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7.8.2009

Editorial

Afrika ist in der jüngeren Vergangenheit wieder stärker in den Fokus der westlichen Welt geraten. Die (entwicklungs)politischen Akteure operieren dabei in einem sich tiefgreifend wandelnden Umfeld.

Afrika ist in der jüngsten Vergangenheit wieder stärker in den Fokus der westlichen Welt gerückt. Spätestens seit wahrgenommen wird, dass sich die vehement aufstrebende Wirtschaftsmacht China verstärkt auf dem rohstoffreichen Kontinent engagiert, versuchen auch die "alten" Industriestaaten, ihre Interessen dort wieder deutlicher zur Geltung zu bringen. Dabei verfolgen sie durchaus Ansätze, die - zumindest vom Anspruch her - auch eine entwicklungspolitische Dimension enthalten, wie beispielsweise das "Africa Command" der Vereinigten Staaten.

Die (nicht nur) entwicklungspolitischen Akteure operieren dabei in einem sich tiefgreifend wandelnden Umfeld: In Afrika verlieren Staaten als soziale Organisationseinheiten zunehmend an Bedeutung. Dies birgt Gefahren, auf die es sich auch bei der Entwicklungszusammenarbeit einzustellen gilt. So ist zum Beispiel die Piraterie vor Somalia, die hierzulande häufig nur als Problem für die Sicherheit der internationalen Schifffahrt und somit als Bedrohung des ungehinderten Welthandels wahrgenommen wird, auch das Resultat versagender Staatlichkeit bzw. staatlicher Institutionen (failed state).

Dass nach diesem Muster afrikanische Entwicklungen oft nur sehr undifferenziert betrachtet werden - sofern sie überhaupt thematisiert werden -, liegt zum Teil an der Logik der medialen "Aufmerksamkeitsökonomie". Afrika hat häufig schlicht zu wenig "Nachrichtenwert", um einem Medium zu mehr Verkaufsattraktivität zu verhelfen. Daher findet auch über grundsätzliche Probleme der Entwicklungszusammenarbeit kein breiter öffentlicher Diskurs statt - etwa darüber, welche Formen der Kooperation noch sinnvoll sind und welche nicht, und wo noch unausgeschöpfte Potentiale liegen könnten.

Piepenbrink, Johannes

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