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2.6.2003

Der 17. Juni 1953 und die Medien

Die von Ost-Berlin kolportierte "RIAS-Legende", so der Autor, könne ad acta gelegt werden. Die DDR-Medien erwiesen sich nach kurzer Sprachlosigkeit als willfährige Instrumente der SED.

Einleitung

Dieter Borkowski, in den Gründerjahren der Freien Deutschen Jugend (FDJ) einer der Mitarbeiter von deren Vorsitzendem Erich Honecker, war als ehrenamtlicher Funktionär am 16. Juni 1953 in das Gebäude des FDJ-Zentralrats in Berlin beordert worden, um es gegen "Überfälle von Konterrevolutionären" zu sichern.[1] Gegen Mittag erschienen Honecker und seine Ehefrau Margot. In der Erinnerung Borkowskis empörte sich Honecker über die Anwesenden, weil sie angespannt die Berichterstattung des RIAS (Rundfunk im amerikanischen Sektor) verfolgten: ",Das ist eine unerhörte Provokation'`, schnarrt Erich, ',ihr geht natürlich dem Klassengegner auf den Leim!`' Margot, seine junge Frau muß dabei lachen. ',Aber Erich'`, meint sie, ,wer soll uns denn informieren, wenn die DDR-Sender nur Paul-Lincke-Operetten-Melodien spielen?'"`[2]




Im Politbüro ging die vergebliche Hoffnung, die Demonstranten würden es mit der Kundgebung vor dem Haus der Ministerien belassen, mit existentiellen Ängsten und Hilflosigkeit einher. Die SED-Führung versuchte zunächst, die auch in den Bezirken von Partei- und FDJ-Funktionären verfolgte Berichterstattung des RIAS als übertrieben darzustellen und abzuwiegeln.[3] SED-Generalsekretär Walter Ulbricht berief am Abend des 16. Juni eine so genannte Parteiaktivtagung mit Berliner SED-Funktionären und -Agitatoren in den Friedrichstadt-Palast ein, um die zuvor vom Politbüro beschlossene Rücknahme der Normenerhöhungen zu erläutern. Ohne auf die Ereignisse des Tages einzugehen, forderte Ulbricht, mit der bisher praktizierten Methode des Administrierens und der Kritik von oben müsse Schluss gemacht und statt dessen Selbstkritik und Kritik von unten gefördert werden.[4] Die Konferenz dauerte bis 22 Uhr. Sie verfehlte deshalb ihren eigentlichen Zweck, denn die Teilnehmer konnten niemanden mehr in ihren Betrieben erreichen und informieren. Die Belegschaften hatten sich in der Zwischenzeit ungestört auf den geplanten Generalstreik am nächsten Morgen vorbereiten können.[5] Die der Anleitung der SED-Agitationsbürokratie unterworfenen Medien erhielten offenkundig ebenfalls keine Instruktionen, sodass sie am 17. Juni - abgesehen von der Verkündung des Ausnahmezustandes über Hörfunksender - in Sprachlosigkeit verfielen.

Die Berichterstattung am 16. und 17. Juni

Die Initialzündung zur Explosion des Pulverfasses lieferten nicht westliche "Agentenzentralen", sondern am 16. Juni ein Zeitungsartikel von Otto Lehmann, dem Sekretär des FDGB-Bundesvorstandes, im Gewerkschaftsorgan "Tribüne". Er stellte unmissverständlich fest, die vom Politbüro und dem Ministerrat am 9. und 11. Juni beschlossenen Normenerhöhungen seien "in vollem Umfang richtig" und zu befolgen.[6] Spontan beschlossen daraufhin die Bauarbeiter im Block 40 der Stalinallee, ihre beiden am Vortag gewählten Delegierten, die Ulbricht oder Ministerpräsident Otto Grotewohl eine Protestresolution überbringen sollten, aus Sicherheitsgründen nicht mehr allein auf den Weg zu schicken. Die Lawine kam ins Rollen.

Hanns-Werner Schwarze, damals Leiter der Nachrichtenabteilung des RIAS, erstattete am 23. Juni einen zusammenfassenden Bericht über die Informationssendungen zum Verlauf des Aufstands.[7] Danach erwähnte der RIAS schon am 15. Juni um 19.30 Uhr kurzfristige Proteststreiks auf den Ost-Berliner Baustellen Krankenhaus Friedrichshain und Stalinallee Block 40. Diese Meldung, die mehrfach bis zum nächsten Morgen wiederholt wurde, übernahmen zunächst weder die Agenturen noch die Zeitungen in West-Berlin, da sie am Wahrheitsgehalt zweifelten. In den Vormittagsstunden des 16. Juni erreichten den Sender telefonische Situationsberichte und Agenturmeldungen, welche die Nachrichtenredaktion ungeachtet der unvollständigen Informationslage um 13.30 Uhr zu dieser Meldung zusammenfasste: "Im sowjetischen Sektor kam es heute zu Demonstrationen der Arbeiter des VEB Industriebau, die gegen die zehnprozentige Normenerhöhung protestierten. Den Demonstranten, die durch die Stalinallee zogen, schlossen sich zahlreiche Berliner an. Bereits gestern war es auf mehreren Baustellen dieses Betriebes zu Proteststreiks gekommen. Das Ausmaß der heutigen Protestaktionen ist zur Stunde noch nicht abzusehen."

Drei Stunden später, um 16.30 Uhr, berichtete der RIAS als erster deutscher Sender eingehend über den Demonstrationszug durch Ost-Berlin und die Vorgänge am Haus der Ministerien. Nach der nächsten ausführlichen Informationsendung um 19.30 Uhr wurde in den folgenden 24 Stunden in jeder Nachrichtensendung eine Meldung über eine von der Chefredaktion redigierte und abgeschwächte Resolution von Ost-Berliner Bauarbeitern gebracht. Diese waren am Nachmittag im Funkhaus erschienen, um ihren Text selbst vor dem Mikrofon zu verlesen und zum Generalstreik aufzurufen. Dies untersagte jedoch telefonisch der Hochkommissar der Vereinigten Staaten in Deutschland, James B. Conant, dem amerikanischen RIAS-Direktor Gordon A. Ewing. An dieses Verbot musste sich auch der West-Berliner DGB-Vorsitzende Ernst Scharnowski in seiner mehrfach über den RIAS verbreiteten Solidaritätserklärung an die Adresse der Demonstranten halten. Deshalb blieb es bei einer indirekten Wiedergabe der Bauarbeiter-Resolution, in der es unter anderem hieß: "Die Arbeiter werden von der Möglichkeit [zu streiken, G. H.] jederzeit wieder Gebrauch machen, wenn die Organe des Staates und der SED nicht unverzüglich folgende Maßnahmen einleiten: erstens, Auszahlung der Löhne nach den alten Normen schon bei der nächsten Lohnzahlung, zweitens, sofortige Senkung der Lebenshaltungskosten, drittens, freie und geheime Wahlen, viertens, keine Maßregelung der Streikenden und ihrer Sprecher." Ab 22 Uhr begann der RIAS auch über widerständiges Verhalten in den DDR-Bezirken zu berichten, was in den anderen westlichen Medien anfangs völlig unterblieb. Die halbstündlichen Nachrichtensendungen des RIAS am 17. Juni waren ausschliesslich den Ereignissen in Ost-Berlin und in der DDR gewidmet. Hinzu kamen Solidaritätsbekundungen bundesdeutscher Politiker und Gewerkschaftler. Abschließend vermerkte Hanns-Werner Schwarze in seinem Tätigkeitsbericht: "Bis zum 20. 6. einschliesslich nahm die Berichterstattung über die Vorgänge und ihr Echo 90 Prozent aller unserer Nachrichtensendungen ein, während andere Rundfunksender schon längst zur 'Tagesordnung' übergegangen waren. Die Sondersendungen, mit deren Hilfe unsere Hörer stündlich, beziehungsweise später alle 90 Minuten über die Geschehnisse informiert wurden, sind erst am Sonntag, dem 21. 6., wieder eingestellt worden."

Das Berliner Studio des Nordwestdeutschen Rundfunks (NWDR) und dessen Hamburger Redaktion hielten sich am 16. Juni in ihrer Berichterstattung und Kommentierung noch merklich zurück, denn ein Aufstand gegen das SED-Regime erschien vielen westlichen Beobachtern immer noch unvorstellbar. Man glaubte - wie zunächst auch Bundeskanzler Konrad Adenauer - eher den Spekulationen einiger Nachrichtenagenturen und Zeitungen, wonach die Demonstration am Morgen des 16. Juni von der SED oder den Sowjets inspiriert und gelenkt worden, jedoch außer Kontrolle geraten sein könnte - eine These, die der "Spiegel" noch in seiner Ausgabe vom 22. Juni vertrat.[8] Es ist denkbar, dass Ulbricht den kompromisslosen, streikauslösenden "Tribüne"-Artikel vom 16. Juni selbst in Auftrag gegeben hat, doch falls dies der Fall gewesen sein sollte, geschah es vermutlich zur Disziplinierung seines Opponenten im Politbüro, des Chefredakteurs von "Neues Deutschland" Rudolf Herrnstadt. Der hatte zwei Tage zuvor die Veröffentlichung der Reportage "Es wird Zeit, den Holzhammer beiseite zu legen" im SED-Zentralorgan veranlasst, in der das unsensible Verhalten eines Parteisekretärs gegenüber den Bauarbeitern an der Stalinallee heftig kritisiert worden war.[9] Herrnstadt verlor einen Monat darauf seine Ämter und wurde später aus der SED ausgeschlossen. Vorgeworfen wurden ihm "Fraktionsbildung" mit Staatssicherheitsminister Wilhelm Zaisser, aber auch die ohne seine Mitwirkung am 30. Juni erfolgte Veröffentlichung eines bemerkenswerten ND-Interviews mit Justizminister Max Fechner. Der kurz darauf verhaftete Minister hatte das Streikrecht für verfassungsrechtlich geschützt erklärt und hinzugefügt, Streikende, die keine Verbrechen begangen hätten, würden auch nicht bestraft werden.[10]

In West-Berlin erschienen am Nachmittag des 16. Juni die ersten, teilweise gratis verteilten Extrablätter. Die Schlagzeilen der Tageszeitungen vom 17. Juni lauteten: "Ostberlin in Aufruhr - Demonstrationen bis in die Nacht - Tausendfacher Ruf: Freie Wahlen" ("Telegraph") oder "Ostsektor heute in hellem Aufruhr - Rotarmisten fahren mit Panzern auf - Empörte Arbeiter lynchen SED-Funktionär - Vopo fährt mit Lkw in die Menge" ("Kurier"). Das "Neue Deutschland" konterte am selben Tag mit einem kurzen Bericht über "Provokationen von westberliner Kriegshetzern im demokratischen Sektor Berlins". Dieser Kurzbericht war zwar auf der ersten Seite platziert, befand sich jedoch unter einem langatmigen Artikel über die Parteiaktivtagung vom Vorabend und neben der Erklärung des Politbüros zur Rücknahme der Normenerhöhung. Im ND-Bericht fand sich erstmals die in der DDR-Publizistik anschließend bis zum Überdruss strapazierte Sprachregelung, nach der "Gruppen von aus Westberlin eingeschleusten Provokateuren" "Zwischenfälle" verursacht hätten, "um die angestrebte Verständigung zwischen den Deutschen zu torpedieren". Dabei hätten sich die "Agenten" eines Teils der Berliner Bauarbeiter bedient und sie zu einer Demonstration veranlasst. Am Abend seien dann "große Gruppen faschistischer Jugendlicher aus Westberlin in den demokratischen Sektor" eingedrungen. Sie hätten versucht, Zerstörungen in der Stalinallee anzurichten, wogegen die Bevölkerung gemeinsam mit der Volkspolizei eingeschritten sei. Fazit des ND-Berichts: "Die Auffassung, daß man im demokratischen Sektor ungestraft randalieren kann, erwies sich als irrig."

Da sich die DDR-Hörfunksender über den Gang der Ereignisse zunächst in Schweigen hüllten, war die Bevölkerung vor allem auf die in weiten Teilen des Landes zu empfangenden RIAS-Sendungen angewiesen. Nach amerikanischen Schätzungen sollen damals 70 Prozent der Ostdeutschen RIAS-Hörer gewesen sein.[11] Daneben informierte sich die DDR-Bevölkerung über den NWDR, den deutschsprachigen Dienst der BBC und im Süden der DDR über die Sender des Hessischen sowie des Bayerischen Rundfunks. Das Fernsehen steckte in beiden Teilen Deutschlands noch in den Kinderschuhen und konnte praktisch keinen Einfluss auf das Geschehen nehmen, denn 1953 waren in der DDR lediglich ca. 600 Fernsehgeräte angemeldet, während es in der Bundesrepublik und in West-Berlin ca. 10 000 Geräte gab. Überraschend schnell für die damaligen technischen Möglichkeiten brachte das ARD-Fernsehen am Abend des 17. Juni erstmals einen tagesaktuellen, auf Zuschauerwunsch mehrfach wiederholten selbst produzierten Filmbericht - zuvor hatte man ausschließlich mit Wochenschau-Filmmaterial gearbeitet.[12] Der Aufstand war allerdings zum Zeitpunkt der Ausstrahlung schon niedergeschlagen.

Das DDR-Fernsehen reagierte am 17. Juni überhaupt nicht auf die Tagesereignisse. Der "Aktuellen Kamera" folgte im Abendprogramm der zwölfminütige Film "Erbauer des besseren Morgen: Erwin Fenskes Brigade ist auf dem richtigen Wege", danach der Spielfilm "Die lustigen Weiber von Windsor" und eine Nachtmusik. Die erste Reaktion auf den Volksaufstand bestand am 18. Juni aus einem Kommentar Karl-Eduard von Schnitzlers, der zwar "grobe Fehler bei der Normenerhöhung" einräumte, aber zugleich von "gekauftem Abschaum der West-Berliner Unterwelt" sprach, der einen "Anschlag auf die Existenz, auf die Arbeitsplätze, auf die Familien unserer Werktätigen versucht" habe. Am 17. Juni strahlte die "Tagesschau" ein Interview mit dem Vorsitzenden der Ost-CDU Otto Nuschke aus. Er war während einer Inspektionsfahrt durch den Ostsektor mit seinem Wagen von Demonstranten an der Oberbaumbrücke in den amerikanischen Sektor Berlins abgedrängt worden. Daraus ergab sich eine wohl einzigartige Gemeinschaftsarbeit zwischen dem Berliner NWDR-Fernsehteam und dem RIAS-Reporter Peter Schultze. Da es technisch noch nicht möglich war, Bild und Ton synchron aufzunehmen, unterlegte man den Film mit dem Ton des RIAS-Interviews. Nuschke bestätigte darin, der "Tribüne"-Artikel vom 16. Juni sei der "Zünder" für die "Erregungswelle" gewesen.[13]

Die RIAS-Legende

Ostdeutsche Autoren behaupteten bis zum Ende der DDR, der "Tag X" sei von "imperialistischen Regierungen und Geheimdiensten lange und gründlich vorbereitet" und insbesondere vom RIAS organisiert worden. Der Sender habe offen und unverschlüsselt Direktiven zur Durchführung des "konterrevolutionären Putsches" an seine hauseigenen Spione verbreitet.[14] Bis in die jüngste Zeit wird an der Legende festgehalten: Der damalige Chefredakteur des RIAS Egon Bahr habe manches vergessen, wenn man an "die chiffrierten und direkten Anweisungen denke, die der RIAS ausstrahlte".[15] Bahr widerspricht solchen Unterstellungen entschieden. Er sei sich mit seinem deutschen Programmdirektor Eberhard Schütz stets einig gewesen, Ansinnen von amerikanischer oder deutscher Seite zurückzuweisen, verschlüsselte Botschaften über den Sender laufen zu lassen.[16] Allerdings konzediert Bahr, der RIAS sei durch seine umfassende Berichterstattung, ohne es zu wissen und zu wollen, zum Katalysator des Aufstandes geworden: "Der Haß der SED auf den RIAS war verständlich. Die Verschwörungstheorie, die Anschuldigungen, wir hätten das bewußt herbeigeführt: Quatsch."[17]

Die Rolle als wichtigstes Kommunikationsmedium der DDR-Bevölkerung, die der RIAS beim Juni-Aufstand im Wesentlichen allein zu spielen hatte, ähnelt derjenigen der bundesdeutschen Fernseh- und Hörfunksender während der demokratischen Revolution im Herbst 1989. Diese wurde deshalb gelegentlich abwertend als "Medienrevolution" bezeichnet. Geflissentlich übersah man dabei, dass die Westmedien 1953 wie 1989 lediglich ihrer Informationspflicht nachkamen; die Gründe für den Ausbruch des Volkszorns lieferten jedoch ausschließlich die Verantwortlichen im DDR-Partei- und Staatsapparat. Die mehrfache RIAS-Ausstrahlung der Mahnung des Bundesministers für gesamtdeutsche Fragen Jakob Kaiser "an jeden Bewohner der Sowjetzone",[18] sich nicht durch unbedachte Handlungen in Gefahr zu bringen, dürfte noch größeres Unheil und Blutvergießen verhindert haben. Die Weigerung des RIAS, einen Aufruf zum Generalstreik zu senden (der vermutlich in der DDR befolgt worden wäre), trug ihm im Nachhinein im Westen und bei enttäuschten DDR-Bürgern Kritik ein. Doch das Risiko einer Eskalation wäre zu groß gewesen: Ein militärischer Konflikt zwischen den Westmächten und den Sowjets wäre ebenso möglich gewesen wie ein noch größeres Blutbad - vergleichbar dem, das drei Jahre später bei der Niederschlagung des ungarischen Aufstands stattfand.

Die von der SED-Propaganda verbreitete Legende vom angeblich extern geplanten Juni-Aufstand löste sich nach der Öffnung der DDR-Archive in Luft auf. Die SED-Führung wusste vom MfS, dass es keine Fernsteuerung gegeben hat. Zutreffend ist indes: "Einzig der RIAS bleibt unfreiwillig als 'Täter' übrig: Seine politisch zwar abwiegelnde, aber intensive und sympathisierende Berichterstattung mobilisierte die Provinz."[19] Daraus kann jedoch nicht abgeleitet werden, der RIAS sei Drahtzieher eines "faschistischen Putschversuches" gewesen.

So grotesk es angesichts der SED-Propagandafloskeln auch klingen mag - ausgerechnet am 16. Juni 1953, als RIAS-Direktor Gordon A. Ewing mit der Koordinierung der Berichterstattung vollauf ausgelastet war, musste er Abgesandten des Senators Joseph McCarthy erklären, dass er keinen "unamerikanischen Umtrieben" Vorschub geleistet hatte. Man hielt Ewing unter anderem fälschlicherweise vor, er habe Trauermusik nach der RIAS-Meldung über Stalins Tod am 5. März 1953 auflegen lassen.[20] Während die Untersuchung gegen Ewing später eingestellt wurde - leitende deutsche Mitarbeiter des Senders, darunter Egon Bahr und Gerhard Löwenthal, solidarisierten sich mit ihm und drohten ihre Kündigung an -, betrachtete sich der 1953 in den RIAS eingetretene Klaus Bölling ein Jahr später als das einzige Opfer McCarthys im Sender.[21] Bölling wurde entlassen, weil er bis 1947 KPD- beziehungsweise SED-Mitglied gewesen war und in der Gründungsphase der von Erich Honecker herausgegebenen FDJ-Zeitschrift "Neues Leben" wenige Monate der Schriftleitung angehört hatte. Seine spätere "Bewährung" in der Redaktion des "Tagesspiegel" entlastete ihn nicht. Der liberal eingestellte Ewing setzte sich vergeblich für Bölling beim Hochkommissar Conant ein, doch er beschäftigte ihn stillschweigend weiterhin als freien Mitarbeiter.

"Tauwetter"-Episode

In den ersten Tagen und Wochen nach dem Volksaufstand fand in den DDR-Medien vor dem Hintergrund des Machtkampfes im SED-Politbüro ein absurdes Schauspiel statt. Es spielte sich auf drei Ebenen ab: Zum einen publizierte man eine Fülle von teilweise manipulierten Ergebenheitsadressen an die Partei, unterzeichnet von prominenten Künstlern und Wissenschaftlern sowie von Arbeitskollektiven. Zum anderen strickte man hartnäckig an der Legende, westliche "Agentenzentralen" hätten Schlägertrupps gezielt nach Ost-Berlin geschickt, um den Aufstand auszulösen. Zahlreiche Presseberichte über verhaftete und verurteilte "westberliner Provokateure" sollten dies belegen. Da man sie jedoch für die Demonstrationen in den Bezirksstädten schlecht verantwortlich machen konnte, griffen die Medien - wie im Fall der von den Aufständischen aus dem Gefängnis in Halle befreiten angeblichen "SS-Kommandeuse" Erna Dorn[22] - vorzugsweise auf verhaftete mutmaßliche oder tatsächliche ehemalige NSDAP-Mitglieder zurück, um die Mär vom "faschistischen Putsch" glaubhaft zu machen. Drittens inszenierte man eine "Fehlerdiskussion" mit bemerkenswerten, aber prinzipiell folgenlosen Selbstkritiken von Medienmachern und -verantwortlichen, die den realisierten guten Vorsätzen im "Medienfrühling" um die Jahreswende 1989/90 verblüffend ähnelten.

Der Schriftsteller Erich Loest, der noch am 21. Juni im "Neuen Deutschland" einen flammenden Artikel gegen den West-Berliner "Abschaum" veröffentlicht hatte, der die "Arbeiter des demokratischen Sektors vor den Kriegskarren ihrer Hintermänner zu spannen" versucht habe, wandte sich wenige Tage später leidenschaftlich, wenn auch parteilich gegen die Beschönigungen und Verharmlosungen in der Berichterstattung der Parteipresse.[23] Das Negative sei verschwiegen und das Positive aufgebauscht worden. Über die kurzen, dem 17. Juni vorausgehenden Proteststreiks und deren Ursachen habe man nichts lesen können. Getäuscht worden seien nicht "unsere Feinde", sondern die "fortschrittlichen Kräfte innerhalb unserer Republik". Die Redakteure hätten sich "kilometerweit von den Realitäten entfernt" und ein "gleich lächerliches wie tief beklagenswertes Bild" geboten - "sie saßen im Elfenbeinturm und schwangen die rote Fahne". Bald nach der Veröffentlichung dieser Medienschelte fiel Loest in Ungnade. Er verlor den Vorsitz des Leipziger Schriftstellerverbands, und 1957 erfolgte sein Parteiausschluss und die Verurteilung zu einer mehrjährigen Zuchthausstrafe - ein Schicksal, das er später mit Wolfgang Harich teilen sollte, der unter dem Datum des 15. September 1953 detaillierte personelle und strukturelle "Vorschläge zur Verbesserung der Presse" verfasste, die bezeichnenderweise im MfS-Archiv landeten.[24]

Solche unmittelbaren Folgen hatten zwei selbstkritische, aufeinander abgestimmte Rundfunkkommentare von Herbert Geßner und Karl-Eduard von Schnitzler vom 8. und 12. Juli 1953 nicht.[25] Schließlich hielten beide sich in ihrer Wortwahl durchaus an die Beschlüsse der ZK-Sitzung vom 21. Juni sowie an die scharfe Kritik des zuständigen ZK-Sekretärs Hermann Axen über die Schönfärberei in der Presse und im Rundfunk.[26] Geßner reagierte schuldbewusst: "Man hat uns vor allem Schönfärberei vorgeworfen. Und ich sage: Ja wir haben schöngefärbt. Wir haben zum Beispiel seit geraumer Zeit nur solche Hörerstimmen wiedergegeben, die mit allem, was in der DDR geschah, einverstanden waren. In Wirklichkeit waren Massen von Werktätigen mit einer Reihe von Maßnahmen und vor allem Methoden nicht einverstanden. Wir haben von fehlerhaften Maßnahmen behauptet, sie würden von allen mit großer Zustimmung aufgenommen. Das traf nicht zu. Das muß und wird man schleunigst ändern." Von Schnitzler knüpfte an den Kommentar seines Kollegen an und bekannte: "Auch unser Rundfunk hat seit geraumer Zeit Fehler gemacht. ((...)) Es waren Fehler, die ihre Quellen nicht nur in den Fehlern haben, die unsere Regierung nunmehr mit ihrem Neuen Kurs korrigiert. Sondern wir haben diese Fehler durch Schönfärberei, durch funkische Unbeholfenheit oft noch vergrößert ((...))." Er versprach eine weitgehende Programmreform, die den Unterhaltungscharakter des Hörfunks durch mehr Musik- und weniger belehrende Wortanteile stärker berücksichtigen werde.

Schon im September 1953 sollte diese "Büßerstimmung" verflogen sein und die Parteipresse "wieder ein kämpferisches Gesicht" zeigen - so Fred Oelßner, Politbüromitglied und als Nachfolger Hermann Axens unter anderem für die Medien verantwortlicher ZK-Sekretär.[27] Oelßner plädierte zwar für mehr Unterhaltung und Entspannung in den Medien, aber dabei dürfe "keinen Augenblick die grundlegende Aufgabe unserer Presse vernachlässigt werden, die darin besteht, die Massen von der Richtigkeit der Politik der Partei zu überzeugen und für die aktive Unterstützung dieser Politik zu gewinnen".[28] Vom Hörfunk verlangte Oelßner, "den RIAS durch die besseren Sendungen unseres Rundfunks aus dem Felde zu schlagen".[29]

Tatsächlich entwickelte der Hörfunk in der Folgezeit eine größere Programmvielfalt, und das Angebot der Printmedien erweiterte man durch gefragte Publikumszeitschriften wie den "Eulenspiegel", "Das Magazin" oder die "Wochenpost" (als "Zeitungskind des 17. Juni"[30]), während einige plump propagandistisch aufgezogene Wochenzeitungen eingestellt wurden. Für kurze Zeit erlebten die DDR-Medien "Tauwetter-" und Experimentierphasen, die jedoch nicht ohne Konflikte mit der Parteiführung verliefen und letztlich nichts an der fortwährenden Gängelung und Disziplinierung durch die SED-Agitationsbürokratie änderten.[31]

Langzeitwirkungen

Bis zu ihrem Sturz blieb für die SED-Spitze die beim Juni-Aufstand vor aller Welt vollzogene Demontage ihrer angemaßten "führenden Rolle" ebenso wie die diesbezügliche Berichterstattung bundesdeutscher Hörfunksender ein Trauma. Das inspirierte Fritz Pleitgen zu diesem Szenario: "Was wäre geschehen, wenn das Fernsehen am 17. Juni so allgegenwärtig gewesen wäre wie heute?" Vielleicht, so Pleitgen in seinem Gedankenspiel, hätte Washington seine Zurückhaltung aufgegeben, und die Sowjets hätten angesichts des Machtkampfs im Kreml amerikanischem Druck nachgegeben, so dass "die Helden des 17. Juni" schon 1953 die deutsche Einheit hätten erkämpfen können.[32]

Als WDR-Chefredakteur verspürte Pleitgen im Herbst 1989 eine Langzeitwirkung des 17. Juni auf sein Berufsverständnis. So habe er Zurückhaltung bei der Kommentierung der Vorgänge in der DDR "gepredigt", um bloß nicht durch "Maulheldentum die Machthabenden zu blutigen Reaktionen herauszufordern". Bis zur entscheidenden Leipziger Montagsdemonstration seien deshalb - auch auf Drängen der Bürgerrechtler - "Kampfbegriffe" wie "17. Juni" oder "Wiedervereinigung" in der Berichterstattung der ARD tabu gewesen.[33]

Fußnoten

1.
Dieter Borkowski, Für jeden kommt der Tag (...) Stationen einer Jugend in der DDR, Frankfurt/M. 1983, S. 315.
2.
Ebd., S. 316. Vgl. dazu auch Karl Wilhelm Fricke, Erich Honecker und der 17. Juni, in: Ilse Spittmann/ Karl Wilhelm Fricke (Hrsg.), 17. Juni 1953. Arbeiteraufstand in der DDR (Edition Deutschland Archiv), 2., erw. Aufl., Köln 1988, S. 115 - 120.
3.
Vgl. Heinz Lippmann, Honecker. Portrait eines Nachfolgers, Köln 1971, S. 159.
4.
Vgl. Neues Deutschland vom 17. 6. 1953, S. 1.
5.
Vgl. H. Lippmann (Anm. 3).
6.
Axel Bust-Bartels, Der Arbeiteraufstand am 17. Juni 1953. Ursachen, Verlauf und gesellschaftspolitische Ziele, in: Aus Politik und Zeitgeschichte, B 25/1980, S. 24 - 54, hier: S. 44.
7.
Dieser Bericht, aus dem im Folgenden zitiert wird, ist veröffentlicht in: Manfred Rexin (Hrsg.), Radio-Reminiszenzen. Erinnerungen an RIAS Berlin, Berlin 2002, S. 444 - 448.
8.
Vgl. dazu: Manfred Rexin, Der 16. und 17. Juni in West-Berlin, in: Deutschland Archiv, 26 (1993) 8, S. 985 - 994, hier: 986f. Harsche, gleichwohl zutreffende zeitgenössische Kritik an der Berichterstattung des "Spiegel" übten die Journalisten Klaus Harpprecht (unter dem Pseudonym Stefan Brant) und Klaus Bölling: "Skepsis und Mißtrauen waren am ersten Tag verzeihlich. Sie waren es nicht mehr am 5. Tag, als das westdeutsche Nachrichtenmagazin 'Der Spiegel' detaillierte Beweise zu liefern vorgab, nach denen die Demonstranten des 16. von den Sowjets organisiert und erst später von Westberliner Stoßtrupps in eine 'falsche Richtung' (nämlich zum 'Haus der Ministerien' in der Leipziger Straße und damit zur Revolution) gedrängt worden seien: eine Darstellung, die sich peinlich genau in die Linie fügte, die nach dem 17. Juni von der inoffiziellen sowjetdeutschen Nachrichten- und Gerüchtepolitik eingeschlagen wurde. (Die große Leserschaft des 'Spiegel', die sich vor allem aus halbintellektuellen Kreisen rekrutiert, konnte das nicht wissen.) Noch Wochen und Monate nach dem Aufstand begegnete man in Westdeutschland oft genug der 'Spiegel'-Version, zumal das Blatt zwar den verantwortlichen Korrespondenten entließ, jedoch die Veröffentlichung eines Dementis nicht für nötig erachtete." Stefan Brant unter Mitarbeit von Klaus Bölling, Der Aufstand. Vorgeschichte, Geschichte und Deutung des 17. Juni 1953, Stuttgart 1954, S. 110.
9.
Vgl. dazu Helmut Müller-Enbergs, Der Fall Rudolf Herrnstadt. Tauwetterpolitik vor dem 17. Juni, Berlin 1991, S. 195f.
10.
Vgl. dazu Rudolf Herrnstadt, Das Herrnstadt-Dokument. Das Politbüro der SED und die Geschichte des 17. Juni 1953. Hrsg., eingeleitet und bearbeitet von Nadja Stulz-Herrnstadt, Reinbek 1990, S. 144ff.
11.
Vgl. Christian Ostermann, "Die Ostdeutschen an einen langwierigen Kampf gewöhnen". Die Vereinigten Staaten und der Aufstand vom 17. Juni 1953, in: Deutschland Archiv, 30 (1997) 3, S. 350 - 368, hier: S. 351.
12.
Die folgenden Angaben beruhen auf dem Vortragsmanuskript Peter von Rüdens vom 5. Dezember 2002 "Der 17. Juni 1953 in aktuellen Sendungen der ARD und des DDR-Fernsehens". Der Vortrag wurde auf einem Symposium gehalten, das in Hamburg von der Historischen Kommission der ARD und dem Hans-Bredow-Institut über historische Daten der deutsch-deutschen Fernsehgeschichte veranstaltet wurde. Ein Tagungsband ist geplant.
13.
Für den Wortlaut des Interviews, das auch von anderen westdeutschen Hörfunksendern übernommen wurde, vgl. Der Volksaufstand vom 17. Juni 1953. Denkschrift über den Juni-Aufstand in der sowjetischen Besatzungszone und in Ostberlin, hrsg. vom Bundesministerium für gesamtdeutsche Fragen, Bonn 1953 (Faksimilierter Nachdruck des Bundesministeriums für innerdeutsche Beziehungen, Bonn o. J.), S. 44f.
14.
Gerhard Keiderling, Berlin 1945 - 1986. Geschichte einer Hauptstadt, Berlin (Ost) 1987, S. 532. Vgl. dazu auch: Heinz Heitzer, DDR. Geschichtlicher Überblick, 5., durchges. Aufl., Berlin (Ost) 1989, S. 110f.
15.
Günter Manz, Aufstieg und Fall des Landes DDR. Erinnerungen & Ansichten, Berlin 2002, S. 80. Vgl. dazu auch Hans Bentzien, Was geschah am 17. Juni? Vorgeschichte - Verlauf - Hintergründe, Berlin 2003, S. 121-130.
16.
Egon Bahr, Zu meiner Zeit, München 1996, S. 76.
17.
Ebd., S. 80. Anm. der Red.: vgl. auch den einleitenden Essay von Egon Bahr in dieser Ausgabe.
18.
Ilse Spittmann, Der 17. Juni im Wandel der Legenden, in: I. Spittmann/ K. W. Fricke (Anm. 2), S. 126.
19.
Dies., Zum 40. Jahrestag des 17. Juni, in: Deutschland Archiv, 26 (1993) 6, S. 635 - 639, hier: S. 636.
20.
Vgl. dazu M. Rexin (Anm. 8), S. 989f., und Herbert Kundler, RIAS Berlin. Eine Radio-Station in einer geteilten Stadt, Berlin 1994, S. 189 - 198.
21.
Klaus Bölling, Roy Cohns einziges Opfer im RIAS, in: M. Rexin (Anm. 7), S. 97 - 99.
22.
Im Falle der zum Tode verurteilten und hingerichteten Erna Dorn gab es außer ihren eigenen, vermutlich erpressten Aussagen keinerlei Beweise für ihre Vergangenheit als KZ-Aufseherin oder ihre aktive Teilnahme am Streik. Das Urteil wurde 1994 vom Landgericht Halle für rechtswidrig erklärt und aufgehoben. Vgl. dazu: Hans-Peter Löhn, Spitzbart, Bauch und Brille sind nicht des Volkes Wille! Der Volksaufstand am 17. Juni 1953 in Halle an der Saale, Bremen 2003, S. 96 - 103.
23.
Erich Loest, Elfenbeinturm und rote Fahne, in: Börsenblatt für den deutschen Buchhandel, Nr. 27 vom 4. 7. 1953, S. 548f. Vgl. dazu auch ders., Durch die Erde ein Riß. Ein Lebenslauf, Leipzig 1981/90, S. 215ff.
24.
Veröff. in: Siegfried Prokop, Ich bin zu früh geboren. Auf den Spuren Wolfgang Harichs, Berlin 1997, S. 224ff.
25.
Für den Wortlaut der beiden Kommentare vgl. Gerhard Walther, Der Rundfunk in der Sowjetischen Besatzungszone Deutschlands, Bonn-Berlin 1961, S. 205ff. und S. 210ff. Herbert Geßners meinungsfreudige, jedoch auch widersprüchliche Kommentare verschafften ihm zwar eine gewisse Popularität beim Publikum, sie führten aber zugleich dazu, dass er ins Visier des MfS geriet. Vgl. dazu Helga Wende-Thiele, Tödliche Zivilcourage. Herbert Geßner - Ein bayerischer Idealist im roten Berliner Rundfunk, in: Zeitschrift des Forschungsverbundes SED-Staat, 13 (2003), S. 101 - 109.
26.
Vgl. G. Walther (Anm. 25), S. 71f.
27.
Fred Oelßner, Über die Verbesserung der Arbeit der Presse und des Rundfunks. Referat auf der 16. Tagung des Zentralkomitees der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands, 17. bis 19. September 1953, Berlin (Ost) 1953, S. 4.
28.
Ebd., S. 16f.
29.
Ebd., S. 44.
30.
Klaus Polkehn, Das war die Wochenpost. Geschichte und Geschichten einer Zeitung, Berlin 1997, S. 12ff.
31.
Vgl. Gunter Holzweißig, Die schärfste Waffe der Partei. Eine Mediengeschichte der DDR, Köln 2002, S. 93ff.
32.
Referat Fritz Pleitgens auf dem in Anm. 12 erwähnten Symposium. Für den Wortlaut vgl. Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 7. 12. 2002, S. 40.
33.
Ebd.

Gunter Holzweißig

Zur Person

Gunter Holzweißig

Dr. phil., geb. 1939; Historiker im Bundesarchiv.
Anschrift: Bundesarchiv, Finckensteinallee 63, 12205 Berlin.
E-Mail: g.holzweissig@barch.bund.de

Veröffentlichungen u.a.: Diplomatie im Trainingsanzug. Sport als politisches Instrument der DDR in den innerdeutschen und internationalen Beziehungen, München 1981; Militärwesen in der DDR, Berlin 1985; Die schärfste Waffe der Partei. Eine Mediengeschichte der DDR, Köln 2002.


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