zurück 
5.4.2007

Editorial

Der klassische Staatenkrieg gilt als "historisches Auslaufmodell"; innerstaatliche Gewaltkonflikte und die Fragen ihrer Prävention, Regulierung und Beendigung sind jedoch weiterhin komplexe Herausforderungen für die betroffenen Gesellschaften und die internationale Staatengemeinschaft.

2006 wurden nach Angaben der Hamburger Arbeitsgemeinschaft Kriegsursachenforschung weltweit 43 Kriege und bewaffnete Konflikte geführt. Insgesamt ist seit Jahrzehnten ein deutlicher Rückgang kriegerischer Auseinandersetzungen zu verzeichnen, so dass sogar schon vom "Ende des Krieges" die Rede war. Tatsächlich scheint der klassische Staatenkrieg im Verschwinden begriffen zu sein; innerstaatliche Gewaltkonflikte und die Fragen ihrer Prävention, Regulierung und Beendigung sind jedoch weiterhin komplexe Herausforderungen für die betroffenen Gesellschaften und die internationale Staatengemeinschaft.

So ist die Zahl internationaler Interventionen zur Konfliktbeendigung und Friedenssicherung seit dem Ende des Kalten Krieges deutlich angestiegen. Die Erfolgsbilanz der Friedensmissionen fällt ambivalent aus; ihnen gelingt zwar häufig die Sicherung von Waffenstillstandsabkommen unmittelbar nach dem Ende des Konflikts, die langfristige Friedenskonsolidierung aber scheitert in vielen Fällen. Die Interventionsbereitschaft der Staatengemeinschaft kann durch entsprechende Krisenberichterstattung in den Medien stark beeinflusst werden. Diese bestimmen maßgeblich mit, welche Krisenherde überhaupt in die öffentliche Wahrnehmung gelangen und welche als von der Weltöffentlichkeit weithin unbeachtete Konflikte über Jahre oder Jahrzehnte sich selbst überlassen bleiben.

Der abnehmenden Kriegshäufigkeit steht weltweit eine dramatische Zunahme der Militärausgaben gegenüber. Die defizitäre Kontrolle von Rüstungsexporten und die leichte Verfügbarkeit insbesondere von Kleinwaffen tragen zur gewaltsamen Eskalation von Konflikten bei und können auch längerfristig die soziale und wirtschaftliche Entwicklung instabiler Staaten behindern.

Klingelhöfer, Sabine

Nach oben © Bundeszentrale für politische Bildung Zur klassischen Website von bpb.de wechseln