen Wechselkursen zunehmend attraktiv [16] . Wird die Parität der Landeswährung gegenüber dem US-Dollar unwiderruflich fixiert, dann stellt sich logischerweise die Frage, welche Vorteile die Beibehaltung der nationalen Währung überhaupt noch bietet. Die Einführung des US-Dollar als offizielles Zahlungsmittel kann einseitig erfolgen, indem das vorhandene nationale Bargeld zu einem festgelegten Wechselkurs gegen US-Dollar umgetauscht wird und für die übrigen monetären Forderungen und Verbindlichkeiten eine entsprechende Umrechnung erfolgt. Eine solche unilaterale Übernahme des US-Dollar, ohne jegliche Vereinbarung mit den USA, setzt allerdings voraus, dass die Regierung bzw. die Zentralbank des betreffenden Landes über hinreichende Bestände an US-Dollar oder anderer konvertibler Devisen verfügen, um das in Umlauf befindliche Bargeld der bisherigen Landeswährung vollständig aufkaufen zu können. Im Falle Argentiniens hätten zu Beginn des Jahres 1999 die zentralen Währungsreserven zwar ausgereicht, um die ca. 15 Mrd. US-Dollar zu erwerben, die für den Austausch der umlaufenden Peso-Banknoten und -Münzen erforderlich gewesen wären, aber bei einem möglichen Sturm der Bankkunden auf ihre Konten wären Devisenreserven nur für eine rund dreißigprozentige Auszahlung der auf Peso lautenden Einlagen in US-Dollar verfügbar gewesen [17] . Bei einem einseitig von einem Land vorgenommenen Austausch der bisherigen nationalen Währung gegen US-Dollar verliert die Regierung zudem die Seigniorage, d. h. den Gewinn, der aus der Differenz zwischen Nennwert und Herstellungskosten der Zahlungsmittel entsteht. Im Falle Argentiniens beläuft sich die Seigniorage derzeit auf etwa 750 Millionen US-Dollar pro Jahr [18] .

Nicht nur in Ecuador steht die Einführung des US-Dollar als gesetzliches Zahlungsmittel auf der tagespolitischen Agenda. Costa Rica lässt bereits die freie Zirkulation von US-Dollar zu und will zukünftig sogar völlig auf eine eigene Zentralbank verzichten. Auch in El Salvador arbeitet die Regierung an Plänen für eine vollständige Dollarisierung. Ähnliche Überlegungen werden in Kolumbien, Peru, Jamaica und Venezuela angestellt. Hingegen sind in Argentinien die Dollarisierungs-Pläne (vorerst?) zu den Akten gelegt worden. Die Regierung des neuen Präsidenten Fernando de la Rúa hat mehrfach betont, dass sie an der festen Dollar-Parität des Peso und an dem Currency-Board-System festhalten wolle, aber keine vollständige Dollarisierung der argentinischen Wirtschaft beabsichtige.

III. Lateinamerikas Abhängigkeit von externen Kapitalzuflüssen

Die Dollarisierung lateinamerikanischer Volkswirtschaften stellt für sich alleine genommen kein Patentrezept zur Lösung der vielfältigen wirtschaftlichen Probleme des Subkontinents dar. In der Anfälligkeit für Finanz-, Währungs- und Wirtschaftskrisen kommen auch gravierende gesamtwirtschaftliche Ungleichgewichte zum Ausdruck, die in vielen lateinamerikanischen Volkswirtschaften - trotz weitreichender wirtschaftspolitscher Reformen - nach wie vor bestehen. Lateinamerikanische Volkswirtschaften konnten von den asiatischen und russischen Finanzkrisen "angesteckt" werden, da sie infolge unzureichender Strukturanpassungsmaßnahmen und verzögerter Reformen anfällig blieben für externe Schocks. Zwar haben sich die internationalen Finanzströme von den Gütermärkten weitgehend emanzipiert, und die Finanzmärkte mögen zu Überreaktionen neigen; aber in der Ansteckungsgefahr einer Volkswirtschaft durch externe Finanzkrisen, die sich zu Währungskrisen ausweiten, kommen immer auch interne Schwächen zum Ausdruck [19] .

Schon in den zurückliegenden Dekaden haben sich lateinamerikanische Volkswirtschaften als anfällig für Finanz- und Währungskrisen erwiesen. So war beispielsweise in dem Zeitraum 1979 bis 1995 die Häufigkeit von Finanzkrisen in den lateinamerikanischen Staaten um fünfzig Prozent höher als in Ostasien [20] . Mit der "Verschuldungskrise" der achtziger Jahre war unübersehbar geworden, dass die Entwicklungsstrategie lateinamerikanischer Volkswirtschaften auf keinem soliden finanziellen Fundament beruhte. Und erst die bitteren Erfahrungen aus dieser "Verschuldungskrise" haben den Weg bereitet für die wirtschaftspolitischen Reformen, mit denen es Lateinamerika gelungen ist, wieder Anschluss an die weltwirtschaftliche Entwicklung zu finden. Lateinamerika ist aber nach wie vor abhängig von externen Kapitalzuflüssen, und ausländische Kapitalbesitzer pflegen bei ihren Anlageentscheidungen die makroökonomischen Fundamentaldaten des potenziellen Anlagelandes mit zu berücksichtigen.

Während der neunziger Jahre haben sich vor allem die Leistungsbilanzdefizite in mehreren lateinamerikanischen Volkswirtschaften besorgniserregend ausgeweitet. Das aggregierte Leistungsbilanzdefizit Lateinamerikas, das im Jahre 1990 lediglich 0,1 Prozent des regionalen BIP betragen hatte, stieg in den nachfolgenden Jahren auf fast sechs Prozent deutlich an [21] ; im Jahre 1998 erreichte das Leistungsbilanzdefizit der Region 90,5 Mrd. US-Dollar und damit mehr als das Fünfzigfache des Standes von 1990 [22] . Ein steigendes Defizit in der Leistungsbilanz macht entsprechend steigende (Netto-) Kapitalimporte erforderlich, die aber nur schwieriger und zu einem höheren Preis zu bekommen sind, wenn die ausländischen Kapitalgeber die wirtschaftlichen Risiken höher bewerten.

Bis zu den Finanz- und Währungskrisen gegen Ende der neunziger Jahre hatten die meisten lateinamerikanischen Volkswirtschaften keine nennenswerten Schwierigkeiten, ihren externen Finanzierungsbedarf zu decken. Während zu Beginn der neunziger Jahre auf Lateinamerika lediglich 4,2 Prozent der weltweit getätigten ausländischen Direktinvestitionen entfallen waren, steigerte sich dieser Anteil im Verlaufe der neunziger Jahre auf 15 Prozent [23] , wovon allerdings nicht alle Volkswirtschaften der Region gleichermaßen profitieren konnten. Kapitalzuflüsse in Form von Direktinvestitionen sind zur wichtigsten externen Finanzierungsquelle für das Defizit in der lateinamerikanischen Leistungsbilanz geworden. Auch in den Krisenjahren 1998/99 hielt der Zustrom ausländischer Direktinvestitionen nach Lateinamerika an, während private Kreditgeber ihr Engagement in Lateinamerika deutlich reduzierten [24] . Insgesamt hat sich aber die lateinamerikanische Auslandsverschuldung während der neunziger Jahre um 65 Prozent erhöht, von 475,9 Mrd. US-Dollar 1990 auf 786 Mrd. US-Dollar im Jahre 1998. Kritische Beobachter sehen inzwischen die Gefahr einer erneuten lateinamerikanischen Schuldenkrise; sie können darauf verweisen, dass acht Länder der Region nach den Kriterien der Weltbank als "ernstlich verschuldet" gelten oder sogar - wie Bolivien und Guyana - der HIPC-Gruppe (heavily indebted poor countries) zugerechnet werden [25] . Tatsächlich haben sich wichtige Schuldenlastindikatoren im lateinamerikanischen Durchschnitt im Verlauf der neunziger Jahre verschlechtert; so hatte beispielsweise der Schuldendienst (Amortisation und Zinszahlung) auf die Auslandsschulden 1990 nur 24,5 Prozent der Exporterlöse ausgemacht, 1997/98 aber bereits knapp 35 Prozent.

Lateinamerika bleibt darauf angewiesen, ausländisches Kapital in Anspruch zu nehmen, solange das Defizit seiner Leistungsbilanz nicht deutlich verringert werden kann und die interne Sparquote, gemessen an dem Investitionsbedarf dynamischer Volkswirtschaften, zu gering ist. Im Zuge der außenwirtschaftlichen Öffnung ist es bislang nicht gelungen, den Anstieg der Importe durch eine Steigerung der Exporterlöse auszugleichen; während die lateinamerikanischen Importaufwendungen zwischen 1990 und 1997 um mehr als das Zweieinhalbfache stiegen, konnten die Exporterlöse in diesem Zeitraum nur knapp verdoppelt werden [26] . In der ungleichgewichtigen Entwicklung des lateinamerikanischen Außenhandels spiegeln sich u. a. der technologische Rückstand der Region, Produktivitätsrückstände sowie mangelnde internationale Wettbewerbsfähigkeit wider. Zudem wird die Passivseite der lateinamerikanischen Leistungsbilanz durch den verschuldungsbedingten Ressourcentransfer an die ausländischen Gläubiger erheblich belastet; allein zwischen 1990 und 1996 summierten sich die Zinszahlungen auf die Auslandsschulden auf rund 196 Mrd. US-Dollar und überstiegen damit den gleichzeitigen Kapitalzufluss in Form von ausländischen (Netto-) Direktinvestitionen um mehr als 61 Mrd. US-Dollar [27] .

Lateinamerika ist auf ausländisches Kapital auch angewiesen, um die "Sparlücke" zu schließen, d. h. die Lücke zwischen gesamtwirtschaftlicher Investitions- und Sparquote. Im Durchschnitt der neunziger Jahre betrug die Bruttoinlandsersparnis 20,1 Prozent des lateinamerikanischen BIP, während die Bruttoinlandsinvestition 20,7 Prozent des BIP erreichte. Die lateinamerikanische Investitionsquote wurde im Vergleich mit anderen Entwicklungsländer-Regionen lediglich in Afrika südlich der Sahara unterboten (16,6 Prozent), während beispielsweise in der ostasiatischen und pazifischen Region eine Investitionsquote von 35,4 Prozent des BIP möglich wurde, im Mittleren Osten und Nordafrika immerhin 23,5 Prozent. Auch die lateinamerikanische Sparquote war während der neunziger Jahre mit 20,1 Prozent des BIP deutlich niedriger als in anderen Weltregionen; im Durchschnitt der Gruppe aller Entwicklungsländer mit mittlerem Einkommen erreichte die Bruttoinlandsersparnis zwischen 1990 und 1998 knapp 24 Prozent des BIP.

Um den Finanzierungsbedarf für den Wachstums- und Entwicklungsprozess der lateinamerikanischen Volkswirtschaften in größerem Umfange als bisher intern decken zu können und damit auf ein solideres finanzielles Fundament zu stellen, ist eine Erhöhung der internen Sparquote unumgänglich. Rückgewinnung und Erhaltung der Geldwertstabilität sowie ein leistungsfähiges Bankensystem sind zweifelsohne wichtige Faktoren für die Mobilisierung verdeckter oder bislang ungenutzter Sparpotenziale. Hinzu kommen muss aber auch der Abbau eines strukturellen Hemmnisses: der extrem ungleichen personellen Einkommensverteilung. Lateinamerikanische Länder wie Brasilien, Guatemala und Panama haben weltweit die krasseste Einkommenskonzentration, und auch in den meisten übrigen Staaten der Region liegen die Indexwerte der Einkommensverteilung über dem globalen Durchschnitt [28] . Wesentliche Ursache der extrem ungleichen Einkommensverteilung ist im lateinamerikanischen Kontext die Art und Weise, in der Institutionen und Märkte die bestehenden Verteilungsmuster reproduzieren. Eine entscheidende Rolle spielen hierbei die formalen Bildungssysteme, durch die auch der Prozess der Humankapitalbildung personell stark konzentriert wird. Arme Kinder in Lateinamerika gehen in arme staatliche Schulen, verlassen zu 40 Prozent das Schulsystem bereits im fünften Jahr und zeigen im Durchschnitt armselige Lernresultate, so dass sich die ungleiche Einkommensverteilung perpetuiert.

Um gegen die Ansteckung durch Finanz- und Währungskrisen in anderen Teilen der Welt besser geschützt zu sein, genügt es nicht, die Bankenaufsicht zu verbessern und durch die Zulassung ausländischer Geldinstitute die Effizienz des Bankensektors zu erhöhen [29] . Mindestens ebenso wichtig sind Glaubwürdigkeit, Transparenz und Berechenbarkeit der staatlichen Wirtschafts- und Finanzpolitik, damit es nicht aufgrund eines Vertrauensverlustes zu plötzlichen Veränderungen in den internationalen Kapitalströmen kommt und damit zu dramatischen Liquiditäts- und Solvenzproblemen [30] . Letztendlich ist ein ganzheitlicher Entwicklungsansatz gefordert, der die Bedeutung grundlegender makroökonomischer Zusammenhänge anerkennt, aber gleiches Gewicht den institutionellen, strukturellen und sozialen Voraussetzungen stabiler, marktorientierter Gesellschaften zumisst. Allerdings hat Entwicklung nie nur eine binnenstaatliche oder binnengesellschaftliche Dimension, sondern ist immer auch international mitbedingt. Diese Lektion mussten mehrere lateinamerikanische Volkswirtschaften in den Krisenjahren 1998/99 erneut lernen. Die destabilisierenden Auswirkungen volatiler Kapitalströme, die sich ungehindert von Grenzen rund um den Globus bewegen lassen, können in kürzester Frist Entwicklungserfolge vorangegangener Wachstumsphasen wieder zunichte machen. Dagegen sind auch lateinamerikanische Länder mit relativ soliden wirtschaftlichen und sozialen Fundamentaldaten nicht gefeit.  

Internetverweise des Autors

www.iadb.org

www.imf.org

www.senate.gov/jec

Fußnoten

1.
Vgl. Inter-American Development Bank, Annual Report 1999, Washington, D. C. 2000, S. 140.
2.
Soweit nicht andere Quellen angegeben, sind alle statistischen Daten in diesem Beitrag entnommen aus World Bank, World Development Indicators 2000 on CD-ROM, Washington, D. C. 2000.
3.
Vgl. Rolando Franco, La agenda social de América Latina al comienzo del tercer milenio y el papel de las políticas sociales, in: Contribuciones, 16 (1999) 4, S. 45.
4.
Vgl. Inter-American Development Bank, Annual Report 1997, Washington, D. C. 1998, S. 5.
5.
Vgl. Hartmut Sangmeister, Die mexikanische Verschuldung, in: Dietrich Briesemeister/Klaus Zimmermann (Hrsg.), Mexiko heute. Politik, Wirtschaft, Kultur, Frankfurt/M. 1996², S. 190.
6.
Preisveränderungen von Finanzmarktprodukten, wie beispielsweise Veränderungen von Zinssätzen oder von Renditen, werden in der Regel als Basispunkte angegeben; ein Basispunkt entspricht dabei einer Änderung der letzten notierten Stelle um eine Einheit. Der Unterschied zwischen einer Rendite von 4,64 Prozent und einer von 4,90 Prozent beträgt also 26 Basispunkte.
7.
Vgl. Ugo Panizza, Financial contagion in Latin America: Measuring Morbidity, in: Latin Amercian Economic Policies, 6 (1999) 1, S. 1.
8.
Vgl. Michael Gavin, Latin American Central Banks: Reticent to React, in: Latin American Economic Policies, 7 (1999) 2, S. 3.
9.
Vgl. Hartmut Sangmeister, Der MERCOSUR in der Krise?, in: Brennpunkt Lateinamerika, 1 (1999) 9, S. 68.
10.
Vgl. Inter-American Development Bank (Anm. 1), S. 140.
11.
Vgl. ebd., S. 142.
12.
Das Ausmaß des Umlaufs von sog. Greenbacks in Lateinamerika lässt sich nicht zuverlässig quantifizieren; in amtlichen US-Statistiken ist lediglich angegeben, wie viele US-Dollar in Form von Bargeld an lateinamerikanische Zentralbanken geliefert wurden; vgl. Andrew Berg/Eduardo Borensztein, The Choice of Exchange Rate Regime and Monetary Target in Highly Dollarized Economies, IMF Working Paper WP/00/29, Washington, D. C. 2000, S. 12.
13.
Vgl. Susanne Gratius, Kuba 1999: Zwischen Repression und Agonie, in: Brennpunkt Lateinamerika, 1 (1999) 10, S. 78.
14.
Vgl. Ricardo Hausmann/Michael Gavin/Carmen Pages-Serra/Ernesto Stein, Financial Turmoil and the Choice of Exchange Rate Regimes, Working Paper 400, Inter-American Development Bank, Washington, D. C. 1999, S. 15.
15.
Im Unterschied zu einem orthodoxen Currency Board muss in dem argentinischen System nicht die gesamte Geldbasis hundertprozentig mit Währungsreserven gedeckt werden; bis zu ein Drittel der notwendigen Gold- und Devisenreserven kann in auf US-Dollar lautenden Staatsanleihen gehalten werden.
16.
Die lateinamerikanische Erfahrung deutet darauf hin, dass flexible Wechselkurse keineswegs alle Vorteile mit sich bringen, die von ihnen gemäß der traditionellen Währungstheorie zu erwarten sind; geplante Abwertungen der Landeswährungen als Reaktion auf negative außenwirtschaftliche Einflüsse waren in lateinamerikanischen Staaten mit flexiblen Wechselkursen eher selten, statt dessen wurden häufiger drastische Zinserhöhungen praktiziert, um den Wechselkurs der eigenen Währung zu verteidigen; vgl. M. Gavin (Anm. 8), S. 3.
17.
Vgl. Financial Times vom 21. Mai 1999, S. 9.
18.
Vgl. R. Hausmann/M. Gavin/C. Pages-Serra/E. Stein (Anm. 14), S. 18.
19.
Vgl. Deutsche Bundesbank (Hrsg.), Zur Bedeutung von Fundamentalfaktoren für die Entstehung von Währungskrisen in Schwellen- und Entwicklungsländern, in: Monatsberichte der Deutschen Bundesbank, 51 (1999) 4, S. 15-28.
20.
Vgl. Graciela L. Kaminsky/Carmen M. Reinhart, Financial Crises in Asia and Latin America: Then and Now, in: The American Economic Review, 88 (1998) 2, S. 444.
21.
Vgl. World Bank, Annual Report 1999, Washington, D. C. 2000, S. 75.
22.
Vgl. Inter-American Development Bank (Anm. 1), S. 145.
23.
Die in Lateinamerika getätigten ausländischen (Netto-) Direktinvestitionen hatten 1990 nur 8,2 Mrd. US-Dollar betragen, 1997 hingegen 64,7 Mrd. US-Dollar.
24.
Hatte die private (Netto-)Kreditgewährung ausländischer Gläubiger an Lateinamerika in der Periode 1996-1998 noch durchschnittlich 47 Mrd. US-Dollar pro Jahr betragen, so sank die Nettokreditaufnahme der Region 1998 auf nur noch 7,3 Mrd. US-Dollar; vgl. Institute of International Finance, Capital Flows to Emerging Market Economies, Washington, D. C. vom 24. Januar 2000, S. 3.
25.
Als "severely indebted" klassifiziert waren im Januar 2000 Argentinien, Bolivien, Brasilien, Ecuador, Guyana, Kuba, Nicaragua und Peru.
26.
Vgl. Inter-American Development Bank, Latin America After a Decade of Reforms. Economic and Social Progress in Latin America 1997 Report, Washington, D. C. 1997, S. 244 f.
27.
Vgl. Inter-American Development Bank, Facing Up to Inequality in Latin America. Economic and Social Progress in Latin America 1998-1999 Report, Washington, D. C. 1998, S. 230 und S. 246.
28.
Inter-American Development Bank (Anm. 27), S. 13.
29.
Dies sind einige der operationalen Lektionen aus lateinamerikanischen Bankkrisen der neunziger Jahre; vgl. Alicia García-Herrero, Banking Crises in Latin America in the 1990s: Lessons from Argentina, Paraguay, and Venezuela, IMF Working Paper WP/97/140, Washington, D. C. 1997; Peter M. Garber, Transition to a Functional Financial Safety Net in Latin America, Working Paper 339, Inter-American Development Bank, Washington, D. C. 1997.
30.
Vgl. Guillermo A. Calvo/Carmen M. Reinhart, Inversión de las corrientes de capital, tipo de cambio y dolarización, in: Finanzas Desarrollo, 36 (1999) 3, S. 15.

Hartmut Sangmeister

Zur Person

Hartmut Sangmeister

Dr. rer. pol. habil., geb. 1945; Professor für Entwicklungsökonomie an der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg.

Anschrift: Ruprecht-Karls-Universität, Grabengasse 14, 69117 Heidelberg.
E-Mail: hartmut.sangmeister@urz.uni-heidelberg.de

Veröffentlichungen u. a.: Mitherausgeber des seit 1992 erscheinenden Lateinamerika Jahrbuchs des Instituts für Iberoamerika-Kunde, Hamburg; zahlreiche Beiträge zu Problemen der wirtschaftlichen und sozialen Entwicklung in Lateinamerika.


Nach oben © Bundeszentrale für politische Bildung Zur klassischen Website von bpb.de wechseln