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12.10.2018

Editorial

"Es giebt keine Freiheit der Männer, wenn es nicht eine Freiheit der Frauen giebt. Wenn eine Frau ihren Willen nicht zur Geltung bringen darf, warum soll es der Mann dürfen."

Hedwig Dohm (1831–1919)

Fast 100 Jahre nach Einführung des Frauenwahlrechts in Deutschland wird Bundeskanzlerin Angela Merkel als mächtigste Frau der Welt gehandelt, an der Spitze der ältesten deutschen Partei steht Andrea Nahles, und Ursula von der Leyen befehligt die deutschen Streitkräfte. Seit jenen Tagen, als ihnen noch mit dem Verweis auf ihre "Natur" das (aktive) Frauenstimmrecht und das passive Wahlrecht vorenthalten wurde, haben Frauen beziehungsweise die Frauenbewegung viel erreicht.

Aber offenbar nicht genug: Der Frauenanteil im deutschen Bundestag ist nach der letzten Wahl so niedrig wie seit knapp 20 Jahren nicht, in manch einem Landesparlament ist zurzeit weniger als ein Viertel der Abgeordneten weiblich, und in den Rathäusern sind Bürgermeisterinnen ein seltener Anblick. Kein Wunder, dass auch hierzulande über Quotenregelungen ähnlich des Parité-Gesetzes in Frankreich debattiert wird, um die Hälfte der Bevölkerung angemessen zu repräsentieren.

Im aktuellen Global Gender Gap Index des Weltwirtschaftsforums, der mehr berücksichtigt als die Geschlechterlücke in der politischen Repräsentation, liegt Deutschland auf Platz 12. Auf den untersten Rängen finden sich viele arabische Staaten, der Jemen bildet mit Rang 144 das Schlusslicht. Die arabischen Frauenbewegungen können auf Erfolge zurückblicken, wie die Einführung des Frauenwahlrechts in Ländern wie Syrien, Ägypten, Tunesien und dem Libanon bereits in den 1950er Jahren, aber auch auf Stagnation und Rückschritte, nicht zuletzt durch das Erstarken eines extrem frauenfeindlichen Islamismus.
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Dieser Text ist unter der Creative Commons Lizenz "CC BY-NC-ND 3.0 DE - Namensnennung - Nicht-kommerziell - Keine Bearbeitung 3.0 Deutschland" veröffentlicht. Autor/-in: Anne Seibring für Aus Politik und Zeitgeschichte/bpb.de

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Anne Seibring

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