zurück 
20.4.2005

Studentischer Widerstand: "Die Weiße Rose"

Wolfgang Benz, Historiker und Leiter des Berliner Instituts für Antisemitismusforschung, hat die Geschichte der "Weißen Rose" zusammengefasst. Ein Auszug aus dem Artikel "Jugend und Studentenopposition" der Information zur politischen Bildung "Deutscher Widerstand 1933-1945.

Semestereröffnung 1938 im Hörsaal. (© Stiftung Weiße Rose e.V.)


"Der deutsche Name bleibt für immer geschändet, wenn nicht die deutsche Jugend endlich aufsteht, rächt und sühnt zugleich, seine Peiniger zerschmettert und ein neues geistiges Europa aufrichtet!", heißt es im sechsten Flugblatt der "Weißen Rose", das die Widerstandsgruppe im Februar 1943 verbreitete.

Dass von der Jugend die Zukunft des deutschen Volkes abhängt, davon waren auch die Nationalsozialisten überzeugt – jedoch in einem gänzlich anderen Sinne. Sie hatten seit der Machtergreifung im Jahre 1933 viel dafür getan, die Jugendlichen im Lande zu indoktrinieren. Bis Ende 1936 bauten sie die Hitlerjugend (HJ), zu der auch der Bund Deutscher Mädel (BDM) gehörte, zur Staatsjugendorganisation aus. Dazu wurden nach und nach alle politischen, konfessionellen, bündischen und sportlichen Jugendverbände verboten – von den Jungkommunisten bis zu den Pfadfindern.

Die Erziehung sollte so weit wie möglich in der Hand des Staates liegen. 1939 waren 90 Prozent der Jugendlichen in der HJ. Der Widerstand blieb indes nicht aus. Gruppen, die bereits vor 1933 existiert hatten, versuchten weiterhin für ihre Ideale einzutreten. Andere schlossen sich zusammen, vereint durch die Gegnerschaft zum Nationalsozialismus oder aus Protest gegen die HJ. Die Formen des Widerstands und der Verweigerung waren keineswegs immer politisch motiviert. Die "Swing-Jugend" provozierte etwa durch lässiges Auftreten, hörte verpönte Musik und hatte eine Vorliebe für alles Angelsächsische. Selbst dieses Abweichen von der Parteilinie wurde vom NS-Staat mit Verfolgung, Inhaftierung und Einweisung in Konzentrationslager geahndet und bekämpft.

An den Hochschulen gab es nur wenige studentische Gegenkräfte, die sich dem nationalsozialistischen Totalitätsanspruch entgegenstemmten. Die Studentenschaft hatte die Hitler-Bewegung schon vor 1933 überwiegend positiv aufgenommen. Die Einschränkung der persönlichen Freiheit oder die weltanschauliche Schulung erzeugte zwar häufig Widerwillen, führte aber nicht automatisch auch zur Ablehnung des Regimes. Wenn es Proteste gab, kamen sie in den Jahren bis zum Kriegsbeginn von linken oder christlich engagierten Studierenden. Nur in wenigen Städten gab es Versuche, organisierten Widerstand zu leisten. Dieser erfolgte meist in Form von Flugblatt-Aktionen.

Als durchaus ernsthafte Bedrohung nahmen die NS-Behörden in den Kriegsjahren dagegen die Aktionen der studentischen Widerstandsgruppe "Die Weiße Rose" wahr. Wolfgang Benz, Historiker und Leiter des Berliner Instituts für Antisemitismusforschung, hat die Geschichte der "Weißen Rose" für die Bundeszentrale für politische Bildung bereits kurz zusammengefasst:

Die Weiße Rose

Im Zweiten Weltkrieg regte sich ebenfalls studentischer Protest. Es waren andere Motive als in den Jahren bis 1939 und auch eine andere Studentengeneration, die den Protest formulierte. Die wichtigste Widerstandsgruppe, die am meisten beachtet wurde, war die Weiße Rose in München. Den Kern dieser Gruppe bildeten fünf Studenten, zwischen 21 und 25 Jahren alt: Hans und Sophie Scholl, Willi Graf, Christoph Probst und Alexander Schmorell. Ihr Mentor war Professor Kurt Huber, der schon vorher mit den Nationalsozialisten in Konflikt geraten war. Zur Weißen Rose gehörten noch etwa ein Dutzend Studenten, Intellektuelle, Künstler, es war ein nicht organisierter Freundeskreis.

Kirsten Schulz

Nach oben © Bundeszentrale für politische Bildung Zur klassischen Website von bpb.de wechseln