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20.4.2005

Roland Freisler

Präsident des Volksgerichtshofs

Biografische Notizen zu Roland Freisler, der als Präsident des Volksgerichtshofs unter anderem auch die Prozesse gegen die Mitglieder der "Weißen Rose" leitete.

Roland Freisler, 1942-45 Präsident des Volksgerichtshofes. (© Weiße Rose Stiftung e.V.)


"Der Volksgerichtshof wird sich stets bemühen, so zu urteilen, wie er glaubt, dass Sie mein Führer, den Fall selbst beurteilen würden." Am 15. Oktober 1942, knapp zwei Monate nach seiner Ernennung zum Präsidenten des Volksgerichtshofs, schrieb Roland Freisler einen Dankesbrief an Adolf Hitler. Seine Treue bekräftigte er, indem er sich Hitler als "politischer Soldat" andiente. Vier Monate später führte Freisler in München den ersten Prozess gegen die "Weiße Rose", namentlich gegen Hans und Sophie Scholl und Christoph Probst. Er verurteilte die drei Studierenden zum Tode und machte sich auch sonst in seiner Amtszeit als "Blutrichter" einen furchtbaren Namen.

Roland Freisler, 1893 in Celle geboren, zog als junger Jura-Student freiwillig in den Ersten Weltkrieg und geriet 1915 in russische Kriegsgefangenschaft. Obwohl die Gefangenenlager 1918 aufgelöst wurden, kehrte er erst 1920 nach Deutschland zurück. Gerüchten zufolge soll er sich nach der Oktoberrevolution 1917 den Bolschewisten angeschlossen haben, doch Belege dafür gibt es nicht. Nach dem Abschluss seines Studiums trat der promovierte Volljurist bereits 1925 in die NSDAP ein und übernahm fortan vor allem die Verteidigung straffällig gewordener Parteigenossen. 1932 war er Abgeordneter im Preußischen Landtag, ein Jahr später Mitglied im Deutschen Reichstag. 1934 wurde er Staatssekretär im Reichsjustizministerium und verfasste in den kommenden Jahren unzählige Artikel zur NS-Rechtslehre. Im Januar 1942 nahm er für das Justizministerium an der Wannseekonferenz zur "Endlösung der Judenfrage" teil. Am 20. August wurde Freisler Präsident des Volksgerichtshofs und fand hier ein Instrument, mit dem er weltanschaulichen Fanatismus durchsetzen konnte.

Der Krieg lauert überall

In den Augen der NS-Regierung und des "politischen Soldaten" Freisler tobte der Krieg keineswegs nur an der auswärtigen Front, sondern von Beginn an auch in Deutschland. Wer ausländische Sender hörte, die Regierung kritisierte, gar organisierten Widerstand leistete oder nicht mehr an den Endsieg glaubte – Freisler nannte das Defätismus – der war ein politischer Feind und wurde unerbittlich bekämpft. Unter seinem Vorsitz verwandelten sich die Verhandlungen zu Tribunalen, in denen er weniger Richter als Ankläger war. Er war berüchtigt dafür, dass er Angeklagte niederschrie und mit beißendem Spott demütigte. Filmaufnahmen von den Schauprozessen gegen die Männer, die am 20. Juli 1944 das Attentat auf Hitler verübt hatten, sind ein erschreckendes Zeugnis seiner Methoden. Nach Freislers Amtsübernahme stieg die Anzahl der vom Volksgerichtshof verhängten Todesurteile drastisch an: Wurden 1941 noch 102 Angeklagte mit dem Tode bestraft, waren es im Jahr darauf schon 1.192. Damit wurden 1942 fast die Hälfte aller Angeklagten im "Namen des Volkes" ermordet.

In seiner zweieinhalbjährigen Amtszeit hat Roland Freisler 2.500 Menschen hinrichten lassen. Er starb am 3. Februar 1945 bei einem Bombenangriff der Alliierten auf Berlin. Roland Freisler stand an der Spitze der nationalsozialistischen Unrechtsjustiz, aber er hatte viele willige Helfer im Stillen, wie Helmut Ortner in seinem Buch "Der Hinrichter. Roland Freisler, Mörder im Dienste Hitlers" betont: "Nicht allein Freisler, sondern mit ihm die gesamte Justiz waren zu Henkern und Handlangern eines todbringenden Regimes geworden."

Kirsten Schulz

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