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21.12.2020

Dezember 2020

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1.12.2020: Rosa Parks und die US-amerikanische Bürgerrechtsbewegung

DTDP-Audionachricht zur Bürgerrechtsaktivistin Rosa Parks. (Sprecherin: Julia Günther)

Guten Morgen,

stell dir vor, Du steigst in einen relativ vollen Bus ein, aber ein paar Plätze sind noch frei. Also setzt du dich hin – eigentlich selbstverständlich.

In den USA war es das bis in die 60er Jahre nicht, jedenfalls nicht für Schwarze US-Amerikanerinnen und Amerikaner. Sie wurden auf Grundlage der sogenannten Segregation-Gesetze – also der Trennung von Schwarzen und weißen Menschen – in allen Bereichen des Lebens unterdrückt. Das betraf den Zugang zu Geschäften, zu Schulen, oder eben auch die Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel, wo es getrennte Sitzreihen für Weiße und Schwarze gab.

Dagegen wehrte sich eine mutige Frau in der Stadt Montgomery in Alabama. Ihr Name war Rosa Parks. Die 42-Jährige Näherin und Bürgerrechtsaktivistin weigerte sich am 1. Dezember 1955 – also heute vor 65 Jahren - ihren Sitzplatz im Bus für einen Weißen freizumachen. Dafür wurde sie verhaftet und musste eine Geldstrafe zahlen. Aber ihr Verhalten inspirierte auch andere Menschen – und löste den Busboykott von Montgomery aus: Statt mit dem Bus zu fahren, bildeten die Schwarzen Einwohnerinnen und Einwohner der Stadt Fahrgemeinschaften oder gingen zu Fuß, und setzten die Stadt damit wirtschaftlich unter Druck. Ihre Forderungen nach Gleichberechtigung und Bürgerrechten für Schwarze Menschen breiteten sich bald im ganzen Bundesstaat Alabama und im Süden der USA aus. Es war die Geburtsstunde der amerikanischen Bürgerrechtsbewegung, dem Civil Rights Movement, angeführt vom afroamerikanischen Pastor Martin Luther King.

Dem Busboykott ging eine jahrhundertelange Unterdrückung voraus: Die Sklaverei wurde zwar 1865 offiziell abgeschafft, aber mit den sog. Jim Crow-Gesetzen von 1880 wurde die komplette Trennung der weißen und Schwarzen Bevölkerung geregelt. Sie durften zum Beispiel nicht heiraten und mussten getrennte Schulen, Krankenhäuser oder öffentliche Toiletten besuchen. Offiziell lautete das Motto zwar „Separate but equal“ (also „getrennt aber gleichwertig“), aber das stimmte nicht. So waren zum Beispiel Einrichtungen für die Schwarze Bevölkerung viel schlechter ausgestattet.

Nach dem Busboykott von Montgomery bekam die Bürgerrechtsbewegung immer mehr Unterstützung. Ihren Höhepunkt erreichte sie rund 8 Jahre später 1963, als mehr als 200.000 Menschen am sogenannten „Marsch auf Washington“ teilnahmen und Martin Luther King seine weltberühmte "I have a dream"-Rede hielt. Ein Jahr später verabschiedete US-Präsident Lyndon B. Johnson dann den Civil Rights Act, mit dem die rassistische Diskriminierung gesetzlich aufgehoben wurde. Die vollständige Gleichberechtigung der Schwarzen Bevölkerung ist jedoch bis heute nicht erreicht – im Gegenteil: Kaum etwas hat die US-amerikanische Gesellschaft in diesem Jahr so beschäftigt wie das Thema Rassismus. Menschen weltweit schlossen sich dem Protest der internationalen Bürgerrechtsbewegung Black Lives Matter an - ein weiterer Schritt auf dem langen Weg zur Gleichberechtigung.

Welcher historische Moment fällt dir ein, in dem mutige Menschen gegen Unrecht aufgestanden sind? Wir freuen uns auf Deine Nachricht! Jetzt Dir aber erstmal einen guten Start in den Tag!

Bis morgen!

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