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17.12.2004

Gewaltprävention durch Arbeit mit Minderjährigen in der Prostitution

Prostituierte werden deutlich häufiger Opfer von Gewalt als andere Frauen. Davon sind jüngere Frauen noch stärker betroffen. Im Sinne der Gewaltprävention ist es besonders dringend, sich prostituierenden Mädchen und jungen Frauen Beratung und Hilfe anzubieten.

Gewalt im Leben von Prostituierten

Der Zusammenhang von Prostitution und Gewalt ist ein vielschichtiges Thema. Sei es, dass Prostitution als solche bereits als Gewalt gegen Frauen gesehen, sei es, dass sie als ein Feld mit andauernden gewalttätigen Übergriffen wahrgenommen wird. Überfälle auf Prostituierte, Vergewaltigungen, sexuelle Nötigungen und Morde scheinen im Prostitutionsmilieu an der Tagesordnung zu sein. Prostitution ist durchaus ein Bereich mit einem hohen Gewaltpotenzial, und nicht wenige Prostituierte haben im Laufe ihres Lebens deutlich mehr Gewalt erlebt als andere Frauen. Eine pauschale Aussage, die Prostitution mit Gewalt gleichsetzt, ist jedoch falsch und wenig hilfreich. Vielmehr muss genauer hingeschaut und zwischen den Zusammenhängen, in denen Gewalt gegen Prostituierte vorkommt, differenziert werden. Nur so können sinnvolle Angebote zur Unterstützung und zum Durchbrechen eines teilweise vorhandenen Gewaltkreislaufes entwickelt werden.











Gewalt im Leben von Prostituierten ist nicht identisch mit Gewalt in der Prostitution. Grundsätzlich ist zu unterscheiden zwischen gewalttätigen Übergriffen, die mit der Ausübung der Prostitution verbunden sind, und erlebter Gewalt außerhalb der Prostitution.

Sexuelle Gewalt in Kindheit und Jugend

In einer Untersuchung zur Lebenssituation von Prostituierten[1] wurden per Fragebogen bundesweit 250 und im persönlichen Interview 40 ehemalige und noch tätige Prostituierte u.a. zu verschiedenen Formen erlebter Gewalt befragt. 50 Prozent der Befragten (119 Frauen) mit gültigen Antworten wurden bis zu ihrem 18. Lebensjahr Opfer eines oder mehrerer strafrechtlich relevanter Sexualdelikte wie Vergewaltigung oder sexueller Nötigung durch inner- oder außerfamiliäre Täter.

Der Vergleich mit einer repräsentativen Befragung des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen (KFN) zu Opfererfahrungen[2] zeigte eine außergewöhnlich hohe Belastung der durch die oben genannte EVA-Studie erreichten Prostituierten durch sexuelle Nötigung und Vergewaltigung bis zum 18. Lebensjahr. Aus den Daten der KFN-Befragung ergab sich eine entsprechende Belastung bei 5,7 Prozent der Befragten. Bei den Probandinnen der EVA-Studie waren es mit 50 Prozent fast zehnmal mehr. Dazu kamen bei vielen von ihnen stark belastende Beziehungen zu einem oder beiden Elternteilen, einem gewalttätigen bzw. durch Alkoholmissbrauch geprägten Elternhaus, wechselnde Bezugspersonen, Trebeerfahrungen und/oder Heimaufenthalte.

Die hohe Belastung von Prostituierten durch Gewalt in Kindheit und Jugend wird durch die Ergebnisse der vom Interdisziplinären Zentrum für Frauen- und Geschlechterforschung der Universität Bielefeld durchgeführten Prävalenzstudie zur Lebenssituation, Sicherheit und Gesundheit von Frauen in Deutschland[3] bestätigt. Im Rahmen dieser Untersuchung wurden u.a. 110 Prostituierte befragt, davon hatten 43 Prozent in ihrer Kindheit und Jugend sexuelle Gewalt erlebt, und ein hoher Anteil erfuhr körperliche Misshandlungen durch Erziehungspersonen.

Gewalt während der Prostitutionstätigkeit

Das Risiko, in der Prostitution Gewalt ausgesetzt zu sein, ist sehr hoch. 54 Prozent der im Rahmen der EVA-Studie befragten Frauen waren während ihrer Tätigkeit als Prostituierte verschiedenen Gewalttaten durch unterschiedliche Täter ausgesetzt. Sie wurden Opfer physischer und/oder sexueller Gewalt durch Kunden, Zuhälter und/oder Betreiber eines Etablissements. 34 Prozent wurden im Rahmen ihrer Tätigkeit sexuell genötigt oder vergewaltigt. Die Prävalenzstudie der Universität Bielefeld kommt zu ähnlichen Ergebnissen. 41 Prozent der befragten Prostituierten hatten im Kontext der Prostitutionsausübung körperliche oder/und sexuelle Gewalt erlebt.

Das Risiko, in der Prostitution Opfer einer Gewalttat zu werden, ist jedoch ungleich verteilt. Frauen, die im Alter bis zu 21 Jahren in die Prostitution gingen, berichteten in der EVA-Studie deutlich häufiger über erlittene Gewalt. Je jünger sie waren, als sie mit der Prostitutionstätigkeit begannen, desto öfter wurden sie Opfer gewalttätiger Zuhälter bzw. Betreiber. Frauen, die von dieser Tätergruppe noch nie Gewalt erlitten hatten, waren beim Einstieg in die Prostitution durchschnittlich 23,8 Jahre alt. Frauen, die ein- bis fünfmal entsprechende Gewalt erlebten, waren beim Prostitutionsbeginn durchschnittlich 21,9 Jahre alt, und Befragte, die mehr als fünfmal körperlicher Gewalt durch Zuhälter/Betreiber ausgesetzt waren, begannen mit durchschnittlich 18,6 Jahren mit der Prostitution. Es ist daher im Sinne der Gewaltprävention besonders wichtig, Mädchen und junge Frauen in der Prostitution zu erreichen, sie zu unterstützen und zu stärken sowie mit ihnen Alternativen für ein Leben außerhalb der Prostitution zu entwickeln.

Minderjährige in der Prostitution

Es gibt keine verlässlichen Daten darüber, wie viele Minderjährige sich prostituieren, ebenso wenig sicher ist die Zahl erwachsener Prostituierter. Hochrechnungen und Schätzungen bewegen sich je nach Ausgangslage zwischen 50 000 und 400 000 Frauen, die in Deutschland als Prostituierte arbeiten.[4] Angaben zum Umfang der Minderjährigenprostitution werden auch dadurch erschwert, dass es sich hierbei um eine Grauzone im Schnittstellenbereich verschiedener Szenen handelt wie die Prostitutions-, die Drogen-, Bahnhofs- und Treberszene. Denkbar sind weitere subkulturelle Zusammenhänge wie Jahrmarktsszenen, aber auch Cliquen und Beziehungen von Jugendlichen, in denen das Anbieten sexueller Dienstleistungen im Tausch gegen bestimmte Vergünstigungen oder zur Statuserhöhung erfolgt. Mit Ausnahme der Drogenprostitution findet die Prostitution Minderjähriger häufig im Verborgenen statt. Dies erschwert den Zugang zu den Mädchen und jungen Frauen durch Unterstützungs- und Hilfsangebote.

Im Bereich der gewerblichen Prostitution und der einschlägigen Etablissements wie Bordelle, Bars, Clubs oder eigens zur Ausübung der Prostitution angemietete Wohnungen sind Minderjährige bislang selten anzutreffen. Ein Grund dafür ist die Strafbarkeit der Förderung der Prostitution Minderjähriger. Von einzelnen Beratungsstellen für Prostituierte mehren sich jedoch Hinweise darauf, dass insbesondere im Bereich der Wohnungsprostitution sowie im Kontext von Menschenhandel und Zwangsprostitution die Zahl Minderjähriger steigt. So beobachtet etwa die Dortmunder Mitternachtsmission in den letzten Jahren eine wachsende Zahl von Minderjährigen in bordellähnlichen Betrieben und unter den Opfern des Menschenhandels.[5] Auch ist bekannt, dass Minderjährige auf der Straße der Prostitution nachgehen. Sie bemühen sich um Unauffälligkeit und sind deshalb auch von Streetworkerinnen nur schwer als Prostituierte erkennbar. Trotz vereinzelter Belege ist der Bereich der gewerblichen Prostitution bezüglich der Minderjährigenprostitution jedoch ein großes Dunkelfeld.

Prostitution von Mädchen und jungen Frauen ist am auffälligsten im Kontext eines Drogenmissbrauchs. Beschaffungsprostitution findet häufig in unmittelbarer Nähe der Drogenszene statt. Der "Drogenstrich" befindet sich meistens innerhalb von Sperrbezirken,[6] d.h. in öffentlichen Bereichen, in denen die Ausübung der Prostitution verboten ist. Sich prostituierende Drogenabhängige sind einem erhöhten Maß an Gewalt durch Kunden ausgesetzt. Vergewaltigung, Raub, Freiheitsberaubung und Forderungen nach extremen, mit gesundheitlichen Risiken verbundenen Sexualpraktiken kommen häufig vor. Mädchen und junge Frauen, die der Beschaffungsprostitution nachgehen, definieren sich in der Regel nicht als Prostituierte. Sie sind daher auch durch Unterstützungsangebote für professionelle Prostituierte häufig nicht erreichbar.

Mädchen und junge Frauen auf der Straße sind eine weitere wichtige Gruppe im Kontext der Minderjährigenprostitution. Für Mädchen, die von zu Hause oder aus Heimen weggelaufen sind, ist die Prostitution oft eine Möglichkeit zum Überleben. Sie erfolgt dabei eher im Austausch gegen eine Übernachtungsmöglichkeit oder auch als "Danke" für tatsächliche oder empfundene Nettigkeiten oder Zuwendungen. Die Mädchen definieren sich daher auch nicht als Prostituierte. In den Treffpunkten und Angeboten für Jugendliche auf der Straße ist das Thema Prostitution oft ein einverständliches Tabu. Bevorzugte Treffpunkte von Jugendlichen wie Bahnhöfe oder andere Citybereiche liegen ebenfalls häufig in Sperrgebieten. Andere Treffpunkte wie bestimmte Straßen und Plätze gelten zum Teil als "gefährliche" oder "jugendgefährdende Orte" bzw. Brennpunktgebiete. Häufig halten sich dort verschiedene subkulturelle Szenen auf, denen die Polizei vermehrte Aufmerksamkeit widmet.

Das Projekt "Minderjährigen- prostitution" der Dortmunder Mitternachtsmission

Die vorliegenden Daten und Erfahrungen von Beratungsstellen für Prostituierte verdeutlichen die Notwendigkeit von unterstützenden Angeboten insbesondere für Minderjährige in der Prostitution. Mit dem Projekt "Minderjährigenprostitution" der Dortmunder Mitternachtsmission wurde erstmals im Rahmen der Arbeit einer Fachberatungsstelle für Prostituierte ein spezielles Unterstützungsangebot für Minderjährige im Kontext der Prostitution entwickelt. Durch die Einbindung in die Arbeit einer etablierten Prostituiertenberatungsstelle bestanden vielfältige Querverbindungen zu anderen Arbeitsbereichen der Einrichtung, insbesondere zum Arbeitsbereich "Beschaffungsprostitution", aber auch zu den Bereichen "Hilfen für Opfer von Menschenhandel", "Linienstraße" und "Bordellähnliche Betriebe". Die erste Phase des Projekts "Minderjährigenprostitution" lief vom Oktober 2001 bis September 2003. Die Projektarbeit wurde aus Mitteln der Stiftung Deutsche Jugendmarke gefördert und von den Autorinnen wissenschaftlich begleitet.

Zielgruppe waren vorrangig Mädchen und junge Frauen bis zu 18 Jahren, unabhängig davon, in welchem Kontext sie sich prostituierten und ob sie sich selbst als Prostituierte definierten. Auch 18- bis 21-jährige junge Frauen zählten zur Zielgruppe, wenn sie in die Zuständigkeit der Jugendhilfe fielen und erzieherischer Bedarf nach dem Kinder- und Jugendhilfegesetz bestand.

Übergeordnetes Projektziel war, das Angebot der Mitternachtsmission für sich prostituierende Mädchen und junge Frauen bekannt zu machen, Zugang zu ihnen zu bekommen und ihnen auf ihre spezifische Situation zugeschnittene Hilfe und Unterstützung zum Ausstieg aus dem Milieu zukommen zu lassen. Dazu mussten neue Zugangswege erschlossen und neue Kooperationspartnerinnen und -partner gewonnen werden. Im Kontext der Prostitution Minderjähriger kommt der Prävention ein besonderer Stellenwert zu. Hier geht es um die Enttabuisierung und Entmystifizierung von Prostitution, um einem (weiteren) Hineingleiten in das Prostitutionsmilieu entgegenzuwirken. Die Projektarbeit umfasste daher mehrere, ineinander greifende Schwerpunkte.

Feldarbeit durch Streetwork stellte eine Möglichkeit des Zugangs zur Zielgruppe dar. Orte, an denen sich prostituierende Mädchen und junge Frauen aufhalten (könnten), wurden ausfindig gemacht; die Streetworker verschafften sich einen Überblick über Umfang und Erscheinungsform der dort stattfindenden Prostitution. Vorrangiges Ziel war Bekanntmachen des Projekt- und Beratungsstellenangebotes im Milieu sowie die Herstellung tragfähiger Kontakte.

In der Einzelfallarbeit wurden die erreichten Mädchen und jungen Frauen gezielt beraten und unterstützt. Durch die Projektarbeit konnten auch die Möglichkeiten verbessert werden, Minderjährigen, zu denen über andere Arbeitsbereiche der Mitternachtsmission Kontakt bestand oder hergestellt werden konnte, auf ihre spezifische Situation zugeschnittene Hilfe und Unterstützung zukommen zu lassen.

Durch Kooperation und Vernetzung mit anderen Einrichtungen des Hilfesystems wurde die Unterstützung der Klientinnen optimiert. Neben der Mitarbeit in bereits bestehenden Gremien und Arbeitszusammenhängen sind neue, auf die spezifische Thematik der Minderjährigenprostitution zugeschnittene Kooperationsgremien geschaffen worden.

Unter dem Aspekt der Prävention wurden Jugendliche über Gefährdungsmomente und Risiken der Prostitution im Jugendalter informiert, dazu sensibilisiert und über Hilfs- und Unterstützungsangebote informiert. Es wurde direkt mit Mädchen und jungen Frauen gearbeitet, und es sind Projekte mit Jugendlichen durchgeführt worden. Die beteiligten Jugendlichen konnten so auch befähigt werden, innerhalb ihrer Gleichaltrigen- bzw. Peergruppe als Multiplikatoren zu fungieren und ihr neues Wissen an andere, insbesondere ihnen bekannte gefährdete Mädchen und junge Frauen, weiterzugeben. Darüber hinaus wurden Lehrerinnen und Lehrer, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Jugendfreizeitheimen sowie anderer Institutionen und Einrichtungen des Hilfesystems, die mit dem Thema Minderjährigenprostitution konfrontiert sind bzw. sein könnten, entsprechend fortgebildet. Auch erfolgte eine breite Öffentlichkeitsarbeit zum Thema Minderjährigenprostitution.

Die folgenden ausgewählten Ergebnisse der wissenschaftlichen Begleitung geben einen Überblick über die beratenen Klientinnen sowie die vielfältigen Wege, durch die der Kontakt zu Minderjährigen in der Prostitution hergestellt werden kann.

Unterstützte Klientinnen

Im Laufe der Projektarbeit wurden Persönlichkeitsdaten von 65 Klientinnen, zu denen ein mehrmaliger beratender und unterstützender Kontakt hergestellt werden konnte, mittels eines eigens entwickelten Dokumentationsbogens aufgezeichnet. Von darüber hinaus erreichten Mädchen und jungen Frauen, zu denen nur einmalige Kontakte bestanden, liegen keine entsprechenden Daten vor.

Die Klientinnen waren zum Zeitpunkt der Beratungsaufnahme zwischen 12 und 24 Jahre alt. Ihr durchschnittliches Alter betrug zum Zeitpunkt der Aufnahme in die Beratung 16 Jahre.

Die Mehrheit besaß nicht die deutsche Staatsangehörigkeit. Deutsche Klientinnen stellten mit 41 Prozent aber die größte Gruppe. Gut ein Viertel waren Bürgerinnen eines afrikanischen Staates. Eine weitere größere Gruppe bildeten Klientinnen aus Südosteuropa, vorrangig aus Bulgarien. Der mit knapp drei Fünfteln recht hohe Anteil nichtdeutscher Klientinnen hatte Konsequenzen für die Beratung. Zusätzlich zur psychosozialen Unterstützung mussten ggf. auch Fragen des Aufenthaltes oder die Organisation einer sicheren Rückreise ins Heimatland geklärt werden.

Nur knapp ein Fünftel der Beratenen war bei Vater und Mutter aufgewachsen. Die aktuelle Lebenssituation reichte von Wohnen bei beiden Elternteilen über geschützte Wohnverhältnisse bis hin zu "ohne festen Wohnsitz". Nur gut ein Fünftel lebte bei einem oder beiden Elternteilen. Von den anderen wohnten die meisten bei Freundinnen oder Freunden. Einige Klientinnen verfügten über keine feste Wohnmöglichkeit, wechselten dementsprechend häufiger ihren Wohnort, schlüpften "mal hier, mal da" unter.

Die Prostitution spielte für die Finanzierung des Lebens eine große Rolle, gut die Hälfte der Klientinnen bestritt ihren Lebensunterhalt zum Teil oder ausschließlich darüber. Weitere Einnahmequellen waren der Elternunterhalt oder die Jugend- bzw. Sozialhilfe. Jobs oder illegale Geschäfte spielten eine eher untergeordnete Rolle.

Prostitutionserfahrungen der Mädchen und jungen Frauen

Mit dem Projekt "Minderjährigenprostitution" sollten auch Mädchen und junge Frauen erreicht werden, die sich in einem Umfeld bewegen, das Risiken für einen Einstieg in die Prostitution birgt. Dies gelang, der weitaus größte Teil der Klientinnen (57) ging jedoch der Prostitution nach.

Nur 22 Klientinnen äußerten sich darüber, wie lange sie sich schon prostituierten. Bei den meisten lag der Einstieg mit bis zum einem Jahr noch nicht weit zurück. Immerhin sieben gingen jedoch schon länger als ein Jahr der Prostitution nach, zwei davon mehr als drei Jahre. Fünf Klientinnen stiegen in die Prostitution ein, als sie noch unter 14 Jahren und somit Kinder im Sinne des Gesetzes waren; für weitere sechs lag der Einstieg zwischen ihrem 14. und dem 16. Geburtstag. Das durchschnittliche Einstiegsalter betrug 14,9 Jahre.

Von 48 Klientinnen liegen Angaben vor, in welchen Prostitutionsbereichen sie tätig waren. Legaler und illegaler Straßenstrich, Kneipen und Bars spielten dabei die größte Rolle. Ein Drittel der Mädchen und jungen Frauen wurde in einem als "Grauzone" zu bezeichnenden Bereich angetroffen und somit an Orten bzw. in Szenen, an denen es schwer ist, die Prostitution als solche zu erkennen.

Von 45 Klientinnen war bekannt, wie sie in die Prostitution kamen. Bei über einem Fünftel erfolgte der Einstieg direkt über einen Zuhälter. Insgesamt war aber eher die jeweilige jugendliche Peergruppe einstiegsfördernd. Fast zwei Fünftel der Klientinnen bekamen durch ihre Clique, eine Freundin oder einen Freund erstmals Kontakt zum Milieu. Zwei Fünftel begannen zwangsweise mit der Prostitution. Sechs Klientinnen sahen keine andere Möglichkeit, als sich zu prostituieren, davon waren vier drogenabhängig und zwei waren zu jung, um sich dem Zwang zur Prostitution zu widersetzen.

Ob sich ein Mädchen oder eine junge Frau als Prostituierte definiert, hat entscheidenden Einfluss darauf, für welche Unterstützungsangebote sie zugänglich ist. Nur eine Klientin bezeichnete sich selbst als Prostituierte. Nach Einschätzungen der Projektmitarbeiterinnen würden sich die weitaus meisten ihrer Klientinnen nicht als Prostituierte titulieren, sondern eher als "drogensüchtig" oder "Opfer der Umstände" bzw. als Zugehörige einer bestimmten Szene sehen.

Gewalterlebnisse der Klientinnen

Knapp zwei Drittel der Klientinnen berichteten im Beratungsprozess von sich aus, dass sie Gewalt erlebt hatten. Es ist jedoch davon auszugehen, dass erlittene Gewalt nicht von allen offenbart wurde. Die dokumentierten Erlebnisse sind daher nur eine Mindestangabe.

Mehr als die Hälfte der Klientinnen berichtete über Gewalt in der Prostitution, fast zwei Fünftel über solche in der Familie. Annähernd ein Drittel hatte in mehreren Zusammenhängen Gewalt erlebt. Diese hohe Gewaltrate korrespondiert mit den eingangs vorgestellten Ergebnissen anderer Studien.

Bei Gewalt in der Prostitution spielten Übergriffe durch Freier und/oder durch Zuhälter die größte Rolle. 26 Klientinnen erlitten Gewalt durch zwei oder mehr Täterinnen oder Täter in der Prostitution. Es dominierte sexuelle Gewalt, die häufig inKombination mit anderen Formen physischer Gewaltanwendung erfolgte.

In der Familie kam am häufigsten Gewalt durch die Mutter vor; 12 Klientinnen berichteten darüber. Dieser hohe Anteil hängt auch damit zusammen, dass fast ein Drittel der Klientinnen bei ihrer Mutter allein aufwuchsen. Aber auch Gewalt durch Vater, Onkel oder den eigenen Freund spielte im familiären Bereich eine Rolle. Insgesamt 11 Klientinnen berichteten von sexueller Gewalt in der Familie.

Bisherige Kontakte der Klientinnen zu Einrichtungen und Institutionen

Ein Ziel der Projektarbeit bestand darin, Klientinnen in bestehende Angebote der Jugendhilfe oder andere Unterstützungsangebote zu (re)integrieren. Die bisherigen Erfahrungen mit Einrichtungen und Institutionen des Unterstützungssystems sind für Klientinnen häufig ausschlaggebend für die Bereitschaft, ein entsprechendes Angebot in Anspruch zu nehmen. Über ein Drittel (23) der Beratenen hatte schon Kontakt zum Jugendamt, mehr als die Hälfte davon regelmäßig, und über ein Fünftel hatte bereits spezialisierte Einrichtungen der Jugendhilfe in Anspruch genommen. Dies waren vor allem Heime, das "Sleep-In", die Schutzstelle und die Streetworker der Stadt. Mehr als ein Viertel der Klientinnen war schon mit der Polizei in Kontakt gekommen, fast ein Fünftel ein- oder mehrmals in einer psychiatrischen Einrichtung.

Zugang zur Zielgruppe

Prostitution Minderjähriger findet überwiegend im Verborgenen statt. Dies erschwert die Erreichbarkeit und die Kontaktaufnahme. Die Projektmitarbeiterinnen versuchten deshalb auf verschiedenen Wegen, Zugang zur Zielgruppe zu bekommen. Zum einen wurden Kontakte zu Einrichtungen des Unterstützungssystems geknüpft und das Projekt bei möglichen Multiplikatoren und Multiplikatorinnen bekannt gemacht, zum anderen Plätze aufgesucht, an denen von Minderjährigenprostitution ausgegangen werden konnte, wie legale und illegale Straßenstrichbereiche. Andere Orte, an denen die Prostitution Minderjähriger eher vermutet wurde, wie bestimmte Szenetreffpunkte oder Diskotheken, wurden beobachtet. Auch andere Arbeitsbereiche der Mitternachtsmission waren wichtige Zugangswege.

Zugangswege der erreichten Klientinnen

Fast ein Viertel der Klientinnen kam über die Vermittlung von Freundinnen oder Freunden, ein Achtel über das Jugendamt bzw. Einrichtungen der Jugendhilfe. Etliche Mädchen und junge Frauen fanden über erwachsene Prostituierte Zugang zum Projekt. Insgesamt gelangten über 90 Prozent (58) der Klientinnen durch Vermittlung in die Beratung, die anderen wurden durch eine Streetworkerin der Mitternachtsmission herangeführt.

Die Mitarbeiterinnen setzten auf unterschiedliche Strategien, um Zugang zu sich prostituierenden oder gefährdeten Mädchen und jungen Frauen zu erlangen:

Streetwork

Bei Streetwork auf dem offiziellen Straßenstrich gestaltet sich die Kontaktaufnahme vergleichsweise einfach. Minderjährige, die sich an Orten aufhalten, an denen sexuelle Dienstleistungen offen angeboten werden, haben entweder eine affirmative Nähe zum Milieu oder bereits erste Schritte zum Einstieg in die Prostitution unternommen. Sie zu identifizieren und anzusprechen bedarf zwar großer Sensibilität, jedoch ist die Umgebung eindeutig. Daran kann im Kontaktgespräch angeknüpft werden.

Streetwork an Orten, an denen das Anbieten sexueller Dienstleistungen zwar wahrscheinlich, aber nicht offensichtlich ist und deshalb nur vermutet wird, gestaltet sich schwieriger. Besonders kompliziert ist das Ansprechen von Mädchen und jungen Frauen im Sperrbezirk. Diese Gespräche bedürfen eines sehr großen Einfühlungsvermögens, um die Mädchen und jungen Frauen nicht zu verschrecken. Die Mitarbeiterinnen müssen mit Abwehr und unterschiedlichen Verleugnungsstrategien der Angesprochenen umgehen und dürfen sich dadurch nicht entmutigen lassen.

Streetwork wurde an verschiedenen Orten, an denen minderjährige Prostituierte vermutet wurden, durchgeführt. Diese waren neben dem offiziellen Straßenstrich auch der im Sperrbezirk liegende Straßenstrich, Szenetreffpunkte sowie der Bahnhofsbereich. Sich dort länger aufhaltende Mädchen und junge Frauen wurden angesprochen, je nach Gesprächsverlauf erhielten sie Kondome und eigens entwickeltes Informationsmaterial über die spezifischen Unterstützungsmöglichkeiten. Zwar konnte über die Streetwork nur zu einem kleinen Teil der Klientinnen ein Erstkontakt hergestellt werden, die Präsenz auf der Straße war jedoch wichtig zum Erhalt der Kontakte auch zu anderen Klientinnen.

Streetwork als Zugangsstrategie bewährte sich, um einerseits sich prostituierende drogenabhängige Mädchen und junge Frauen zu erreichen und andererseits von erwachsenen Prostituierten Informationen über Minderjährige zu bekommen, die sich auf der Straße prostituieren.

Zugang über Multiplikatorinnen und Multi- plikatoren in Einrichtungen und Institutionen

Es wurden vielfältige Kontakte zu Einrichtungen und Institutionen geknüpft, in denen sich Jugendliche aufhalten: Schulen, Jugendfreizeitstätten, andere Einrichtungen der Jugendhilfe und Kinder- und Jugendpsychiatrie. So konnte das Angebot einer großen Anzahl von Multiplikatoren, aber auch Jugendlichen bekannt gemacht werden. Andere Einrichtungen vermittelten Mädchen und junge Frauen, von denen eine Prostitutionstätigkeit oder eine Gefährdung vermutet wurde, an die Mitternachtsmission.

Die Multiplikatorenarbeit in Einrichtungen mit dem Ziel, sich prostituierende Minderjährige vermittelt zu bekommen, die in diesen Einrichtungen auftauchen, hat sich bewährt. Durch die Projektarbeit konnten sie in ihrer speziellen Situation besser unterstützt werden und adäquate Hilfen vermittelt bekommen.

Zugang über andere Arbeitsbereiche der Mitternachtsmission

Sowohl im Arbeitsbereich "Hilfen für Opfer von Menschenhandel" als auch im Bereich "Bordellähnliche Betriebe" waren Beraterinnen der Mitternachtsmission immer wieder mit Minderjährigen konfrontiert. Über diese Arbeitsbereiche konnten auch Klientinnen erreicht werden, die anders nicht zu erreichen gewesen wären. Hier zeigte sich der Vorteil der Projektanbindung an eine etablierte Beratungsstelle für Prostituierte. Nur durch gute Kontakte ins Milieu ist es möglich, Minderjährige z.B. in der Bordellprostitution zu finden und Kontakt zu ihnen herzustellen. Als wichtige Vermittlerinnen in die Beratung erwiesen sich in diesem Kontext erwachsene Klientinnen der Mitternachtsmission.

Die enge Zusammenarbeit mit anderen Arbeitsbereichen der Mitternachtsmission bewährte sich, um Zugang zu sich prostituierenden Minderjährigen zu bekommen, die eher verdeckt arbeiten und von anderen Angeboten nicht erreichbar sind.

Beobachtung in Diskotheken

Die Kontaktaufnahme und Information über die Projektangebote sind an Orten besonders schwierig, an denen das Anbieten sexueller Dienstleistungen bzw. Grauzonen von Prostitution zwar wahrscheinlich, aber nicht offensichtlich ist und eher vermutet wird. Dies können vor allem Diskotheken mit einschlägigem Ruf sein. Sie wurden ebenfalls aufgesucht. In den meisten waren zwar keine Minderjährigen anzutreffen, aber es kristallisierten sich drei Diskotheken heraus, auf die sich die weitere Feldarbeit konzentrierte. Durch das offene und verdeckte Platzieren von Informationsmaterial wurde der Bekanntheitsgrad des Angebotes bei der Zielgruppe potenziell gefährdeter Mädchen erhöht.

Die Eruierung der Diskothekenszene bewährte sich, um potenziell gefährdete Mädchen und junge Frauen auf das Projekt aufmerksam zu machen.

Empfehlungen für die Arbeit im Bereich Minderjährigenprostitution

Aus den Ergebnissen der Arbeit des Projektes "Minderjährigenprostitution" lassen sich verallgemeinerbare Empfehlungen für die Arbeit mit sich prostituierenden Mädchen und jungen Frauen ableiten:

Verschränkung von Jugendarbeit und Prostitutionsberatung

Es empfiehlt sich, den Arbeitsbereich "Minderjährige Prostituierte" an Fachberatungsstellen für Prostituierte anzubinden. Sie verfügen über eine Milieukenntnis und haben in der Regel auch Kontakt zu Schlüsselpersonen im Milieu. Dies erleichtert den Zugang zu Mädchen und jungen Frauen, die im Bereich der gewerblichen Prostitution tätig sind.

Für Minderjährige zuständige Mitarbeiterinnen sollten Erfahrungen in der Jugendarbeit haben. Auch sollte eigenes, neutraleres und jugendspezifisches Informationsmaterial entwickelt werden, denn die meisten sich prostituierenden und gefährdeten Mädchen und jungen Frauen sehen sich eher als zu bestimmten Szenen zugehörig oder als Opfer bestimmter Umstände. Sie würden sich von Hilfs- und Unterstützungsangeboten, die zu sehr als "Hilfe für Prostituierte" etikettiert sind, nicht angesprochen fühlen.

Denkbar ist auch, den Arbeitsbereich Minderjährigenprostitution an eher offene Einrichtungen der Jugendhilfe anzubinden. Dafür empfiehlt sich die Beschäftigung von Frauen als fest bzw. über einen längeren Zeitraum angestellte Mitarbeiterinnen. Bei männlichen Mitarbeitern besteht die Gefahr, dass (potenzielle) Klientinnen sie eher als mögliche Freier denn als Berater und Unterstützer ansehen. Bei einer Anbindung an eine Einrichtung der Jugendhilfe sollten die Mitarbeiterinnen über spezifische Kenntnisse über Prostitution und die vorhandenen Milieustrukturen verfügen.

Unabhängig von der konkreten Anbindung sollte über eine reine Komm-Struktur hinausgegangen und die entsprechenden organisatorischen Voraussetzungen dafür geschaffen werden.

Schwierigem Zugang zur Zielgruppe Rechnung tragen

Der Zugang zu sich prostituierenden und gefährdeten Mädchen und jungen Frauen ist schwierig, und es kann lange dauern, bis es zu tragfähigen Kontakten kommt. Beraterinnen sollten daher auch unkonventionelle Wege der Kontaktaufnahme zu (potenziellen) Klientinnen beschreiten. Streetwork und die Beobachtung verschiedener Szenen sind dabei unverzichtbar. Wünschenswert wäre eine niedrigschwellige Anlaufstelle, in der sich Mädchen aus unterschiedlichen Szenen unverbindlich aufhalten und je nach Bedarf verschiedene Angebote nutzen können.

Es hat sich bewährt, Multiplikatorinnen und Multiplikatoren unterschiedlichster Professionen zu sensibilisieren. Es kann aber geraume Zeit dauern, bis Klientinnen über diesen Weg vermittelt werden.

Entscheidend in der Arbeit mit sich prostituierenden und gefährdeten Mädchen und jungen Frauen ist, ihnen Brücken zu bauen, um auch denen, dienicht offen zugeben, dass sie sich prostituieren, die Inanspruchnahme von Beratung und Hilfe zuermöglichen. Eine möglichst wertneutrale und nicht moralisierende Haltung erleichtert die Kontaktaufnahme zur Zielgruppe.

Der Heterogenität der Zielgruppe gerecht werden

Bei der Gestaltung des Arbeitsbereiches Minderjährigenprostitution sollte an den Strukturen des regionalen Hilfesystems angeknüpft werden, um vorhandene Angebote entsprechend zu nutzen. Auch müssen die Arbeitsweisen anderer Einrichtungen bekannt sein, denn die Arbeit mit sich prostituierenden und gefährdeten Mädchen und jungen Frauen hat häufig den Charakter von Case-Management.

Der gesamte Arbeitsbereich muss flexibel gestaltet sein. Arbeitszeiten und Methoden sollten den sich verändernden Rahmenbedingungen angepasst werden. Bei aller Flexibilität sind aber auch ein fester Arbeitsplatz und feste Zeiten der Erreichbarkeit notwendig.

Die Zielgruppe darf nicht isoliert gesehen werden, bei Bedarf sollte auch das Umfeld in die Beratung einbezogen werden. Peergruppe, Angehörige und andere Unterstützungspersonen können wesentlich zur Stabilisierung der Mädchen und jungen Frauen beitragen, wenn sie selbst Beratung und Unterstützung erfahren.

Unverzichtbar: Kooperation und Vernetzung

Kooperation und Vernetzung sind auch für den Arbeitsbereich Minderjährigenprostitution tragende Säulen, denn bei der Beratung und Unterstützung sich prostituierender und gefährdeter Mädchen und junger Frauen sind vielfältige Angebote verschiedener Einrichtungen und Institutionen gefragt. Aufgrund der spezifischen Situation dieser Zielgruppe stellen Einrichtungen der Jugend- und Drogenhilfe sowie adäquate medizinische, psychiatrische und psychotherapeutische Angebote unverzichtbare Kooperationspartner dar. Gute Kontakte zur Polizei und zum Ordnungsamt sind hilfreich und können die Arbeit erheblich erleichtern.

Es empfiehlt sich, feste Kooperationsgremien auf verschiedenen Arbeits- und Entscheidungsebenen zu installieren. Kooperationspartnerinnen und -partner sollten sich gegenseitig als Experten ihres jeweiligen Arbeitsbereiches anerkennen. Arbeitsauftrag, Handlungsspielräume und Grenzen der kooperierenden Institutionen und Einrichtungen sollten bekannt und grundsätzlich akzeptiert sein.

Die Mitarbeiterinnen eines Arbeitsbereiches Minderjährigenprostitution werden - wie oben dargestellt - mit großer Wahrscheinlichkeit mit Gewalterlebnissen ihrer Klientel sowie deren unterschiedlichsten Folgen konfrontiert. Sie sollten deshalb fachlichen Rat einholen und die Unterstützung von Expertinnen und Experten organisieren.

Fußnoten

1.
Vgl. Beate Leopold/Elfriede Steffan, Evaluierung unterstützender Maßnahmen aus der Prostitution (EVA-Projekt). SPI-Forschung gGmbH, Berlin 1997.
2.
Vgl. Peter Wetzels/Christian Pfeiffer; Sexuelle Gewalt gegen Frauen im öffentlichen und privaten Raum - Ergebnisse der KFN-Opferbefragung 1992. Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (Materialien zur Frauenpolitik 48/1995), Bonn 1995.
3.
Vgl. Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (Hrsg.), Lebenssituation, Sicherheit und Gesundheit von Frauen in Deutschland. Eine repräsentative Untersuchung zu Gewalt gegen Frauen in Deutschland. Zusammenfassung zentraler Studienergebnisse, Berlin 2004.
4.
Vgl. Beate Leopold/Elfriede Steffan/Nikola Paul, Dokumentation zur rechtlichen und sozialen Situation von Prostituierten in der Bundesrepublik Deutschland. Band 143 der Schriftenreihe des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, Stuttgart-Berlin-Köln 1997.
5.
Vgl. Dortmunder Mitternachtsmission e.V., Jahresberichte 2001, 2002 und 2003.
6.
Sperrgebiete sind Stadtteile, Plätze und Straßen, in denen die Prostitution verboten ist. Die genauen Orte bestimmen die Regierungen der Bundesländer. Sie können durch Rechtsverordnung in bestimmten Gebieten die Ausübung der Prostitution verbieten. In der Regel geschieht dies auf Antrag der Kommunen. Ein einmaliger Verstoß gegen dieses Verbot kann mit einer Geldbuße geahndet werden. Die wiederholte Ausübung der Prostitution an einem verbotenen Ort ist ein Straftatbestand. Ein Zwang zum Erlass einer Sperrgebietsordnung besteht nicht.

Beate Leopold, Katja Grieger

Zur Person

Beate Leopold

Diplomsoziologin, geb. 1955; wissenschaftliche Mitarbeiterin am Sozialwissenschaftlichen FrauenForschungsInstitut der Kontaktstelle praxisorientierte Forschung (SoFFI K.) der evangelischen Fachhochschule Freiburg.
Anschrift: SoFFI K.-Berlin, Kottbusser Damm 79, D-10967 Berlin.
E-Mail: beate.leopold@gmx.de


Zur Person

Katja Grieger

Diplompsychologin, geb. 1973; Honorarmitarbeiterin am SoFFI K. der evangelischen Fachhochschule Freiburg.
Anschrift: s. B. Leopold
E-Mail: kgrieger@zedat.fu-berlin.de

Veröffentlichungen B. Leopold und K. Grieger, u.a.: Projekt "Minderjährigenprostitution" der Mitternachtsmission Dortmund e.V., Abschlussbericht der wissenschaftlichen Begleitung, Berlin 2004; (zus. mit Carol Hagemann-White u. a.) Gemeinsam gegen häusliche Gewalt. Kooperation, Intervention, Begleitforschung, hrsg. vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, Berlin 2004.


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