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Editorial: Wie gefährlich ist die Welt?


Ulrich Becks Risikogesellschaft erschien ein Jahr nach der Atomkatastrophe von Tschernobyl. Lizenz: cc by-sa/2.0/de (CC, Atomkraft am Morgen von bilderheld Shop ; bilderheld)


Globale Finanz- und Wirtschaftskrisen, Klimawandel, globaler Terrorismus: Gefahren werden komplexer und schwieriger zu durchschauen. Es ist klar, dass sich der Mensch da nach mehr Sicherheit sehnt - oder zumindest einem Gefühl der Sicherheit. Denn terroristische Anschläge gänzlich zu verhindern, scheint schwierig. Andererseits waren zum Beispiel zu keinem anderen Zeitpunkt so viele Krankheiten heilbar und auch die Kriminalitätsrate ist seit Jahren relativ stabil, trotz des leichten Anstiegs der registrierten Straftaten in den vergangenen zwei Jahren. Woher kommt also diese empfundene Differenz zwischen gefühlter und tatsächlicher Sicherheit?

Gefühlte vs. tatsächliche Sicherheit



Die Forderung nach Sicherheit zwingt die Politik zum Handeln. Angesichts überregional diskutierter Kriminalfälle und Terroranschlägen werden vor allem neue Überwachungsmaßnahmen vorgeschlagen und umgesetzt. Kameras mit automatischer Gesichtserkennung sollen öffentliche Plätze filmen und Sicherheitsdienste E-Mails abfangen, Kommunikationsunternehmen Daten auf Vorrat speichern. Es scheint, als bekomme die kollektive Sicherheit höhere Priorität als die Freiheit des Einzelnen. Doch wie sollen sich eigentlich Sicherheit und Freiheit laut Grundgesetz zu einander verhalten? Klar scheint: Freiheit kann nicht ohne Sicherheit existieren, doch gilt das auch andersherum?

Risiken im Informationszeitalter



In der heutigen Zeit werden Informationen innerhalb von Sekunden über den Erdball verbreitet und fast jeder hat Zugriff auf sie. Menschen sind tagtäglich mit so vielen Informationen konfrontiert wie nie zuvor. Ereignisse die früher fern waren, rücken plötzlich in den eigenen Erfahrungsraum. Was macht das mit unserem Risikoverständnis? Bringt es die Menschen dazu entschlossener zu handeln oder wirkt es lähmend?

Back to Beck



Mit den Risiken moderner Gesellschaften befasste sich der Soziologe Ulrich Beck schon in den 1980er Jahren. Er entwickelte damals die Theorie der "Risikogesellschaft". Darunter verstand er ein postmodernes System, in dem Gefahren und Risiken immer unberechenbarer werden und man sich nicht mehr wirksam vor ihnen schützen kann. Eine Analyse, die schon mit der Atomkatastrophe von Tschernobyl relevant wurde und auch heute noch aktuell zu sein scheint.

Bundeswehr im Inneren



Wenn es um die innere Sicherheit geht, vertraut ein Großteil der Bürger/-innen laut einer Umfrage des Instituts für Demoskopie Allensbach vor allem der Polizei. Angesichts zunehmender Demonstrationen und neuer Gefahrenlagen sieht sich diese aber in Bund und Ländern zuweilen an ihre Kapazitätsgrenzen gebracht. Deswegen fordern manche einen Einsatz der Bundeswehr im Inneren zu ihrer Unterstützung. Andere lehnen diesen entschieden ab.

Wie mit den Risiken umgehen?



Der Umgang mit diffusen Risiken wie dem globalen Terrorismus ist für viele westliche Gesellschaften ungewohnt. Wie sollen wir damit umgehen, dass Anschläge auch bei uns grundsätzlich jederzeit möglich sind? Vielleicht hilft ein Blick auf andere Teile der Welt, die sich schon länger mit der alltäglich drohenden Gefahr arrangieren müssen. Leben die Menschen dort ein weitgehend normales Leben?




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