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22.5.2002

Von Menschen und Übermenschen

Der "Alltag" und das "Außeralltägliche" der "sozialistischen Helden"

Die kulturgeschichtliche Anatomie von Propagandafiguren wie den "sozialistischen Helden" zeigt den Doppelcharakter dieser Mediatoren: Sie waren einerseits autoritäre Setzungen durch die professionellen Propagandisten der Partei.

Einleitung

Vier Tage im Juni des Jahres 1963: Eine ehemalige Textilarbeiterin und ein einstiger Gießereiarbeiter besuchen die DDR. Der 29-jährige Juri Gagarin und die 26-jährige Walentina Tereschkowa, die Eroberer des Kosmos, die Helden des Sozialismus, bereisen den Arbeiter-und-Bauern-Staat! Mit der Ankunft der "beiden sowjetischen Himmelsgeschwister", der "lebendigen Zeugen des russischen Wunders", so Walter Ulbricht, erklimmt die Propaganda schwindelnde Höhen. Bei der Triumphfahrt durch Berlin, Hauptstadt der DDR, setzt sich der Erste Sekretär zufrieden neben den Fahrer seiner offenen Staatslimousine. Endlich kann er der Bevölkerung seiner Republik etwas Großartiges vorführen, etwas, das der Westen nicht aufzuweisen hat. Die jungen, aufrecht im Fond stehenden sozialistischen Lichtgestalten sollen uneingeschränkt auf das Volk wirken. "Und es ist, als hätten sie den goldenen Glanz der Sterne in unsere . . . Hauptstadt gebracht an diesem Abend voll überschäumenden Lebens", verkündet ein Ostberliner Rundfunkreporter seinen Zuhörern. Wohin die beiden "Sowjet-Übermenschen", so "Der Spiegel", auf ihrem Weg durch "Ulbrichts Machtbereich" auch geraten, begegnen ihnen Kinder in stilisierten Raumanzügen aus Plastikfolie, hängen von Transparenten umrahmte Kosmonauten-Porträts: "Die Republik drückt sie ans Herz." [1]

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  • Die Helden des Kosmos waren den Propagandisten des Sozialismus hochwillkommen. Sie besuchten die DDR am Vorabend einer Volkskammerwahl, im fünften Jahr des Siebenjahrplanes. Es war die Zeit, in der die Propaganda durch eine allgegenwärtige Raketen- und eine ungebremste Geschwindigkeitsmetaphorik zu überzeugen suchte: Mit der so genannten Siebenstufenrakete dieser Planperiode sollte in der magisch-mythischen Zeit von sieben Jahren der Sieg des Sozialismus durchgesetzt werden. Seit dem V. Parteitag der SED waren die Bürgerinnen und Bürger aufgefordert, "planmäßig" den Aufbau des Sozialismus in der DDR mit zu gestalten. [2]


    Zu dem Zeitpunkt, als die Himmelshelden durch die DDR tourten, durfte deren Bevölkerung noch den Durchbruch des "Zeitalters des Sozialismus" für das Jahr 1965 erwarten. Mit den beiden Sowjethelden ließ sich der grenzenlose Fortschrittsoptimismus nun mustergültig personifizieren: Wenn es der Arbeiterklasse, vertreten durch die Arbeiterin Tereschkowa und den Arbeiter Gagarin, gelang - so die Argumentation der Agitatoren -, die technischen Probleme der Eroberung des Weltraums zu meistern, dann würde es der Arbeiterklasse umso sicherer gelingen, auch die sozialen Probleme auf der Erde zu lösen!

    Die vielen Menschen waren vermutlich zum Jubeln beordert, die Dramaturgie der Empfänge bis ins kleinste Detail geplant. Und dennoch: Die freudige Anteilnahme der Menge, die den beiden Sowjetbürgern in Berlin, in den Bezirkshauptstädten Suhl, Erfurt und Karl-Marx-Stadt, im erzgebirgischen Auerbach, in der Chemiestadt Wolfen sowie im Thüringer Wald mit roten Fahnen und kunstseidenen "Walja"-Tüchern vom Straßenrand zuwinkten, diese lebendige Begeisterung war nicht gestellt. Das musste auch "Der Spiegel" einräumen: Die "Gäste aus dem All" seien nicht nur die von oben verordnete "gleißende Attraktion eines Wahlwochenendes", sondern ein Phänomen, "was erkennbar eine Faszination selbst auf jene auszuüben vermag, die sonst für das Regime bestimmt kein Fenster öffnen" würden. An diesem Abend fände man das "graue Berlin hinter der Mauer", so das Hamburger Magazin, "in eine Stimmung versetzt, die mit den üblichen krampfhaften Ovationen für sozialistische Staatsgäste nichts gemein hat. Hunderttausende haben sich mit ihren Kindern an den Straßenrändern aufgestellt, um dem ersten Kosmonauten und der ersten Kosmonautin der Welt mit politischem Demonstrationsgerät, das reichlich ausgegeben worden ist, ein völlig unpolitisches Willkommen zuzuwinken." [3]

    Millionen nahmen in jenen Tagen Anteil an den Triumphfahrten der beiden Kosmoshelden, wenige Jahre zuvor waren Hunderttausende begeistert den Siegesfahrten von Gustav Adolf Schur gefolgt. Der Radrennfahrer, "Täve" genannt und 1931 als Sohn eines Heizers geboren, hatte in den fünfziger Jahren überragende Erfolge gefeiert: 1952 nahm er erstmalig an der Internationalen Friedensfahrt teil. Schur gewann die Tour in den Jahren 1955 und 1959 und holte den Titel des Weltmeisters in den Jahren 1958 und 1959. "Täve" avancierte zum umjubelten Volkshelden der DDR. Wie kein anderer verkörperte er die Losung "Vom Ich zum Wir", Abertausende schrieben ihm Postkarten und Briefe. Er unterhielt zeitweise eigens ein Büro für Öffentlichkeitsarbeit, um seine umfängliche Publikumspost zu bewältigen - ebenso wie Adolf Hennecke, der große Arbeiterheld der fünfziger Jahre, der bereits 1948 zur ersten Petitionsinstanz der jungen DDR avancierte.

    "Sozialistische Helden" - verweisen solch beeindruckende Akzeptanzwerte auf bloß "unpolitische" Aneignungen dieser Figuren, wie der westdeutsche Journalist im "Spiegel" mutmaßte? Oder sind diese Aneignungen, sofern sie in ihrer Oberflächenstruktur in der Tat "unpolitisch" anmuten, in einem erweiterten Sinne womöglich doch als "politische" Attribuierungen zu interpretieren?

    Sozialistische Helden [4] repräsentieren auf den ersten Blick sicherlich das Außeralltägliche: Helden wie sie gewinnen eine entscheidende Schlacht - nicht mehr auf militärischem Terrain wie ihre klassischen Vorbilder, sondern auf den Territorien des ökonomischen, sportlichen oder wissenschaftlich-technischen Fortschritts. Sie werden als Mustermenschen und damit als Idealtypen des "neuen Menschen" präsentiert. Sie sind außeralltäglich in ihrem Können, in ihren Fertigkeiten, in ihrer politischen Gesinnung und in ihrem unerschütterlichen Glauben an die Sache des Sozialismus. Schließlich repräsentieren sie das Außeralltägliche im Sinne von Max Webers idealtypischer Konzeption einer charismatischen Kommunikation: [5] Sie finden die Gefolgschaft der Vielen, weil diese sich die Helden-Botschaft aneignen, weil diese den Heldenfiguren Qualitäten zuschreiben, die in ihren Lebens- und Deutungszusammenhang integrierbar sind, kurz, weil die Vielen ihnen "Vertrauen" im Sinne von Niklas Luhmann entgegenzubringen vermögen. [6] Sozialistische Helden verkörpern jedoch nicht minder das Alltägliche; zuallererst insofern, als das Außeralltägliche nicht kontrastiv, sondern komplementär zum Alltäglichen zu verstehen ist. Der Alltag wird lebbar und strukturierbar, deutbar und bedeutsam, gerade weil es das Außeralltägliche gibt. Sozialistische Helden sind insofern Helden des Alltags, als diese Mustermenschen des Sozialismus tatsächlich aus der Menge rekrutiert und Sehnsüchte, Hoffnungen und Wünsche des Alltags der Vielen auf sie projiziert werden können. [7] Die kulturellen Dimensionen des Heldenmusters zwischen Alltäglichkeit und Außeralltäglichkeit, zwischen politischer und privater Indienststellung, sollen hier untersucht werden.

    I. Adolf Hennecke, der Held des Aufbaus

    Vor allem einer von ihnen behauptete sich jahrzehntelang im Heldenpantheon der DDR - der Bergmann Adolf Hennecke. [8] Dass er die Arbeitsnorm mit sagenhaften 387 Prozent erfüllt hatte, wusste bald jedes Kind. Sprüche wie "Es gießt wie Hennecke", wenn es stark regnete, und "Der rennt wie Hennecke" bei einem, der es eilig hatte, gehörten zur Sprache des Alltags. Wie aber gelangte ein einfacher Mann aus dem Zwickauer Tagebau zu solcher Resonanz?

    Als Adolf Hennecke seine legendäre Schicht fährt, ist er dreiundvierzig Jahre alt. Weder sein Alter, noch sein unscheinbares Äußeres erinnern an die jugendlich strahlenden Heroen der gerade abgehängten nationalsozialistischen Propaganda-Plakate. Weder ist er übermäßig muskulös, noch vermögen es seine eingefallenen, schon zerfurchten Wangen und seine blonden schütteren Haare, Menschen in ihren Bann zu ziehen.

    Hennecke war 1905 in einem Dorf in Westfalen geboren worden. Nach dem frühen Tod seiner Eltern wuchs er bei einem Onkel auf, der wie sein Vater Bergarbeiter war. Adolf, der als begabter Schüler galt, wollte es einmal besser haben und erlernte den Kaufmannsberuf. Nachdem er jedoch immer wieder arbeitslos wurde, entschloss er sich schließlich doch, Kumpel zu werden. Nach über zwanzig Jahren im Schacht, im Jahr 1946, tritt Adolf Hennecke, der sich bisher nie einer Partei zugehörig gefühlt hatte, in die SPD ein. Er habe das neue Deutschland mitgestalten wollen, erinnert er sich später. Der fleißige Arbeiter wird denn auch im Sommer 1947 zur Parteischule geschickt und steigt zum Schulungsreferenten auf - Hennecke bleibt indes weiter der Adolf von nebenan, weit davon entfernt, sich zum ideologischen Eiferer zu entwickeln. Adolf Henneckes Entscheidung, mit seiner Arbeit zum Aufbau des Landes beizutragen, stellte ihn in eine Reihe mit weiteren entschlossenen Aktivisten.

    Bereits seit über einem Jahr versuchte die Partei, nach Vorbild der sowjetischen "Stachanowzen" auf Betriebsebene "sozialistische" Wettbewerbe zu initiieren. Im Juli 1948 meldeten die Verantwortlichen in den sächsischen Steinkohlegruben über 2 000 Aktivisten an die Berliner Zentrale. Kaum jemand allerdings nahm Notiz von ihnen. Die Öffentlichkeit jedenfalls ließ, wenn sie überhaupt aufmerksam wurde, nur Verachtung für die "Russenknechte" erkennen.

    Das änderte sich schlagartig mit der spektakulären Schicht von Adolf Hennecke. Wenige Tage nach seiner Tat kannte jeder seinen Namen. Die westliche Presse kommentierte ironisch, die Ostpresse lobpreiste. Manche warfen Hennecke die Fensterscheiben ein, zündeten sein Auto an. Andere schrieben ihm Briefe und Gedichte.

    Am Samstag, dem 9. Oktober 1948, saßen die Direktion des Oelsnitzer Steinkohlenwerks "Gottes Segen", Funktionäre der SED und des Gewerkschaftsbundes FDGB sowie Mitarbeiter der von der Sowjetischen Militäradministration (SMAD) herausgegebenen Zeitung "Tägliche Rundschau" beisammen, um eine Aktion zu planen, welche die seit Sommer bedrohlich stagnierende Kohleförderung neu ankurbeln sollte. Die Idee der Funktionäre war, dass man einen Kumpel finden müsse, der ähnlich dem sowjetischen Aktivisten Alexej Stachanow zum Vorbild für die anderen würde. Der "deutsche" Stachanow, den man an diesem Samstag verpflichten wollte, hatte zu beweisen, dass schnelleres Arbeiten mit der nötigen Technik kein Hexenwerk war, sondern von jedem gewöhnlichen Bergmann zu bewältigen sei. Für die Versammelten stellte sich lediglich die Frage, wer diese Leistung denn bringen sollte. Man ließ zunächst den Bergmann Franz Franik aus dem Schacht ausfahren. Der arbeitsame, noch junge Mann galt als erste Wahl, lehnte aber ab. Die nicht zuletzt durch die Kohleforderungen seitens der sowjetischen Besatzer unter Druck geratenen Parteibeaufragten versuchten ihr Glück nun bei Adolf Hennecke. Der gestandene Bergmann war seit September Arbeitsinstrukteur, außerdem Genosse - und stimmte nach einiger Überzeugungsarbeit einer außerordentlichen Schicht zu.

    Wenige Tage später, am 13. Oktober 1948, fuhr Hennecke eine Stunde früher als gewöhnlich in den Schacht. Eine solche zukunftsweisende Tat wollten die Organisatoren nicht dem Zufall überlassen, vielmehr musste sie gut vorbereitet werden. Die besten Werkzeuge standen dem Aktivisten zur Verfügung, die Abbaustelle hatte er sich am Tag zuvor selbst ausgesucht. Als er schließlich um 13:15 Uhr ausfuhr, hatte er das Tagessoll zu fast vierhundert Prozent erfüllt. Zwar traf das herbeibeorderte Jubelkomitee zu spät am Schacht ein und auch die anwesenden Kumpel machten keinerlei Anstalten, Hennecke zu seiner Leistung zu gratulieren. - Für die öffentliche Propagierung der Tat spielte dies jedoch keine Rolle. Schon wenige Tage später nämlich "perfektionierte" eine eigens in Auftrag gegebene Pressedokumentation das spektakuläre Ereignis. Nun gab es keine Pannen mehr. Ein propagandistischer Dokumentarfilm, in der Wochenschau und zu unzähligen weiteren Anlässen gezeigt, vermittelte einen ganz anderen Eindruck von den Geschehnissen des 13. Oktober. Hier empfängt nun ein aus Funktionären und Kumpeln bestehendes Empfangskomitee den erschöpften, aber glücklichen Hennecke. Allen schien klar zu sein, dass diese Schicht die genau richtige Tat im genau richtigen Moment war. Und so schien auch die üppige Prämie gerechtfertigt, die an Hennecke ging.

    Drei Tage nach der bei den Kumpeln höchst umstrittenen Schicht veröffentlichte die "Tägliche Rundschau" den am Samstag zuvor konzipierten Beitrag. Von jetzt an erschien kaum noch eine Zeitung ohne eine enthusiastische Hennecke-Schlagzeile - kein Leitartikel, in dem nicht seine Tat gerühmt wurde. Der Rundfunk schaltete sich ein, Hennecke hörte man auf allen Wellen. Schlagzeilen wie: "Henneckes Beispiel reißt uns alle mit", "Die Henneckes - Vorbilder für alle", "Wir brauchen viele Henneckes" regierten die Titelseiten der Zeitungen.

    II. Sozialistische Helden als Medien der Propaganda

    In die fünfziger Jahre - das erste Jahrzehnt der DDR - wurden auch die anderen großen Heldenlegenden des Aufbaus hineingeboren. Diese frühen sozialistischen Helden waren Heroen der Arbeit.

    Adolf Hennecke steht exemplarisch für diese Spezies, zu welcher auch Frauen wie Frida Hockauf gehörten. Die "Meisterweberin" war 1903 in Reichenau bei Zittau geboren worden, 1946 in die SED eingetreten und seit 1951 als Weberin im VEB Mechanische Weberei Zittau beschäftigt. Im November 1954 gelang es auch ihr, den Plan erheblich überzuerfüllen. Ihre propagandistische Aufgabe war es gewesen, nach den Ereignissen des 17. Juni 1953 die Aktivistenbewegung wieder anzukurbeln. Frida Hockauf blieb es auch vorbehalten, im Herbst 1953 jenen entscheidenden Satz auszusprechen, der die zentrale Botschaft der Gruppe der Arbeitshelden in den fünfziger Jahren formulierte: "So wie wir heute arbeiten, wird morgen unser Leben sein!" [9]

    Diese Sentenz der Weberin aus dem Erzgebirge stellt nicht nur eine der Antworten der Partei- und Staatsführung auf den Juni-Aufstand dar, sondern sie umschreibt zugleich den konsum- und gesellschaftspolitischen Hauptsatz der DDR während der gesamten fünfziger Jahre: Der Satz transportiert eine Handlungsmaxime, die für die Werktätigen gilt, und ein Modell von sozialen Zeiten, das Herrschende und Beherrschte verbinden sollte. Partei- und Staatsführung versprachen im Gegenzug für Wohlverhalten, Genügsamkeit und Geduld in der Gegenwart Wohlstand, Fülle und Einlösung in einer nicht näher definierten Zukunft. Wer sich im Heute zu den Prinzipien des Arbeiter- und Bauernstaates bekannte, wer jetzt nur fleißig arbeiten würde, der werde eine reiche Belohnung im Morgen erfahren. Diese auf ein Nachher vertröstende Grundfigur der politischen Propaganda während der fünfziger Jahre stellte grundsätzlich keine Eigenheit der Propaganda in der DDR dar, sondern sie fand sich im ersten Nachkriegsjahrzehnt auch in der politischen Propaganda der Bundesrepublik - allerdings war die gesellschaftliche Bedeutung dieses Argumentationsmodells im Westen weit geringer als im Osten. [10] Adolf Hennecke und seine Nachfolgerinnen und Nachfolger repräsentierten somit eine der zentralen Kommunikationsabsichten des Ulbricht-Regimes in den ersten Jahren nach Gründung der Republik: Sie warben für den bewussten Konsumverzicht - zu Gunsten einer kommenden sozialistischen respektive kommunistischen Gesellschaft.

    Ganz konkret gehörte es zum Aufgabenkatalog der Arbeitshelden, durch ihr Vorbild nicht nur Brigaden zu beflügeln und Aktivisten vor Ort zu motivieren, sondern auch für die Einhaltung des Planes zu werben. Auch aus der Sicht der Parteioberen war diesen Figuren der Spagat aufgetragen, sowohl die alltägliche Gesetzmäßigkeit des Planes wie die außeralltägliche Willens- und Schaffenskraft des Einzelnen nicht nur im Wechsel zu propagieren, sondern in ihrer Person glaubhaft zu verknüpfen. Aus der Perspektive der Agitatoren und Propagandisten von Partei und Massenorganisationen konnte es kein geeigneteres Erzählschema als das personalisierte Heldenmuster geben, welches diese heikle Synthese herzustellen vermochte. Die Arbeitshelden waren somit die denkbar besten Repräsentanten der Produktionspropaganda: Sie galten den Parteikommunikatoren als moralische Instanzen, welche den Plan beglaubigen, die Normen durchsetzen und zur überplanmäßigen Anstrengung im Interesse der Sache des Sozialismus anregen konnten.

    Die Arbeitshelden waren - dem Anspruch nach - mit einem Bein fest in der Sphäre der alltäglichen Produktion verwurzelt. Und mit dem anderen Bein ihrer Heldenexistenz standen sie beinahe schon in der noch außeralltäglichen Zukunft der sozialistischen Utopie: Für die sozialistischen Werktätigen sollten sie Vorbild sein, für die sozialistischen Konsumenten und mit Blick auf die Zukunft sollten sie Vorschein sein. Denn so wie der Held Hennecke heute lebte, ausgestattet mit einer guten Wohnung, ausgestattet mit einem Automobil und versehen mit manchen Privilegien und Statussymbolen, so sollten morgen auch die Vielen leben.

    Die konsumpolitische Implikation, die sich aus dem Welt- und Selbstverständnis der Arbeitshelden der fünfziger Jahre ergab, muss auch als ein Reflex auf die Herausforderungen Westdeutschlands gelesen werden. In den fünfziger Jahren war die Demarkationslinie zwischen den beiden deutschen Staaten noch keine fest gefügte Grenze: Die seit der Währungsreform von 1948 gefüllten Läden und Regale, mithin die Prosperität des Westens, stellten für den nachlaufenden Osten eine bedrohliche Verheißung dar, die tagtäglich auf das Publikum der DDR einwirkte. Indem jene Helden der Arbeit den Plan übererfüllten, indem sie deutlich machten, dass die produzierten Waren bald auch den Produzenten zugute kommen würden, sollten sie eine Antwort auf den konsumtiven Vorsprung des Westens geben. Sie versprachen eine Warenfülle, welche die Außeralltäglichkeit des Sozialismus zu belegen vermochte.

    Keine andere Heldengattung in der DDR verkörperte überzeugender als die Helden des Aufbaus den Topos der Bescheidenheit. Den aufbauenden Generationen wurde hier nicht weniger als das Opfer ihres Lebens für das "Glück" der Nachgeborenen abgefordert. Grundsätzlich richteten sich die Botschaften der Helden an die gesamte DDR-Gesellschaft. Die Träger dieses Credos der Arbeit und der Bescheidenheit waren in den ersten beiden Jahrzehnten des Jahrhunderts geboren worden, in den fünfziger Jahren also vierzig, fünfzig Jahre alt. Selbstverständlich wurden diese Helden der ersten Generation von DDR-Bürgern, die ausschließlich in der neuen Gesellschaft aufwuchs, als Vorbilder gezeigt. Die hauptsächlichen Adressaten ihrer Botschaft dürften jedoch weder die Jüngsten noch die Ältesten gewesen sein, sondern die Generation der Hitlerjugend: Die Propaganda der fünfziger Jahre musste den Versuch unternehmen, diese in den dreißiger Jahren geborene Generation für die sozialistische Sache und für den sozialistischen deutschen Staat zu gewinnen. Noch waren die Grenzen zum Westen ja durchlässig, umso mehr kam es darauf an, die potenziellen Leistungsträger der Gesellschaft zu gewinnen, zu umwerben und zu halten. Dass dies ein höchst problematisches Unterfangen war, zeigt nicht nur die Statistik der Abwanderung während der fünfziger Jahre, sondern das zeigen auch die Ereignisse des 17. Juni 1953. Aber die "Blut-Schweiß-und-Tränen"-Botschaft traf wohl bei dieser Generation auf vergleichbare, im Nationalsozialismus geprägte Dispositionen, welche die Akzeptanzchancen einer solchen im Grunde ja prekären Botschaft zumindest nicht verringert haben dürften. Die Forderung nach einem vollen, harten Einsatz im Interesse der Gemeinschaft war diesen jungen Menschen durchaus nicht fremd - und sie eröffnete überdies die Chance, individuell empfundene Schuld "abzuarbeiten" und Sühne "abzuleisten". [11]

    In den sechziger Jahren, als diese Generation "die Kommandohöhen" der Gesellschaft erobert hatte, verblassten diese Vorbilder und Dispositionen. Der Zeitgeist der sechziger Jahre machte Helden eines neuen Typus erforderlich.

    III. Sozialistische Helden als Medien des Volkes

    Bisher war die Rede davon, wie die Heldenpropaganda der fünfziger Jahre, wie die Einpflanzung der eigenen Ideen in die Helden, wie ihre "Fleischwerdung" zur Grundlage einer langfristigen Legitimierung der Staats- und Parteioberen wurde. Weit überzeugender als nur abstrakte Inhalte wirkten Personen wie Adolf Hennecke, Juri Gagarin und Walentina Tereschkowa auf die Bevölkerung. Ihr positives moralisches Image sowie ihr ausgewiesenes Expertentum machten sie, zumindest in bestimmten Bereichen, zu Meinungsträgern. So bewährte sich Adolf Hennecke nicht nur als anerkannte Moralinstanz, wovon unzählige Briefe von Jung und Alt zeugen, in denen er um Rat und Hilfe gebeten wird. Noch im fortgeschrittenen Alter bestand er darauf, diese Schreiben persönlich zu beantworten. Darüber hinaus meldete er sich auch zu aktuellen wie allgemeinen Problemen der Zeit zu Wort. Er tourte mit Vorträgen durchs Land, und wann immer ein großes Ereignis ins Haus stand, nahm er Stellung - ob nun in politischen Diskussionen oder bei Professor Flimmrich, dem beliebten Kinderprogramm.

    Die Bevölkerung, die sich an die Helden wandte, beziehungsweise sie ignorierte, auf jeden Fall aber mit ihnen umging, stellte keinesfalls eine homogene Größe dar, welche die von den Machthabern vermittelten Botschaften einheitlich aufnahm. Nach Henneckes Tat bejubeln ihn die einen, schreiben vielversige Gedichte, komponieren Lieder und malen Bilder - die anderen verhöhnen ihn, drohen ihm mit Gewalt und schlagen ihm die Scheiben ein. Die Bevölkerung zeigte sich immer in der Lage, den propagierten Botschaften - je nach Standort - sehr eigensinnig Bedeutung zuzuweisen. Wie die jeweiligen Bevölkerungsschichten über propagierte Helden wie Adolf Hennecke, den Radprofi Täve Schur oder den ersten Menschen im Weltall, Juri Gagarin, dachten, hing von zahlreichen Faktoren ab. Zwar konnten die Machthabenden per autoritärer Setzung Helden propagieren, doch konnten sie nicht verordnen, diese Figuren auch zu verehren, ja zum Teil, wie die Quellen es immer wieder bestätigen, sie sogar zu lieben. Zu fragen wäre also: Wie erfolgte die individuelle Auswahl inmitten eines wohlfeil gebotenen Heldenpantheons? Warum wurden die einen gefeiert, während die anderen nie an positiver Bedeutung gewannen?

    IV. Die Attraktivität des Ähnlichen

    Mehr noch als in bürgerlichen Gesellschaften wählten die Bürger des Arbeiter- und Bauernstaates Helden aus, die ihnen und ihrem Leben nahe waren. Dies hört sich mit dem Blick auf die Kosmoshelden zunächst unwahrscheinlich an, doch schaut man auf deren Biographien, Alltagszeugnisse und Auftritte, bestätigen auch sie die These der Ähnlichkeit.

    Bei der Ähnlichkeitsthese geht es um die Frage, wie sich Individuen subjektiv der eigenen Fähigkeiten und der Gültigkeit ihrer eigenen Vorstellungen über die Beschaffenheit der Umwelt versichern. Dies geschieht, so die Annahme, indem das Individuum seine Ansichten mit denen anderer Personen vergleicht. Vergleichsprozesse sind allerdings nur dann sinnvoll, "wenn Vergleichspersonen verfügbar sind, die uns in Meinungen oder Fähigkeiten ähneln". [12] Dabei geht es hier nicht allein um Ähnlichkeit auf der zur Beurteilung anstehenden spezifischen Einstellungs- und Fähigkeitsdimension, sondern um eine globalere Ähnlichkeit. Neben der Wahl von Vergleichspersonen hat Ähnlichkeit noch eine zweite wichtige Funktion: Ihre Bedeutung ist auch für das Vorbildlernen belegt. Schon "ganz äußerliche Ähnlichkeiten (wie gleicher Name und gleiche Vorlieben) fördern die Neigung des Kindes, sich mit einem Erwachsenen zu identifizieren, d. h. dessen Verhalten nachzuahmen". [13] Gleiches gilt auch für das Anerkennen von Vorbildern durch Erwachsene. Neben diesen differenzierten Ähnlichkeitsmerkmalen sind zudem Faktoren wie Alter und Bildung, Geschlecht und Generationenzugehörigkeit sowie der jeweilige ideologische Standort bei der Auswahl von Vorbild-Helden bedeutsam.

    Adolf Hennecke entstammte einer einfachen Bergarbeiterfamilie. Er sprach, so wird immer wieder bezeugt, die Sprache der Kumpel, saß mit ihnen bei Skat und Bier zusammen. Er stand für den ganz normalen Mann der Nachkriegszeit. Selbst als er bereits zum bekanntesten Arbeitshelden der DDR avanciert war und in Berlin lebte, war er darum bemüht, sich bescheiden zu geben und seinen Kontakt zum "einfachen" Arbeiter weitestgehend aufrechtzuerhalten. Juri Gagarin wuchs in einer Bauernfamilie auf und musste sich alles hart erarbeiten, wie jedermann aus seinem Bestseller-Roman "Mein Flug ins All" erfuhr. Ob Arbeiter-, ob Sport-, ob Kosmosheld - ihnen allen wurde nicht nur regelmäßig das adelnde Wort "Arbeiter" beigestellt, vielmehr war ihnen "das Arbeiterliche" [14] in Habitus und Gestus von Kindesbeinen an eingeschrieben. Sie - die vormals Unterprivilegierten - entdeckten sich nun als anerkennenswerte, respektable Persönlichkeiten. Ihnen ähnlich zu sein und sie für eigenes Handeln und Streben als Vorbild zu erklären schien demzufolge einem Großteil der Bürgerinnen und Bürger des Arbeiter- und Bauernstaates DDR vorstellbar zu sein.

    V. Die Attraktivität der Angstreduktion

    Bei der Konstruktion sozialistischer Helden handelte es sich in den meisten Fällen zwar zunächst um eine autoritäre Setzung seitens der Machthabenden. Der Botschaftskomplex der Helden allerdings, und das scheint ein zentraler Aspekt, wurde höchst eigensinnig von den spezifischen Bevölkerungsgruppen angenommen. Welche Auswahlkriterien hier eine Rolle spielten, wurde beschrieben. Es bleibt nun noch zu erklären, aus welchen Gründen bestimmte Gruppen der Bevölkerung diese personifizierten Botschaften ihrer Herrscher annahmen und eigensinnig umdeuteten. Weil sie in eine Form gedrängt oder gezwungen wurden? Wer jedoch konnte die DDR-Bürger zwingen, Adolf Hennecke persönliche Briefe zu schreiben, Täve Schur zu bejubeln und ihm Liebeserklärungen zu schicken, Juri Gagarin oder Walentina Tereschkowa begeistert zuzuwinken? Sicher, man konnte die Anwesenheit bei offiziellen Empfängen anweisen und mit Druck ermöglichen. Man konnte Fähnchen verteilen und Jubelgesänge anstimmen. Was aber brachte die Bürger dazu, an diesem Tag an diesen Ort zu kommen, zu winken und aktiv in den Jubel einzustimmen?

    Es scheint, die Menschen sind auch deshalb gekommen, weil sie durch diesen spezifischen Akt der Vergesellschaftung für sich selbst etwas gewonnen haben. Diese ihre Helden konnten sie von einer existenziellen Angst befreien; nämlich von der Individuen wie Gemeinschaften keineswegs nur zu sozialistischen, sondern zu allen Zeiten innewohnenden Angst, am Ende ihres Lebens nichts gewesen zu sein, ohne Bedeutung gewesen zu sein.

    Der unbedingte Wille der Gruppe zu überleben spielte und spielt bei der Konstruktion von Helden eine große Rolle. Allerdings geht es bei diesem Über-Leben einer Gruppe nicht allein um ein bloßes Weiterleben, darum also, dass die Gruppe den Toten durch Erinnerung ein Weiterleben sichert. Es geht vor allem um ein Über-Leben in einem zweiten Sinn, um die Partizipation an einem überindividuellen Leben. Es geht um die Sehnsucht nach einem Leben, das über dem individuellen Leben steht. Dieses überindividuelle Leben erfüllt das eigene Leben mit Sinn. Es integriert das eigene Leben in ein geheiligtes Ganzes. [15]

    Nun ist es in einer vielfältig zusammengesetzten Gesellschaft nicht möglich, dass jeder Einzelne zum - mit der Aura des Außergewöhnlichen behafteten - Helden wird. Selbst in der als egalitär propagierten DDR blieb das Konzept des "alltäglich-gewöhnlichen Helden" weit entfernt vom realen Alltag. Auch hier konnte - und wollte - nicht jeder Einzelne als außergewöhnlich gefeiert werden. Die Ideologen des Sozialismus und des Staatswesens "DDR" hatten, wie traditionelle Gesellschaften vor ihnen auch, hierfür eine Lösung: Sie belegten diese Gesellschaft und diesen Staat in toto mit dem Prädikat des Außergewöhnlichen, des Besonderen. Im pathetischen Licht des Außergewöhnlichen erschien die neue deutsche Republik als "Arbeiter- und Bauernstaat", als eine wunderbare "Errungenschaft der deutschen Geschichte" und als deren "Höhepunkt". [16]

    Es genügte, wenn dieses Außergewöhnliche und Außeralltägliche nur bei bestimmten, ausgewählten Individuen, allen voran bei den Helden, sichtbar, erfahrbar, fühlbar wurde. Durch Prozesse der Identifikation mit Hennecke, mit Gagarin oder mit der Tereschkowa hatten die nichtheroischen Individuen eigensinnig teil an dieser Substanz des kollektiven Heroischen. Dies schien möglich, weil der Einzelne zwar um sein defizientes Wesen wusste, aber dennoch die Ahnung und auch die Fähigkeit besaß, die Grenzen seines Selbst zu überschreiten, nach dem Vollkommenen, dem Idealen zu streben. Der Wunsch des Einzelnen nach dem Außergewöhnlichen, der in der blassen und tristen, durch eine unüberwindbare Mauer umgrenzten und in vielerlei Hinsicht begrenzten DDR kaum Erfüllung finden konnte, vermochte durch solche Akte der Identifizierung zumindest teilweise und imaginär erfüllt zu werden. Beiden, sowohl den Machthabenden als auch der ihnen untergebenen Bevölkerung, dienten Helden demnach zur eigenen Versicherung. Deshalb waren auch beide Seiten am Weiterleben des einmal anerkannten Helden interessiert. Deshalb sprachen beide Seiten weiter über ihn, bewahrten und erneuerten sein Bild, in manchen Fällen sogar über das Fortbestehen der sozialistischen Gesellschaft hinaus. [17]

    "Das Problem ist immer das gleiche", beendete die "Neue Berliner Illustrierte" im Jahr 1967 einen wochenlangen öffentlichen Diskurs darüber, was denn nun eigentlich einen sozialistischen Helden ausmache: "Im richtigen Moment, innerlich zutiefst überzeugt, das Richtige zu tun, ohne Zaudern den alles entscheidenden Schritt zu wagen." [18]

    Sozialistische Helden vollbringen demzufolge im richtigen Moment eine richtige Tat für die richtige Sache.

    Die Entscheidung über den richtigen Moment blieb zwar den Staats- und Parteioberen vorbehalten, doch orientierten diese sich notwendigerweise sowohl an aktuellen politischen, ökonomischen und kulturellen Erfordernissen und Herausforderungen - ob nun allein die DDR, die Bundesrepublik, die sozialistische Staatengemeinschaft oder gar die Welt insgesamt betreffend. Das galt für Henneckes Hochleistungsschicht ebenso wie für "Täves" internationale Radsporterfolge oder für Juri Gagarins Flug ins All.

    Auch die Entscheidung darüber, was eine sozialistische Tat bedeutete, trafen die professionellen Propagandisten des Sozialismus. Auf dieser Ebene war - was den Erfolg der gesamten Heldenaktion betraf - die sozialistische Ideologie und ihre tagespolitische Umsetzung von wesentlicher Bedeutung. Natürlich wurden vor allem in diesem Sinne politische Inhalte formuliert und mit den Helden verbunden.

    Die Entscheidung darüber hingegen, was denn die richtige, die "sozialistische" Sache sei, lag nur zu einem - womöglich sogar geringfügigen - Teil im Bereich der Einflussnahme der partei- und regierungsamtlichen Propagandisten. Bei den Akteuren der Heldenkommunikation von oben wie von unten spielte hier die Vermittlung und Versicherung von Grundwerten und Grunderfahrungen die Hauptrolle, die letztlich gemeingültig über allen gesellschaftlichen Systemen standen und stehen: Angst und Sicherheit, Gleichheit und Gerechtigkeit, Sieg und Niederlage, Leben und Tod sind nur einige Elemente dieses Wertehimmels.

    Und gerade in diesem ungeteilten Wertehimmel liegt das auf den ersten Blick Unpolitische in der Akzeptanz der Helden verborgen, das dem Korrespondenten des "Spiegel" 1963 nicht deutlich wurde. Nur in ihren oberflächlich wahrnehmbaren Äußerungen ist die Begeisterung für einen Star wie James Dean vergleichbar mit der Akklamation für einen Helden wie "Täve" Schur. Die Machthabenden in der DDR stellten ihren Bürgern die Einlösung dieser grundsätzlichen Werte in einer berechenbaren und damit planbaren Zukunft in Aussicht. Bezeugt und beglaubigt durch die Integrität und Bonität menschlicher Helden, die stets eine Gemengelage sozialistischer Ideologeme wie Propageme als auch scheinbar "unpolitische" Wertorientierungen vertraten, versprachen sie ihnen, dass es nur der richtigen Taten bedürfe, um zu jenem utopischen Ziel zu gelangen. Wenn die Versprechungen nicht erfüllt wurden, und diese Erfahrung mussten die DDR-Bürger ja immer wieder machen, konnte es passieren, dass mit ihnen auch die Helden als deren Zeugen untergingen. In nicht seltenen Fällen aber spalteten die Menschen ihre Helden vom "Realen" ab und ließen sie an einem Ort "Nirgendwo" - um der eigenen Sehnsucht willen - am Leben, im kommunikativen und auch im kulturellen Gedächtnis.

    Internetverweise der AutorInnen:

    http://hsozkult.geschichte.hu-belin.de/beitrag/tagber/bericht.htm

    http://www.phil.fak.uni-duesseldorf.de/geschichte/kgdoe/ konf21.html

    http://www.zzf-pdm.de/archiv/gforum/berichte/rias.html

    http://www.mdr.de/geschichte/archiv/ lexikontext.cfm?sucht

    http://www.radsportverband.de/ temp/schur_friedensfahrt.htm

    http://www.dra.de/dok_0401.htm

    http://www.urbin.de/cccp/kosmonauten/tereschkowa/tereschkowa.htm

    http://www2.tagesspiegel.de/archiv/2002/01/19/ak-mn-5512537.html

    http://www.hdg.de/Final/deu/page1671.htm

    http://www.calvin.edu/cas/egsg/helden.htm

    http://www.ddr-im-www.de/Themen/ Auszeichnungen.htm

    Fußnoten

    1.
    So eine zeitgenössische propagandistische Losung. Bei der Venus steht ein Standesamt, in: Der Spiegel, Nr. 44 vom 30. Oktober 1963, S. 52 ff.
    2.
    Zu den propagierten Zeithorizonten im Gefolge des V.'Parteitages siehe: Rainer Gries, Die runden "Geburtstage". Zeitkultur und Zeitpropaganda in der DDR, in: Monika Gibas/Rainer Gries/Barbara Jakoby/Doris Müller (Hrsg.), Wiedergeburten. Zur Geschichte der runden Jahrestage der DDR, Leipzig 1999, S. 285-304.
    3.
    Der Spiegel (Anm. 1).
    4.
    Dieser Beitrag reflektiert auch die Ergebnisse der Tagung "Sozialistische Helden. Eine Kulturgeschichte von Propagandafiguren in Osteuropa und der DDR", die von den Autoren im September 2001 in Krakau ins Leben gerufen wurde. Deren Ergebnisse werden in einem Sammelband publiziert werden, der 2002 erscheint. Vgl. auch Silke Satjukow/Rainer Gries, Sozialistische HeldInnen. Eine Kulturgeschichte von Propagandafiguren in Osteuropa und der DDR, in: L‘Homme. Zeitschrift für Feministische Geschichtswissenschaft, 12 (2001) 2, S. 335-340.
    5.
    Vgl. zur Konzeption des Charisma bei Max Weber: ders., Gesammelte Aufsätze zur Religionssoziologie, Bd. 3, Tübingen 1971; ders., Wirtschaft und Gesellschaft: Grundriss der verstehenden Soziologie, hrsg. von Johannes Winckelmann, Tübingen 1976; Arnold Zingerle, Theoretische Probleme und Perspektiven der Charisma-Forschung. Ein kritischer Rückblick, in: Winfried Gebhardt/Arnold Zingerle/Michael N. Ebertz (Hrsg.), Charisma. Theorie - Religion - Politik, Berlin - New York 1993, S. 249-266.
    6.
    Vgl. zur Konzeption des Vertrauens bei Niklas Luhmann: ders., Vertrauen. Ein Mechanismus der Reduktion sozialer Komplexität, Stuttgart 1989³.
    7.
    Zur Anwendung eines kulturhistorischen Ansatzes bei persuasiven Kommunikationsformen (wie der Wirtschaftswerbung, der politischen Propaganda oder der Öffentlichkeitsarbeit) siehe Rainer Gries, Propagandageschichte als Kulturgeschichte. Methodische Erwartungen und Erfahrungen, in: Deutschland Archiv, 33 (2000) 4, S. 558-570; sowie in Kürze ders., Produkte als Medien. Kulturgeschichte der Produktkommunikation in der Bundesrepublik und der DDR, Leipzig 2002 (i.ÄE.), worin ein dreidimensionales Modell solcher Kommunikationen vorgestellt wird.
    8.
    Die folgenden Ausführungen zu Hennecke stützen sich auf Archivbestände des Bundesarchivs Berlin, vor allem auf Adolf Henneckes Nachlass, sowie auf einschlägige Quellen des Sächsischen Staatsarchivs Dresden und des Bergbau-Archivs in Freiberg (Sachsen).
    9.
    Siehe dazu die Interpretation von Gerhard Schürer, dem ehemaligen Vorsitzenden der Staatlichen Plankommission, in: Theo Pirker/M. Rainer Lepsius/Rainer Weinert/Hans-Hermann Hertle, Der Plan als Befehl und Fiktion. Wirtschaftsführung in der DDR. Gespräche und Analysen, Opladen 1995, S. 98.
    10.
    Vgl. dazu Dirk Schindelbeck/Volker Ilgen: "Haste was, biste was!" Werbung für die Soziale Marktwirtschaft, Darmstadt 1999.
    11.
    Vgl. neuerdings die Konstruktion und das Bild dieser Generation bei Albrecht Göschel, Kontrast und Parallele - Kulturelle und politische Identitätsbildung ostdeutscher Generationen, Stuttgart - Berlin - Köln 1999.
    12.
    Wolfgang Stroebe, Soziale Vergleichsprozesse, in: Dieter Frey/ Siegfried Greif (Hrsg.), Sozialpsychologie. Ein Handbuch in Schlüsselbegriffen, München - Weinheim 1987², S. 330.
    13.
    Heinz Heckhausen, Die Interaktion der Sozialisationsvariablen in der Genese des Leistungsmotivs, in: Carl-Friedrich Graumann (Hrsg.), Sozialpsychologie, München - Weinheim 1972, S. 990.
    14.
    Im Sinne von Wolfgang Engler, Die Ostdeutschen. Kunde von einem verlorenen Land, Berlin 1999, S. 200.
    15.
    Vgl. Peter Berghoff, Der Tod des politischen Kollektivs. Politische Religion und das Sterben und Töten für Volk, Nation und Rasse, Berlin 1997, S. 94 ff.
    16.
    Geschichte der Deutschen Demokratischen Republik, von einem Autorenkollektiv unter Leitung von Rolf Badstübner, Berlin (Ost) 1984, S. 12.
    17.
    Gemeint ist hier zum Beispiel das Weiterleben des Helden "Täve" Schur, der 32 Jahre lang als Abgeordneter der Volkskammer angehörte, seit 1998 für den Landesverband Sachsen der PDS im Deutschen Bundestag sitzt und bereits als Alterspräsident des kommenden Bundestages gehandelt wird.
    18.
    Neue Berliner Illustrierte, (1967) 12, S. 15.

    Rainer Gries, Silke Satjukow

    Zur Person

    Rainer Gries

    Dr. phil. habil., geb. 1958; Gastprofessor am Institut für Geschichte der Universität Wien; Privatdozent am Historischen Institut der Friedrich-Schiller-Universität Jena.

    Anschrift: Institut für Geschichte, Universität Wien, Dr. Karl Lueger-Ring 1, A-1010 Wien, Österreich.
    E-Mail: Rainer.Gries@univie.ac.at

    Veröffentlichungen, zuletzt: Produkte als Medien. Kulturgeschichte der Produktkommunikation in der Bundesrepublik und der DDR, Leipzig 2002 (i. E.).


    Zur Person

    Silke Satjukow

    Dr. phil., geb. 1965; wissenschaftliche Mitarbeiterin am Historischen Institut der Friedrich-Schiller-Universität Jena.

    Anschrift: Friedrich-Schiller-Universität Jena, Historisches Institut, Fürstengraben 13, 07743 Jena.
    E-Mail: satjukow@t-online.de

    Veröffentlichungen u. a.: Bahnhofstraßen. Geschichte und Bedeutung, Weimar - Köln - Wien 2002(i. E.).


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