zurück 
9.11.2007

Die ökonomischen Folgen des Klimawandels

Durch den Klimawandel können volkswirtschaftliche Schäden von bis zu 20 Prozent des Bruttosozialprodukts auftreten. Ein frühes Handeln ist notwendig und auch volkswirtschaftlich lohnend.

Einleitung

Der vom Menschen verursachte Klimawandel ist ein ernst zu nehmendes Problem. Klimawissenschaftler bestätigen die gesicherte Erkenntnis, dass der globale Anstieg der Treibhausgase zu einem irreversiblen Klimawandel führen wird. Eine Vermeidung des Klimawandels ist nur dann möglich, wenn die Treibhausgasemissionen auf nahezu heutiges Niveau eingefroren werden. Insbesondere führt das Klimagas Kohlendioxid (CO2), welches in erster Linie durch die Verbrennung von fossilen Rohstoffen wie Öl, Kohle und Gas entsteht, zu einem verstärkten Klimawandel. Weitere Treibhausgase sind Methan, welches zum größten Teil durch landwirtschaftliche Produktionsprozesse und bei der Gasgewinnung auftritt, sowie Lachgas, welches ebenso bei der landwirtschaftlichen Produktion entsteht.






Die wesentlichen Auswirkungen des Klimawandels sind der Anstieg der globalen Durchschnittstemperatur und der Meeresspiegel sowie die Zunahme extremer Klimaereignisse wie Hitze, extreme Niederschläge oder Hurrikane. Die Hauptverursacher von Treibhausgasemissionen sind Industrieländer mit hohem Pro-Kopf-Energieverbrauch und Emissionen wie die USA, die europäischen Staaten und Japan. Inzwischen hat das energieintensive Wachstum Chinas dazu geführt, dass dieses Land schon Platz zwei der weltweiten absoluten CO2-Emissionen einnimmt.

Der "Stern-Bericht" der britischen Regierung bestätigt, dass der Klimawandel vor allem eine ökonomische Komponente besitzt: Durch extreme Klimaereignisse entstehen hohe Kosten. Stern rechnet mit Kosten von bis zu 20 Prozent der globalen Volkswirtschaft. Aber auch auf die deutsche Volkswirtschaft werden erhebliche Belastungen zukommen; bis zu 800 Milliarden Euro müssten in den kommenden 50 Jahren für die Behebung von Klimaschäden, die Anpassung an den Klimawandel und gestiegene Energiekosten aufgewendet werden. Die Kosten des Handelns, also der Treibhausgasminderung, sind dagegen deutlich geringer. Würden die Hauptverursacher des Klimawandels im raschen Ausbau von CO2-freien Techniken kooperieren und gemeinsam einen Emissionshandel einrichten, könnten die Kosten deutlich vermindert werden.[1]

Die wissenschaftlichen Fakten

Die Emissionen von Treibhausgasen und damit die Treibhausgaskonzentrationen sind in den vergangenen Jahrzehnten kontinuierlich gestiegen. Das Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC) geht davon aus, dass eine Veränderung der globalen Kohlendioxidkonzentrationen von über 450ppm (parts per million, Bestandteile pro einer Million Produktbestandteile) mit einer Temperaturänderung von über zwei Grad Celsius bis zum Jahr 2100 eine gefährliche Beeinflussung des Klimas durch den Menschen bedeuten wird.[2] Die heutige globale Kohlendioxidkonzentration liegt bereits bei knapp 400ppm.

Langjährige wissenschaftliche Beobachtungen bestätigen, dass sich die Erde erwärmt. Im 20. Jahrhundert hat sich die globale Oberflächentemperatur um 0,2 (± 0,6) Grad erhöht. Der Anstieg der Oberflächentemperatur auf der nördlichen Erdhalbkugel war in dieser Zeit größer als in den vorausgegangenen 1000 Jahren. 1990 war global das wärmste Jahr des 20. Jahrhunderts, das Jahr 2005 war global das wärmste seit Beginn der Wetteraufzeichnungen. Die Anzahl der heißen Tage hat zu-, die der kalten Tage abgenommen. Die durch den Menschen verursachte Konzentrationen der Treibhausgase CO2, Methan (CH4) und Lachgas (N2O) ist seit 1750 sehr stark angestiegen. Je nach Annahmen über die künftigen Entwicklungen wären Temperaturerhöhungen von 1,5 bis zu 5,5 Grad im Jahr 2100 zu erwarten. Allein die Konzentration von Kohlendioxid in der Atmosphäre hat sich von 1750 bis heute um 31 Prozent (± 4 Prozent) erhöht.

Was wird passieren?

Der Klimawandel wird bewirken, dass extreme Naturereignisse, etwa durch extreme Regenfälle verursachte Überschwemmungen, Hitzewellen und Stürme mit steigenden Intensitäten, weiter zunehmen. In Nordamerika sind vermehrt Stürme und Tornados mit extremen Windintensitäten zu erwarten, wohingegen in Asien Überschwemmungen wahrscheinlicher sind. In Europa wiederum ist in Zukunft neben extremen Hitze-Ereignissen und Fluten auch mit starken Wirbelstürmen und Orkanen zu rechnen.

Extreme Hitzephänomene und Regenfälle waren in den vergangenen Jahren in Europa, insbesondere auch in Deutschland, deutlich sichtbar. In Mittel- und Osteuropa traten im Jahre 2002 extreme Regenfälle und Überflutungen auf. Im Osten und Süden Deutschlands, im Südwesten Tschechiens sowie in Österreich und Ungarn kam es zu starken Überschwemmungen an Donau, Elbe, Moldau, Inn und Salzach. Das "Jahrtausendhochwasser" hat neben Österreich und Tschechien vor allem Deutschland stark getroffen: Die Schäden beliefen sich allein in Deutschland auf 9,2 Milliarden Euro. Im Jahre 2003 litt ganz Europa unter einer extremen Hitzewelle. Die volkswirtschaftlichen Schäden umfassen Gesundheitsschäden durch erhöhte Krankheitsgefahren, Ernteausfälle, Störungen in der Energiebereitstellung und einen Anstieg der Waldbrände. Insgesamt können für 2003 wirtschaftliche Schäden der Hitzewelle in Europa Höhe von zehn bis 17 Milliarden Euro geschätzt werden.

Die Schäden des Hurrikans "Katrina" in den USA werden auf 200 Milliarden US-Dollar beziffert, es kam zu Wachstumseinbußen in Höhe von 0,2 bis 0,4 Prozent. Doch zusätzlich zu den durch die Versicherungsunternehmen bezifferten Schäden müssen Schäden der Infrastruktur, Krankheiten durch das Ausbrechen von Seuchen, Todesfälle, Schäden der Landwirtschaft (bei Überflutungen) und ökologische Schäden berücksichtigt werden. Diese sind vom Staat zu tragen, es sind Ausgaben, die an anderer Stelle der Volkswirtschaft fehlen; allerdings können durch den Wiederaufbau beschädigter Infrastruktur und Immobilen bestimmte Branchen, etwa die Baubranche profitieren (ca. +0,1 % des Bruttosozialprodukts im Jahr 2005). Beim Extremereignis "Katrina" kam erschwerend hinzu, dass es durch die Beschädigung von Ölbohrplattformen im Golf von Mexiko zu Angebotsausfällen kam und dadurch der Ölpreis stark anstieg. Aus diesem Grund sind die volkswirtschaftlichen Schäden insgesamt sehr viel höher einzuschätzen, als es von den Versicherungsunternehmen beziffert wurde. Würde man diese Schäden mit hineinrechnen, wären die ökonomischen Schäden auf ca. 450 Milliarden US-Dollar zu schätzen, das sind zwei bis drei Prozent des Bruttosozialprodukts (BSP) der USA im Jahre 2005.

Was wird der Klimawandel kosten?

Der für große Aufmerksamkeit sorgende Bericht der britischen Regierung unter der Schirmherrschaft von Sir Nicholas Stern[3] hat die möglichen volkswirtschaftlichen Effekte des Klimawandels berechnet. Er kommt zu dem Schluss, dass der Klimawandel erhebliche volkswirtschaftliche Kosten verursachen wird, und zwar in Höhe von bis zu 20 Prozent des BSP bis zum Jahr 2100. Damit kann der Klimawandel die weltweiten Volkswirtschaften in eine Rezession führen.

Bei der Berechnung der volkswirtschaftlichen Auswirkungen müssen neben den direkten ökonomischen Folgen auf die Energieerzeugung, die Landwirtschaft und die Industrie zusätzlich auch Wirkungen des Klimawandels auf die Ökologie (wie z.B. die erhöhte Waldbrandwahrscheinlichkeit und Verluste an Artenvielfalt), aber auch gesundheitlich-ökonomische Aspekte von Krankheiten und Sterblichkeitsänderungen berücksichtigt werden.[4] Eigene Modellberechnungen für Deutschland zeigen, dass erhebliche Kosten auf die deutsche Volkswirtschaft zukommen, bis zu 800 Milliarden Euro müssten in den kommenden 50 Jahren für die Behebung von Klimaschäden, für Anpassungsmaßnahmen und gestiegene Energiekosten aufgewendet werden.[5]

Die Kosten der Treibhausgasminderung sind dagegen deutlich geringer. Wenn die Hauptverursacher des Klimawandels im Bereich der technologischen Innovationen gut kooperieren und einen länderübergreifenden Emissionshandel etablieren, können die Kosten auf bis zu ein Prozent der weltweiten Wirtschaftsleistung begrenzt werden.[6] Eine Klimaschutzpolitik jedoch, die erst im Jahre 2030 beginnt, würde zu einer gefährlichen Beeinflussung des Klimas führen.[7]

Auswirkungen für Deutschland

Der Klimawandel berührt die einzelnen Sektoren der Volkswirtschaft in unterschiedlicher Art und Weise. Durch die Zunahme von extrem heißen Sommern wird die Forstwirtschaft künftig verstärkt durch Waldbrände gefährdet sein, zudem kann Wassermangel die Wachstumsbedingungen verschlechtern und die Schädlingsverbreitung begünstigen. Daneben kann es zu einer Veränderung der Forstbewirtschaftung kommen, Waldumbauprogramme werden eher Mischwälder anstelle von Monokulturen favorisieren, da diese resistenter gegen Klimaschwankungen sind. Daher treten in diesem Sektor sowohl Klimaschäden als auch Kosten der Anpassung auf, beispielsweise für eine erhöhte Wasserbereitstellung, für Schädlingsbeseitigung und die Umstellung auf veränderte Anbaumethoden (siehe die Tabelle).

Durch extrem heiße Sommer wird in Zukunft die Land- und Forstwirtschaft insbesondere in Südwestdeutschland mit Trockenheit und Wasserknappheit rechnen müssen. Aufgrund dessen kann es zu Ernteeinbußen kommen, es könnten der Land- und Forstwirtschaft in den kommenden 50 Jahren Schäden in Höhe von bis zu drei Milliarden Euro entstehen. Bayern, Niedersachsen und Baden-Württemberg mit rund der Hälfte der Schäden wären am stärksten betroffen (Bayern und Niedersachsen je ca. 570 Millionen Euro, Baden-Württemberg ca. 270 Millionen Euro). Zu den Kosten des Klimawandels kommen Kosten der Anpassung an den Klimawandel, welche in diesem Zeitraum etwa doppelt so hoch sind wie die Kosten durch Klimaschäden in diesem Sektor. Im Frühjahr und Winter kann es aufgrund von starken Niederschlägen insbesondere in flussnahen Gebieten und an der Nord- und Ostsee zu Hochwasser und zu Überschwemmungen kommen. Durch Überflutungen und Hochwasser können insbesondere Immobilien- und Infrastrukturschäden von bis zu 10 Milliarden Euro auftreten. Es ist sehr wahrscheinlich, dass durch ein Grad Temperaturänderung ca. 60 Prozent der heutigen Wintersportgebiete in Deutschland keinen Schnee mehr erwarten können.[8]

Dadurch wird es zu einer Reduktion des Wintersporttourismus in diesen Regionen kommen. Wenn es zu einer Temperaturerhöhung von bis zu 4,5 Grad bis zum Jahre 2100 kommen sollte, werden alle deutschen Skigebiete dauerhaft schneefrei sein. Aufgrund des milderen und wärmeren Klimas in Norddeutschland kann gleichwohl damit gerechnet werden, dass der Tourismus an Nord- und Ostsee zunehmen wird. In sehr heißen Sommermonaten wird dagegen mit einem deutlichen Rückgang des Tourismus in südliche Regionen zu rechnen sein. Die Branche insgesamt wird über die kommenden 50 Jahre sowohl erhebliche Anpassungskosten, wie z.B. durch veränderte Tourismusaktivitäten in bisherigen Skigebieten, als auch Kosten durch Klimaschäden erleiden müssen. Die Anpassungskosten können in dieser Branche allein auf bis zu elf Milliarden Euro, die Kosten durch den Klimawandel auf bis zu 19 Milliarden Euro steigen.

Ein weiterer stark vom Klimawandel betroffener Sektor ist der Gesundheitssektor. Mit höheren Temperaturen können Krankheiten auftreten, die bisher ausschließlich in tropischen oder subtropischen Gebieten vorkommen, beispielsweise die Malaria.[9] Zudem beeinträchtigen steigende Temperaturen die Gesundheit und die Leistungsfähigkeit des Menschen. In der zweiten Hälfte des 21. Jahrhundert wird eine deutliche Zunahme der Hitzebelastung erwartet, wodurch verstärkt hitzebedingte Sterbefälle und zudem ein deutlicher hitzebedingter Leistungsabfall der Beschäftigen auftreten können. Bei einem Leistungsverlust von 30 bis 50 Prozent kann das BSP um bis zu fünf Prozent niedriger ausfallen als ohne Hitzetage.[10] In Deutschland steigen heute die Gesundheitsausgaben weitestgehend aufgrund der demographischen Entwicklung stark an.[11] Die durch den Klimawandel hervorgerufenen zusätzlichen Kosten werden diesen Anstieg verstärken. Es könnten in den kommenden 50 Jahren zusätzliche Kosten in Höhe von bis zu 56 Milliarden Euro auftreten, dabei sind die Kosten der Klimaschäden mit ca. 37 Milliarden Euro deutlich höher als die Anpassungskosten. Dies liegt in erster Linie daran, dass die Gesundheitskosten durch neue Krankheiten deutlich höher ausfallen können. Allerdings steigen diese Kosten in der zweiten Hälfte dieses Jahrhunderts nochmals deutlich an (auf bis zu 157 Milliarden Euro), da der Leistungsverlust zusätzliche Kosten hervorruft.

In extremen Hitzeperioden wird in Deutschland aufgrund von Niedrigwasser in Flüssen nicht genügend Wasser vorhanden sein, um die Kraftwerke ausreichend mit Kühlwasser zu versorgen. Zudem kann die Energieinfrastruktur durch Stürme, Hagel oder extreme Eislasten beeinträchtigt werden. Diese Effekte verursachen erhöhte Energiekosten, da eine mögliche Angebotsverknappung die Energiepreise sprunghaft steigen lässt. Überdies können aufgrund einer Zunahme extremer Stürme und Hurrikane in weltweit Hurrikan-gefährdeten Gebieten Beeinträchtigungen der Ölförderung auftreten. Aufgrund von Angebotsengpässen auf dem internationalen Ölmärkten kann es zu erheblichen Preissprüngen kommen.[12] Ölpreissteigerungen bewirken, dass auch die Preise für andere Energien steigen: Neben dem Gaspreis steigt auch der Strom-, Benzin- und Heizölpreis.[13] Das verursacht erhebliche indirekte volkswirtschaftliche Kosten, da mit Kaufkraftverlusten und Kostenbelastungen energieintensiver Branchen negative wirtschaftliche Folgen einhergehen. Neben energieintensiven Industrien wären insbesondere private Haushalte von einer Energiepreiserhöhung stark betroffen, denn sie tragen neben den energieintensiven Industrien einen Großteil der durch erhöhte Energiekosten verursachten volkswirtschaftlichen Belastung. Durch eine Energiepreiserhöhung um 20 Prozent entstehen volkswirtschaftliche Kosten von bis zu 130 Milliarden Euro in den kommenden 50 Jahren. In manchen energieintensiven Branchen (chemische Industrie, Metallverarbeitung) erhöht sich der Energiekostenanteil auf bis zu 65 Prozent der Gesamtkosten.

Im Verkehrssektor kann es ebenso zu erhöhten Kostenbelastungen durch den Klimawandel kommen, da aufgrund sich verändernder Luftströmungsverhältnisse Beeinträchtigungen im Luftverkehr auftreten können. Zudem kann die Binnenschifffahrt durch Niedrig- oder Hochwasser Nachteile erleiden. Die Energiewirtschaft ist wie der Verkehrssektor nicht nur vom Klimawandel negativ betroffen, sondern sie ist durch die Emission von Treibhausgasen, insbesondere von CO2, Mitverursacher des Klimawandels. Zur Vermeidung von CO2-Emissionen stehen im Wesentlichen drei Wege zur Verfügung: 1. Energiesparen und Energieeffizienzverbesserung; 2. Umstieg auf CO2-freie Kraftwerke/Antriebsstoffe; 3. drastischer Ausbau der erneuerbaren Energien.

Insgesamt werden solche Unternehmen zusätzliche Wirtschaftsnachteile erleiden, die einen hohen Anteil an herkömmlicher, CO2-intensiver Technik, beispielsweise Kohle, oder einen hohen Benzinverbrauch haben und nur mit erheblichem Wirtschaftsaufwand die Technologie umstellen können. Dagegen werden diejenigen Unternehmen positive Effekte erzielen können, die mittels erneuerbarer Energien oder alternativer Kraftstoffe sowie Energiemanagementverfahren Wettbewerbsvorteile erzielen können. Die Anpassungskosten solcher Unternehmen, deren Energieherstellung fast ausschließlich auf fossilen Energien basieren, sind deutlich höher als für solche Unternehmen, bei denen die Umstellung auf eine CO2-freie Energieversorgung leichter möglich ist.

Versicherungsunternehmen, insbesondere die großen Rückversicherer, werden durch die Zunahme extremer Klimaereignisse und die damit verursachten Kosten stark belastet werden - Kosten, die sicherlich an die Kunden weitergegeben werden. Bis zu 100 Milliarden Euro zusätzliche Kosten durch den Klimawandel können als Wirtschaftsbelastung die Versicherungsbranche und die Volkswirtschaft insgesamt schwächen.

Bei börsennotierten Unternehmen wird es eine immer bedeutsamere Rolle spielen, ob und wie ein bestimmtes Unternehmen vom Klimawandel betroffen sein wird bzw. als Verursacher zum Klimawandel beiträgt. Bei solchen Unternehmen, die vom Klimawandel betroffen sind und sich wenig anpassen können oder wollen, kann es zu einer schlechteren Bewertung an der Börse kommen. Solche Unternehmen, die sich an den Klimawandel anpassen oder sogar aktiv zur Emissionsvermeidung beitragen, werden sich als Unternehmen mittel- bis langfristig besser stellen. Zudem werden solche börsennotierten Unternehmen künftig positiver bewertet werden, die eine eindeutige und glaubwürdige mittelfristige Nachhaltigkeitsstrategie aufweisen können.

Was tun?

Um den Klimawandel abzumildern oder gar zu verhindern, müssten die Treibhausgasemissionen drastisch gesenkt werden. Klimaexperten gehen davon aus, dass eine Reduktion der Treibhausgase um 60 bis 80 Prozent bis zum Jahre 2100 notwendig wäre. Aufgrund der Langlebigkeit der Treibhausgase in der Atmosphäre müssen die verantwortlichen Staaten möglichst schnell mit dieser starken Reduktion beginnen.[14] Die USA sind für den Großteil aller weltweit emittierten Treibhausgase verantwortlich, gefolgt von der Volksrepublik China, den Ländern Europas, Russland und Japan. Eine wirksame Klimaschutzpolitik muss vor allem Ländern mit hohen Treibhausgasemissionen verbindliche Ziele zur Emissionsvermeidung abverlangen.

Mit dem Inkrafttreten des Kyoto-Protokolls haben sich zwar die meisten Industrieländer zu einer - insgesamt sehr moderaten - Reduktion ihrer Treibhausgasemissionen bis 2008/2012 verpflichtet. Allerdings verlaufen die Bemühungen um wirksame, international abgestimmte Klimaschutzmaßnahmen zäh, und es erscheint zweifelhaft, ob es gelingen wird, verbindliche Emissionsziele auch für die Zeit nach dem Ende der ersten Verpflichtungsperiode des Kyoto-Protokolls im Jahre 2012 durchzusetzen. Während Deutschland und die Europäische Union auf bindende Verpflichtungen zum Klimaschutz drängen und selbst bereits zahlreiche Maßnahmen ergriffen haben, verweigern sich die USA und China diesen Forderungen. Dabei wäre es im Rahmen internationaler Klimaschutzabkommen dringend notwendig, dass die Industrienation USA sich an einem Klimaabkommen beteiligt, um auch Länder wie China und Indien mit einer Vorbildfunktion vom Handeln zu überzeugen.

Nur wenn es gelingt, im Rahmen internationaler Klimaschutzpolitik so zu kooperieren, dass Klimaschutzziele zu möglichst geringen Kosten erreicht werden, wird es mittel- bis langfristig möglich sein, gezielt Anreize für Nationen mit hohen Emissionen und damit hohen Vermeidungskosten, wie die USA und China, zu schaffen, einem Klimaschutzabkommen beizutreten. Dabei steht im Vordergrund, dass diese Länder keine wirtschaftlichen Nachteile erleiden. Somit ist Kosteneffizienz entscheidend. Die Einführung bzw. Erweiterung des Emissionshandels auf weitere Länder kann die Vermeidungskosten der Industriestaaten erheblich vermindern. Zudem kann es wirtschaftlich profitabel sein, gemeinsam technologische Neuerungen zur Energieeffizienzverbesserung zu erforschen. Es gibt derzeit eine lange Liste technologischer Optionen zur Emissionsminderung. In erster Linie sind Energieeffizienzverbesserungen wichtig, sowohl in der Energieerzeugung wie auch im Transportbereich. Zudem könnten Kohlekraftwerke durch Gas-, Wind-, Atom- und Solarkraftwerke ersetzt werden. Darüber hinaus gibt es die Möglichkeit, die entstehenden CO2-Emissionen aufzufangen und in der Erdkruste einzulagern. Außerdem könnte der Biomasseanteil zur Stromerzeugung erhöht und durch eine veränderte Bewirtschaftung der Wälder deren Aufnahmefähigkeit von Kohlenstoff aus der Atmosphäre verbessert werden.

Es ist sicher richtig, dass die ambitionierten Emissionsminderungsziele auch ohne bahnbrechende technologische Neuerungen erreicht werden könnten. Doch ohne konkrete Emissionsminderungsziele werden nicht die notwendigen Signale zu langfristigen Investitionen in neue Technologien gesetzt. Wenn erst viel zu spät die notwendigen Klimaschutzziele festgelegt werden, kann es zu erheblichen Fehlinvestitionen kommen. In der Energieerzeugung stehen in Kürze umfangreiche Ersatzinvestitionen an. Allein in Deutschland kann es hier zu Fehlinvestitionen in Höhe von bis zu 60 Milliarden Euro kommen, in Europa von bis zu 350 Milliarden Euro. Verbindliche Emissionsminderungsziele geben die notwendigen Signale und führen zu einer frühzeitig kosteneffizienten Investition. Durch die Öl- und Gasknappheit wird es in den kommenden zwei Dekaden zu erheblichen Preissteigerungen beider Rohstoffe kommen, und damit dürften emissionsarme Technologien schnell kosteneffizient werden.

Fazit

Der Klimawandel schreitet unaufhörlich voran und besitzt vor allem auch eine ökonomische Komponente. Nichtstun - d.h. keine substantielle Treibhausgasminderung, keine Anpassungsmaßnahmen und entsprechende Vorsorge - wird teuer. Wenn es den Hauptverursachern von Treibhausgasen nicht gelingt, die globalen Emissionen einzudämmen, wird es zu einer drastischen Veränderung des Weltklimas kommen. Dadurch entstehen extreme Klimaereignisse, die volkswirtschaftliche Schäden verursachen. Durch gezielte Kooperationen der Industriestaaten kann der technologische Wandel vorangebracht werden. Am Ende profitieren alle: Die Industriestaaten haben das Energieproblem gelöst, und neue Energietechniken sind auch in Entwicklungs- und Schwellenländern gefragt. Zudem werden alle Nationen weniger stark durch den Klimawandel leiden müssen. Dann wird es auch wirtschaftlich billiger. Genau darauf kommt es an.

Fußnoten

1.
Vgl. Otmar Edenhofer/Kai Lessmann/Claudia Kemfert/Michael Grubb/Jonathan Koehler, Induced technological change: exploring its implications for the Economics of Atmospheric stabilization, in: The Energy Journal, 27 (2006), Special Issue, S. 57 - 107.
2.
Vgl. Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC), Climate Change 2007, Forth Assessment Report, Synthesis Report, Cambridge 2007.
3.
Vgl. Nicholas Stern, The Economics of Climate Change. The Stern Review, Cambridge 2006.
4.
Vgl. OECD (ed.), The Benefits of Climate Change Policies, Paris 2004.
5.
Vgl. Claudia Kemfert, Der Klimawandel kostet die deutsche Volkswirtschaft Milliarden, in: Wochenbericht des DIW Berlin, (2007) 13.
6.
Vgl. O. Edenhofer u.a. (Anm. 1).
7.
Vgl. Claudia Kemfert, Weltweiter Klimaschutz - Sofortiges Handeln spart hohe Kosten, in: Wochenbericht des DIW Berlin, (2005) 12; dies./Katja Schumacher, Costs of Inaction and Costs of Action in Climate Protection: Assessment of Costs of Inaction or Delayed Action of Climate Protection and Climate Change, Final Report. Project FKZ 904 41 362 for the Federal Ministry for the Environment, Berlin 2005 (DIW Berlin: Politikberatung kompakt 13).
8.
Nach einer Studie der OECD werden in den Alpen nahezu alle Regionen, die heute noch überwiegend als Skigebiete genutzt werden, künftig aufgrund des Klimawandels an Schneearmut leiden, vgl. OECD, Climate Change in the European Alps: Adapting Winter Tourism and Natural Hazards Management, Paris 2007.
9.
Vgl. Pim Martens/Ron Kovats/Stefan Nijhof/Paul de Vries/Martin Livermoore/David Bradley/John Cox/Alexander McMichael, Climate change and future populations at risk of Malaria, in: Global Environmental Change, 9 (1999), S. 89 - 107.
10.
Vgl. WWF, Kosten des Klimawandels, Frankfurt/M. 2007.
11.
Im Jahre 2004 haben die Gesundheitsausgaben 234 Milliarden Euro (10,6 Prozent des Bruttoinlandsprodukts) betragen, siehe http://www.destatis.de/presse/deutsch/pm2006/p3270095.htm (15.2. 2007).
12.
Hierbei ist zu berücksichtigen, dass nicht nur reale Angebotsverknappungen wie bei "Katrina" zu Ölpreissteigerungen führen können, sondern zudem Spekulationen den Preis treiben können. Es ist schwierig, den allein auf den Klimawandel induzierten Preisanstieg zu bemessen. Allerdings werden im Rahmen dieser Berechnung nur solche Ölpreissteigerungen berücksichtigt, welche durch extreme Klimaereignisse hervorgerufene Angebotsverknappungen auftreten.
13.
In diesem Szenario wird angenommen, dass sich die Energiepreise um jeweils 20 Prozent erhöhen.
14.
Vgl. John Schellnhuber/Rachel Warren/Axel Haxeltine/Lee Naylor, Integrated Assessment of Benefits of Climate Policy, in: OECD (Anm.4).

Claudia Kemfert

Zur Person

Claudia Kemfert

Dr. rer. pol., geb. 1968; Professorin für Umweltökonomie an der Humboldt-Universität zu Berlin, Leiterin der Abteilung "Energie, Verkehr und Umwelt" am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW), Mohrenstraße 58, 10117 Berlin.
E-Mail: ckemfert@diw.de


Nach oben © Bundeszentrale für politische Bildung Zur klassischen Website von bpb.de wechseln