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28.10.2010

Radikalisierung von europäischen Muslimen - Radikalisierungs-
prozesse in der Diaspora

In Europa nimmt die Sorge vor dem home-grown terrorism zu. Die Radikalisierung vollzieht sich nicht in einem sozioökonomischen und politischen Vakuum. Auch internationale Konflikte dienen zur Rechtfertigung des Jihad.

Einleitung

Spätestens seit sich europaweit potenzielle terroristische Attentäter aus der zweiten und dritten Migrantengeneration muslimischen Glaubens und jungen Konvertiten rekrutieren, stellt sich die Frage nach einem möglichen Zusammenhang zwischen der Religion dieser Menschen und den daraus in europäischen Gesellschaften entstehenden Radikalisierungspotenzialen. Denn mit dem Aufkommen jihadistisch-motivierter terroristischer Gewalt ist das Risiko von Anschlägen mit hohen Opferzahlen und gravierenden Sachschäden stark gestiegen.

Außerweltlich orientierte Attentäter nehmen scheinbar weder auf ihre weltlichen Bezugsgruppen noch auf sich selbst Rücksicht - je verheerender der Anschlag, desto größer die vermeintliche Huldigung an den Gott, in dessen Namen der Anschlag verübt wird. Angesichts dieser Folgen von terroristischen Anschlägen hat sich der Kampf gegen den Terrorismus immer stärker ins Vorfeld der eigentlichen terroristischen Tat verlagert und richtet sich verstärkt auch gegen islamistische Strömungen, die terroristischer Gewalt als Rechtfertigungsgrundlage dienen.

Islamischer Aktivismus (Islamismus)

Mit "Islamismus" wird gemeinhin die aktive Werbung für islamische Glaubenssätze, Vorschriften, Gesetze oder Politikprogramme bezeichnet. Er wird meist mit islamischem Aktivismus oder radikalem Islam gleichgesetzt. Die folgende Typologisierung islamistischer Bewegungen und Organisationen entspricht der Definition der International Crisis Group (ICG).[1]

Als politischer Islam werden islamisch geprägte politische Bewegungen kategorisiert, wie sie von den ägyptischen Muslimbrüdern und ihren Ablegern in Algerien, Jordanien, Kuwait, Palästina, Sudan und Syrien repräsentiert werden oder von nationalen Bewegungen wie der türkischen Gerechtigkeits- und Entwicklungspartei (Adalet ve Kalknma Partisi, AKP) sowie der Gerechtigkeits- und Entwicklungspartei (Parti pour la Justice at le Développement, PJD) in Marokko. Ihr Ziel ist es, politische Macht auf nationaler Ebene zu erlangen. Diese Bewegungen akzeptieren im Allgemeinen den Nationalstaat, operieren innerhalb seines konstitutionellen Rahmens, meiden Gewalt,[2] verfolgen eine eher reformistische religiöse Vision und berufen sich auf universalistische demokratische Normen. Politisches Handeln genießt Vorrang vor religiöser Missionierung oder der Anwendung gewaltsamer Mittel. Die religiös-politische Bewegung organisiert sich meist in Parteien.

Als missionarischen Islamismus bezeichnet man die islamische Mission zur Bekehrung (al-Da'wa), die vornehmlich in zwei Varianten existiert: der stark strukturierten, aus Indien kommenden Tablighi-Bewegung und der sehr diffusen Salafiyya, die ihren Ursprung in Saudi Arabien hat und nun global aktiv ist, mit Präsenz im subsaharischen Afrika, in Südostasien und zunehmend auch in Europa. In beiden Fällen ist die Übernahme politischer Macht normalerweise ebenso wenig das Ziel wie die Organisation in Parteien. Der vorrangige Zweck dieser Bewegungen ist die Stärkung der muslimischen Identität, des islamischen Glaubens und der moralischen Ordnung des Islam gegen die Kräfte des Unglaubens. Die Missionierung erfolgt entweder durch Predigen (al-Da'wa) zur Stärkung und Revitalisierung des Glaubens (al-Iman) und der moralischen Ordnung oder durch den Zusammenhalt der Glaubensgemeinschaft (al-Umma).

Die dritte Variante, der jihadistische Islamismus, steht für den islamischen bewaffneten Kampf (al-Jihad),[3] der von Gewalt propagierenden und anwendenden Aktivisten getragen wird. Diese wähnen sich in der militärischen Verteidigung des Dar al-Islam (der Region, die historisch der muslimischen Herrschaft unterworfen war) und der Umma gegen ungläubige Feinde. Zwei Glaubensstränge können dabei unterschieden werden: Die sogenannte jihadistische Salafiyya (al-Salafiyya al-jihadiyya),[4] zusammengesetzt aus Gläubigen salafistischer Ausrichtung, die sich radikalisiert und den nichtgewalttätigen Aktivismus der Da'wa und den Weg des politischen Islam verlassen haben, um sich dem bewaffneten Jihad zu verschreiben. Der zweite Glaubensstrang sind die sogenannten Qutb-Anhänger (al-Qutbiyyin). Das sind Aktivisten, die vom radikalen Gedankengut des Muslimbruders Sayyid Qutb (1906-1966) beeinflusst sind. Sie führten ihren Jihad zunächst gegen den "nahen Feind", das heißt gegen lokale Regime, die als sündig (kufr) verunglimpft werden, darunter insbesondere Ägypten. Später wurde der Kampf auf den globalen Jihad und gegen "den fernen Feind", das heißt gegen Israel und den "Westen", insbesondere die Vereinigten Staaten von Amerika, ausgeweitet. In den vergangenen zwei Jahrzehnten haben sich diese beiden jihadistischen Strömungen gegenseitig beeinflusst. Osama bin Ladens Al-Qaida-Netzwerk zum Beispiel repräsentiert eine Synthese aus jihad-salafitischen und qutbistischen Elementen.

Hervorzuheben ist, dass die politischen Strömungen (wie die Muslimbruderschaft oder die türkische AKP) die am wenigsten radikalen Gruppierungen darstellen. Sie gehen am weitesten in der Anerkennung demokratischer Normen und Prinzipien, die bisher als unislamisch gemieden wurden. Außerdem wird hier eine modernistische Haltung zum islamischen Recht eingenommen. Rein religiöse und missionarische Islamisten dagegen tendieren eher dazu, sich bei Konflikten sehr schnell zu radikalisieren. Da ihnen jegliche Erfahrung im politischen System und die Neigung zur politischen Teilhabe fehlt beziehungsweise verleidet wurde, entschließen sie sich auch eher für den bewaffneten Jihad.

Entstehungsgeschichte des Jihadismus

Der Jihadismus, die vom klassischen Jihad abzugrenzende Ideologie militanter Islamisten, speist sich aus unterschiedlichen Denkschulen und baut auf einer fragmentierten Wissensgrundlage auf. Der Rückgriff auf den Jihad als bewaffnete Verteidigung der islamischen Glaubensgemeinde war bereits ein wichtiges Charakteristikum des Widerstandes gegen die koloniale Eroberung. Seit dem Ende der kolonialen Ära lebte die Idee vom Jihad in einem komplexen Prozess, der sich aus vier Strängen speist, wieder auf:

  1. Aufkommen einer doktrinären jihadistischen Tendenz in Ägypten in den 1970er und 1980er Jahren basierend auf dem radikalen Denken von Sayyid Qutb,
  2. Mobilisierung jihadistischer Energien in der muslimischen Welt für den Krieg gegen die sowjetische militärische Präsenz in Afghanistan und das prosowjetische Regime in Kabul (1979-1989),
  3. langwierige, aber erfolglose Aufstände gegen vermeintlich un-islamische Regime, insbesondere in Algerien (seit 1991) und Ägypten (bis 1997),
  4. der von Al-Qaida in den späten 1990er Jahren ausgerufene Jihad gegen den Westen.
Während Qutbs Schriften eine Ausweitung des Jihad-Konzeptes nach innen in die Glaubensgemeinschaft darstellen,[5] beziehen sich Al-Qaidas Neuerungen auf die äußere Reichweite des Jihad. Traditionell ist Jihad als "Heiliger Krieg" an ein bestimmtes Territorium gebunden, doch bin Ladens "Fatwa gegen Juden und Kreuzfahrer" aus dem Jahr 2001 entterritorialisierte ihn und weitete ihn auf die ganze Welt aus. Aus dem ursprünglich auf Afghanistan konzentrierten Jihad entwickelte sich so das neue Narrativ des entterritorialisierten globalen Jihadismus.[6]

Warum trifft dieses Denken in Europa auf fruchtbaren Boden?

Im islamistischen Narrativ finden gerade Muslime und junge Konvertiten in der Diaspora Anknüpfungspunkte für kollektive Identitätszuschreibungen. Das Mitgefühl mit Glaubensbrüdern etwa in Bosnien, Palästina oder Tschetschenien vermischt sich mit eigenen Demütigungs- und Opfererfahrungen, die "dem Westen" angelastet werden; der junge "Beur" maghrebinischer Herkunft in Frankreich oder der "Paki" in Großbritannien identifiziert sich mit dem palästinensischen "Chebab", der - wie in den elektronischen Medien gezeigt - von der israelischen Armee "gedemütigt" wird.[7] Islam wird so als Gegenmodell zum Westen stilisiert und bietet eine alternative - reaktive - Identität, die manchmal dem militanten Jihad näher steht als der westlich-liberalen Kultur des Residenzlandes.[8] Besonders problematisch wird diese Konstellation dann, wenn sich das Residenzland und der Referenzort der kollektiven Identität (wie die globale Umma) in einem bewaffneten Konflikt gegenüberstehen. Im Namen einer höheren Sache, der Verteidigung der vom Westen bedrohten Glaubensbrüder und -schwestern, können sich junge Muslime (auch konvertierte) für empfundene Kränkungen rächen. Im Jihadismus finden sie Rechtfertigung sowohl den Westen im Allgemeinen als auch - im Falle des sogenannten homegrown terrorism - das Residenzland in concreto zu bekämpfen.

An der Vielfalt der Herkunftshintergründe und der Persönlichkeitsmuster radikaler Jihadisten wird auch das große integrative Potenzial des engeren Jihad-Narrativs deutlich.[9] Dies ist zunächst auf seinen religiösen Gehalt zurückzuführen. Religion vermag Menschen jenseits von ethnischer, nationaler und sozialer Zugehörigkeit zu einen. Jihadisten nutzen allgemeine religiöse Frames [10] wie (oft aus dem Kontext gerissene) Koranpassagen, theologische Abhandlungen oder Appelle an die muslimische Solidarität mit den unter "dem Westen" leidenden Glaubensbrüdern (wie in Afghanistan), um ihre Ziele einer breiteren Öffentlichkeit akzeptabel zu machen.[11] Der Kampf gegen den Westen wird dabei zur individuellen religiösen Pflicht eines jeden Muslim deklariert und Gruppierungen im Umfeld von Al-Qaida geben taktische Ratschläge, wie dieser Jihad zu führen ist. In dieser Geschichtsinterpretation passt alles in ein kohärentes Bild: die Kreuzzüge, Kolonialismus, die Gründung des israelischen Staates, Kriege in Palästina, Afghanistan, Irak, Somalia, Sudan, Bosnien und Tschetschenien. In den Augen der Jihadisten repräsentieren diese Kriege einen imperialistischen Feldzug der Ungläubigen gegen die muslimische Welt. In diesem Kontext erscheint der Kampf im Namen des Islam als globale Defensive und revolutionäre Bewegung gegen den Westen.

Im jugendlichen Eifer ist es nicht untypisch, sich für Ideale und gegen vermeintliches Unrecht in der Welt zu engagieren. Den gesamten, mehrstufigen Radikalisierungsprozess bis hin zur Bereitschaft zu töten (und zu sterben) durchlaufen aber nur sehr wenige.[12] Dieser führt bei jihadistisch motivierten Gewalttätern von der Identifikation mit der globalen Umma und mit Muslimen weltweit, die sich in Bedrängnis fühlen, über die Reduktion der eigenen Identität auf die muslimische Religionszugehörigkeit und die absolute Abgrenzung von der Gesellschaft, dem weiteren sozialen Umfeld und der eigenen Familie bis hin zur Hinwendung zum militanten "Heiligen Krieg" als Mittel zur Durchsetzung der eigenen ideologischen Ziele - im äußersten Fall durch Verlust des eigenen Lebens. Dabei kristallisieren sich im Wesentlichen drei diesen Radikalisierungsprozess determinierende Faktoren heraus:

  1. die Ausprägung der islamistischen Bewegung und konflikthafte Entwicklungen am Referenzort kollektiver Identität (im Heimatland, in bestimmten Zielgebieten oder in der globalen Umma),[13]

  2. die Situation im Land des gegenwärtigen Aufenthalts (wie die Migrationssituation, fehlende Integration, Diskriminierung und die Rolle der Religion in der Diaspora),[14]

  3. eine psychologisch-individuelle Vulnerabilität, sei es eine persönliche Krisensituation, die Individuen empfänglich macht für radikales Gedankengut, sei es die Einbindung über Primärkontakte in radikale Netzwerke.[15]

Obwohl in den vergangenen Jahren immer öfter von Selbstradikalisierung die Rede ist, und der erste Impuls hin zur Rekrutierung in terroristische Netzwerke von den Rekruten selbst ausgeht, gibt es doch Strukturen, wie sogenannte gatekeeper (oftmals ehemalige Kämpfer), radikale Prediger und Propaganda im Internet, die als Pull-Faktoren anfällige Personen in Richtung gewaltsamer Radikalisierung führen können. Erst wenn beides zusammenkommt, oft in einer sogenannten kognitiven Öffnung,[16] besteht die Gefahr, dass sich das radikalisierte Individuum auf den Pfad hin zum terroristischen Anschlag begibt.

Je stärker sich junge Muslime in Deutschland mit der globalen Umma statt mit dem Herkunftsland ihrer Eltern oder mit Deutschland identifizieren, desto offener werden sie für islamistische Strömungen aller Art. Da selbst Jihadisten ihre Botschaften in allgemeingültige religiöse Frames einbetten, scheint für das Gutheißen von Gewalt kein grundlegender Bruch mit der Religion notwendig zu sein. Derzeit findet an den Rändern der islamischen Welt und in der europäischen Diaspora eine Expansion der Salafiyya-Bewegung statt. Diese lässt sich schwer trennen von ihrer gewaltbereiten Abspaltung, der jihadistischen Salafiyya (al-Salafiyya al-jihadiyya), die gerade auf die Fantasie junger und zunehmend mobiler, wenn nicht völlig deterritorialisierter Teile der jungen muslimischen Bevölkerung große Faszination ausübt.

Internationale Konflikte, in denen westliche Streitkräfte muslimischen Kämpfern gegenüberstehen, produzieren Bilder und Mythen für eine selbst-perpetuierende Rechtfertigung des Jihad. In einer globalisierten Medienwelt wird die so erzeugte Anschlussfähigkeit des Jihadismus mehr als alles andere zur Radikalisierung von Menschen weltweit beitragen, die Glauben und Halt in einem radikalen Narrativ suchen - seien diese in Europa oder sonst wo auf der Welt.

Fußnoten

1.
Vgl. ICG, Understanding Islamism, Kairo-Brüssel 2004, S. 3f.; Guido Steinberg, Der Islamismus im Niedergang?, in: Bundesministerium des Innern (Hrsg.), Islamismus, Berlin 2004; Quintan Wiktorowicz (ed.), Islamic Activism, Bloomington-Indianapolis 2003.
2.
Als Ausnahme ist der - auch bewaffnete - Widerstand zu sehen, zu dem im Falle fremder Besatzung gegriffen wird. Der Übergang zum bewaffneten Jihad wird dann fließend. Der Archetyp einer solchen Bewegung ist die palästinensische Hamas. Vgl. Matenia Sirseloudi, Assessment of the link between external conflicts and violent radicalisation processes, Brüssel 2006, S. 3f.
3.
Etymologisch bedeutet der Begriff die Bemühung, ein bestimmtes Objekt zu erreichen. Darunter wird auch eine individuelle Bemühung um den Glauben oder zum moralischen Handeln (großer Jihad) verstanden.
4.
Vgl. Thomas Hegghammer, Jihadi Salafis or Revolutionaries? On Religion and Politics in the Study of militant Islamism, London 2009.
5.
Qutbs Gedanken befürworten den militanten Widerstand gegen die eigenen Herrscher, weswegen der sich auf sie beziehende Islamismus von diesen mit massiver Repression bekämpft wurde. In Algerien führte dies zu einem Bürgerkrieg, in anderen Ländern zur Entstehung von Untergrundstrukturen und dem Ausweichen militanter Islamisten in den internationalen Raum, insbesondere nach Europa. Vgl. Ray Takey/Nikolas Gvosdev, Radical Islam: The death of an ideology?, in: Middle East Policy, 11 (2004) 4, S. 86-95.
6.
Vgl. Juan Jose Escobar Stemmann, Middle East Salafism's Influence and the Radicalization of Muslim Communities in Europe, in: MERIA, 10 (2006) 3, S. 1-14; Ghaffar Hussain, A brief history of Islamism, London 2010.
7.
Vgl. Farhad Khosrokhavar, Quand Al-Qaida parle. Témoignages derrière les barreaux, Paris 2006.
8.
Vgl. Matenia Sirseloudi, Zwischen Assimilation und Abgrenzung. Die Bedeutung der Religion für die Identität der türkischen Diasporagemeinschaft in Deutschland, in: Bernd Oberdorfer/Peter Waldmann (Hrsg.), Die Ambivalenz des Religiösen, Freiburg 2008, S. 289-314.
9.
Eindrückliche Beispiele sind die Autobiografie des wohl in Pakistan bei einem Angriff umgekommenen Deutschen Eric Breininger, die einige Tage nach seinem Tod im Internet im Umlauf war, oder das recht professionelle, auf eine an westliche Hochglanzmagazine gewöhnte Leserschaft zugeschnittene englischsprachige Jihad-Magazin Inspire. Vgl. Die Welt vom 15.10.2010.
10.
Vgl. Anja Dalgaard-Nielsen, Studying violent radicalization in Europe, Kopenhagen 2008.
11.
Vgl. Thomas Hegghammer, Al-Qaida statements 2003-2004, Norwegian Defence Research Establishment 2005; Gilles Kepel/Jean-Piere Milelli (eds.), Al-Qaida. Texte des Terrors, München-Zürich 2006.
12.
Neben Eric Breininger sind weitere Beispiele der im bayerischen Ansbach aufgewachsene Deutsch-Türke Cüneyt Ciftci oder die als Mitglieder der "Sauerlandgruppe" bekannt gewordenen Deutsch-Türken Attila Selek und Adem Ylmaz sowie die beiden Konvertiten Daniel Schneider und Fritz Gelowicz.
13.
Externe Einflussfaktoren, die in Konflikten außerhalb Deutschlands zu suchen sind, sind bislang jedoch nicht ausreichend erforscht und thematisiert worden. Risikoeinschätzungen aus der Praxis, wie zum Beispiel die des Präsidenten des Bundeskriminalamts Jörg Ziercke, beziehen dagegen regelmäßig externe Risikofaktoren wie das deutsche Afghanistan-Engagement in ihre Risikomatrix ein, ohne aber detaillierte Wirkungsabläufe nachzuzeichnen.
14.
Vgl. Olivier Roy, Globalized Islam, New York 2004.
15.
Vgl. Saskia Lützinger, Die Sicht der Anderen, Köln 2010.
16.
Das Konzept der "kognitiven Öffnung" kann sowohl für ein traumatisierendes biographisches Ereignis stehen, als auch dieses intendiert herbeiführen durch Diskussionen und "Aufklärung" über den vermeintlichen Kampf der Ungläubigen gegen den Islam. Dieser Prozess ist notwendig, weil durch ihn bestehende Glaubens- und Wertesysteme infrage gestellt und Individuen für alternative Sichtweisen und Perspektiven empfänglicher gemacht werden. Vgl. Quintan Wiktorowicz, Radical Islam rising, Lanham-Boulder 2005.

Matenia Sirseloudi

Zur Person

Matenia Sirseloudi

M.A., geb. 1971; Leiterin des Projekts "Terrorismus und Radikalisierung - Indikatoren für externe Einflussfaktoren" und Wissenschaftliche Mitarbeiterin im Institut für Friedensforschung und Sicherheitspolitik, Beim Schlump 83, 20144 Hamburg. sirseloudi@ifsh.de


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