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20.4.2005

Hans Scholl

Geboren am 22. September 1918 in Ingersheim/Württemberg, zum Tode verurteilt und ermordet am 22. Februar 1943 in München.

Hans Scholl (© Gedenkstätte Deutscher Widerstand)

Als Hans Scholl am 1. Mai 1933 in die Hitlerjugend (HJ) eintritt, tut er dies gegen den Willen seines regimekritischen Vaters. Hans macht in der HJ schnell Karriere. 1935 ist er Fähnleinführer und betreut bis zu 150 Jungen. Im Widerspruch zur offiziellen Parteilinie öffnet er sich jedoch den freiheitsliebenden Ideen der bündischen Jugendbewegung, namentlich der verbotenen Gruppe "dj 1.11." ("deutsche jungenschaft vom 1.11.1929"). Während seines Wehrdienstes nach dem Abitur wird Hans Ende 1937 deshalb verhaftet und angeklagt. Das Verfahren wird später eingestellt.

dj. 1.11 auf Fahrt mit ihrem Kohte-Zelt (© Weiße Rose Stiftung e.V.)

Ab Sommer 1939 studiert Hans Scholl in München Medizin. Er wird im Mai 1940 als Sanitäter an der Westfront eingesetzt und entdeckt, angeregt durch die Lektüre französischer Autoren, das unorthodoxe Christentum für sich. Im April 1941 wird er in eine Münchner Studentenkompanie versetzt, wo er Alexander Schmorell kennen lernt. Otl Aicher, ein Freund aus Ulm, macht Hans mit dem Publizisten Carl Muth bekannt, dem Herausgeber der mittlerweile verbotenen katholischen Monatszeitschrift "Hochland". Hans hält zwischen Herbst 1941 und Sommer 1942 engen Kontakt zu ihm, sortiert dessen Bibliothek und findet in dem älteren Herrn einen Mentor. Im Freundeskreis werden die progressiven Werke Muths und des katholischen Denkers Theodor Haecker sowie die Vorlesungen des unangepassten Philosophieprofessors Kurt Huber diskutiert. Anzunehmen ist, dass Hans Scholl durch einen Bekannten bereits im Frühjahr 1942 von den nationalsozialistischen Verbrechen gegen Juden und Polen erfährt.

Hans Scholl an Rose Nägele, 14. Dezember 1942

"Wenn die wilden Tiere ihr Gewahrsam gesprengt [haben] und unters Volk gelaufen sind, muß eben jeder, der einen starken Arm hat, nach der Waffe greifen, gleichgültig, welchen Standes und welcher innerer Berufung er ist."
Zwischen dem 27. Juni und dem 12. Juli 1942 verfassen und versenden Hans Scholl und Alexander Schmorell die ersten vier "Weiße Rose"-Flugblätter. Wahrscheinlich wissen Sophie Scholl, die Freundin Traute Lafrenz und der Studienfreund Christoph Probst Bescheid. Ende Juli wird Hans mit seinen Freunden Willi Graf und Alexander Schmorell zur "Front-Famulatur" nach Russland abkommandiert. Anfang November kehren sie zurück, tief beeindruckt von dem Land, aber auch vom Grauen des Krieges.

Hans Scholl als Soldat (© Gedenkstätte Deutscher Wiederstand)

Im Winter 1942 knüpfen Hans Scholl und Alexander Schmorell Kontakte zu anderen Regimekritikern. Mitte Januar 1943 erscheint das fünfte Flugblatt, das die Gruppe, zu der mittlerweile auch Professor Kurt Huber gehört, mit Hilfe von Freunden in mehreren Städten verbreitet. Die Nachricht von der deutsche Niederlage in Stalingrad am 3. Februar veranlasst sie zum sechsten Flugblatt, das von Huber verfasst wird. Als Hans und seine Schwester Sophie es waghalsig in der Münchner Uni verteilen, werden sie entdeckt und verhaftet. Hans Scholl trägt einen Flugblattentwurf von Christoph Probst bei sich. Im Verhör erklärt Hans, er habe sich zum Widerstand verpflichtet gefühlt, weil er dem Schicksal seines Landes nicht gleichgültig gegenüberstehe. Vier Tage nach seiner Festnahme findet die Verhandlung vor dem Volksgerichtshof statt. Hans, seine Schwester Sophie und Christoph Probst werden zum Tode verurteilt und am selben Tag durch das Fallbeil hingerichtet. Seine letzten Worte sind: "Es lebe die Freiheit!" Hans Scholl wird 24 Jahre alt.

Kirsten Schulz
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