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20.4.2005

Kurt Huber

Geboren am 24. Oktober 1893 in Chur/Schweiz, zum Tode verurteilt am 19. April 1943, ermordet am 13. Juli 1943 in Stadelheim.

Kurt Huber. (© Gedenkstätte Deutscher Widerstand)

"Und handeln sollst du so/ Als hinge von dir und deinem Tun allein/ Das Schicksal ab der deutschen Dinge/ Und die Verantwortung wär´ dein." Mit diesen Worten des Philosophen Johann Gottlieb Fichte beendet Kurt Huber am 19. April 1943 seine Verteidigungsrede vor dem Volksgerichtshof. In dieser Rede stellt er das nationalsozialistische Herrschaftssystem an den Pranger. "Rückkehr zu klaren sittlichen Grundsätzen, zum Rechtsstaat, zum Vertrauen von Mensch zu Mensch; das ist nicht illegal, sondern umgekehrt die Herstellung von Legalität." Für ihn, sagt Huber, habe es nie das Mittel des Widerstands gegeben, sondern nur das des Widerspruchs.

Kurt Huber ist ein Mann des Wortes. Dass der Philosophieprofessor politisch nicht ganz linientreu ist, ist in den Kriegsjahren an der Münchner Universität ein offenes Geheimnis. Zu seinen Vorlesungen kommen Studierende verschiedener Fakultäten, darunter auch der Freundeskreis um die Medizinstudenten Hans Scholl und Alexander Schmorell. Sie hören Hubers Vorlesung "Leibniz und seine Zeit", in der er die staatsbürgerliche Verantwortung der Intellektuellen herausstellt. Der Professor fesselt sein Auditorium mit kenntnisreichen und anschaulichen Vorträgen, in denen er auch verbotene Werke jüdischer Denker würdigt.

Kurt Huber in seiner Verteidigungsrede vor dem Volksgerichtshof, 19. April 1943

"Als deutscher Staatsbürger, als deutscher Hochschullehrer und als politischer Mensch erachte ich es als Recht nicht nur, sondern als sittliche Pflicht, an der politischen Gestaltung der deutschen Geschicke mitzuarbeiten, offenkundige Schäden aufzudecken und zu bekämpfen."

Kurt und Clara Huber mit Vater Hans Schlickenrieder und Tochter Birgit. (© Gedenkstätte Deutscher Widerstand.)

Hubers Haltung bleibt den Nationalsozialisten nicht verborgen. Eine ordentliche Professur in München, wo er seit 1926 lehrt, wird ihm verwehrt. Dabei scheint seiner Karriere anfangs nichts im Wege zu stehen: Mit 24 Jahren hat er seinen Doktor in Musikwissenschaften, mit 27 habilitiert er im Fach Psychologie und Philosophie. Er gilt als Koryphäe in der Volksliedforschung und ist zudem ein anerkannter Leibniz-Kenner. Wie viele Intellektuelle sympathisiert er zunächst mit dem aufkeimenden Nationalsozialismus. 1937 baut er in Berlin das Volksliedarchiv auf. Ein in Aussicht gestellter Lehrauftrag an der dortigen Universität wird jedoch vom Amt Rosenberg, der weltanschaulichen Führungsorganisation der NSDAP, rückgängig gemacht. Tief gekränkt kündigt Huber seine Stelle und kehrt nach München zurück, wo er seine Familie mit wenig Geld über Wasser hält. Im Februar 1940 wird er Mitglied der NSDAP und kurz darauf als außerplanmäßiger Professor verbeamtet.

Von der Front heimgekehrte Studenten berichten ihm von Massenmorden in Polen und in der Sowjetunion. Seine Vorbehalte gegenüber der Hitler-Diktatur verstärken sich. Im Juni 1942 lernt Huber den Kern der "Weißen Rose" kennen. Ein halbes Jahr später schließt er sich bewusst der Gruppe an. Nach der deutschen Niederlage in Stalingrad formuliert Huber das letzte Flugblatt. Alexander Schmorell und Hans Scholl streichen darin eine Passage über die "herrliche Wehrmacht".

Kurt Huber wird am 27. Februar 1943 verhaftet. Am 19. April 1943 wird er gemeinsam mit Alexander Schmorell und Willi Graf vom Volksgerichtshof zum Tode verurteilt und am 13. Juli 1943 in Stadelheim durch das Fallbeil hingerichtet. Er hinterlässt eine Frau und zwei Kinder. Kurt Huber wird 49 Jahre alt.

Kirsten Schulz
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