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3.12.2014

Digitalisierung des ländlichen Raums

Maximilian Nominacher am 18.12.2014

Die Digitalisierung spielt sich nicht nur in den Großstädten ab. So haben sich verschiedene Kooperationspartner in der Initiative "Smart Country" zusammengeschlossen, um digitale Strategien für den ländlichen Raum zu entwickeln.

Vor dem ländlichen Raum macht die Digitalisierung bisher weitestgehend Halt. Lizenz: cc by-sa/2.0/de (CC, Dennis Jarvis)


Der Trend, in der Stadt zu wohnen, bleibt ungebrochen. Das 21. Jahrhundert wird oft als "Jahrhundert der Städte" bezeichnet. Der Anteil der Bevölkerung, der in Städten wohnt, wird nach den derzeitigen Prognosen auch in Zukunft weiter steigen. Im Zuge der Debatte um die Auswirkungen der Digitalisierung ist deshalb viel von der "Smart City" die Rede. Technische, wirtschaftliche und soziale Innovationen sollen dazu beitragen, die Städte lebenswerter zu machen. Dabei wird allerdings übersehen, dass ein großer Teil der Bevölkerung auch weiterhin nicht in Großstädten lebt, sondern im ländlichen Raum. Diese Regionen geraten aufgrund des demographischen Wandels zunehmend in Schwierigkeiten. Die Jungen verlassen oft ihren Heimatort, um in der Großstadt zu leben. Für die Regionen wird das zum Problem.

Zurück auf's Land

Um ländliche Gebiete mithilfe des Internets wieder attraktiver zu gestalten, haben sich deshalb verschiedene Akteure aus Wirtschaft, Wissenschaft und Politik über die Plattform Collaboratory zur Initiative "Smart Country" zusammengeschlossen. Gemeinsam versuchen sie, die Chancen der Digitalisierung auf den ländlichen Bereich zu übertragen und Strategien für die Entwicklung ländlicher Regionen zu entwickeln.

Jens Libbe arbeitet am Institut für Urbanistik und beschäftigt sich seit einiger Zeit vor allem mit dem Themenkomplex Smart City. Was macht eine smarte Stadt wirklich aus? Stehen die Städte unter Druck, sich technische Lösungen anzueignen, für Probleme die sie gar nicht haben? Wir haben mit ihm gesprchen um diese und weitere Fragen zu beantworten.

Unter anderem muss sich die Verwaltung auf dem Land damit auseinandersetzten, dass sich das Mediennutzungsverhalten von jungen Menschen radikal von dem der älteren Jahrgänge unterscheidet. Das Gemeindeblatt lesen die jüngeren Bürger eher selten. Zunehmend wird von den Gemeinden deshalb das Potential von Social Media erkannt. "Wenn wir junge Menschen erreichen wollen, um sie für Kommunalpolitik und Verantwortung zu interessieren, müssen wir sie auf den Kanälen ansprechen, die sie nutzen", so Franz-Reinhard Habbel, Sprecher des Deutschen Städte- und Gemeindebundes. Etwa 20 bis 25 Prozent der deutschen Kommunen nutzen laut Habbel mittlerweile Social Media, viele allerdings eher passiv. Die Sozialen Netzwerke könnten für die Kommunen im Idealfall auch als eine Art "Frühwarnsystem" funktionieren, um frühzeitig von den Problemen der Bürgerinnen und Bürger zu erfahren.

Ein schönes Haus und Breitband

Auch in wirtschaftlicher Hinsicht bietet das Netz für die Regionen große Chancen. In der Gemeinde Wendeburg, in der Nähe von Braunschweig, hat sich ein junger Mann mit einem Blumenversand im Internet selbstständig gemacht. Mittlerweile ist er mit seinem Start-up einer der größten Gewerbesteuerzahler der Gemeinde. Ein Beispiel dafür, wie die Digitalisierung dem Fachkräftemangel in den Regionen entgegenwirken könnte.

Die Vernetzung biete für die Regionen in vielen Bereichen große Chancen. In ihrem zusammenfassenden Bericht und auf einem eigens dafür eingerichteten Onlineportal stellt die Initiative ihre Empfehlungen für die Bereiche Verwaltung, Mobilität, Bildung, Gesundheit, Energie und Wertschöpfung vor. Bernd Flossmann, einer der Mitglieder der Initiative, sagt, eigentlich gäbe es heute aufgrund des Internets überhaupt keinen Grund mehr, die Stadt gegenüber dem Land vorzuziehen. "Was brauche ich denn? Ein schönes Haus, und Breitband. Da ist es mir völlig egal wo ich wohne."
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