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22.9.2020

Jüdinnen in Deutschland nach 1945. Erinnerungen, Brüche, Perspektiven - Teil I

Facetten jüdischer Frauenidentitäten – Beiträge, Interviews und Porträts

Als Auftakt zur DA-Reihe zum weiblichen jüdischen Leben in Deutschland nach 1945 stellt dieser Überblicksartikel von Sharon Adler exemplarisch wegweisende Protagonistinnen und deren Arbeits- und Forschungsfelder sowie Frauenorganisationen im 20. Jahrhundert vor. Der Rückblick schlägt den Bogen über die Nachkriegszeit und die Situation der Überlebenden zum gesellschaftspolitischen Engagement und den Forschungsfeldern jüdischer Frauen von heute. Hier gibt es den ersten Teil des Beitrages.

Davidstern als Kettenanhänger (© picture-alliance)


Im Jahr 2021 leben Jüdinnen und Juden seit mindestens 1.700 Jahren im Gebiet des heutigen Deutschlands. Und doch ist bis heute ihr Alltag zumeist unsichtbar. Dazu gehören die jüdischen Feiertage, deutsch-jüdische Kultur und ein modernes und selbstverständlich gelebtes jüdisches Leben in Deutschland. Judentum wird in der deutschen nichtjüdischen Mehrheitsgesellschaft beinahe ausschließlich mit dem Nahostkonflikt, dem Holocaust und mit Antisemitismus verbunden, wobei jüdische Menschen auf eine Opferrolle reduziert werden. Die Vielschichtigkeit der 1.700-jährigen deutsch-jüdischen beziehungsweise jüdisch-deutschen Geschichte kommt im öffentlichen Diskurs kaum vor.

Vielmehr werden Jüdinnen und Juden auch in den Medien bis heute nicht selten als etwas Exotisches und Fremdes, als "die Anderen" dargestellt. Zuletzt zierten zwei osteuropäische orthodoxe Juden mit Schläfenlocken das Cover eines der größten deutschen Magazine. Die historische Straßenszene vor einer Bibliothek in der Berliner Grenadierstraße im sogenannten "Scheunenviertel"[1] stammt aus dem Jahr 1928. Das Sonderheft von Spiegel Geschichte (Ausgabe 4/2019) trug den Titel "Jüdisches Leben in Deutschland – Eine unbekannte Welt nebenan".

Das Cover suggeriert nicht nur, dass Jüd_innen nicht Teil der Mehrheitsgesellschaft sind und in einer Parallelwelt leben, es befeuert durch die Bildauswahl auch Stereotype und Klischeebilder. Auch wenn das "Scheunenviertel" heute in Tourist_innenführern beinahe romantisierend als das Zentrum jüdischen Lebens der wilden 1920er Jahre beschrieben wird, lebten zu dieser Zeit längst nicht alle Jüd_innen dort im Osten der Stadt, sondern auch im Westen. Während beispielsweise in Charlottenburg, dem sogenannten “Charlottengrad”, die Intellektuellen, Künstler_innen und Literat_innen zu finden waren, lebten im Scheunenviertel hauptsächlich Händler aus Osteuropa; es galt als das Armenviertel Berlins. Somit sind die Formulierung des Titels und die Auswahl des Covermotivs nicht einfach nur unpassend, sie reduzieren den Blick auch lediglich auf einen Teilaspekt jüdischen Lebens in dieser Zeit.

Ein weiterer Kritikpunkt an der gängigen Darstellung jüdischen Lebens ist, dass jüdische Frauen meist unsichtbar bleiben. Darauf, dass in Kontexten, die das Judentum betreffen, eine Jüdin auf einem Magazin-Cover abgebildet wird, warten wir bisher vergeblich.

Wie ist es im 21. Jahrhundert um die Sichtbarkeit von Jüdinnen im öffentlichen Leben und ihre Darstellung in den Medien bestellt? Erkennbar in der Öffentlichkeit (und dadurch leider auch angreifbar) sind Kippa tragende jüdische Männer; jüdische Frauen, sofern sie nicht sichtbar einen Davidstern tragen, sind es nicht. Spätestens seit der erfolgreichen Netflix-Serie "Unorthodox", basierend auf der gleichnamigen Autobiografie der aus der ultraorthodoxen Satmar-Gemeinde in Brooklyn nach Berlin geflohenen Schriftstellerin Deborah Feldman, könnte jedoch ein Teil des deutschen Fernsehpublikums davon ausgehen, alle jüdischen Frauen trügen eine Perücke und würden in ihrer Community unterdrückt.

Unterstützt wird diese einseitige Perspektive durch die Reaktionen einiger Medien auf die Serie, bei der die Stimmen jüdischer Frauen nicht abgebildet werden. So empfiehlt etwa Jan Böhmermann, der Moderator des meistgehörten Podcasts in Deutschland "Fest & Flauschig" die Serie als "besonders guten Einstieg" vor allem für junge Leute, die "wenig Ahnung von jüdischer Kultur" hätten. Viele Jüd_innen beurteilen diese Sichtweise äußerst kritisch. Darunter auch die Referentin für Verbandsentwicklung bei der Zentralwohlfahrtsstelle der Juden in Deutschland und Mitorganisatorin des Jewish Women Empowerment Summit, Laura Cazés. In einem Artikel in der Jüdischen Allgemeinen, den sie gemeinsam mit dem Politikwissenschaftler Jakob Baier verfasst hat, heißt es: "Und so ist Unorthodox, anders, als Böhmermann es behauptet, kein ‘guter Einstieg in die jüdische Kultur‘, kein Crashkurs für Anfänger. Viel eher bietet die Serie […] eine Auseinandersetzung für Fortgeschrittene, denn sie unterstreicht die Verwobenheit, die Sehnsüchte und die blinden Flecken einer deutsch-jüdischen Geschichte, die von Schmerz, Scham und Trauma durchzogen ist – und zwar für alle Beteiligten."[2]

Doch es gibt auch Positiv-Beispiele in der fiktionalen medialen Darstellung wie die Berliner „Tatort“-Kommissarin Nina Rubin. Die Schauspielerin

Tatortkommissarin Nina Rubin (Meret Becker) (© picture-alliance)

Meret Becker, selbst nicht jüdisch, verkörpert glaubhaft eine gleichsam exzessiv arbeitende und feiernde Jüdin, in deren Familienleben jüdische Rituale und Feiertage selbstverständlich ihren Platz haben. Dass das auch ohne die Einspielung von Klezmer und Klarinetten funktioniert, die ansonsten den Soundtrack für TV-Filme zu jüdischem Leben liefern, ist eine wohltuende Abwechslung.

Mit dem Thema der medialen Darstellung von Jüd_innen beschäftigt sich auch die Medienwissenschaftlerin und Mitherausgeberin der Zeitschrift Jalta. Positionen zur jüdischen Gegenwart, Lea Wohl von Haselberg. In ihrem Buch "Und nach dem Holocaust? Jüdische Spielfilmfiguren im (west-)deutschen Film und Fernsehen nach 1945"[3] hat sie 150 Film- und Fernsehproduktionen analysiert. Sie geht in Ihrer Dissertation, die dem Buch zugrunde liegt, der Frage nach, „wie jüdische Figuren, jüdisches Leben und jüdische Themen – mehr oder weniger zeitgenössisch – in deutschen Spielfilmen nach 1945 dargestellt wurden“.[4]

Weibliches jüdisches Leben nach 1945 im geteilten und vereinten Deutschland – Interviews, Porträts und Beiträge

Um klischeehaften bis antisemitischen Darstellungen jüdischen Lebens und der ungenügenden Abbildung besonders weiblichen jüdischen Lebens etwas entgegenzusetzen, hat sich die Redaktion des Deutschland Archivs vorgenommen, in den kommenden zwei Jahren jüdische Frauen in den Fokus zu setzen. Dazu wird eine Reihe mit Beiträgen, Interviews und Porträts veröffentlicht. Vor dem Hintergrund des erst vor kurzem begangenen Jubiläums „100 Jahre Frauenwahlrecht in Deutschland“ wird auch das gesellschaftspolitische Engagement der jüdischen Protagonistinnen von damals sichtbar gemacht, die an der Durch- und Umsetzung des Frauenwahlrechts maßgeblich beteiligt waren. Sie sind heute weitgehend vergessen. Und mit Blick auf das Jubiläum „1.700 Jahre jüdisch-deutsche Geschichte“ soll auch das Wirken jüdischer Frauen von heute gewürdigt werden.

Mit der Schwerpunktsetzung auf die Zeit nach 1945, nach dem Ende der NS-Herrschaft, soll die Zäsur durch den Holocaust und seine bis heute spürbaren Auswirkungen in Deutschland deutlich gemacht werden: Der unwiederbringliche Verlust von Leben und Wirken jüdischer Menschen in Wissenschaft, Politik, Gesellschaft, Kultur und Literatur. Auch hier sind es besonders die Frauen, die in der Geschichtsschreibung selten genannt werden und damit aus dem kollektiven Gedächtnis zu verschwinden drohen.

Daher stellt das Deutschland Archiv weibliches jüdisches Leben und Erleben der Angehörigen der Ersten und Zweiten Generation von Überlebenden des Holocaust im Nachkriegsdeutschland sowohl in der Bundesrepublik als auch in der DDR in den Mittelpunkt. Darüber hinaus werden in der Reihe die Öffnung der innerdeutschen Grenze, der Zuzug von Jüd_innen aus der ehemaligen Sowjetunion in den 1990er Jahren, die Einwanderung von Israelis seit Anfang der 2000er Jahre und die Perspektive von Jüd_innen als Teil einer Minderheit in der heutigen Migrationsgesellschaft thematisiert. Wie die jüdische Gemeinschaft diese massiv verändernden Einschnitte erlebt und verarbeitet hat, soll Gegenstand der inhaltlichen Auseinandersetzung sein.

Um die Diversität der Lebenswelten von Jüdinnen abzubilden, nehmen wir dabei die unterschiedlichen Perspektiven und Lebensformen und religiöse Ausrichtung von traditionell, orthodox, liberal bis säkular sowie non-religiös, hetero bis queer, wie auch eine rein kulturell konnotierte Verbundenheit mit dem Judentum in den Blick.

Else Ury und ihr „Nesthäkchen“ – ein Beispiel für assimiliertes jüdisches Frauenleben Anfang des 20. Jahrhundert

Zur Verdeutlichung, wie groß der Verlust der Zerstörung jüdischen Lebens durch Emigration oder durch die Ermordung der Jüd_innen in der NS-Herrschaft war, und um die Vielfalt jüdischen (Frauen-)Lebens in Deutschland vor der NS-Zeit sichtbar zu machen, wirft dieser Beitrag zunächst einen Blick in die Zeit vor 1933 und stellt exemplarisch einige jüdische Frauen vor, die in der deutsch-jüdischen Geschichte eine wichtige Rolle gespielt haben.

Eine jüdische Frau fotografiert während des Deutschen Kaiserreichs in Berlin. (© Privat)

Um aufzuzeigen, welchen persönlichen und beruflichen Herausforderungen Jüd_innen sich als Individuum oder als Teil der jüdischen Frauenbewegung stellen mussten, bevor die Nazis an die Macht kamen, sollen Fragen danach beantwortet werden, inwieweit jüdische Protagonistinnen nicht nur das jüdische Leben, sondern auch das Leben in der nicht-jüdischen Mehrheitsgesellschaft Deutschlands nachhaltig beeinflusst haben. Hatten sie die gleichen Bürger_innen-Rechte, konnten sie offen jüdisch leben oder mussten sie sich verstecken und konnten sich nicht als Jüd_innen zu erkennen geben wie in den Jahrhunderten zuvor? Waren sie in der Lage, die gleichen Berufe auszuüben und eine akademische Karriere zu machen?

Die Mehrheit der Jüd_innen zu Beginn des 20. Jahrhundert war national, kaisertreu, und identifizierte sich voll und ganz mit dem jüdisch-deutschen Bürger_innentum, in dem Deutschtum und Judentum gleichzeitig gelebt wurde. Mit der Verfassung des Kaiserreichs von 1871 galten die Staatsbürger_innenrechte unabhängig von der religiösen Zugehörigkeit. 1914 zu Beginn des Ersten Weltkriegs hatte Kaiser Wilhelm II. vor dem Reichstag erklärt: "Ich kenne keine Parteien mehr, ich kenne nur Deutsche! …ohne Parteiunterschiede, ohne Konfessionsunterschiede…“ Diese Rede bewirkte ein Aufatmen, einen Ruck in der jüdischen Gemeinschaft über alle religiösen und politischen Ausrichtungen hinweg, und sie stellte die Erfüllung des jahrhundertealten Strebens nach gesellschaftlicher Anerkennung, nach der Umsetzung der Bürger_innenrechte für Jüd_innen dar.

Diese Kaisertreue spiegelt auch der im Jahr 1916 publizierte Band aus der Reihe um die Arzttochter Annemarie Braun “Nesthäkchen und der Weltkrieg” wider. Das Buch von der jüdisch-deutschen Schriftstellerin Else Ury (1877-1943)

Die Schriftstellerin Else Ury (© picture-alliance/akg)

ist geprägt von Nationalismus und stand „nach dem Zweiten Weltkrieg auf der Zensurliste der Alliierten“, berichtete welt.de im Jahr 2014.[5] Else Ury selbst lebte assimiliert, und in ihren Büchern feierten die Protagonist_innen – bis auf wenige Ausnahmen ("Die erste Lüge", "Im Trödelkeller") – Weihnachten und Ostern. Jüdische Feiertage kamen nicht vor, obwohl die Familie Ury selbst auch jenseits der Hohen Feiertage die Synagoge besuchte. Ihre literarische Karriere wurde am 6. März 1935 von den Nationalsozialisten beendet: Sie wurde mit einem Schreibverbot belegt und aus der Reichsschrifttumskammer ausgeschlossen. Ihre Bücher zählten zum „schädlichen und unerwünschten Schrifttum“. Am 12. Januar 1943 wurde sie vom Bahnhof Grunewald, vom Gleis 17, zusammen mit 1.100 Berliner Jüd_innen mit dem 26. „Osttransport“ nach Auschwitz deportiert.[6] In ihren Büchern zeichnete Else Ury einerseits ein traditionelles Frauenbild, nach dem Frauen auf ihre Rolle als Hausfrau und Mutter vorbereitet wurden; andererseits studierten die Frauen (Medizin), wobei in Urys Büchern ihre Unabhängigkeit nur bis zur Ehe hielt.

Bildung, Ausbildung und Engagement vor 1933

Die in Berlin geborene Else Ury, die selbst keine akademische Ausbildung absolviert hatte, steht hier im Gegensatz zu den jüdischen Frauen, die sich während der Weimarer Republik und mit Einschränkungen auch bereits davor in den Universitäten für die Aufnahme eines Studiums einschrieben. Mit dem Thema Bildung und Frauenerwerbstätigkeit hat sich die 1937 in Berlin geborene Historikerin Monika Richarz beschäftigt.

Dass sich eine Vielzahl jüdischer Frauen für ein Studium entschied, war in ihrer Herkunft aus dem bildungsbewussten Bürgertum begründet. Bildung hat insgesamt in der jüdisch-deutschen Tradition einen hohen Stellenwert. In ihrem Beitrag mit dem Titel "Eine weibliche Avantgarde - Jüdische Frauen in Berlin als Studentinnen und Akademikerinnen"[7] nimmt Richarz die Zeitspanne zwischen der Erstzulassung von Studentinnen als Gasthörerinnen an der Berliner Universität (1896) bis zur Aufhebung der akademischen Berufsmöglichkeiten für jüdische Frauen 1933 in den Blick. Sie schreibt: "Untersucht man den Eintritt der jüdischen Frauen in die akademische Welt, zeigt sich schnell, dass der anhaltende Widerstand der deutschen Universität gegen das Frauenstudium sie stärker behinderte als der an den Hochschulen weit verbreitete Antisemitismus. Sie teilten die massiven Behinderungen, die alle Frauen bei der Durchsetzung ihres Anspruchs auf höhere Bildung erfuhren. Doch verhielten sie sich offensichtlich anders dazu, denn sie überwanden diese Barrieren eher und zahlreicher als die weiblichen Studierenden generell. Das zeigt sich besonders deutlich am Beispiel der Friedrich-Wilhelm-Universität in Berlin [heutige Humboldt-Universität]. Diese größte deutsche Universität […] wies prozentual den höchsten Anteil von jüdischen Studierenden beiderlei Geschlechts auf."[8]

Wegweisende jüdische Frauen und ihr Wirken im 19. und 20. Jahrhundert

Die Zeit des ausgehenden 19. und der Beginn des 20. Jahrhunderts waren geprägt vom Kampf um das aktive und passive Frauenwahlrecht. Jüdische Frauenrechtlerinnen waren maßgeblich an der Durchsetzung beteiligt. Dazu stellt Monika Richarz fest: "Auffallend oft engagierten sich Berliner jüdische Akademikerinnen für Frauenrechte und für politisch linksliberale und sozialistische Parteien." Seit 1918 hatten die Frauen im Deutschen Reich das aktive und passive Wahlrecht. Zudem erhielten sie mit der Weimarer Reichsverfassung die grundsätzliche Gleichberechtigung.

Übertragen auf die Gremienwahlen in den Jüdischen Gemeinden wurde dies jedoch je nach Ausrichtung unterschiedlich umgesetzt:[9] Längst nicht in allen Gemeinden waren Frauen wahlberechtigt. Während die liberalen Gemeinden dem Frauenwahlrecht aufgeschlossener gegenüberstanden, gestanden die konservativen und orthodoxen Gemeinden den Frauen nur zögerlich das aktive Wahlrecht bei den Wahlen zur Repräsentant_innenversammlung zu. 1924 führte schließlich die Berliner Gemeinde das aktive und passive Frauenwahlrecht ein. Politische Forderungen bezüglich des Wahlrechts und mehr Mitspracherecht der Frauen in der Gemeinde kamen vor allem vom Jüdischen Frauenbund (JFB), der größten Frauen-Organisation dieser Zeit. Mit Erfolg: Während 1927 in mindestens 19 Gemeinden die Frauen wahlberechtigt waren, waren sie es 1929 bereits in 23 Gemeinden.[10] Der JFB war ein Zusammenschluss jüdisch-bürgerlicher Frauen, der 1904 von Bertha Pappenheim (1859–1936) und Sidonie Werner (1860–1932) gegründet und 1938 von den Nazis verboten wurde. Auf die Arbeit des JFB wird noch an anderer Stelle in diesem Beitrag eingegangen.

Dass es Möglichkeiten für jüdische Frauen bereits im Deutschen Kaiserreich gab – auch wenn es nicht die Regel war –, wirtschaftlich unabhängig zu sein, beschreiben unter anderem die Lebenswege von Frauen wie Margarete Herz (1872-1947) und Helene Wolff (1871-1917).[11] Die Dentistinnen, so durften sich Zahnbehandlerinnen ohne Abitur und ohne Studium nennen, führten eine gemeinsame Zahnpraxis in Bonn und protestierten 1912 öffentlich gegen ihren Ausschluss vom Wahlrecht. Nach dem Tod von Helene Wolff baute sich Margarete Herz mit einer vegetarischen Gaststätte und einem Reformhaus eine neue wirtschaftlich unabhängige Existenz auf.

Unter dem Aspekt, dass eine Vielzahl von Frauen Wegbereiterinnen waren und auch Inspiration für Jüdinnen von heute sind, wird hier eine Auswahl von wegweisenden jüdischen Frauen, die vor und nach 1933 gewirkt haben, genannt: Die Atomphysikerin Lise Meitner (1878-1968); die Frauenrechtlerin, Sozialreformerin und Gründerin der ersten sozialen Frauenschule in Berlin im Jahr 1908,

Alice Salomon (© picture-alliance)

Alice Salomon (1872-1948), die als eine der wenigen Frauen im Fach Nationalökonomie, über "Die Ursachen der ungleichen Entlohnung von Männer – und Frauenarbeit" promovierte; die Politikerin und Schriftstellerin Rosa Luxemburg (1871-1919); die Rabbinerin Regina Jonas (1902-1944); die Schriftstellerin, Frauenrechtlerin und Sozialaktivistin Lina Morgenstern (1830-1909), die Reformerin für ein Progressives Judentum Lily Montagu (1873-1963), oder Bianka Hamburger (1877-1942), Frauenrechtlerin und erste Frau in der Repräsentanten-Versammlung der Jüdischen Gemeinde zu Berlin.

In der kollektiven Erinnerung an die Zeit der Weimarer Republik sind es trotz der Verdienste jüdischer Frauen in Wissenschaft, Politik und Sozialarbeit

Die Schauspielerin Hedy Lamarr (© picture-alliance)

vor allem Schauspielerinnen wie Hedy Lamarr (1914-2000) und Elisabeth Bergner (1897-1986) oder Schriftstellerinnen und Lyrikerinnen wie Rose Ausländer (1901-1988) und Else Lasker-Schüler (1869-1945), die Beachtung finden. Für die Sichtbarmachung weiblichen jüdischen Lebens in dieser Zeit ist neben vielen anderen auch die weit weniger bekannte Marie Munk (1885-1978) eine würdige Vertreterin. Sie war in vielem die Erste: Die 1885 geborene jüdische Berlinerin war 1908/1909 die erste preußische Jura-Studentin in Berlin und Bonn. 1911 erwarb sie an der Universität von Heidelberg ihren Doktortitel, war die erste Anwältin und später die erste Richterin in Berlin.

1914 gründete sie gemeinsam mit den jüdischen Juristinnen Dr. Margarete Berent (1887-1965) und Dr. Margarete Muehsam-Edelheim (1891-1975) den "Deutschen Juristinnen-Verein", zu einer Zeit, als Frauen noch nicht zur zweiten juristischen Staatsprüfung zugelassen waren. Erst ab 1922 wurden die juristischen Berufe für sie geöffnet. Dafür hatten sich der Verein und der Bund Deutscher Frauenvereine eingesetzt. Um der "Gleichschaltung" durch die Nationalsozialisten zu entgehen, löste der „Deutsche Juristinnen-Verein“ sich 1933 auf. Die Gründerinnen gingen ins Exil und entschieden sich nach 1945, nicht aus der Emigration zurück zu kommen.

Auch die meisten ihrer als Jüdinnen verfolgten Kolleginnen blieben trotz aller existenziellen Schwierigkeiten im Ausland – oder sie waren ermordet oder in den Selbstmord getrieben worden. 1948 wurde die Vereinigung "Weibliche Juristen und Volkswirte e.V." gegründet, der Vorgängerverein des heutigen Vereins "Deutscher Juristinnenbund e.V.“ (djb). Um an die Schicksale der verfolgten und ermordeten jüdischen Juristinnen zu erinnern, enthüllt der djb gemeinsam mit der jüdischen Frauen-Organisation Bet Debora seit 2003 regelmäßig Gedenktafeln an Gebäuden. Die am 13.9.2019 im Landgericht Halle/Saale eröffnete Wanderausstellung des djb "Jüdische Juristinnen und Juristinnen jüdischer Herkunft" porträtiert exemplarisch "(…) jüdische oder von den Nationalsozialisten als jüdisch verfolgte Juristinnen der ersten Juristinnengeneration (…)".[12]

Ein Beispiel für das weitgehende Unsichtbar-Sein von jüdischen Frauen in der Geschichtsschreibung wird im Folgenden deutlich: Denken wir etwa an Walter Benjamin. Die Sekundärliteratur über den Philosophen ist umfangreich, das öffentliche und wissenschaftliche Interesse ungebrochen, während die Arbeit der Schriftstellerin, Übersetzerin und Journalistin Dora Sophie Kellner (1890-1964)[13] , geschiedene Pollak, geschiedene Benjamin, heute nur Eingeweihten ein Begriff ist. Und dass, obwohl sie weit mehr war als nur die "Frau von" Walter Benjamin. Auch nach der Scheidung und bis zu seinem Selbstmord auf der Flucht vor der Gestapo am 26. September 1940 in dem spanischen Grenzort Port Bou hat sie ihn immer wieder auch finanziell unterstützt.

In der Weimarer Republik war Dora Sophie Kellner Chefredakteurin der Praktischen Berlinerin und schrieb unter anderem für Die Dame, die Vossische Zeitung und arbeitete für den Rundfunk. 1936 emigrierte sie nach Italien, 1938 nach England, wo sie mehrere Hotels betrieb und 1964 in London starb. Dora Sophie Kellner repräsentiert die finanziell unabhängige, gebildete Frau. Die "neue Frau" und die neue Freiheit der Frauen. Auch eine Rabbinerin war darunter. An ihrem Beispiel wird jedoch deutlich, dass die Gleichberechtigung längst nicht alle beruflichen Tätigkeiten betraf.

Regina Jonas, die erste weibliche Rabbinerin weltweit, wurde 1902 in Berlin geboren

Als 1972 in den USA Sally Priesand als erste Rabbinerin ordiniert wurde, feierte die Presse den "weltweit ersten weiblichen Rabbiner". Das glaubte man bis in die 1990er Jahre, denn Regina Jonas war vergessen. Erst nach der Öffnung der Mauer wurden in den staatlichen Archiven in Ost-Berlin Dokumente entdeckt, die von ihrer Existenz und von ihrem Wirken erzählten. Diese Ungerechtigkeit erfuhr Regina Jonas bereits zu Lebzeiten in ihrer beruflichen Laufbahn:

Sie hatte das öffentliche Oberlyzeum absolviert und erhielt 1924 die Lehrbefähigung für höhere Mädchenschulen. Anschließend begann sie ein Studium an der liberalen Hochschule für die Wissenschaft des Judentums in Berlin, welches sie dadurch finanzierte, dass sie an verschiedenen Lyzeen Unterricht gab. Am 22. Juli 1930 bestand Jonas ihre mündliche Abschlussprüfung. Ihre schriftliche Arbeit trug den provozierenden Titel: "Kann die Frau das rabbinische Amt bekleiden?", eine Fragestellung, die sie selbst mit dem Fazit beantwortete, dass dem "außer Vorurteil und Ungewohntsein fast nichts" entgegenstehe. Die Arbeit wurde mit "Gut" bewertet, doch Jonas' Abschlusszeugnis wies sie nicht als Rabbinerin, sondern lediglich als akademisch geprüfte Religionslehrerin aus.

Die Jüdische Gemeinde in Berlin beschäftigte sie auch danach nur als Religionslehrerin, allerdings durfte sie zusätzlich die "rabbinisch-seelsorgerische Betreuung" in jüdischen und städtischen sozialen Einrichtungen übernehmen. Im Trausaal vor dem Synagogenraum konnte sie religiöse Feste leiten; die Kanzeln der Synagogen blieben ihr jedoch verwehrt. Zwei im Auftrag der Betenden eingereichte Gesuche, sie endlich in der Neuen Synagoge predigen zu lassen, wurden ignoriert. Am 12. Oktober 1944 wurde Regina Jonas in Auschwitz ermordet. Heute erinnern engagierte Frauen an sie: Die Journalistin, Autorin und Rabbinerin Elisa Klapheck (geb. 1962) hat zu ihr geforscht und im Jahr 2000 die Biographie "Fräulein Regina Jonas" herausgebracht sowie deren Streitschrift veröffentlicht. 2013 hat die ungarische Filmemacherin Diana Groó anhand des einzigen existierenden Fotos von Regina Jonas ihre Geschichte rekonstruiert. Die ungarisch-englisch-deutsche Koproduktion wurde 2013 auf dem 19. Jüdischen Filmfestival Berlin & Potsdam unter dem Titel "Regina – work in progress“ gezeigt.

2020 jährt sich die Ordination von Regina Jonas zum 85. Mal. Nach dem Holocaust trat am 1. August 1995 als erste Frau Bea Wyler (geb. 1951) das Amt einer Rabbinerin in Deutschland an. Heute gibt es weltweit etwa 1.000 Rabbinerinnen. In Deutschland amtieren acht von ihnen, darunter Elisa Klapheck, die durch Regina Jonas inspiriert wurde, Rabbinerin zu werden. 2005 erzählte sie davon in ihrer Autobiographie unter dem Titel "So bin ich Rabbinerin geworden. Jüdische Herausforderungen hier und jetzt". Elisa Klapheck ist auch eine der Mitbegründerinnen von Bet Debora, eine 1998 in Berlin ins Leben gerufene jüdische Fraueninitiative.

1945 – (Neu)Gründung jüdischer Frauenorganisationen

Die Zusammenschlüsse von Jüdinnen in Vereinen, die sich sowohl frauen- als auch sozialpolitisch engagierten, basierten auf dem Leitbild von "Zedaka" (Hebräisch: "Gerechtigkeit") und "Tikkun Olam" (Hebräisch: Vervollkommnung der Welt). Der Jüdische Frauenbund (JFB)[14] wurde, wie bereits erwähnt, 1904 von

Bertha Pappenheim - die Gründerin des Jüdischen Frauenbundes (© picture-alliance)

Bertha Pappenheim und Sidonie Werner gegründet. Ab 1907 war der JFB Mitglied im Bund Deutscher Frauenvereine (BDF), der Dachorganisation der bürgerlichen Frauenbünde. Bis zu seinem Verbot durch die Nationalsozialisten 1938 war der JFB vor allem in der Bekämpfung des Mädchenhandels[15] aktiv.

Die Organisation erbaute 1927 ein Erholungsheim für jüdische Kinder aus Großstädten in Wyk auf Föhr, richtete außerdem Mädchenwohnheime ein und vermittelte Arbeitsmöglichkeiten und Berufsausbildungen. Viele der Frauen, die im JFB aktiv waren, wurden in die Emigration gezwungen oder ermordet, darunter Hannah Karminski (1897-1943) und Cora Berliner (1890-1942). Nach dem jüdischen Prinzip der Zedaka entstand aus der Wohltätigkeitsarbeit lokaler Frauengruppen eine organisierte Sozialarbeit, die international vernetzt war. Daraus resultierend wurde 1917 die Zentralwohlfahrtsstelle der Juden in Deutschland (ZWST) etabliert, 1951 wurde diese unter seinem heutigen Namen "Zentralwohlfahrtsstelle der Juden in Deutschland" (ZWST) wiedergegründet. 1953 folgte die Neugründung des Jüdischen Frauenbunds in Deutschland.

Women’s International Zionist Organisation (WIZO)

Die am 11. Juli 1920 in London ins Leben gerufene WIZO hatte sich zuvor 1907 in Deutschland nach dem Zionistischen Kongress in Den Haag unter dem Namen “Jüdischer Frauenverein für kulturelle Arbeit in Palästina” zusammengeschlossen, um die sozialen und wirtschaftlichen Verhältnisse der jüdischen Frauen in Palästina zu verbessern. Die erste Präsidentin der WIZO Deutschland war Jenny Blumenfeld (1889-1962). Recha Freier (1892-1984), die frühere Präsidentin von WIZO Bulgarien und Mitglied der WIZO-Exekutive, erkannte gleich zu Beginn der NS-Zeit die drohende Gefahr für die Jüd_innen in Deutschland und entwickelte trotz immenser Schwierigkeiten ein “Jugend Alliah-Programm”. Damit gelang es ihr, tausende jüdischer Kinder aus Deutschland herauszubringen und sie vor dem sicheren Tod durch die Nationalsozialisten zu bewahren. 1935 übernahm Henrietta Szold (1860-1945) ihre Arbeit und setzte diese fort, so lange es möglich war.

1946 gründeten sich in Deutschland wieder erste WIZO-Gruppen in den Lagern für “Displaced Persons” - die Überlebenden des Holocaust. Schon im ersten Jahr gab es etwa 3.000 Mitglieder in 30 verschiedenen Lagern. Die Arbeit der WIZO konzentrierte sich hier zuerst auf die Organisation von Kindergärten und Sozialstationen, die sich um schwangere Frauen und stillende Mütter kümmerten. Später wurden verschiedene Aktivitäten wie Nähen und Stricken sowie Kurse in Hebräisch und Englisch angeboten. 1947 wurde die erste WIZO-Gruppe außerhalb eines DP-Lagers in Hamburg mit Hilfe der Mutterföderation WIZO England gegründet. In den folgenden Jahren bildeten sich weitere Gruppen in Berlin, Frankfurt und München. 1949 zog die WIZO Zentrale von England nach Israel um. Derzeit gibt es in Deutschland neun WIZO Gruppen. Die WIZO als international tätige, karitative Frauenorganisation ist heute mit Verbänden in 50 Ländern, 800 Institutionen und rund 250.000 Mitgliedern eine der größten internationalen Frauenorganisationen weltweit.[16]

Bet Debora

Bet Debora (hebr. "Haus der Debora") ist eine 1998 in Berlin von Elisa Klapheck, Lara Dämmig und Rachel Monika Herweg (geb. 1960)

Elisa Klapheck ist eine von derzeit acht weiblichen Rabbinerinnen in Deutschland. Sie ist in der liberalen Synagogengemeinschaft "Egalitärer Minjan" in der Jüdischen Gemeinde in Frankfurt a. M. tätig und Professorin für Jüdische Studien an der Universität Paderborn. (© Sharon Adler)

ins Leben gerufene jüdische Fraueninitiative, die sich für die Neugestaltung jüdischen Lebens auf der Grundlage der Chancengleichheit der Geschlechter einsetzt. 1999 lud Bet Debora zu einer ersten Tagung europäischer Rabbinerinnen, Kantorinnen, rabbinisch gelehrter und interessierter Jüdinnen und Juden ein. Es folgten weitere Tagungen in Berlin, Budapest, Sofia und Wien. Mit ihren Aktivitäten möchte Bet Debora ein jüdisch-feministisches Bewusstsein fördern, das Erbe jüdischer Frauen pflegen, die jüdische Frauenforschung unterstützen, für den interreligiösen und interkulturellen Dialog eintreten und ein europäisches Netzwerk jüdischer Frauen aufbauen.[17]

Keshet Deutschland e.V.

Am 4. November 2018 traf sich eine Gruppe junger Jüdinnen und Juden in Berlin, um den Verein "Keshet Deutschland" (Keshet, hebräisch für Regenbogen) zu gründen. Der gemeinnützige Verein will die Rechte von und den Umgang mit LGBTQI*- Jüd_innen innerhalb und außerhalb der Jüdischen Gemeinden in Deutschland fördern und queeres jüdisches Leben in Deutschland sichtbar machen sowie die Rechte von und den Umgang mit LGBTQI*[18] -Jüd_innen in Deutschland fördern.[19]

Neben den bereits genannten Organisationen existierten auch weitere Frauenvereine. Im Jahr 2005 gründete Lilli Rosenfeld mit anderen Frauen den Jüdischen Frauenverein Berlin.[20] Zuvor hatten bereits Inge Marcus (1922-2016) und Ruth Galinski (1921-2014) einen Frauenverein gegründet. Beide Organisationen waren für einige Jahre aktiv, existieren jedoch heute nicht mehr.

Hier können Sie den zweiten Teil des Überblicksartikels lesen.

Zitierweise: Sharon Adler, "Jüdinnen in Deutschland nach 1945. Erinnerungen, Brüche, Perspektiven - Teil I", in: Deutschland Archiv, 18.09.2020, Link: www.bpb.de/315661
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Dieser Text ist unter der Creative Commons Lizenz "CC BY-NC-ND 3.0 DE - Namensnennung - Nicht-kommerziell - Keine Bearbeitung 3.0 Deutschland" veröffentlicht. Autor/-in: Sharon Adler für Deutschlandarchiv/bpb.de

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Fußnoten

1.
Deutsche Welle, damals: Berliner Scheunenviertel, Filmbeitrag (00:03:27), o.D., www.dw.com/de/damals-berliner-scheunenviertel/av-17200065, zuletzt aufgerufen am 3.8.2020.
2.
Jakob Baier/Laura Cazés, „Unorthodox“ in deutschen Wohnzimmern, Jüdische Allgemeine Wochenzeitung, 16.6.2020, www.juedische-allgemeine.de/kultur/german-gaze-unorthodox-in-deutschen-wohnzimmern/, zuletzt aufgerufen am 3.8.2020.
3.
Lea Wohl von Haselberg, Und nach dem Holocaust? Jüdische Spielfilmfiguren im (west-)deutschen Film und Fernsehen nach 1945, Berlin 2016.
4.
Hier findet sich eine Rezension des Buches von Raphael Rauch: www.dokumente.ios-regensburg.de/JGO/erev/Rauch_Wohl_von_Haselberg_Und_nach_dem_Holocaust.html, zuletzt aufgerufen am 1.8.2020.
5.
Annette Prosinger, Entsetzliche Abgründe eines Mädchen-Bestsellers, welt.de, 28.12.2014, www.welt.de/geschichte/article135701385/Entsetzliche-Abgruende-eines-Maedchen-Bestsellers.html, zuletzt aufgerufen am 3.8.2020.
6.
Eine KPM-Gedenktafel aus dem Programm des Landes Berlin erinnert an Else Ury. Diese wurde am 11.3.1995 an dem Haus Kantstraße Nummer 30 enthüllt. Dort lebte die Schriftstellerin von 1905 bis 1933.
7.
Monika Richarz, Eine weibliche Avantgarde - Jüdische Frauen in Berlin als Studentinnen und Akademikerinnen, in: Laurence Guillon/Heidi Knörzer (Hg.), Berlin und die Juden. Geschichte einer Wahlverwandtschaft?, Berlin 2015.
8.
Vgl. Ebenda. S.163-181.
9.
Vgl. Kirsten Heinsohn, Juden in der Weimarer Republik, in: Arno Herzig/Cay Rademacher (Hg.), Die Geschichte der Juden in Deutschland, Hamburg 2007, S. 170-179.
10.
Siehe Lara Dämmig, „Ein Gebot der Klugheit“: 80 Jahre Frauenwahlrecht in der Berliner Gemeinde, in: hagalil.com, http://www.berlin-judentum.de/news/2004/11/wahlrecht.htm, zuletzt aufgerufen am 3.8.2020.
11.
Vgl. Ingeborg Boxhammer, Herrin ihrer selbst. Zahnkunst, Wahlrecht und Vegetarismus. Margarete Herz und ihr Freundinnen-Netzwerk, Leipzig 2019.
12.
Vgl. Deutscher Juristinnenbund (djb), Wanderausstellung Jüdische Juristinnen und Juristinnen Jüdischer Herkunft, www.djb.de/ausstellung-juedische-juristinnen-und-juristinnen-juedischer-herkunft, zuletzt aufgerufen am 4.9.2020.
13.
Maya Nitis, A Woman´s Many Names - Dora Sophie Kellner, www.aviva-berlin.de/aviva/content_Juedisches%20Leben.php?id=141486, zuletzt aufgerufen am 4.8.2020.
14.
Vgl. Lara Dämmig, Kampf um Gleichberechtigung: Der Jüdische Frauenbund, www.berlin-judentum.de/frauen/jfb.htm, zuletzt aufgerufen am 3.8.2020.
15.
Jüdische Mädchen aus Osteuropa wurden mit falschen Versprechungen in den Westen gelockt und schließlich an Bordelle westlicher Großstädte verkauft.
16.
Siehe WIZO, Who we are, Our history, www.wizo.org/who-we-are/about-wizo.html, zuletzt aufgerufen am 3.8.2020.
17.
Bet Debora, Geschichte, www.bet-debora.net/de/uber-uns-2/geschichte/, zuletzt aufgerufen am 3.8.2020.
18.
LGBTQI* steht für lesbisch, schwul, bisexuell, trans, queer und intersexuell.
19.
Keshet Deutschland, Wer sind wir?, http://keshetdeutschland.de/, zuletzt aufgerufen am 3.8.2020.
20.
Siehe Lily Rosenfeld, „Jüdische Identität stärken“, Jüdische Allgemeine Wochenzeitung, 17.08.2015, www.juedische-allgemeine.de/unsere-woche/juedische-identitaet-staerken-2/, zuletzt aufgerufen am 3.8.2020.

Sharon Adler

Autorin

Sharon Adler

ist Journalistin und Fotografin. Seit 20 Jahren betreibt sie das Online-Magazin Aviva-Berlin. Das Magazin hat es sich zur Aufgabe gemacht, Frauen in der Gesellschaft sichtbarer zu machen und über jüdisches Leben zu berichten. Sharon Adler hat verschiedenste Projekte zu jüdischem Leben in Deutschland für unterschiedliche Auftraggeberinnen umgesetzt und auch selbst Projekte initiiert wie „Shalom Aleikum“, das sie zur beseren Verständigung von Jüdinnen und Muslima entwickelte. Nach dem Anschlag in Halle im Jahr 2019 rief sie die Initiative „Jetzt erst recht“ ins Leben. Dabei berichteten Jüd_innen in Interviews über ihre Erfahrungen mit Antisemitismus in Deutschland. Für das Deutschland Archiv der bpb betreut sie die Reihe "Jüdinnen in Deutschland nach 1945".


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