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20.5.2021

Politische Partizipation 1848-1933

Politische Partizipation 1848-1933 (© 2021 Bundeszentrale für politische Bildung)

Partizipation – das bedeutet: 'Teilhabe', 'Teilnahme', 'Mitwirkung' oder 'Mitbestimmung'. Wenn es allerdings um das deutsche Judentum im 19. und 20. Jahrhundert ging, wurden diese Themen lange Zeit unter den Begriffen 'Assimilation' oder 'Akkulturation' diskutiert. Doch diese sind inzwischen überholt. Zu sehr sind sie der nichtjüdischen, antisemitischen Perspektive verhaftet. In dieser Sicht hat es eine fertige und homogene deutsche Gemeinschaft gegeben, zu der Jüdinnen und Juden dann gewissermaßen von außen dazugestoßen seien. Richtig dazugehören durften sie in dieser Weltsicht nicht. Selbst protestantische Kritiker des Antisemitismus, wie Theodor Mommsen, erwarteten letztlich, dass sie ihr Judentum aufgeben sollten, um Teil der deutschen Gesellschaft sein zu können. Doch in den Worten des deutsch-jüdischen Philosophen Moritz Lazarus ist ein Volk "eine Menge von Menschen, welche sich für ein Volk ansehen, zu einem Volke rechnen. ... ein geistiges Erzeugniß der Einzelnen, welche zu ihm gehören; sie sind nicht ein Volk, sie schaffen es nur unaufhörlich." Und deutsche Juden und Jüdinnen nahmen an allen Bereichen der Gesellschaft teil, von denen sie nicht ausgeschlossen wurden. Sie wirkten gemeinsam mit Nichtjuden und -jüdinnen in den Revolutionen und Parlamenten, in der Literatur und der Musik, an den Kriegen und Friedensbewegungen, im Journalismus und der bildenden Kunst, an der Vereinigung der Nation und der Gründung des Kaiserreichs, in den Wissenschaften und bei der Schaffung einer einheitlichen bürgerlichen Rechtsordnung. Die deutschen Gesellschaften bis zum Nationalsozialismus waren auch jüdische Projekte.

Deutlich wird das bereits auf dem Feld der politischen Partizipation. In der Märzrevolution 1848 kämpften die Menschen für einen national geeinten deutschen Staat mit einer freiheitlichen Verfassung. Die Aufstände gegen die Herrschaft der Königshäuser fanden in Berlin ihren gewaltsamen Höhepunkt: Von den Gefallenen entstammten prozentual mehr einer jüdischen Familie als in der Gesamtbevölkerung. Auf der Trauerfeier hielt neben dem christlichen Geistlichen auch Rabbiner Michael Sachs eine Totenrede. Als es nach der Märzevolution zu den ersten allgemeinen Wahlen in Preußen kam, wurde auch der Königsberger Arzt Johann Jacoby (1805-1877) in die preußische Nationalversammlung gewählt. Jacoby widmete sein ganzes Leben dem Kampf für Demokratie und gegen Feudalismus und Militärherrschaft. In einer kleindeutschen Einigung unter Preußens Führung sah er keine Chance für die Republik. Bekannt wurde Jacoby als Mitglied jener Delegation von Abgeordneten der preußischen Nationalversammlung, die Ende 1848 König Friedrich Wilhelm IV. (1840 bis 1861 König von Preußen) eine Petition überreichte. Sie protestierten gegen die Zerschlagung der wenigen demokratischen Errungenschaften der Revolution. Jacoby war es, der die höfische Etikette brach und dem König seinen berühmten Satz vorwarf: "Das ist das Unglück der Könige, daß sie die Wahrheit nicht hören wollen!" 1849 wurde er auch Mitglied der Frankfurter Nationalversammlung. Wegen seines demokratischen Engagements musste er sich vor Gericht u.a. wegen Majestätsbeleidigung oder Verspottung der Landesgesetze verantworten – und verbrachte letztlich mehrere Jahre in Haft. Als Gegner der Bismarck'schen Innen- und Außenpolitik setzte er seine Opposition gegen preußischen Militarismus bis zur Gründung des Deutschen Kaiserreichs im Jahr 1871 fort. Im Kaiserreich schloss er sich der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei an.

Die Epoche bis 1879 war geprägt von der nationalliberalen Bewegung, die eine nationale Einigung unter doppelten liberalen Vorzeichen anstrebte: ökonomisch und in Bezug auf Bürgerrechte und Gleichberechtigung. Juden wirkten dabei an prominenter Stelle mit, am bekanntesten sicherlich Ludwig Bamberger aus Mainz, Eduard Lasker aus der Provinz Posen und Gabriel Riesser (1806-1863) aus Hamburg. Gerade Riessers Leben ist in vielem typisch für die jüdisch-deutsche Partizipation. Zeit seines Lebens widmete sich der Jurist, dessen Eltern aus Rabbinerfamilien stammten, dem Kampf um die jüdische Gleichberechtigung. Im Revolutionsjahr 1848 wurde er als Abgeordneter der Deutschen Nationalversammlung gewählt. Dort wandte er sich gegen antisemitische Äußerungen in der Nationalversammlung. Es war vor allem ihm zu verdanken, dass die Religionsfreiheit Teil der Paulskirchenverfassung wurde, als er sich im Parlament erfolgreich für konfessionelle Gleichberechtigung und bürgerliche Freiheitsrechte einsetzte. Auch die Anerkennung der jüdischen Emanzipation sowie die Durchsetzung des allgemeinen und gleichen Wahlrechts in der Paulskirchenverfassung sind in großem Maße ihm zu verdanken. Und im vergleichsweisen liberalen Hamburg wurde er 1860 als erster deutscher Jude zum Richter ernannt.

Von der Nation, wie sie von den Liberalen angestrebt wurde, versprachen sich die deutschen Juden und Jüdinnen, zu Staatsbürger:innen mit gleichen Rechten zu werden. Selbst große Teile der Orthodoxie standen hinter dem nationalen Projekt. Mit der Verankerung des allgemeinen und gleichen Wahlrechts und der religiösen Gleichberechtigung in der Verfassung des 1867 gegründeten Norddeutschen Bundes (umfasste alle Staaten nördlich des Mains) sowie der Gründung des Kaiserreichs 1871 schien dieser Traum erfüllt. Die daraus folgende optimistische, ja euphorische Stimmung trug eine ganze jüdische Generation. Sie hatten die Nation mitgegründet. Sie hatten in den Reichseinigungskriegen mitgekämpft. Sie betrachteten den neuen Staat zu Recht auch als den ihren. Mehr noch, sie vertrauten ihm, er werde die Emanzipation dauerhaft gegen die Judenfeinde verteidigen.

Wie sehr das Kaiserreich auch von jüdischen Deutschen mitgestaltet wurde, belegt auch Ludwig Bamberger (1823-1899) aus Mainz. Geboren als Sohn eines jüdischen Kaufmanns, studierte er zunächst Jura. Als Jude hatte er keine Chance auf eine Stelle in der Justiz oder der Verwaltung. An der 48er Revolution nahm er begeistert teil. Als Teilnehmer am Pfälzischen Aufstand von 1849 floh er in die Schweiz und wurde in Abwesenheit zum Tode verurteilt. Obwohl er von da an als Bankier in London, Antwerpen oder Paris arbeitete, gab er auch im Exil seine politische Tätigkeit nicht auf. Allerdings wandelte er sich vom Radikaldemokraten zum Bismarck-Anhänger und Nationalliberalen. Für diese zog er dann – nachdem er nach fast 20 Jahren im Zuge einer Amnestie in die Heimat zurückkehren konnte – 1868 als Abgeordneter in das deutsche Zollparlament für Mainz ein. Nach der Reichsgründung 1871 wurde er als nationalliberaler Abgeordneter in den Reichstag gewählt. Dort fungierte er als finanzpolitischer Berater Bismarcks und setzte sich erfolgreich für die Einführung einer Zentralbank und einer einheitlichen Währung auf Gold-Basis ein. Er gilt damit als Vater der Reichsbank und der Reichsmark. Andere Beispiele wären seine nationalliberalen Kollegen Eduard Lasker und Levin Goldschmidt. Sie machten sich um die Schaffung des Bürgerlichen Gesetzbuchs und eines einheitlichen Handelsrechts verdient.

All diese Mitwirkung jüdischer Deutscher basierte aber auf ihren persönlichen Einstellungen und Expertisen, nicht auf ihrem Judentum. Es war die Tätigkeit von Einzelnen, nicht des Judentums als Kollektiv. Und es waren meist auch keine jüdischen Inhalte, die von ihnen verfochten wurden. Dennoch gab es einen politischen Trend des jüdischen politischen Engagements. Juden wirkten in allen deutschen Parteien mit, außer den antisemitischen. Selbst bei den Konservativen engagierten sie sich, wenn auch die Mehrheit zu den liberalen, später zum Teil auch den sozialistischen Parteien neigte. Der Grund war kein spezifisch-konfessioneller, sondern vor allem, dass diese Parteien mehr als andere für eine säkulare und emanzipatorische Gesellschaft eintraten. Die Erfahrung von Unterdrückung unter christlich-religiöser Herrschaft, die Erfahrung der Marginalisierung machte jene Parteien für Juden interessant, die genau das abschaffen wollten. Deshalb auch stimmten Lasker und Bamberger gegen das Jesuitengesetz. Der Jesuiten-Orden galt als Speerspitze des politischen Katholizismus, der wegen seines religiösen Machtanspruchs und verbreiteten Antisemitismus kaum auf Sympathie im Judentum rechnen durfte. Dennoch rief das deutschlandweite Verbot des Ordens 1872 im Rahmen des Kulturkampfs den Widerspruch auch jüdischer Liberaler hervor. Sie teilten zwar das Ziel des Kulturkampfs, die Trennung von Staat und Kirche und die Zurückdrängung der tradierten Vorrechte der katholischen Kirche und des Papstes. Daher auch waren sich die jüdischen Liberalen einig in der Unterstützung eines säkularen Bildungssystems, wie der Ersetzung der geistlichen Schulaufsicht durch eine staatliche. Aber das rigide Niederlassungsverbot für Jesuiten griff zu weit in Grundrechte ein, die ihnen wichtig waren.

Doch trotz aller Fortschritte der Partizipation gab es Bereiche der Gesellschaft, die Juden fest verschlossen blieben (und jüdischen Frauen meist doppelt). Sie konnten keine Schullehrer, Beamten oder Diplomaten werden. Und sie wurden fast nie auf philosophische Universitäts-Lehrstühle berufen. Egal, wie viele deutsche Juden in deutschen Kriegen gestorben waren: Im Kaiserreich konnte (abgesehen von wenigen Ausnahmen in Bayern) kein Jude Offizier werden. Trotz all dieser Zurückweisungen bewahrten sich die meisten ihr deutsch-jüdisches Selbstbewusstsein. Selbst unter den Orthodoxen verstanden sich nicht wenige als jüdisch und deutsch. Doch die andauernde Ausgrenzung verschaffte letztlich der zionistischen Bewegung einen wachsenden Zulauf. Denn in einem waren sich die meisten Zionist:innen mit manchen streng Religiösen einig: Wer sich als Teil des deutschen Volkes ansah, sich also "assimilierte", wie sie es nannten, der verriet die jüdische Nation, ihre Geschichte und Kultur.

Mit Ausbruch des Ersten Weltkriegs teilten die meisten deutschen Juden die allgemeine Kriegsbegeisterung. Sie nahmen als einfache Soldaten daran teil, sie unterschrieben patriotische Aufrufe, sie spendeten. Und einige wirkten durchaus in führenden Positionen mit. So wurde der Industrielle Walter Rathenau zum Chef der Kriegsrohstoffabteilung. Doch dem Antisemitismus konnte all diese Partizipation keinen Abbruch tun. Nicht wenige jüdische Soldaten erfuhren im Schützengraben, dass sie in den Augen der Nichtjuden letztlich doch nicht dazugehörten. Und die Armeeführung schürte den Hass noch mit ihrer berüchtigten "Judenzählung". Sie sollte ermitteln, wie viele Juden in den Front-Einheiten mitkämpften. Schon dass diese Frage überhaupt gestellt wurde, erfüllte das Ziel, die Juden als feige und illoyal zu denunzieren. Die Ergebnisse wurden nie veröffentlicht. Spätere Studien wiesen nach, dass deutsche Juden zu gleichen Teilen wie Nichtjuden am Krieg teilgenommen, an der Front gekämpft und ihr Leben verloren hatten.

Doch jüdische Deutsche und Österreicher beteiligten sich genauso an pazifistischen Bestrebungen. Der Warenhausbesitzer Oscar Tietz (1858-1923) unterhielt einen pazifistischen Salon. Der Wiener Schriftsteller und Pazifist Alfred Fried (1864-1921) erhielt für sein Wirken den Friedensnobelpreis. Er hatte unter anderem die Deutsche Friedensgesellschaft gegründet. Zu deren Mitgliedern zählten auch der Philosoph Moritz Lazarus (1824-1903) oder die Verleger Leopold Ullstein (1826-1899) und Rudolf Mosse (1843-1920). Gegen Krieg und deutsche Expansionspläne engagierte sich auch der Partei- und Fraktionsvorsitzende der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands (SPD), Hugo Haase (1863-1919). Er war einer von mehreren bedeutenden jüdischen Intellektuellen, die Führungspositionen in der Arbeiterbewegung innehatten. Für seinen standhaften Pazifismus und als Gegner der Kriegsziele der Reichsregierung vor und während des Ersten Weltkrieges wurde er im Reichstag von sozialdemokratischen Befürwortern des Krieges als Verräter beschimpft – unter dem Beifall der Antisemiten. Auch führende Sozialdemokraten wie Friedrich Ebert und Philipp Scheidemann beteiligten sich an den Attacken – und betrieben letztendlich erfolgreich seinen Parteiausschluss. Haase wurde 1917 Mitbegründer und Vorsitzender der Unabhängigen Sozialdemokratischen Partei Deutschlands (USPD), die sich damit von der Mehrheits-SPD (MSPD) abspaltete.

1919 wurde Haase ermordet. Dieses Schicksal teilte er mit anderen liberalen und sozialistischen Politikerinnen und Politiker jüdischer Herkunft nach der Revolution und in der Weimarer Republik: Die bekanntesten sind Kurt Eisner (bayerischer USPD-Ministerpräsident, Februar 1919), Rosa Luxemburg (KPD-Mitgründerin, Januar 1919), Gustav Landauer und der schon erwähnte Walther Rathenau, der in der Weimarer Republik als Außenminister daran arbeitete, Deutschland aus der Isolierung zu führen und 1922 von rechtsradikalen Freikorps-Offizieren ermordet wurde, weil er Jude war und als Politiker der Verständigung galt. Seine Ermordung löste reichsweit Protestdemonstrationen aus.

Zwar ermöglichte die Weimarer Republik eine jüdische Partizipation ganz neuen Ausmaßes in Politik, Wissenschaft, Wirtschaft, Kunst, Musik oder Literatur. Aber die Republik war eben auch geprägt vom rechten Terror und einer immer radikaleren Infragestellung genau dieser jüdischen Partizipation. Die autoritären und konservativen Kräfte radikalisierten sich und sammelten sich unter dem Banner des Judenhasses. Vor diesem Hintergrund wurde es für konservative Juden und Jüdinnen immer schwerer, ihre Position mit ihrem Jüdisch-Sein zu vereinbaren. Gleichzeitig stellten sich immer mehr jüdische Deutsche gegen die deutsch-liberale Tradition des 19. Jahrhunderts, sich vor allem als Deutsche jüdischer Konfession zu verstehen. Nach Jahrzehnten nichtjüdischer Ausgrenzung definierten sich immer mehr Juden nicht mehr moralisch und religiös, sondern national. Der Zionismus ist deutlichster Ausdruck dieses neuen Selbstbewusstseins. Dazu zählten aber auch jüdische Studentenverbände, die sich im deutschnationalen Kartell-Convent der Verbindungen deutscher Studenten jüdischen Glaubens oder dem eher zionistischen Kartell Jüdischer Verbindungen organisierten, Sportvereine wie Bar Kochba oder Hakoah, Jugendbünde wie Blau-Weiß oder die neuen Anläufe zu einer Institutionalisierung der Wissenschaft des Judentums und einer geistig-kulturellen Renaissance des Judentums, die mit Namen wie Hermann Cohen, Franz Rosenzweig, Martin Buber, Ismar Elbogen, Leo Baeck, Eugen Täubler, Julius Guttmann, Nahum Goldmann oder Jakob Klatzkin verbunden sind.

Trotz aller Ausgrenzung und Angriffe war die deutsche Gesellschaft bis zum Nationalsozialismus auch eine deutsch-jüdische, nicht nur in der Politik. Und die jüdische Partizipation fand nicht isoliert statt, sondern als Zusammenarbeit von Juden und Nichtjuden. So war die Schriftstellerin Bertha Pappenheim (1859-1936) nicht nur Gründerin des Jüdischen Frauenbundes, der Zentral-Wohlfahrtstelle der deutschen Juden und eines jüdischen Mädchenwohnheims, sondern engagierte sich auch im Allgemeinen Deutschen Frauenverein und in der Sozialpolitik. Aber auch in der Wissenschaft arbeiteten die Philosophen Hermann Cohen und Ernst Cassirer, der Physiker Albert Einstein, der Mediziner Paul Ehrlich oder die Mathematikerin Emmy Noether (1882-1935) Hand in Hand mit ihren nichtjüdischen Kolleginnen und Kollegen. Das Beispiel Noethers und ihres Fachs, der Mathematik, ist vielleicht das plastischste für die Geschichte der jüdischen Partizipation. Schon im Jahr 1829 promovierte der jüdische Mathematiker Moritz Abraham Stern in Göttingen bei der Koryphäe Carl Friedrich Gauß. Als Jude musste er dreißig Jahre als Privatdozent und Extraordinarius lehren, bis er 1859 zum ordentlichen Professor ernannt wurde. Er war damit der erste jüdische Ordinarius an einer deutschen Universität. Nach ihm wirkten zu Beginn des 20. Jahrhunderts neben nichtjüdischen Größen wie Hermann Minkowski und David Hilbert auch eine Reihe bedeutender jüdischer Mathematiker in Göttingen, etwa Edmund Landau. 1915 nun wollte David Hilbert die begabte Emmy Noether nach Göttingen holen, der jedoch als Frau die Habilitation verboten war. Sie musste ihre Vorlesungen unter Hilberts Namen ankündigen. Erst in der Weimarer Republik konnte sie sich habilitieren und bekam 1922 eine unbezahlte außerordentliche Professur. Ein Lehrstuhl als ordentliche Professorin blieb ihr aber verwehrt. Sie war nicht nur Jüdin, sondern auch Pazifistin und zeitweise Mitglied von USPD und SPD. 1933 dann entzogen die nationalsozialistischen deutschen Behörden ihr wie allen jüdischen Universitätsdozierenden die Lehrbefugnis. Die Mathematik an der Universität Göttingen galt Zeitgenossen damit als nicht mehr existent.

Mathias Berek

Mathias Berek

Dr. habil. Mathias Berek ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Zentrum für Antisemitismusforschung der Technischen Universität Berlin. Ebenso ist er Koordinator und stellvertretender Sprecher Standort Berlin des Forschungsinstituts Gesellschaftlicher Zusammenhalt (FGZ) und Ko-Projektleiter für das Projekt "Zusammenhalt und Ressentiment in Krisenzeiten: Erinnerungen an die Wende- und Nachwende-Zeit im Ost-West-Vergleich".


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