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18.1.2008

Wie europäisch ist die kulturelle Amerikanisierung?

Die Amerikanisierung nach 1945 lässt sich in doppelter Hinsicht als europäisch bezeichnen. Kontext- und zeitbedingt unterschiedlich im Detail prägte sie erstens die unmittelbare Nachkriegskultur in ganz Westeuropa und wies sie zweitens ein beachtliches Maß an kreativer europäischer Beteiligung auf.

Einleitung

Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges hat sich Europa im machtpolitischen Koordinatensystem des Kalten Krieges unter historisch singulären Bedingungen entwickelt.[1] Bei dem Versuch, diese Dynamik einzufangen, scheut die historische Forschung mit guten Gründen davor zurück, nachträgliche Teleologien zu erfinden. Stattdessen will sie Perspektiven auf die europäische Geschichte seit 1945 eröffnen, die Ähnlichkeiten zwischen den europäischen Gesellschaften hervorhebt, ohne heterogene Entwicklungsverläufe zu verwischen.[2] Das historiografische Konzept der Amerikanisierung erscheint vor diesem Hintergrund als eine noch nicht systematisch ausgeschöpfte Möglichkeit, zumindest die westeuropäische Nachkriegsentwicklung perspektivisch zu bündeln und vergleichend zu erörtern.[3]




Zu einer solchen europäisch vergleichenden Geschichte der Amerikanisierung sollen die folgenden Überlegungen beitragen. Dazu werden thesenartig Einzelaspekte der kulturellen Amerikanisierung als das wohl symptomatischste Feld der USA-Kontakte mit der Bundesrepublik, Frankreich und Großbritannien besonders in den 1950er Jahren herausgegriffen. Exemplarisch soll gezeigt werden, dass sich die westeuropäischen Nachkriegsgesellschaften aktiv mit strategischen Eigeninteressen und geschickten Aneignungsstrategien an der Amerikanisierung beteiligt haben. Die transatlantischen Kontakte und Transfers auf den benachbarten Feldern von Politik und Wirtschaft, die eigentlich zum Panorama einer europäischen Amerikanisierungsgeschichte gehören, müssen hier ganz ausgeblendet bleiben.

Die rigorose Verpflanzung amerikanischer Wertmaßstäbe und Lebensformen nach Europa ist gemeint, wenn mit "Amerikanisierung" als polemischem Schlagwort hantiert wird.[4] Demgegenüber ist für eine historische Betrachtung erst ein von (un)freiwilligen Untertönen bereinigter, analytisch offener "Amerikanisierungs"-Begriff zu verwenden:[5] Er beschreibt erstens einen historischen Ordnungszusammenhang mit einem einschlägigen Machtübergewicht zugunsten der USA und benennt die manipulative Absicht der Amerikanisierer als eine der zentralen Antriebskräfte für diese Entwicklung. Vor allem aber gibt der Begriff zweitens einer weiterführenden Untersuchungsagenda den Titel: "Amerikanisierung" thematisiert eine Vielzahl politischer, wirtschaftlicher, sozialer und kultureller (Rück-)Transfers von Ideen, Gütern, Strukturen und Personen, die bislang kaum europäisch vergleichend betrachtet worden sind.

Zur "Amerikanisierungs"-Perspektive gehört im Grunde auch der parallele Austausch zwischen Westdeutschland, Frankreich und Großbritannien. Aus deutscher Sicht lag dabei der besondere Fall einer Verwestlichung vor, in deren Zuge sich große Teile der westdeutschen Eliten auf das Ideologieangebot nicht nur aus den USA, sondern aus ganz Westeuropa mit Verve einließen, um so den demokratischen Neubeginn mit der programmatischen Abkehr vom totalitären Terror zu legitimieren.[6] Verwestlichung bzw. "Westernization" ("Westernisierung") oder "Europäisierung" bleiben daher - abhängig vom gewählten Untersuchungs(zeit)raum - wichtige Parallelbegriffe zum Konzept der "Amerikanisierung".[7] Diese binneneuropäischen Austauschbewegungen müssen aber aus den folgenden Überlegungen ausgeklammert bleiben.

Aspekte kultureller Amerikanisierung in Westeuropa

Die amerikanische Massenkultur blieb nach 1945 - nicht anders als zuvor - ein überaus umstrittener Gegenstand öffentlicher Diskussion. Spätestens seit den 1950er Jahren wirkte sie aber zugleich prägend auf europäische Lebensstile. Was exakt den amerikanischen Konsumgütern über Alters-, Berufs- und soziale Unterschiede hinweg eine letztlich unentrinnbare Popularität eintrug, ist aber durchaus schwer zu bestimmen. Sicher begünstigten die steigende Konsumkraft in den regenerierten europäischen Volkswirtschaften und die professionellen amerikanischen Vermarktungsstrategien diesen Prozess.[8] In welchem Maße die neuen Konsumoptionen die europäischen Gesellschaften aber tatsächlich ideell amerikanisierten, ist ebenfalls kaum geklärt. Ein assoziativer Kurzschluss vom Colatrinker und Jeansträger auf seine politischen und ideologischen Werthaltungen jedenfalls wäre nicht empirisch verlässlich. Ohnedies konnten auch Haushaltsgeräte, Kleidermoden und Musikstile nicht darüber hinwegtäuschen, dass der nach neuen Stilregeln jenseits traditional-bürgerlicher "Hochkultur"-Maßstäbe agierende "consumer citizen" langfristig beiderseits des Atlantik eine massenwirksame Utopie blieb.

Bundesrepublik Deutschland

Anders als im französischen und britischen Fall ging der Verbreitung der amerikanisch inspirierten Komsumkultur in der semisouveränen Bundesrepublik seit Mitte der 1950er Jahre zunächst eine gezielte Infiltrationsoffensive der USA voraus, die auf die Eliten und Meinungsbildner als erhoffte Multiplikatoren demokratischer Denkart zielte. Allzu eindeutige Fälle hegemonialer Amerikanisierung lagen aber selbst hier kaum vor. Zum einen stieß die verordnete re-education in Deutschland auf erhebliche Beharrungskräfte. Zum anderen verlagerten sich die amerikanischen Interessen bald ganz auf die Priorität, "den Kommunismus" zu bekämpfen, und lenkten folglich den amerikanischen Steuerungswillen in Bildung und Presseöffentlichkeit zügig weg vom Vorhaben der "Entnazifizierung".[9] Mit den "Amerikahäusern" wollten die USA nicht zuletzt demonstrativ amerikanische "high culture" nachweisen, erzielten bis Mitte der 1950er Jahre aber lediglich in den bildungsnahen Schichten Rezeptionserfolge.[10] Dass ihr Kulturdruck machtpolitisch unterfüttert war, sicherte den USA insofern letztlich keine absolute Transferhoheit. Dies gilt wohl auch für den Bereich von Presse, Rundfunk und Fernsehen, die bei aller anfänglichen informationspolitischen Kontrolle keine dauerhafte Totalamerikanisierung leisteten.[11]


Wichtige Voraussetzungen für eine breitere kulturelle Amerikanisierung entstanden zunächst punktuell dort, wo die westdeutsche Bevölkerung u.a. im Rahmen von humanitären Versorgungsleistungen mit der amerikanischen Besatzungsmacht vor Ort in Berührung kam.[12] Von hier ergaben sich fließende Übergänge zur Adaption jener Massenkultur, die ab Mitte der 1950er Jahre für weite Teile der konsolidierten "Wirtschaftswundergesellschaft" zugänglich wurde.

An der amerikanischen Massenkultur reizte aber mehr als nur ihre leichte Zugänglichkeit: "Halbstarke" Jugendliche, die Ende der 1950er Jahre in Jeans und mit Elvistolle zu Rock 'n' Roll tanzten, absorbierten nicht einfach Amerikanismen, sondern setzten sich zuallererst in Kleidung, Musik- und Verhaltenskonventionen vom Stilkodex der Elterngeneration ab.[13] Die dort übliche Trennung zwischen Hoch- und Populärkultur sollte unterlaufen und das Recht zur Selbstbestimmung erstrebenswerter Verhaltensformen beansprucht werden. Ähnlich missachteten sprachliche Amerikanismen absichtsvoll traditional bürgerliche Kommunikationsregeln und enthierarchisierten bislang geltende Normen des Ausdrucks.[14] An der kulturellen Amerikanisierung in der Bundesrepublik waren daher neben den US-amerikanischen Akteuren immer auch die "Selbstamerikanisierer" mit ihrem eigenen Interesse an einer "Amerikanisierung von unten" beteiligt. Die von der neuen "Subkultur" provozierten westdeutschen Eliten reagierten in den 1950er Jahren besonnen, um die freiheitlichen Vorzüge der neuen Grundordnung als Gegenmodell zum Sozialismus in Ostdeutschland zu demonstrieren.[15]

Frankreich

Anders als in den westdeutschen Besatzungszonen blieb das amerikanische Militär nach 1945 in Frankreich besonders von der ländlichen Zivilgesellschaft weiter entfernt; in weiten Teilen Süd- und Westfrankreichs ergaben sich fernab amerikanischer Truppenpräsenz ohnedies keine Berührungspunkte.[16] Ähnlich wie im deutschen Falle wirkte aber in den frühen 1950er Jahren ein geballtes amerikanisches Transferangebot in Gestalt gezielter kultur- und medienpolitischer Maßnahmen auf die französische Nachkriegsgesellschaft. Wo amerikanische Verantwortliche sich als Propagandisten in eigener Sache betätigten, verfehlten sie in Frankreich allerdings häufiger als in der Bundesrepublik ihr Ziel. So verfingen etwa die amerikanischen Werbefeldzüge für den Marshallplan hier kaum.[17] In den Bereich der Elitenkultur drangen deutlich weniger als in der Bundesrepublik amerikanische Güter vor, da zahlreiche französische Linksintellektuelle, die sich in den "années Sartre" bis Mitte der 1950er Jahre dem Kommunismus öffneten, der amerikanischen Massenkultur aus dezidiert ideologischen Gründen misstrauten. Im Gegensatz dazu gewannen umtriebige Akteure im intellektuellen Austausch mit den USA und erklärte "Atlantistes" wie Raymond Aron erst allmählich an Bedeutung.[18]

Auch jenseits der Elitenkontakte öffnete sich die französische Nachkriegsgesellschaft dem amerikanischen Konsumstil eher zögerlich. Dies erschwerte es selbst der amerikanischen Produktikone Coca-Cola, sich auf dem französischen Markt zu behaupten. Insofern erschienen hier stärker als in der Bundesrepublik Konsumgewohnheiten ideologisiert und der Bedarf nach energischer Abgrenzung von US-amerikanischer Massenkultur ungleich höher als in der Bundesrepublik.[19]

Als Inbegriff dafür, dass eine breitere französische Öffentlichkeit in den fortschreitenden 1950er Jahren sich dann aber doch amerikanischer Massenkultur zu öffnen begann, galt der Jazz. Dass die Amerikanisierungsbereitschaft sich auch hier nicht als reine Stilverpflanzung auswirkte, sondern französische Musikliebhaber mit einer eigenen Agenda auf den Plan rief, wurde ebenso deutlich: So verdankte sich die Popularität des Jazz gerade nicht dem Ehrgeiz, den US-amerikanischen Kulturstil zu imitieren, sondern einer erfolgreichen Aneignungsstrategie durch die französischen Selbstamerikanisierer: Sie fassten den Jazz als multiethnische Musiktradition auf und stellten Anschlüsse an die französische Musikkultur so her, dass der französische Kult des Jazz sogar Raum zur Distanzierung oder Amerikakritik bot.[20]

Unterdessen blieb z.B. die französische Film- und Kinobranche vom amerikanischen Transferangebot zunächst ganz unbeeindruckt. Auf dem Musiksektor trat man amerikanischen Labels mit Quotierungen entgegen und schirmte damit den heimischen Markt trotz bald erzwungener Lockerungen protektionistisch ab. Umgekehrt gelang es der französischen - anders als der deutschen - Filmindustrie spätestens ab den 1960er Jahren, an Erfolg und Renommee französischer Filme aus der Vorkriegsepoche anzuknüpfen und damit neben Italien zu einem wichtigen Repräsentanten europäischer Filmkunst auch in den Staaten zu avancieren. Mithin ließ sich selbst die Resistenz am Ende in den USA erfolgreich vermarkten. Zudem entstanden kreative Varianten im Umgang mit amerikanischen Gütern und Konsumformen. Anders als auf Coca-Cola reagierte die französische Branche eine Dekade später deutlich flexibler auf den amerikanischen Exportschlager McDonald's, indem sie nun mit konkurrierenden "restauration rapide"-Konzepten aufwartete und offensiv um eigene Marktanteile konkurrierte.[21]

Großbritannien

Aus Großbritannien zogen sich die USA nach der extrem engen Kooperation während der Kriegsjahre zwar militärisch zunächst zurück.[22] Dennoch wurden die USA frühzeitig kulturdiplomatisch tätig, indem sie bereits 1946 Austauschprogramme lancierten, die zunächst auf den akademischen Sektor zielten (Fulbright), zügig aber auch andere Berufsmärkte erfassten (Smith-Mundt Act 1948).[23] Mitunter blieben britische Intellektuelle aber ähnlich wie jene auf dem europäischen Kontinent gegenüber amerikanischen Hochkulturerzeugnissen aus Sorge vor einer drohenden "Kolonisierung" reserviert.[24] Auch deshalb warben die USA seit den frühen 1950er Jahren im Einzugsbereich britischer Linksintellektueller und der Labour Partei um transatlantischen Konsens.[25] Tatsächlich schienen früher als im französischen Fall Vorbehalte in den Reihen der britischen Eliten abgebaut werden zu können. So avancierten z.B. amerikanische Autoren zu Vertretern einer gemeinsamen literarischen "Moderne" und thematisierten Londoner Kunstausstellungen die ästhetische Nähe zu US-amerikanischer "Modern Art."[26] Dabei spielten allerdings immer auch strategische Eigeninteressen britischer Künstler eine Rolle, die den Kunstbetrieb transatlantisch öffnen wollten, um die Dominanz britischer lokaler Oberschichten zu unterlaufen.

Ob allerdings jenseits solcher Elitenkontakte amerikanische Güter und Lebensstile von der Masse der britischen Gesellschaft besonders bereitwillig oder voraussetzungsloser als in Deutschland oder Frankreich absorbiert wurden, ist noch nicht ausgemacht. Immerhin versuchte ähnlich wie in Frankreich die Attlee-Regierung (allerdings langfristig vergeblich) das heimische Kino durch Quotierungen vor einer Überschwemmung des Marktes mit Hollywoodproduktionen zu schützen.[27] Bei erfolgreichen Transfers, wie z.B. der von amerikanischen Geschäftsleuten angeregten Verbreitung von Supermarktketten seit den 1950er Jahren, spielte für deren Akzeptanz und Erfolg eine erhebliche Rolle, dass an ähnliche Distributionsmechanismen angeknüpft werden konnte und keine komplett neue Konsumhaltung aus den USA kopiert werden musste.[28]

Die zügige Popularisierung amerikanischer Lebensstile im Bereich der britischen Jugendkultur wies ihrerseits Züge einer produktiven Anverwandlungsstrategie auf: Die Teenage-Kultur entstand als eine Art transatlantisches Stilkonglomerat, indem neben die auffälligen Anleihen bei der amerikanischen Populärmusik zugleich Reminiszenzen an die Distinktionskleidung der traditionalen britischen upper class traten, die sich nun die working-class-Jugend zum Zeichen stilistischer Demokratisierung aneignete.[29] Kaum anders als besonders für die Bundesrepublik nachgewiesen, erfand sich auch hier eine jugendliche Subkultur, deren Anhänger aus dem US-amerikanischen Lifestyle-Modell auswählen wollten, was im britischen Kontext provokant genug wirkte, um traditionale Erziehungsspielregeln sichtbar aufzukündigen.

Im Vergleich zur deutschen und französischen Entwicklung hatte wohl am ehesten die britische Populärkultur Chancen zum Rücktransfer einzelner Elemente in die USA. So lässt sich z.B. der Erfolg der "Beatles" in Bezug auf Musikstil und Habitus auch darauf zurückführen, dass hier britische Skiffle- und Music-Hall- mit amerikanischen Rock-Stilelementen effektvoll neukombiniert und dann, gleichsam um britische Stilelemente angereichert, in die USA und die Welt exportiert werden konnten.[30]

Kulturelle Amerikanisierung im europäischen Vergleich

Eine europäisch vergleichende Geschichte der Amerikanisierung scheint besonders lohnend, wenn sie, wie hier angedeutet, den Blick auf europäische Kreativstrategien im Umgang mit der amerikanischen Massenkultur richtet. Für den beträchtlichen Verbreitungseffekt der amerikanischen Populärkultur gibt es dabei eine starke Hypothese, die auf deren singuläre Beschaffenheit zielt: Als Amalgam aus europäischen und außereuropäischen Elementen entstanden, barg sie das Potential, an die lebensweltliche Bedarfslage und den Massengeschmack von Konsumenten auch in Europa effektvoll anzuschließen. Zum Teil transferierten die Amerikanisierer aus den USA in einer Art Schleife an die Europäer zurück, was im Zuge eines jahrhundertealten Prozesses ehedem aus Europa in den Kulturhaushalt der USA eingespeist und zwischenzeitlich weiterentwickelt worden war.[31] Für die Amerikanisierungsforschung geht es folglich darum, die hybriden Kulturmischungsverhältnisse beiderseits des Atlantik zu inspizieren und weder das Maß amerikanischen Transferdrucks noch die Möglichkeiten der Europäer zu überschätzen, Amerikanisierungsgrade eigenmächtig auszuhandeln. Mit einzubeziehen ist in jedem Fall der zentrale strategische Diskurswert, den das Beharren auf vermeintliche eigenen Kulturstandards oder umgekehrt die demonstrative Aneignung in den innergesellschaftlichen Zusammenhängen vor allem im jungen Nachkriegseuropa haben konnte.

Während der ersten Nachkriegsdekade war die westeuropäische Bedarfslage keineswegs ausschließlich, aber insofern doch ähnlich davon geprägt, dass jüngere Generationen gegen jene Dichotomisierung von Hoch- und Massenkultur Sturm liefen, die sie als Inbegriff eines nicht mehr glaubwürdigen Deutungsmonopols alter Eliten über Verhaltensnormen und Leitwerte erachteten. Dass zum gleichen Zeitpunkt die Elitenkultur in den USA kaum entkanonisiert und die Massenkultur nicht derart entgrenzt erschien, wie in Europa zum Teil behauptet,[32] belegt weniger europäische Rezeptionsfehler als den symptomatischen Umstand, dass "Amerika" vor allem als Chiffre in einem deutschen, französischen oder britischen Diskurszusammenhang diente.

Den westdeutschen Fall unterschied von Frankreich und Großbritannien womöglich weniger der Umstand, dass die Amerikanisierung hier nachweislich rigoroser erfolgt wäre, sondern dass sie eng mit einernachholenden "Fundamentalliberalisierung"[33] der westdeutschen Gesellschaft in den 1960er Jahren verwoben war, in deren Zuge man sich demonstrativer als in Frankreich oder Großbritannien, aber - wie dort - entlang eigener Präferenzen an den USA oder dem "Westen" orientierte.

Fußnoten

1.
Vgl. Tony Judt, Geschichte Europas von 1945 bis zur Gegenwart, München 2006.
2.
Vgl. Andreas Wirsching, Für eine pragmatische Zeitgeschichtsforschung, in: Aus Politik und Zeitgeschichte (APuZ), (2007) 3, S. 13-18.
3.
Vgl. Chantal Metzger/Hartmut Kaelble (Hrsg.), Deutschland - Frankreich - Nordamerika: Transfers, Imaginationen, Beziehungen, Stuttgart 2006; Alexander Stephan (ed.), The Americanization of Europe. Culture, Diplomacy, and Anti-Americanism after 1945, New York-Oxford 2006.
4.
Vgl. Jan C. Behrends /Arpád v. Klimó/Patrice G. Poutrus (Hrsg.), Antiamerikanismus im 20. Jahrhundert. Studien zu Ost- und Westeuropa, Bonn 2005; Andrew Ross/Kristin Ross (eds.), Anti-Americanism, New York 2004.
5.
Vgl. Frank Becker, Amerikabild und "Amerikanisierung", in: ders./Elke Reinhard Becker (Hrsg.), Mythos USA. "Amerikanisierung" in Deutschland seit 1900, Frankfurt/M.-New York 2006, S. 19-47; Mel van Elteren, Rethinking Americanization Abroad: Toward a Critical Alternative to Prevailing Paradigms, in: The Journal of American Culture, 29 (2006) 3, S. 345- 367.
6.
Vgl. Anselm Doering-Manteuffel, Westernisierung. Politisch-ideeller und gesellschaftlicher Wandel in der Bundesrepublik bis zum Ende der 60er Jahre, in: Karl Lammers/Axel Schildt/Detlef Siegfried (Hrsg.), Dynamische Zeiten: Die 60er Jahre in den beiden deutschen Gesellschaften, Hamburg 20032, S. 311-341.
7.
Zur hier ausgeklammerten Begriffsdiskussion vgl. Helke Rausch, Blickwechsel und Wechselbeziehungen. Zum transatlantischen Kulturtransfer im westlichen Nachkriegseuropa, in: dies. (Hrsg.), Transatlantischer Kulturtransfer im "Kalten Krieg". Perspektiven für eine historisch vergleichende Transferforschung, Leipzig 2006 (Comparativ 16), S. 7-33; Reiner Marcowitz, Im Spannungsverhältnis von Amerikanisierung, Europäisierung und Westernisierung. Die Zäsur der 1960er und 1970er Jahre für die transatlantische Europadebatte, in: C. Metzger/ H. Kaelble (Anm. 2 ), S. 98-123.
8.
Vgl. Victoria de Grazia, Irresistible Empire: America's Advance through Twentieth-Century Europe, Cambridge, MA-London 2005.
9.
Vgl. Hans Braun/Uta Gerhardt/Everhard Holtmann (Hrsg.), Die lange Stunde Null. Gelenkter sozialer Wandel in Westdeutschland nach 1945, Baden-Baden 2007; Arnd Bauerkämper/Konrad H. Jarausch/Marcus M. Payk (Hrsg.), Demokratiewunder. Transatlantische Mittler und die kulturelle Öffnung Westdeutschlands 1945-1970, Göttingen 2005; Volker R. Berghahn, European Elitism, American Money and Popular Culture, in: R. Laurence Moore/Maurizio Vaudagna (eds.), The American Century in Europe, Ithaca-London 2003, S. 117-130; Detlef Junker u.a. (Hrsg.), Die USA und Deutschland im Zeitalter des Kalten Krieges, 2 Bände, Stuttgart-München 20012.
10.
Vgl. Axel Schildt, Sind die Westdeutschen amerikanisiert worden? Zur zeitgeschichtlichen Erforschung kulturellen Transfers und seiner gesellschaftlichen Folgen nach dem Zweiten Weltkrieg, in: APuZ, (2000) 50, S. 3-10.
11.
Vgl. Christina von Hodenberg, Konsens und Krise. Eine Geschichte der westdeutschen Medienöffentlichkeit, 1945-1973, Göttingen 2006.
12.
Vgl. Michaela Höhn, GIs and Fräuleins: The German-American Encounter in 1950s West Germany, Chapel Hill 2002.
13.
Vgl. Kaspar Maase, Amerikanisierung von unten. Demonstrative Vulgarität und kulturelle Hegemonie in der Bundesrepublik der 50er Jahre, in: Alf Lüdtke u.a. (Hrsg.), Amerikanisierung. Traum und Alptraum im Deutschland des 20. Jahrhunderts, Stuttgart 1996, S. 291-313; Detlef Siegfried, Vom Teenager zur Pop-Revolution. Politisierungstendenzen in der westdeutschen Jugendkultur 1959-1968, in: ders./A. Schildt/K. Lammers (Anm. 6), S. 582-623.
14.
Vgl. Angelika Linke, Sprachliche Amerikanisierung und Popular Culture. Zur kulturellen Deutung fremder Zeichen, in: Jakob Tanner/dies. (Hrsg.), Attraktion und Abwehr. Die Amerikanisierung der Alltagskultur in Europa, Köln-Weimar-Wien 2006, S. 37-51.
15.
Vgl. Uta G. Poiger, Jazz, Rock, Rebels. Cold War Politics and American Culture in a Divided Germany, Berkeley 2000.
16.
Vgl. André Kaspi, La libération de la France, juin 1944-janvier 1946, Paris 2004; Olivier Pottier, Les bases américaines en France 1950-1967, Paris 2003.
17.
Vgl. Richard Kuisel, Seducing the French. The Dilemma of Americanization, Berkeley-Los Angeles-London 1993.
18.
Vgl. Pascal Ory/Jean-François Sirinelli (Hrsg.), De l'affaire Dreyfus à nos jours, Paris 2002, S. 241-294.
19.
Vgl. R. Kuisel (Anm. 17); Fabrice D'Almeida, L'américanisation de la propagande en Europe de l'Ouest (1945-2003), in: Vingtième Siècle, 80 (2003), S. 5-14
20.
Vgl. Dietmar Hüser, "Rock around the clock". Überlegungen zu amerikanischer Populärkultur in der französischen und westdeutschen Gesellschaft der 1950er und 1960er Jahre, in: C. Metzger/H. Kaelble (Anm. 3), S. 189-208; Ludovic Tournès, New Orleans sur Seine. Histoire du Jazz en France, Paris 1999.
21.
Vgl. Brian Angus MacKenzie, Remaking France, Americanization, Public Diplomacy, and the Marshall Plan, Oxford-New York 2005; Jean François Sirinelli/Jean-Pierre Rioux (Hrsg.), La culture de masse en France de la Belle Époque à aujourd'hui, Paris 2002; Marianne Debouzy, Does Mickey-Mouse threaten French Culture? The French Debate about Euro-Disneyland, in: Sabrina P. Ramet/Gordana P. Crnkovic' (eds.), Kazaam! Splat! Ploof! The American Impact on European Popular Culture since 1945, Lanham u.a. 2003, S. 15-36.
22.
Vgl. Paul Addison/Harriet Jones (eds.), A Companion to Contemporary Britain, 1939-2000, Oxford 2005.
23.
Vgl. Hugh Wilford, The CIA, the British Left and the Cold War: Calling the Tune?, London 2003.
24.
Vgl. David W. Elwood, American myth, American Model, and the Quest for a British Modernity, in: R. L. Moore/M. Vaudagna (Anm. 9), S. 131 - 150; Lawrence Black/Hugh Pemberton (eds.), An Affluent Society? Britain's Post-War Golden Age' Revisited, Aldershot 2004.
25.
Vgl. H. Wilford (Anm. 23).
26.
Vgl. Anne Massey, The Independent Group: Modernism and Mass Culture in Britain 1945 - 1959, Manchester 1995.
27.
Vgl. Jane Stokes/Anna Reading, The Media in Britain, Basingstoke 1999.
28.
Vgl. Peter Gurney, The Battle of the Consumer in Postwar Britain, in: Journal of Modern History, 77 (2005) 4, S. 956-987; Gareth Shaw/Louise Curth, Selling Self-Service and the Supermarket: The Americanization of Food Retailing in Britain, 1945 - 60, in: Business History, 46 (2004) 4, S. 568-582.
29.
Vgl. Hugh Wilford, Britain: In Between, in: A. Stephan (Anm. 3), S. 23-43.
30.
Vgl. Laura E. Cooper/B. Lee Cooper, The Pendulum of Cultural Imperialism: Popular Music Interchanges between the United States and Britain 1943-67, in: Journal of Popular Culture, 27 (1993) 3, S. 61-78.
31.
Vgl. Richard Pells, From Modernism to the Movies: The Globalization of American Culture in the 20th Century, in: H. Rausch (Anm. 7), S. 34-47 und Rob Kroes, Views of the Good Life: America's Commercial Culture in Europe, in: ebd., S. 48-57.
32.
Vgl. Michael Böhler, High and Low. Zur transatlantischen Zirkulation von kulturellem Kapital, in: A. Linke/J. Tanner (Anm. 14), S. 69 - 93.
33.
Vgl. Edgar Wolfrum, Die geglückte Demokratie. Geschichte der Bundesrepublik Deutschland von ihren Anfängen bis zur Gegenwart, Stuttgart 2006; Ulrich Herbert (Hrsg.), Wandlungsprozesse in Westdeutschland, Göttingen 2002.

Helke Rausch

Zur Person

Helke Rausch

Dr. phil., geb. 1969; wiss. Mitarbeiterin am Institut für Kulturwissenschaften der Universität Leipzig, Beethovenstr. 15, 04107 Leipzig.
E-Mail: hrausch@uni-leipzig.de


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