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9.11.2005

Editorial

Die deutsche Gesellschaft ist sicherer geworden, behaupten Kriminologen. Tatsächlich ist die Zahl der Kapitalverbrechen rückläufig; auch beim Diebstahl meldet die Polizeiliche Kriminalstatistik Erfolge. Die Aufklärungsquoten sind insgesamt hoch.

Doch ungeachtet solcher statistischen Ergebnisse scheint die Angst, zum Opfer einer Straftat zu werden, eher zu wachsen. Die Menschen haben - so Christian Pfeiffer vom Kriminologischen Forschungsinstitut Niedersachsen - "ein ganz falsches Bild" vom Ausmaß krimineller Delikte in Deutschland. Eine Relativierung scheint notwendig, ist doch selbst Frankfurt am Main - gern als "Kapitale der Kriminalität" bezeichnet - nach Aussagen des dortigen Polizeipräsidiums allenfalls die "Hauptstadt der Kleinkriminalität".

Politik und Medien tragen nicht unerheblich dazu bei, dass die Bevölkerung ein zumindest verzerrtes Bild vom Ausmaß der Kriminalität in Deutschland gewinnt: Für die Medien ist Kriminalität eine Ware, die sich gut verkaufen lässt; für die Politik sind ängstliche Bürgerinnen und Bürger zugleich Wählerinnen und Wähler. Auf die Furcht vor kriminellen Delikten, die in einer älter werdenden Gesellschaft nachweisbar größer ist, wird daher verstärkt mit Kriminalitätsprävention reagiert. Nach dem Motto "Vorbeugen ist besser als Heilen", sollen prophylaktisch Maßnahmen gegen mögliche kriminelle Delikte ergriffen werden. Doch bei einer solchen Strategie täte eine Blickerweiterung Not: Dann fiele auch oder gerade der Ausbau von Bildungs- und Jugendeinrichtungen unter die Maßnahmen der Kriminalitätsprävention. "Wer Musikschulen schließt, gefährdet die innere Sicherheit" - so hatte es Otto Schily bei seiner Antrittsrede als Innenminister im Deutschen Bundestag im Oktober 1998 formuliert.

Katharina Belwe

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