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30.10.2020

Wirtschaft neu ausrichten. Wege in eine care-zentrierte Ökonomie

Wir stecken nicht nur in der Corona-Krise, sondern auch in einer veritablen Care-Krise. Genderforscher*innen, feministische Ökonom*innen und Care-Arbeiter*innen im privaten und öffentlichen Raum hätten die Pandemie wahrlich nicht gebraucht, um dies zu erkennen. Gleichwohl ist die "Systemrelevanz" der unbezahlten und (unter)-bezahlten Care-Arbeit nun auch ins Bewusstsein breiter Bevölkerungskreise gelangt: "Der pandemiebedingte Lockdown hat uns vor Augen geführt, dass vorübergehend praktisch alles geschlossen werden kann, nur nicht, was mit der unmittelbaren Sorge für das tägliche Leben zu tun hat: Die Gesundheitsversorgung, die Betreuung von Kindern und gebrechlichen Menschen, die Sorge für Tiere und Pflanzen, die Sorge für die tägliche Nahrung, für Sicherheit und Hygiene. Die dafür nötigen Arbeiten bilden die Basis für menschliche Gemeinschaften, weil wir alle auf die Fürsorge durch andere angewiesen sind."[1] Applaus als symbolische Anerkennung von Pflegekräften, Homeoffice inklusive "Homeschooling" und Haushalt, ausbleibende migrantische 24-Stunden-Betreuungskräfte in Pflegearrangements – das sind nur einige Stichworte, die den Stellenwert von Care in der Corona-Krise und darüber hinaus verdeutlichen.

Unter "Care-Arbeit" wird in diesem Beitrag die Gesamtheit der unbezahlten und bezahlten (re)produktiven Tätigkeiten des Sorgens und Sich-Kümmerns, Fürsorge und Selbstsorge gefasst. Sie beginnt mit der Begleitung und Versorgung Schwangerer, Neugeborener und ihrer Mütter, reicht über die Erziehung, Bildung und Betreuung von Kindern, die Wiederherstellung der physischen und psychischen Reproduktion des Arbeitsvermögens von berufstätigen Erwachsenen, die familiäre und professionelle Pflege und Unterstützung bei Krankheit oder Behinderung, über die Hilfe zur Selbsthilfe, unter Freund*innen, Nachbar*innen, im Bekanntenkreis, bis zur Altenpflege und Sterbebegleitung. Der Care-Begriff umfasst zudem das ganz alltägliche, immer wiederkehrende Kümmern und Versorgen aller Haushaltsmitglieder und das Wissen, die Organisation und die Verantwortung ("Mental Load"), die es dafür braucht. "Care" meint jedoch nicht nur die körpernahe Care-Arbeit, sondern schließt ebenso das Kochen, Putzen, Reparieren und alle Arbeiten im Haushalt mit ein, und beginnt in vielen Ländern des Globalen Südens bereits mit dem Besorgen von sauberem Trinkwasser oder Brennholz.[2]

Im Folgenden lege ich den Blick auf unbezahlte und erwerbsförmig organisierte Care-Arbeit als elementare Voraussetzung allen wirtschaftlichen Handelns – eine Perspektive, die seit der Entstehung industrieller kapitalistischer Warenproduktion systematisch ausgeblendet worden ist. Zunächst werden die historischen Hintergründe skizziert und herausgearbeitet, warum dieser Umwälzungsprozess hin zur fordistischen Industrieproduktion von Beginn an untrennbar mit asymmetrischen Geschlechterverhältnissen verwoben war und sich die Ausgrenzung der unbezahlten Care-Arbeit aus den gängigen Wohlstandsmodellen als systemisches geschlechtsspezifisches Diskriminierungsinstrument erweist. Anschließend werden die theoretisch-konzeptionelle Auseinandersetzung der Geschlechterforschung seit den 1970er Jahren nachgezeichnet, die den Wandel von Ungleichheiten und Ausgrenzungen, denen die weibliche Hälfte der Gesellschaft seither ausgesetzt ist, zum Gegenstand hat. Schließlich stelle ich Perspektiven für eine care-zentrierte Ökonomie als Zukunftsmodell für das 21. Jahrhundert vor, wie sie derzeit diskutiert werden. Die zentrale These lautet, dass die Weltgesellschaft ohne einen grundlegenden Paradigmenwechsel weder die Care-Krise noch die Klima-Krise lösen kann: Das heutige Wirtschaftssystem beruht gleichermaßen auf der Externalisierung der Kosten für Care-Arbeit wie für sämtliche Naturressourcen, um Profitraten ins Unendliche zu steigern. Das muss sich ändern.

Trivialisierung und Ausgrenzung weiblicher Care-Arbeit

Es war ein folgenreicher Schachzug der Architekten der Nationalökonomie, als sie im Zuge des Übergangs von der Agrar- zur kapitalistischen Industriegesellschaft im ausgehenden 18. Jahrhunderts sämtlichen sorgenden Tätigkeiten (cooking, cleaning, caring) kurzerhand das Prädikat absprachen, produktive Arbeit zu sein. Mehr noch: sach- und personenbezogene Care-Arbeit, die bis auf den heutigen Tag weltweit einen quantitativ deutlich höheren Stundenumfang aufweist als das Gesamtvolumen an bezahlter Erwerbsarbeit, erfuhr in den ökonomischen Modellen zur Erfassung gesellschaftlicher Wohlfahrtsproduktion keine strukturelle Berücksichtigung. Damit wurden wichtige Dimensionen der unterhalts- und bedarfsorientierten oikonomia vorindustrieller Gesellschaften aufgegeben. Zeitgleich erfolgte eine naturrechtliche Begründung der Zuständigkeit von Frauen für diese vielfältigen alltäglichen Aufgaben: Die Haus- und Sorgeverantwortung wurde ihnen fortan wesensmäßig zugeschrieben, als Nicht-Arbeit definiert und in ihrer systemrelevanten und wertschöpfenden Bedeutung für Wirtschaft und Gesellschaft systematisch ignoriert. Den ideologischen Nukleus der Ausgrenzung weiblicher Sorgearbeit aus der gesellschaftlichen Wertschöpfung formulierte ein Nationalökonom klassischer Prägung so: "Die Begründung dafür liegt in dem besonderen Charakter all dieser im Schoße der Familie unentgeltlich geleisteten häuslichen Dienste: sie haben zwar alle auch eine wirtschaftliche Seite (…), aber sie werden im Allgemeinen doch weit weniger als wirtschaftliche Handlungen denn als Akte der Lebensführung, der Lebensgestaltung und der aus Liebe geübten fürsorglichen Betreuung empfunden. Es widerstrebt dem gesunden Gefühl, hier den Maßstab wirtschaftlicher Bewertung anzulegen."[3]

Ein Grund für die Borniertheit herkömmlicher Wirtschaftstheorien besteht darin, dass sie seit der Industriellen Revolution eindimensional auf technische Innovationen setzen, verbunden mit dem Ziel einer unvergleichlichen Steigerung der Arbeitsproduktivität. Das führte in der Konsequenz zu einer systematischen Alltags- und Reproduktionsvergessenheit. Zudem geht die Mainstream-Ökonomie im Kern vom Standpunkt der Unternehmen respektive des Kapitals aus. Demgegenüber werden Haushalte lediglich als Konsum-, aber nicht mehr als Produktionseinheiten gefasst. Mit der Entstehung der kapitalistischen Industriegesellschaft und der Nationalökonomie wurde zugleich das Strukturprinzip einer hierarchischen Arbeitsteilung zwischen den Geschlechtern eingeführt und institutionell verankert. Man spricht auch vom fordistischen "Reproduktionspakt": Darunter wird die institutionell organisierte und politisch legitimierte gesellschaftliche Organisation von Produktionsabläufen und Reproduktionsprozessen verstanden.[4] Die Frau wurde zur domina privata, die sich nun ausschließlich mit der Fürsorge für Mann und Kinder befassen sollte. Ihr Lebensstandard und ein bestimmtes Reproduktionsniveau wurde vom männlichen Haushaltsvorstand, der seine Arbeitskraft im erwerbsförmig organisierten Produktionsprozess als homo oeconomicus veräußert, mitfinanziert und durch ehebezogene, steuer- und arbeitsmarktpolitische Regelungen strukturell gestützt. Durch die Trivialisierung und Ausblendung von Care-Arbeit geriet gesellschaftsweit vollkommen aus dem Blick, dass die vielfältigen Tätigkeiten des Sich-Kümmerns und der Fürsorge für andere nicht nur den sozialen Rahmen für die gesellschaftliche Produktion bilden, sondern dass das Aufziehen von Kindern, Sorgetätigkeiten zum Erhalt der Gesundheit und Leistungsfähigkeit von Erwachsenen, wie sie im Privaten tagtäglich erbracht werden, und nicht zuletzt die Pflege von Kranken und hilfebedürftigen Alten selbst produktive Akte darstellen, ohne die kapitalistisch verfasste Gesellschaften gar nicht überlebensfähig wären. Jede Geldwirtschaft würde letztlich zum Erliegen kommen, würden diese Tätigkeiten nicht vollzogen.[5]

Als Adam Smith, der Begründer der Nationalökonomie, seinen Marktmechanismus formulierte, ignorierte er, dass all die Männer, die er sich als Metzger und Bäcker vorstellte, nur deshalb ihrer Erwerbsarbeit nachgehen konnten, weil ihre Mütter, Ehefrauen und Schwestern für sie kochten, wuschen, die Wohnung in Schuss hielten und die Kinder großzogen. Dabei hätte Adam Smith es besser wissen müssen: Denn den Großteil seines Lebens verbrachte der Vater der Nationalökonomie bei seiner Mutter. "Sein Abendessen bekam er vor allem, weil seine Mutter es ihm servierte."[6]

Die wirtschaftliche Dimension dieses Geschlechterdualismus hat der US-amerikanische Wirtschaftswissenschaftler John K. Galbraith in den 1970er Jahren beschrieben, indem er die im Zuge von Industrialisierung und Urbanisierung vollzogene Verwandlung der Frauen in eine heimliche Dienerklasse des Mannes sarkastisch als eine "ökonomische Leistung ersten Ranges" bezeichnete.[7] So wurde die Hierarchisierung der Arbeitsbereiche – Erwerbsarbeit und private Sorgearbeit – strukturell sichergestellt, die sich bis heute in der asymmetrischen Geschlechterordnung spiegelt und in die patriarchalischen Machtstrukturen von Politik, Kultur und Wirtschaft eingelassen ist.

Aufdeckung weiblicher Diskriminierungsformen und holistisch angelegte Ökonomiekonzepte

Bereits zu Beginn der 1970er Jahre arbeiteten feministische Forscherinnen und die neue Frauenbewegung heraus, dass die kapitalistische Mehrwertakkumulation keineswegs nur auf der rechtlich abgesicherten Ausbeutung der Lohnarbeit beruht. Im Anschluss an die Arbeiten von Rosa Luxemburg, die betont hatte, dass der Kapitalismus nicht allein von der äußeren Landnahme wie Kolonien abhängig sei, sondern immer auch von nicht kapitalistischen Produktionsweisen, die ständig die Ware Arbeitskraft erneuern,[8] formulierten sie die zentrale These der Hausarbeitsdebatte: Unternehmen greifen permanent und ohne sich angemessen an den (Reproduktions-)Kosten zu beteiligen, auf nicht kapitalistische Produktionsweisen, allen voran auf die unbezahlte Hausarbeit, zurück. Das sei ein von linken Theoretikern vernachlässigtes Feld von Ausbeutung, "der eigentliche, nichtgedachte Sockel des ‚Eisberges‘", [9] auf dem die Ausbeutung der Lohnarbeit überhaupt erst beruhe.

Anfang der 1980er Jahren prägten die Bielefelder Soziologinnen um Claudia von Werlhof dann den Begriff der "Hausfrauisierung der Lohnarbeit". Gemeint sind damit Formen von abhängiger Beschäftigung, die weder von der Organisation noch von der Entlohnung her existenzsichernd ist. Mit diesem Begriff wurde bereits damals eine Tendenz der Globalisierung, die nicht nur Frauen betraf, konzeptualisiert: nämlich den Übergang von Normalarbeitsverhältnissen, die eigentlich nur für die kurze Zeit des Fordismus galten, in deregulierte Lohnarbeit, die durch den digitalen Strukturwandel und die damit verknüpfte Plattformisierung von Geschäftsideen aktuell ganz neue Formen annimmt.

Die Historikerin Tove Soiland und andere haben später unter Bezugnahme auf die Bielefelder Analyse eine feministische Wendung des Theorems der Neuen Landnahme versucht, um die Verschärfung der Reproduktionskrise in der postfordistischen Gesellschaft zu erklären: Sie vertreten die These, dass die gegenwärtige Restrukturierung der globalen Ökonomie "auch oder sogar in erster Linie als massive Strukturanpassung für den Bereich der individuellen und sozialen Reproduktion verstanden werden kann".[10] Der Bereich der Reproduktion sei gerade heute "einem barbarischen Ressourcenentzug ausgesetzt", [11] der nicht mehr nur die privaten Haushalte und die darin gratis verrichtete Care-Arbeit, sondern eben auch die bezahlten Care-Berufe betrifft, die massiven Sparzwängen und einer erheblichen Arbeits- und Leistungsverdichtung ausgesetzt sind.

Bereits die Bielefelder Soziologinnen gingen der Frage nach, wie Menschen unterhalb des eigentlich notwendigen Reproduktionsniveaus trotzdem überleben und verwendeten dafür den Begriff der "Subsistenzproduktion". "Sie meinten damit eine Überlebensökonomie, die gerade nicht eine antikapitalistische Insel darstellt, sondern laufend den Kapitalinteressen unterworfen wird. Arbeit im Bereich der Reproduktion ist Produktion, aber eine, die kaum als solche erscheint und daher stillschweigend an Land genommen werden kann, weil die geleistete Arbeit – da Menschen immer zu überleben versuchen – scheinbar ‚wie Luft und Wasser‘ gratis zur Verfügung steht."[12]

So wie der ausbeuterische Zugriff auf die unbezahlte Arbeitskraft von Frauen war auch die Inanspruchnahme natürlicher Ressourcen innerhalb der nationalökonomischen Theorieansätze der neuen Märkte folgerichtig. Diese basieren darauf, dass Luft, Wasser, Rohstoffe und Boden frei zur Verfügung stehen und die Umwelt gewissermaßen als Senke für Abfallstoffe genutzt werden kann. Uta von Winterfeld et al. sprechen von einer "Externalisierung als Prinzip":[13] Ihr Fazit lautet, "dass es sich bei der Ausgrenzung natürlicher Produktivität und sozial weiblicher Arbeit nicht um ‚vergessene Wirklichkeiten‘ oder ‚blinde Flecken‘ handelt (…) Sondern ihnen wird eine untergeordnete Stellung, ein unsichtbarer Raum zugewiesen, weil sie im neuen Denken als Abgespaltenes gebraucht werden".[14] Seit Beginn der Industrialisierung ist das immense Wirtschaftswachstum folglich ohne den Zugang zu billigen fossilen Energieträgern ebenso wenig denkbar wie ohne Rückgriff auf die von Frauen gratis geleistete Care-Arbeit.

Als spätestens ab den 1970er Jahren die Umweltprobleme als Folgen der vorherrschenden Produktions- und Konsumverhältnisse in westlichen Industriegesellschaften nicht mehr zu übersehen waren, wurden Privathaushalte als "Reparaturbetrieb" für die Umweltschäden in die Pflicht genommen. Das war, weil auf die Privathaushalte bezogen, gleichbedeutend mit einer zusätzlichen Mehrarbeit von Frauen, was als "Feminisierung und Privatisierung der Umweltverantwortung" kritisiert worden ist: Die Sorge für die Umwelt wurde zu einem weiteren Aufgabenfeld der hochgradig vergeschlechtlichten Care-Arbeit. Gleichzeitig überschätzten die Debatten zur Bedeutung nachhaltiger Konsummuster die Handlungsspielräume privater Konsument*innen und der Privathaushalte in industriellen Gesellschaften grundlegend, weil die Nachhaltigkeitsproblematik nicht auch als "systemische Krise"[15] verstanden wurde. Das thematisierten auch die Verfasserinnen des 1987 erschienenen "Müttermanifests", in dem für einen schonenden Umgang mit dem Rohstoff Mütterlichkeit plädiert und zugleich konstatiert wurde, dass sich die Ökologiebewegung viel zu selten ernsthaft mit der Frauenfrage befasst habe, dies aber vonnöten sei.[16]

In der systematischen Ausgrenzung der beiden reproduktiven Bereiche, der unbezahlten Arbeit und der ökologischen Natur, liegen die Ursachen der heutigen Krise. Das rief die Forderung nach nachhaltigen Wirtschaftskonzepten hervor, die sich innerhalb einer breiten öffentlichen und wissenschaftlichen Debatte, ausgehend von der UN-Konferenz für Umwelt und Entwicklung in Rio de Janeiro, entwickelt haben. Das daraus folgende Leitbild von Nachhaltigkeit beschreibt das Ziel, die Entwicklungschancen zukünftiger Generationen nicht zu beschneiden und einen global und sozial gerechten Zugriff auf Ressourcen im Sinne einer inter- und intragenerationellen Gerechtigkeit zu ermöglichen. 1994 entstand, basierend auf den Vorarbeiten der Arbeitsgruppe "Nachhaltiges Wirtschaften aus weiblicher Perspektive", das Netzwerk "Vorsorgendes Wirtschaften". Es nahm zugleich eine kritische Auseinandersetzung mit dem seinerzeit aufkommenden technokratischen Umweltmanagement vor. [17] Ihre theoretische Fundierung erfuhr die Idee des vorsorgenden Wirtschaftens unter anderem durch die ökologische Ökonomie, die Wirtschaftsethik oder auch den bereits erwähnten Subsistenzansatz der Bielefelder Soziologinnen.[18]

Auch die Debatte um den privaten Haushalt als Wohlfahrtsproduzent, verbunden mit einer Darstellung der volkswirtschaftlichen Relevanz der maßgeblich von Frauen geleisteten unbezahlten Arbeit, wurde weiterentwickelt und ging in ein Satellitensystem "Haushaltsproduktion" ein: "Selbst bei einer vergleichsweise vorsichtigen Bewertung beträgt der Wert der unbezahlten Arbeit etwa ein Drittel der im Bruttoinlandsprodukt ausgewiesenen Bruttowertschöpfung."[19]

Aus haushaltswissenschaftlicher Perspektive wurde Mitte der 1990er Jahre schließlich das Erklärungspotenzial des Konzepts verschiedener Kapitalsorten des französischen Soziologen Pierre Bourdieu für eine holistische Theorie der Wirtschaftslehre des Privathaushalts ausgelotet.[20] In der Familie vermitteltes kulturelles und soziales Kapital sei "grundsätzlich körpergebunden" und zeige sich als Bildungseffekt bei ihren Kindern. Der Vermittlungsprozess selbst setzt aber die stetige Existenz von Betreuungspersonen voraus, die bereit und in der Lage sind, diese Investitionen vor dem Hintergrund ihrer eigenen Erfahrungen und Wertepräferenzen anzuregen, zu vermitteln und ihre Aneignung begleitend zu unterstützen; er koste – wie Bourdieu es ausgedrückt – die Zeit der Mutter.[21] Auf diese beiden "inkorporierten" Kapitalsorten – soziales und kulturelles Kapital – greifen Unternehmen dann im Erwerbsverlauf der nachwachsenden Generation zurück, ohne allerdings adäquat für die Reproduktionskosten der Vermittlerin aufzukommen. Mehr noch: Den Zeitaufwand, den nicht erwerbstätige Mütter aufbringen, um ihren Kindern diese Kapitalsorten zu vermitteln, erscheint in einschlägigen mikroökonomischen Analysen gar nicht und führt in der Praxis de facto zu ihrer Bestrafung am Arbeitsmarkt. Es handle sich im Wording der Mikroökonomie um einen "unterbrechungsbedingten Humankapitalverlust", der beim beruflichen Wiedereinstieg der Mutter eine deutliche Lohnkürzung rechtfertige, die, wenn überhaupt, oft erst nach vielen Jahren wieder das alte Lohnniveau erreicht.[22]

Das Erkenntnisinteresse der Genderforschung richtete sich jedoch zunehmend auch auf andere Facetten der Care-Arbeit, insbesondere auf die unterbezahlte, erwerbsförmig organisierte Sorgearbeit im Kontext von steigenden Versorgungsnotwendigkeiten in alternden Gesellschaften. [23] In den Folgejahren entstand dann der Leitbegriff "Care-Ökonomie", der "die theoretische Reflexion von Problemen in der bezahlten und unbezahlten Care-Arbeit"[24] umfasste. Zentral ist in dieser inzwischen weltweiten Debatte um Care-Ökonomie der Blick auf einen Wirtschaftsbereich, "bei dem die Produktion und die Dienstleistungen, seien sie bezahlt oder nicht, primär und direkt auf das Wohlergehen von Menschen ausgerichtet sind und nicht auf die Produktion für einen anonymen Markt oder Unternehmen".[25] Care-Ökonomie beruht zugleich auf einem wertschätzenden Umgang von Frauen und Männern mit sich und ihrer sozialen und natürlichen Umwelt.

Bemerkenswert ist schließlich, dass die Entwicklung handhabbarer Instrumente zur Neubewertung und Anerkennung von Care-Arbeit, darunter der Gender Care Gap,[26] der Comparable Worth Index[27] sowie die Idee einer Care-Abgabe zur gesellschaftlichen Finanzierung der privaten, der freiwilligen und der bezahlten Care-Arbeit und zur Lösung von damit einhergehenden Problemen wie Erschöpfung, Zeitmangel und abnehmende Qualität von sorgenden Dienstleistungen zunehmend an Bedeutung gewinnt und inzwischen von einer jungen Frauen- und Wissenschaftlerinnengeneration vorangetrieben wird.[28]

Perspektiven

Weltweit übernehmen Frauen täglich mehr als zwölf Milliarden Stunden unbezahlte Sorgearbeit. Würden diese auch nur mit dem Mindestlohn bezahlt, wäre diese Summe 24 Mal größer als der Umsatz von Apple, Google und Facebook zusammen.[29] Auch die Sachverständigenkommission zur Erstellung des Gutachtens für den Zweiten Gleichstellungsbericht der Bundesregierung hat – ausgehend von einer eingehenden Analyse der Geschlechterverhältnisse in Deutschland – 2017 eine erhebliche Lohn- und Sorge-Lücke identifiziert, die sie als Zeichen ungleicher Verwirklichungschancen bewertet.[30] Gleiche Verwirklichungschancen bedeuten, dass alle Menschen die Möglichkeit haben müssen, ihre aus guten Gründen getroffenen Entscheidungen und Wünsche auch zu realisieren. Dem stehen jedoch Diskriminierung, Gewalt, strukturelle Benachteiligungen und Stereotype entgegen.

Das Gleichstellungsgutachten ist anschlussfähig an verschiedene wissenschaftliche Diskurse und soziale Bewegungen, wie die 2015 ins Leben gerufene Care-Revolution,[31] indem es postuliert, dass eine zukunftsorientierte Geschlechterpolitik die Kernfrage überzeugend beantworten muss, wie künftig die Bereitschaft zur Übernahme von generativer Sorgearbeit für Kinder und für unterstützungsbedürftige Mitglieder der Gesellschaft als Voraussetzung für ein wirtschaftlich und gesellschaftlich intaktes Gemeinwesen strukturell gewährleistet und organisiert werden kann.[32]

Übergänge im Lebensverlauf, wie die Geburt eines Kindes und die damit einhergehenden Entscheidungen, erweisen sich heute als Statuspassagen mit erheblichen, oft nicht vorhergesehenen Auswirkungen auf die Verwirklichungschancen von Frauen und Männern im weiteren Lebensverlauf. Sie führen derzeit zu evidenten Risiken im weiteren Lebensverlauf in Form verminderter Aufstiegschancen, reduzierter Einkommen und geringer Renten für diejenigen, die Care-Arbeit übernehmen, also ganz überwiegend für Frauen. Aber auch für Männer bringen geschlechterstereotype Arbeitsteilungsmuster durchaus Einschränkungen in ihren Verwirklichungschancen mit sich.

Lange Zeit haben sich in Deutschland staatliche Regelungen und Institutionen am Leitbild des "Familienernährers" orientiert, das auch kulturell, zumindest in Westdeutschland, tief verankert ist. Diesem Leitbild gemäß wird Sorgearbeit weitgehend privat organisiert, das heißt in Paar- und Familienbeziehungen; ein "Alleinverdiener" lebt hierfür in einer "Versorgerehe" mit einer "Hausfrau" zusammen, die die private Sorgearbeit übernimmt.

Mit dem steigenden Bildungsniveau von Frauen hat sich dieses Leitbild in den vergangenen Jahrzehnten in Richtung "Zuverdienst" verändert. Aus gleichstellungspolitischer Sicht bedeutet dies jedoch lediglich eine Variation des Familienernährer-Modells. So bleibt für den meist männlichen Familienernährer weiterhin kaum Zeit für die Familie, und die meist weibliche Zuverdienerin kann sich trotz der Last, Teilzeiterwerbsarbeit und familiale Sorgearbeit vereinbaren zu müssen, keine substanzielle Erwerbsbiografie aufbauen und fürs Alter vorsorgen.

Das Modell der "universellen Erwerbstätigkeit" (adult-worker-model) wiederum sieht für alle Personen eine Vollzeiterwerbstätigkeit vor, ohne zu berücksichtigen, dass sich Menschen in einem bestimmten Umfang eben auch den eigenen Kindern oder pflegebedürftigen Angehörigen widmen und einen Teil der Haus- und Sorgearbeit selbst übernehmen wollen.

Deshalb hat die Sachverständigenkommission im Anschluss an die Philosophin Nancy Fraser eine neue Variante vorgeschlagen und verwendet dafür den Begriff "Erwerb-und-Sorge-Modell" (earner-carer-model).[33] Frauen wollen sich beruflich entwickeln und in verschiedenen Branchen und auf allen Ebenen tätig sein können. Männer wollen Sorgearbeit leisten können, ohne dabei stereotypisierender Abwehr zu begegnen. Das Erwerb-und-Sorge-Modell heißt auch: Die bestehenden Probleme der Aufteilung von Erwerbs- und Sorgearbeit sind keine Privatangelegenheit, die von den Einzelnen "irgendwie" zu bewältigen sind. Stattdessen gilt es, Rahmenbedingungen herzustellen, die es ermöglichen, ein Erwerb-und-Sorge-Modell ohne Überforderung leben zu können und zwar unabhängig vom Geschlecht. Die Handlungsempfehlungen der Kommission sind darauf ausgerichtet: Unter anderem wird eine zusammenhängende Strategie zur grundsätzlichen Neubewertung und Aufwertung von Sorgeberufen (SAHGE-Berufen)[34] gefordert sowie die Einführung von subventionierten Gutscheinen für haushaltsnahe Dienstleistungen nach belgischem Vorbild, damit auch Haushalte mit kleinen und mittleren Einkommen Zugang zu diesen alltagsunterstützenden Diensten erhalten.[35]

Schluss

Mittlerweile und verstärkt durch die Pandemie sind viele Initiativen entstanden, die die Krisenhaftigkeit der Care-Arbeit thematisieren und auf die Notwendigkeit einer Neuorganisation und -bewertung der un- und unterbezahlten Care-Arbeit verweisen. Dazu gehören das Equal Care Manifest,[36] die Positionspapiere des Deutschen Frauenrats und der Initiative Care.Macht.Mehr[37] oder die Denkschrift "Perspektive Care-Gesellschaft. Plädoyer für eine Erneuerung des Gesellschaftsvertrags – lokal und global" aus der Schweiz.[38] Darin wird eine integrierte Perspektive zur Bewältigung von Care- und Umweltkrise eingenommen, die von den Prinzipien Care, Kooperation, Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit geleitet ist. Das kommt einer nachdrücklichen Abkehr vom neoliberalen Paradigma der Privatisierung und des weitgehenden Rückzugs des Sozialstaats gleich. Mit einem "einbettenden, regulierenden Liberalismus",[39] wie ihn der Soziologe Andreas Reckwitz vorgeschlagen hat, um zum Beispiel die materielle und soziale Infrastruktur – also Verkehr, Gesundheit, Energie, sozialer Wohnungsbau, Bildung und öffentliche Sicherheit – wieder verstärkt in staatliche Hand zu nehmen, wird es allerdings allein nicht getan sein. Vielmehr geht es um eine grundsätzliche Neuausrichtung der globalen Ökonomie, die Care-Arbeit als Ausgangspunkt allen wirtschaftlichen Handelns begreift, eingebettet in den verletzlichen Lebensraum Erde.
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Fußnoten

1.
Denknetz, Perspektive Care-Gesellschaft. Plädoyer für eine Erneuerung des Gesellschaftsvertrags – lokal und global, in: Das Denknetz 7/2020, S. 4, http://www.denknetz.ch/wp-content/uploads/zeitung/DN_Zeitung_07.pdf«.
2.
Vgl. Equal Care Manifest, 19.5.2020, https://equalcareday.de/manifest«.
3.
Paul Jostock, Die Berechnung des Volkseinkommens und ihr Erkenntniswert, Stuttgart 1941, S. 135.
4.
Vgl. Karin Jurczyk, Care in der Krise? Neue Fragen zu familialer Arbeit, in: Ursula Apitzsch/Marianne Schmidbaur (Hrsg.), Care und Migration. Die Ent-Sorgung menschlicher Reproduktionsarbeit entlang von Geschlechter- und Armutsgrenzen, Opladen–Farmington Hills 2010, S. 59–76.
5.
Vgl. Lisa Schmuckli, Gebrochene Kontinuität. Zu einer Ökonomie der Zeiten, in: Heidi Bernhard Filli et al. (Hrsg.), Weiberwirtschaft. Frauen – Wirtschaft – Ethik, Luzern 1994, S. 41–63.
6.
Katrine Marçal, Machonomics. Die Ökonomie und die Frauen, München 2016, S. 20.
7.
John K. Galbraith, Wirtschaft für Staat und Gesellschaft, München 1974, S. 51.
8.
Vgl. Rosa Luxemburg, Die Akkumulation des Kapitals. Ein Beitrag zur ökonomischen Erklärung des Imperialismus, in: dies., Gesammelte Werke, Ökonomische Schriften, Bd. 5, Berlin 1978 (1912), S. 313f.
9.
Maria Mies, Hausfrauisierung. Globalisierung. Subsistenzproduktion, in: Marcel von der Linden/Karl Heinz Roth (Hrsg.), Über Marx hinaus, Hamburg 2009, S. 255–290, hier S. 275.
10.
Tove Soiland et al., Das Theorem der Neuen Landnahme: Eine feministische Rückeroberung, in: Denknetz Jahrbuch 2013, S. 99–118, hier S. 100.
11.
Ebd., S. 107.
12.
Ebd. Vgl. auch Maria Mies, Frauen in der internationalen Arbeitsteilung, Zürich 1988, S. 138.
13.
Uta von Winterfeld/Adelheid Biesecker/Annegret Ergenzinger, Sozialökologisches Tätigsein im Schatten der Moderne. Tätigkeitsräume für eine nachhaltige Regionalentwicklung, 2007, S. 16, https://epub.wupperinst.org/frontdoor/deliver/index/docId/2623/file/WR4.pdf«.
14.
Ebd., S. 16, S. 18.
15.
Adelheid Biesecker, Von der Maßlosigkeit zur Fürsorglichkeit. Thesen für ein zukunftsfähiges Wirtschaften aus feministischer Perspektive, in: FrauenRat 5/2011, S. 8–11, hier S. 10.
16.
Vgl. Gisela Erler/Monika Jaeckel (Hrsg.), Weibliche Ökonomie, München 1989.
17.
Vgl. Christiane Busch-Lüty et al. (Hrsg.), Vorsorgendes Wirtschaften. Frauen auf dem Weg zu einer Ökonomie der Nachhaltigkeit, Politische Ökologie, Sonderheft 6, München 1994.
18.
Vgl. ebd., S. 10.
19.
Norbert Schwarz/Florian Schwahn, Entwicklung der unbezahlten Arbeit privater Haushalte, in: WISTA – Wirtschaft und Statistik 2/2016, 2016, S. 35–47, hier S. 35.
20.
Vgl. Uta Meier, Privathaushalte als Produktionsstätten von kulturellem und sozialem Kapital – Zur gesellschaftlichen Bedeutung des vermeintlich Privaten, in: Hauswirtschaft und Wissenschaft 6/1994, S. 243–250, hier S. 244.
21.
Vgl. Pierre Bourdieu, Ökonomisches, kulturelles und soziales Kapital, in: Reinhard Kreckel (Hrsg.), Soziale Ungleichheiten, Soziale Welt, Sonderband 2, Göttingen 1983, S. 35–74.
22.
Vgl. Hans P. Galler, Opportunitätskosten der Entscheidung für Familie und Haushalt, in: Silvia Gräbe (Hrsg.), Der private Haushalt als Wirtschaftsfaktor, Frankfurt/M. 1991, S. 1118–152, hier S. 137.
23.
Vgl. Angela Häussler et al. (Hrsg.), Care und die Wissenschaft vom Haushalt. Aktuelle Perspektiven der Haushaltswissenschaft, Wiesbaden 2017.
24.
Luise Gubitzer/Katharina Mader, Care-Ökonomie. Ihre theoretische Verortung und Weiterentwicklung, in: Kurswechsel 4/2011, S. 7 –21, hier S. 8.
25.
Mascha Madörin, Verschiedene Varianten, das Ganze zu denken – eine Einleitung, in: Olympe. Feministische Arbeitshefte zur Politik 30/2009, S. 8–13, hier S. 9.
26.
Vgl. Nina Klünder, Differenzierte Ermittlung des Gender Care Gap auf Basis der repräsentativen Zeitverwendungsdaten 2012/13. Expertise für den Zweiten Gleichstellungsbericht der Bundesregierung, Berlin 2018.
27.
Vgl. Sarah Lillemeier, Der "Comparable Worth"-Index als Instrument zur Analyse des Gender Pay Gap. Arbeitsanforderungen und Belastungen in Frauen- und Männerberufen, Hans-Böckler-Stiftung, Düsseldorf 2016.
28.
Vgl. Anna Saave-Harnack, Die Care-Abgabe. Ein Instrument Vorsorgenden Wirtschaftens?, in: David J. Petersen et al. (Hrsg.), Perspektiven einer pluralen Ökonomik, Wiesbaden 2019, S. 367–393.
29.
Vgl. Oxfam Deutschland, Im Schatten der Profite. Wie die systematische Abwertung von Hausarbeit, Pflege und Fürsorge Ungleichheit schafft und vertieft, 2020, http://www.oxfam.de/system/files/2020_oxfam_ungleichheit_studie_deutschschatten-der-profite.pdf«.
30.
Vgl. Sachverständigenkommission zum Zweiten Gleichstellungsbericht der Bundesregierung, Erwerbs- und Sorgearbeit neu verteilen. Gutachten für den Zweiten Gleichstellungsbericht der Bundesregierung, Berlin 2017.
31.
Gabriele Winker, Care Revolution. Schritte in eine solidarische Gesellschaft, Bielefeld 2015.
32.
Vgl. Sachverständigenkommission (Anm. 30).
33.
Ebd.
34.
SAHGE-Berufe stehen als Akronym für Soziale Arbeit, Haushaltsnahe Dienste und Hauswirtschaft, Gesundheit, Pflege und Erziehung, die den MINT-Berufen (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik) in ihrer gesellschaftlichen Bedeutung in keinem Punkt nachstehen.
35.
Vgl. Mareike Bröcheler, Haushaltsnahe Dienstleistungen für Familien, Planegg 2020, S. 125ff.
36.
Equal Care Manifest (Anm. 2).
37.
Zu finden unter http://www.frauenrat.de« und https://care-macht-mehr.com«.
38.
Denknetz (Anm. 1).
39.
Andreas Reckwitz, Das Ende der Illusionen. Politik, Ökonomie und Kultur in der Spätmoderne, Berlin 2019, S. 239f.

Uta Meier-Gräwe

Zur Person

Uta Meier-Gräwe

ist emeritierte Professorin für Wirtschaftslehre des Privathaushalts und Familienwissenschaft am Institut für Wirtschaftslehre des Haushalts und Verbrauchsforschung der Justus-Liebig-Universität Gießen. uta.meier-graewe@haushalt.uni-giessen.de


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