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26.5.2002

Editorial

Stellt der internationale Terrorismus wirklich die zentrale Herausforderung zu Beginn des 21. Jahrhunderts dar? Experten glauben eher, dass es zukünftige gewaltsame Auseinandersetzungen auch um den Zugang zur immer knapper werdenden Ressource Wasser geben wird.

Einleitung

Im Moment scheint es, als stelle der internationale Terrorismus die zentrale Herausforderung zu Beginn des 21. Jahrhunderts dar. Glaubt man aber der Meinung von Experten, werden sich zukünftige gewaltsame Auseinandersetzungen auch um den Zugang zur immer knapper werdenden Ressource Wasser abspielen. Der sorgsame Umgang damit ist folglich ein zentrales politisches Problem der Zukunft. Erst seit Mitte der siebziger Jahre befassen sich die Experten des Nordens mit den diesbezüglichen wirtschaftlichen und ökologischen Fragen; den Verantwortlichen der südlichen Regionen fehlte jedoch lange Zeit das Bewusstsein für die Brisanz dieses Problems, obwohl es hier besonders akut ist. Dies hat zur Folge, dass die wissenschaftlichen Erkenntnisse bislang noch keinen merklichen Einfluss auf die Wassernutzung des Südens gehabt haben. Diese Problematik darf jedoch umgekehrt auch nicht zum Vorwand genommen werden, um von der Lösung politischer Fragen abzulenken, wie dies im Nahen Osten häufig geschieht.

Zehn Jahre nach der Umweltkonferenz der Vereinten Nationen von Rio im Jahre 1992 steht die Verknappung und Verschmutzung der globalen Süsswasserressourcen auf der Tagesordnung der Internationalen Konferenz über Süsswasser vom 3. bis 7. Dezember in Bonn. Wie weitreichend die globale Wasserkrise ist, zeigt der Beitrag von Axel Klaphake und Waltina Scheumann. Die Krise offenbart sich in der Unterversorgung mit Trinkwasser für über 1,2 Milliarden Menschen sowie in den ökologischen und politischen Auswirkungen einer Dammbaupolitik, die vielerorts auch zu grenzüberschreitenden Konflikten geführt hat. Um die sich abzeichnende Wasserkrise lösen zu können, müssen auch die Akteure der Umweltpolitik einen größeren Ideenreichtum entwickeln, so die Autoren.

Wie eng die "Wasserfrage" mit der Ernährungssicherheit zusammenhängt, verdeutlicht der Beitrag von Susanne Neubert. Die Trinkwasserressourcen seien zwar global gesehen nicht knapp, jedoch extrem ungleich verteilt. Die Autorin zeigt auf, wie durch die Wiederverwendung von Nutzwasser vor allem in der Landwirtschaft die gravierendsten Versorgungsprobleme beseitigt werden könnten, ohne die damit auftretenden Schwierigkeiten zu verschweigen. Erfolgreiche Strategien müssten immer auch die regionalen Bedingungen und die Gesamtwirtschaft berücksichtigen.

Beim Bau von Staudämmen werden immer wieder die Interessen der dort lebenden Menschen übergangen. Jörg Baur hebt hervor, dass es unter anderem auch ein Anliegen der World Commission on Dams war, auf dieses Defizit hinzuweisen. Der Autor stellt die Einzigartigkeit dieser Kommission heraus, die darin bestanden habe, dass Befürworter und Gegner erstmalig gemeinsame Kriterien für den Bau von Staudämmen im Hinblick auf deren ökologische wie ökonomische Folgen erarbeitet hätten. Dazu gehöre auch das Mediationsverfahren, das die Rechte der von Umsiedlung Betroffenen gegenüber den Staudammbauern berücksichtigen solle. Hier seien beispielhaft wichtige Meinungsbildungsprozesse ermöglicht worden. Der Bericht schlug als Entscheidungsgrundlage unter anderem folgende Kriterien vor: Gerechtigkeit, Effizienz, partizipative Entscheidungsfindung und Nachhaltigkeit.

Im Nahen Osten scheint die Kontrolle über das Wasser die politischen Ursachen des anhaltenden Konfliktes zu relativieren. Ines Dombrowsky vertritt die These, dass trotz Wasserknappheit in der Region das Problem zwar handhabbar, jedoch aufgrund der politischen Umstände teuer und politisch schwer zu regeln sei. Eine integrative Wasserbewirtschaftung biete sich als ein möglicher Ausweg aus dem Dilemma an.

Ludwig Watzal

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