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6.5.2003

Gleichstellung von Frauen aus der Sicht ost- und westdeutscher Jugendlicher

Ergebnisse aus dem Civic-Education-Projekt der IEA

Ein Ziel politischer Bildung besteht darin, Jugendliche zur Anerkennung der Gleichstellung von Frauen in der Gesellschaft zu erziehen. Immer noch gibt es erhebliche Differenzen zwischen Mädchen und Jungen bei der gesellschaftlichen Rollenzuschreibung.

I. Übersicht über das Civic-Education-Projekt

Empirisch vergleichende Untersuchungen nach der "Wende" haben Ost- und Westdeutschen ungeachtet ihrer Sozialisation in unterschiedlichen Gesellschaftssystemen vielfach ähnliche Werthaltungen bescheinigt.[1] Grundlegende Unterschiede gab es - abgesehen von aktuellen politischen Problemen wie den Begleitumständen des Vereinigungsprozesses - vor allem beim Familienbild und bei der Stellung von Frauen in der Gesellschaft. Vor allem ostdeutsche Frauen gingen stärker als westdeutsche von einer Gleichberechtigung von Männern und Frauen aus.[2]

Wie jüngere Untersuchungen zeigen, hat sich an dieser Differenz wenig geändert. Nach wie vor treten Frauen in den ostdeutschen Bundesländern vehementer für die Gleichstellung von Frauen ein.[3] Wir wollen im Folgenden untersuchen, ob und in welchem Maß dies auch für die nach 1990 eingeschulten Jugendlichen im Osten Deutschlands gilt. Zur Analyse werden wir Daten des Civic-Education-Projekts der International Society for the Evaluation of Educational Achievement (IEA) verwenden.


Das Civic-Education-Projekt der IEA vergleicht die politische Bildung von Jugendlichen in 28 Ländern.[4] Im Rahmen einer repräsentativen Erhebung wurden Jugendliche der Altersgruppe 14 bis 15 Jahre befragt (in Deutschland 3 700 Schülerinnen und Schüler der achten Klasse, insgesamt 94 000). Die Untersuchung fand 1999 statt.[5]

Der Untersuchung war eine erste Projektphase (von 1994 bis 1998) vorangegangen. Diese diente der Darstellung der Situation der politischen Bildung in allen teilnehmenden Ländern und der Entwicklung eines gemeinsamen Fragebogens. Die Ergebnisse der ersten Phase wurden in Fallstudien zusammengefasst. Sie geben eine Übersicht über die Rahmenbedingungen und die zentralen Ziele politischer Bildung in den beteiligten Ländern.[6]

Für den Fragebogen wurden drei Schwerpunktthemen ausgewählt: Demokratie, Nation und Einstellung zu Minderheiten. Erfasst wurden das politische Wissen, die politischen Einstellungen und die politische Handlungsbereitschaft. In einer nur in Deutschland durchgeführten Zusatzuntersuchung sind zudem politische Apathie, Rechtsextremismus und demokratische Kompetenzen erfragt worden.

Im Folgenden wollen wir uns auf die deutsche Erhebung konzentrieren und die politischen Einstellungen von ost- und westdeutschen Jugendlichen zum Thema "Gleichstellung von Frauen in der Gesellschaft" vergleichen.[7]

Die Auswertung zur Gleichstellung von Frauen in der Gesellschaft beruht auf den Antworten zu den vorgegebenen Fragen. Die Zustimmung zu einzelnen Fragen wird in Prozentangaben präsentiert. Für komplexere Analysen sei wiederum auf die im Jahre 2002 erschienene Gesamtdarstellung des deutschen Projektbeitrags verwiesen.

II. Unterschiede zwischen Mädchen und Jungen

In allen 28 an der Untersuchung beteiligten Ländern ist die Anerkennung der Gleichstellung von Mädchen und Frauen Ziel politischer Bildung.[8] In der ersten Phase des Civic-Education-Projekts haben wir dies für Deutschland sowohl durch eine Analyse der Lehrpläne[9] als auch eine Befragung von Expertinnen und Experten zur politischen Bildung zeigen können.[10] Wir haben in der zweiten Phase des Civic-Education-Projekts zwei Themenkomplexe abgefragt, die sich mit der Gleichstellung von Frauen in der Gesellschaft befassen: Im internationalen Teil der Untersuchung ging es um die Rechte von Frauen und in der deutschen Zusatzuntersuchung um das Familienbild.

Der Abschnitt zu den Rechten von Frauen umfasst insgesamt sechs Fragen bzw. Items. Diese wurden mit den Rechten von unterprivilegierten Gruppen zusammen mit den Rechten von Ausländern und antidemokratischen Gruppen zu einem Themenkomplex zusammengefasst. Die Fragen zum Familienbild umfassen acht Items und konzentrieren sich auf die Stellung der Frau in der Familie sowie auf ihre Rolle bei der Kindererziehung.

Die Zustimmung zur formalen Gleichstellung von Frauen - auch zu ihren politischen Rechten - ist in allen beteiligten Ländern und insbesondere in Deutschland sehr hoch. Für den weltweiten Vergleich sei auf den internationalen, aber auch den nationalen Forschungsbericht verwiesen.[11] Letzterer beinhaltet zusätzliche Differenzierungen.[12]

Sämtliche Untersuchungen zum Thema "Gleichstellung der Frau in der Gesellschaft" lassen jedoch große Geschlechterdifferenzen erkennen. Dies gilt für die erste IEA-Studie von 1971[13] ebenso wie für neuere international vergleichende Studien.[14] Mädchen oder Frauen unterstützen die Rechte von Frauen in der Gesellschaft stärker als Jungen oder Männer.

Im Rahmen der Civic-Education-Studie fällt auf, dass vor allem Mädchen in den reichen Industrienationen die politische Gleichstellung von Frauen unterstützen. Ähnlich hoch wie in Deutschland ist die Zustimmung der Mädchen in Australien, Dänemark, England, Finnland, Norwegen, der Schweiz und den USA. Der Grad der Zustimmung der Mädchen und der Jungen differiert in diesen Ländern jedoch erheblich.[15] Dies widerspricht der Annahme, dass sich die Interessen und Positionen von Mädchen und Jungen in den reichen Industrieländern annähern und dass die Geschlechterdifferenzen abnehmen.

Kommen wir nun zu den deutschen Daten: Der Vergleich der Einstellungen von deutschen Jungen und Mädchen (Tabelle 1) zeigt, dass - bei insgesamt großer Zustimmung der 14-Jährigen zu den Rechten von Frauen - Geschlechterdifferenzen bei der Beantwortung der Items hoch bedeutsam sind: Mädchen fordern in allen Punkten in stärkerem Maße als Jungen gleiche Rechte für Frauen. Besonders groß sind die Unterschiede, wenn es um die Beteiligung von Frauen an der Politik geht. Hier meinen immerhin 24 Prozent mehr Jungen als Mädchen: "Männer sind besser zu politischer Führung geeignet als Frauen" (32 gegenüber 8 Prozent). Am geringsten ist die Differenz bei der Frage nach gleicher Bezahlung für gleiche Arbeit (97 Prozent der Mädchen und 92 Prozent der Jungen stimmen zu).

Dass knapp ein Drittel der befragten Jungen politische Führung eher Männern als Frauen zutraut, ist ein deutlicher Hinweis auf Vorurteile. Geht es um allgemeine Rechte wie gleiche Bezahlung für gleiche Arbeit, lehnen zwar nur wenige Jungen die Gleichbehandlung von Frauen und Männern ab. Aber für Leitungspositionen halten viele von ihnen Frauen für weniger geeignet.

Auch beim Familienbild sind die Differenzen zwischen Jungen und Mädchen beträchtlich. Jungen haben offensichtlich ein viel konservativeres Familienbild als Mädchen. Sie finden es wichtiger als Mädchen, dass Frauen die Karriere ihrer Männer unterstützen, indem sie selbst zurücktreten. Sie meinen, Kinder würden unter berufstätigen Müttern leiden. Insbesondere bei der Forderung, "Eltern sollten im Interesse ihrer Kinder auch dann zusammenbleiben, wenn sie schlecht miteinander auskommen", sind die Geschlechterdifferenzen sehr groß; doppelt so viele Jungen wie Mädchen (57 Prozent gegenüber 29 Prozent) stimmen dieser Forderung zu. 18 Prozent mehr Mädchen als Jungen sind der Meinung, dass Kinder auch gut von allein stehenden Vätern oder Müttern erzogen werden können. In den Einschätzungen der Jungen wird das traditionelle Familienbild deutlich, das den Mann in der Ernährerrolle sieht und der Frau die Verantwortung für die Kinder zuweist.

III. Unterschiede zwischen Ost und West

Die gesellschaftliche Gleichstellung von Frauen hat in den beiden deutschen Staaten einen unterschiedlichen Hintergrund. In der DDR waren die Rechte von Frauen zumindest offiziell kein Thema, da Widersprüche im Geschlechterverhältnis als so genannte Nebenwidersprüche des "Hauptwiderspruchs von Kapital und Arbeit" verstanden wurden. Da dieser mit der Abschaffung des Privatbesitzes an Produktionsmitteln offiziell als gelöst galt, konnte es auch keinen Nebenwiderspruch mehr geben. So wenig dies auch der Realität entsprochen haben mag, die postulierte Gleichberechtigung von Mann und Frau war in der DDR dennoch nicht nur ein ideologisches Konstrukt. Frauen in der DDR fühlten sich ihren Männern gegenüber tatsächlich gleichberechtigt. Grundlage dafür war die ökonomische Unabhängigkeit aufgrund eigener Erwerbstätigkeit sowie die deutlich geringere Belastung durch Erziehungsarbeit, die ihnen teilweise von staatlichen Institutionen abgenommen wurde.[16]

In der Bundesrepublik Deutschland hatte sich nach der Kriegs- und der unmittelbaren Nachkriegszeit, in der Frauen auf sich allein gestellt und damit zur Selbstständigkeit gezwungen waren, das traditionelle Familienbild von der untergeordneten Stellung der Frau erneut durchgesetzt. Dieses wurde jedoch durch die gesellschaftlichen Veränderungen seit den späten sechziger Jahren zunehmend aufgebrochen. Dessen ungeachtet waren Frauen in der alten Bundesrepublik zum Zeitpunkt der deutschen Vereinigung Männern gegenüber sowohl ökonomisch als auch hinsichtlich der internen Machtverteilung immer noch deutlich schlechter gestellt als Frauen in der DDR.[17]

Der "Gleichstellungsvorsprung"[18] von Frauen in der DDR hat sich jedoch nach der "Wende" allmählich verringert. Insbesondere Frauen waren und sind von der Massenarbeitslosigkeit betroffen. Das wird auch dadurch befördert, dass zu DDR-Zeiten existierende Institutionen und Regelungen zur besseren Vereinbarkeit von Kindern und Erwerbstätigkeit weggefallen sind. Vor allem Frauen mit Kindern sind nach der "Wende" in eine bisher unbekannte ökonomische Abhängigkeit zu Männern geraten.

Die Frauen in den ostdeutschen Bundesländern sehen diese Benachteiligung deutlich.[19] 75 Prozent der im "Sozialreport" befragten ostdeutschen Frauen sind der Auffassung, dass sie in der DDR gegenüber Männern gleichgestellt waren. Nur 10 Prozent meinen, dass sie benachteiligt waren. Demgegenüber glauben 72 Prozent, dass Frauen im vereinigten Deutschland gegenüber Männern benachteiligt sind; nur 18 Prozent sind überzeugt, gleichgestellt zu sein.

Auch Allbus-Umfragen aus den Jahren 1996 und 2000 zeigen, dass die ältere Generation in den ostdeutschen Bundesländern eine Gleichstellung von Frauen stärker unterstützt. Im Jahr 2000 sagen in der Gruppe der 46- bis 65-Jährigen sieben Prozent mehr Befragte im Westen als im Osten (1996 waren dies 12 Prozentpunkte), dass es für eine Frau wichtiger sei, ihrem Mann bei der Karriere zu helfen, als selbst Karriere zu machen. Sehr viel größer sind die Differenzen zwischen Ost und West bei der Aussage "Es ist für alle Beteiligten besser, wenn der Mann voll im Berufsleben steht und die Frau zu Hause bleibt und sich um den Haushalt und die Kinder kümmert" (im Jahre 2000 20 Prozentpunkte und 1996 31 Prozentpunkte) und "Ein Kleinkind wird sicherlich darunter leiden, wenn seine Mutter berufstätig ist" (im Jahre 2000 36 Prozentpunkte und 1996 27 Prozentpunkte).[20]

Vor diesem Hintergrund sind die Einschätzungen der 14-jährigen Mädchen und Jungen bemerkenswert: Bezüglich der Rechte von Frauen in der Gesellschaft sind nur sehr geringe Unterschiede zwischen den Jugendlichen in Ost und West auszumachen (vgl. Tabelle 1). Bei den Fragen zur Gleichstellung von Frauen in der Gesellschaft liegt die größte Differenz bei vier Prozent. Während erwachsene Frauen in den ostdeutschen Bundesländern an einer Gleichberechtigung von Männern und Frauen festhalten, gilt dies für die 14-bis 15-jährigen Jugendlichen in deutlich geringerem Maße.

Größere Unterschiede als bei den Fragen zur Gleichstellung von Frauen gibt es allerdings bei den Fragen zum Familienbild. Rund zehn Prozent mehr ost- als westdeutsche Jugendliche sind der Meinung, dass allein stehende Mütter oder Väter ihre Kinder genauso gut erziehen können wie beide Elternteile zusammen und eine berufstätige Frau ein genau so herzliches und vertrauensvolles Verhältnis zu ihren Kindern entwickeln kann wie eine Mutter, die nicht berufstätig ist (vgl. Tabelle 1).

Von Interesse ist in diesem Zusammenhang, ob 14-jährige Jungen und Mädchen in den ostdeutschen Bundesländern gleichermaßen von den Grundüberzeugungen der älteren in der DDR sozialisierten Generation abweichen. In der Allbus-Untersuchung aus dem Jahre 2000 ergeben sich eher geringfügige Unterschiede zwischen Männern und Frauen - dies gilt für Ost und West gleichermaßen. Bei den drei schon genannten Fragen zum Stellenwert der Berufstätigkeit von Frauen und den Konsequenzen mütterlicher Berufstätigkeit für Kleinkinder liegen im Jahre 2000 die Differenzen zwischen Männern und Frauen im Westen zwischen einem und elf, im Osten zwischen drei und sieben Prozentpunkte.[21]

Im Folgenden wollen wir differenziert nach Ost und West sowie nach Geschlecht Fragen zur Gleichstellung von Frauen im ökonomischen Bereich und zu ihrer Rolle bei der Kindererziehung diskutieren.

Die bei Mädchen und Jungen sowie Ost und West große Zustimmung zu einem Familienbild, dass eine Gleichstellung von Frauen in Beruf und Familie fordert, variiert allerdings beträchtlich. Die Hälfte der Mädchen stimmt den Forderungen nach Gleichstellung "völlig zu", während die Hälfte der Jungen die Antwortkategorie "stimme zu" wählt. So ausgeprägte Differenzen zwischen "Zustimmung" und "völliger Zustimmung" gibt es bei anderen Fragen in unserer Untersuchung nicht. Die unterschiedliche Einstellung wird besonders bei den Jugendlichen aus dem Westen deutlich. Der zentrale Unterschied im Frauen- und Familienbild von Jungen und Mädchen zeigt sich demnach nicht in der allgemeinen Zustimmung zu einem liberalen Bild, sondern im Grad der Zustimmung. Die meisten Jungen sind zwar auch der Meinung, dass Frauen in der Gesellschaft gleichgestellt sein sollten. Sie stimmen jedoch nur zu, während Mädchen "völlig" zustimmen. In der Abbildung werden diese Differenzen für eines der Items exemplarisch dargestellt.

Im Osten wie im Westen lehnt die große Mehrheit der Mädchen das konservative Bild der Frau, die ihre eigene Karriere zugunsten ihres Mannes aufgibt, ab. Dies gilt ebenso für die Forderung, dass Männer bei Arbeitsplatzknappheit bevorzugt werden sollten. Die Jungen haben zwar grundsätzlich ähnliche Einstellungen, sind jedoch deutlich zurückhaltender als die Mädchen. So meint mehr als ein Drittel der Jungen in Ost wie West, dass es für eine Frau wichtiger sei, ihrem Manne bei seiner Karriere zu helfen, als selbst Karriere zu machen (vgl. Tabelle 2).

Während diese Ergebnisse dem oft bestätigten Bild von den konservativeren Jungen entsprechen, sind die Differenzen zwischen Mädchen in Ost und West überraschend. Bei Arbeitsplatzknappheit würden mehr Mädchen aus dem Osten als aus dem Westen zugunsten der Männer zurücktreten (20 Prozent im Osten gegenüber 12 Prozent im Westen). Auch beim Item "Für eine Frau ist es wichtiger, ihrem Mann bei seiner Karriere zu helfen, als selbst Karriere zu machen" gibt es bei den Mädchen im Osten eine geringfügig größere Zustimmung als im Westen (21 Prozent gegenüber 19 Prozent) (vgl. Tabelle 2). Diese Differenzen sind zwar gering und können kaum als bedeutsam gewertet werden. Angesichts des Bildes, das Frauen in der DDR von sich hatten, entsprechen sie aber nicht den Erwartungen.

In der älteren Generation sind es auch heute noch die ostdeutschen Frauen, die in stärkerem Maße eine Gleichstellung betonen. Laut Allbus-Umfrage aus dem Jahre 2000 sagen fünf Prozent mehr Frauen im Westen als im Osten, "für eine Frau ist es wichtiger, ihrem Mann bei seiner Karriere zu helfen, als selbst Karriere zu machen" (27 Prozent im Osten und 32 Prozent im Westen), und 20 Prozent mehr Frauen im Westen stimmen der Aussage zu, dass es "für alle Beteiligten viel besser (ist), wenn der Mann voll im Berufsleben steht und die Frau zu Hause bleibt und sich um den Haushalt und die Kinder kümmert" (27 Prozent im Osten und 47 Prozent im Westen).[22]

Eher dem DDR-Bild von der autonomen Frau entsprechen die Einstellungen von 14-Jährigen bei der Kindererziehung. Dass allein stehende Mütter oder Väter ihre Kinder genauso gut erziehen können wie beide Eltern zusammen, meinen im Osten nach wie vor deutlich mehr Jugendliche als im Westen. Die Einschätzung, dass Kinder unter der Berufstätigkeit ihrer Mütter leiden, ist im Osten weniger stark verbreitet als im Westen (vgl. Tabelle 3). Bei der Einschätzung möglicher negativer Konsequenzen einer Berufstätigkeit von Müttern für ihre Kinder gibt es allerdings zwischen Jungen aus Ost und West keine Unterschiede. Beide Gruppen stimmen fast zur Hälfte dieser Ansicht zu. Sehr groß ist dagegen bei beiden Fragen - in Ost wie West - die Differenz zwischen Jungen und Mädchen.

Der Anteil der allein erziehenden Mütter war in der DDR deutlich größer als in der Bundesrepublik. Zahlreiche Regelungen in Schulen und Betrieben erleichterten es Frauen, Kinder und Erwerbstätigkeit miteinander zu vereinbaren. So war es für Frauen in der DDR leichter als für ihre Geschlechtsgenossinnen in der alten Bundesrepublik, sich bei Eheproblemen scheiden zu lassen. Möglicherweise aufgrund der eigenen Erfahrungen mit ihren Müttern sind mehr ostdeutsche Jugendliche der Auffassung, Frauen könnten die Erziehung ohne Nachteile für die Kinder auch allein bewältigen.

Fußnoten

1.
Vgl. Wilhelm Heitmeyer u.a., Die Bielefelder Rechtsextremismusstudie, Weinheim 1992; Deutsches Jugendinstitut, Schüler an der Schwelle zur deutschen Einheit, Opladen 1992; Jugendwerk der Deutschen Shell, Jugend '92. Die neuen Länder: Rückblick und Perspektiven, Opladen 1992; Detlef Oesterreich, Autoritäre Persönlichkeit und Gesellschaftsordnung. Der Stellenwert psychischer Faktoren für politische Einstellungen - eine empirische Untersuchung von Jugendlichen in Ost und West, Weinheim 1993.
2.
Vgl. Sibylle Meyer/Eva Schulze, Familie im Umbruch. Zur Lage der Familien in der ehem. DDR, in: Schriftenreihe des Bundesministeriums für Familien und Senioren. Bd. 7, Stuttgart 1992; Gisela Helwig/Hildegard Maria Nickel (Hrsg.), Frauen in Deutschland 1945-1992, hrsg. von der Bundeszentrale für politische Bildung, Bonn 1993.
3.
Vgl. Statistisches Bundesamt (Hrsg.), Datenreport 2002, hrsg. von der Bundeszentrale für politische Bildung, Bonn 2002.
4.
Teilgenommen haben Australien, Belgien (französischsprachiger Teil), Bulgarien, Chile, Kolumbien, Zypern, Tschechien, Dänemark, Deutschland, England, Estland, Finnland, Griechenland, Hongkong, Ungarn, Italien, Lettland, Litauen, Norwegen, Polen, Portugal, Rumänien, Russland, Slowakei, Slowenien, Schweden, Schweiz, USA.
5.
Vgl. Judith Torney-Purta/Rainer Lehmann/Hans Oswald/Wolfram Schulz, Citizenship and Education in Twenty-eight Countries. Civic Knowledge and Engagement at Age Fourteen, Amsterdam 2001; Detlef Oesterreich, Die politische Handlungsbereitschaft von deutschen Jugendlichen im internationalen Vergleich, in: Aus Politik und Zeitgeschichte, B 50/2001, S. 13 - 22; ders., Politische Bildung von 14-Jährigen in Deutschland. Studien aus dem Projekt Civic Education, Opladen 2002.
6.
Vgl. Judith Torney-Purta/John Schwille/Jo-Ann Amadeo (Hrsg.), Civic Education across Countries: Twenty-four National Case Studies from the IEA Civic Education Project, Delft 1999; Christa Händle/Detlef Oesterreich/Luitgard Trommer, Aufgaben politischer Bildung in der Sekundarstufe I, Opladen 1999; dies., Concepts of Civic Education in Germany based on a Survey of Expert Opinion, in: J. Torney-Purta/J. Schwille/J.-A Amadeo, ebd.
7.
Für differenziertere Vergleiche, insbesondere die Stellung der deutschen Jugendlichen im internationalen Vergleich, verweisen wir auf die Gesamtdarstellung der deutschen Studie "Politische Bildung von 14-Jährigen in Deutschland".Vgl. D. Oesterreich (Anm. 5); Christa Händle, Kritisch distanziert und sozial engagiert, in: Hannelore Reich-Gerick (Hrsg.), Frauen und Schule, gestern, heute, morgen, Bielefeld 2003.
8.
Vgl. J. Torney-Purta/J. Schwille/J.-A. Amadeo (Anm. 6).
9.
Vgl. Luitgard Trommer, Eine Analyse der Lehrpläne zur Sozialkunde in der Sekundarstufe I, in: Chr. Händle/D. Oesterreich/L. Trommer, Aufgaben (Anm. 6), Opladen 1999.
10.
Vgl. Detlef Oesterreich/Christa Händle/Luitgard Trommer, Eine Befragung von Experten und Expertinnen zur politischen Bildung in der Sekundarstufe I, in: Chr. Händle/D. Oesterreich/L.Trommer (Anm. 6).
11.
Vgl. J. Torney-Purta u.a. (Anm. 5).
12.
Vgl. D. Oesterreich (Anm. 5).
13.
Vgl. Judith Torney-Purta/Abraham N. Oppenheim/Russell F. Farnen, Civic Education in Ten Countries, Stockholm 1975.
14.
Vgl. Carole Hahn, Becoming Political. Comparative Perspectives on Civic Education, Albany 1998; Magne Angvik/Bodo von Borries, Youth and History, Hamburg 1997.
15.
Vgl. J. Torney-Purta u.a. (Anm. 5), S. 110.
16.
Vgl. Luitgard Trommer, Frauen in Deutschland: Lebensverhältnisse in der BRD und in der DDR vor dem 3. Oktober 1990, Max-Planck-Institut für Bildungsforschung 1991; S. Meyer/E. Schulze (Anm. 2); Jutta Gysi/Dagmar Meyer, Leitbild: berufstätige Mutter - DDR-Frauen in Familie, Partnerschaft und Ehe, in: G. Helwig/H. M. Nickel (Anm. 2).
17.
Vgl. S. Meyer/E. Schulze (Anm. 2).
18.
Vgl. Rainer Geißler, Die Sozialstruktur Deutschlands, Opladen 1992.
19.
Siehe hierzu Gunnar Winkler, Untersuchung des Sozialreports 2001. Zur Lage in den neuen Bundesländern, Berlin 2001.
20.
Vgl. Datenreport 2002 (Anm. 3), S. 533ff.
21.
Vgl. ebd., S. 533ff.
22.
Vgl. ebd.

Detlef Oesterreich

Zur Person

Detlef Oesterreich

Dr. phil., geb. 1943; wissenschaftlicher Mitarbeiter am Max-Planck-Institut für Bildungsforschung (MPIB) Berlin.
Anschrift: Max-Planck-Institut für Bildungsforschung, Lentzeallee 94, 14195 Berlin. E-Mail: oest@mpib-berlin.mpg.de

Veröffentlichungen u.a.: Flucht in die Sicherheit. zur Theorie des Autoritarismus und der autoritären Reaktion, Opladen 1996; (zus. mit Christa Händle und Luitgart Trommer) Aufgaben politischer Bildung in der Sekundarstufe I, Opladen 1999; Politische Bildung von 14-Jährigen in Deutschland, Opladen 2002.


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