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30.10.2019

Arbeitsblatt Dokumentarfilme im Zeichen der Wende

Aufgabe 1: Die Darstellung von Jugendkulturen im DDR-Dokumentarfilm

Fächer: Deutsch, Musik, Sozialkunde, Ethik ab Klasse 10

In der DDR war der Alltag von Kindern und Jugendlichen größtenteils staatlich geregelt. Ein Großteil der 14- bis 25-Jährigen war Mitglied der Jugendorganisation FDJ. Die Pop- und Rockmusik wurde von staatlichen Organen kontrolliert. Trotzdem gab es in der DDR unterschiedliche Subkulturen, beispielsweise Gothics, Punks, Skinheads, Metaller, Hip-Hopper.

a) Bereitet euch mithilfe eines Spickzettels auf ein Kugellagergespräch über den Alltag und die Interessen von Jugendlichen in der DDR vor.

b) Teilt die Klasse in die Gruppen A und B auf. Die Mitglieder der Gruppe B beginnen damit, einem Partner oder einer Partnerin aus der Gruppe A ihr Wissen und/oder ihre Meinung zum Thema mitzuteilen.
c) Findet euch jetzt in Kleingruppen zusammen. Stellt euch vor, ihr seid professionelle Musikproduzenten/Musikproduzentinnen und eine junge Band aus der DDR tritt 1989 an euch heran. Sie hat bereits einen Text verfasst und bittet euch um Rat hinsichtlich Komposition und Arrangement. Lest euch den Text durch und denkt über dessen Bedeutung nach. Überlegt anschießend, welches Musikgenre ihr wählt.

Heja Hoja Ha
Wir woll'n immer artig sein,
denn nur so hat man uns gerne.
Jeder lebt sein Leben ganz allein
und abends fallen die Sterne.
Heja Hoja Ha


Quelle: Galenza/Havemeister: "Feeling B – Mix mir einen Drink", Berlin 2002.

d) Erarbeitet nun eine mögliche Vertonung. Ihr könnt beispielsweise den Rhythmus klopfen oder klatschen, den Text singen oder rappen. Ihr könnt auch mit einem Programm wie beispielsweise Audiotool arbeiten. Oder ihr beschreibt so detailliert wie möglich, wie der Song klingen sollte und welche Zielgruppe ihr damit erreichen möchtet. Präsentiert euch anschließend eure Ergebnisse und reflektiert diese gemeinsam.

e) Seht euch im Plenum den folgenden Ausschnitt aus Flüstern & Schreien an, in dem Feeling B "Wir wollen immer artig sein" auf einer Bühne an der Ostsee spielen (00:45:12-00:46:56). Beschreibt die Atmosphäre und die Wirkung, die Musik und filmische Mitteln wie Kameraführung und Schnitt erzeugen.

f) Seht euch die folgenden Ausschnitte aus Flüstern & Schreien an. Haltet stichpunktartig fest, von welchen Problemen die Jugendlichen berichten und welcher Subkultur sie angehören könnten.
g) Tauscht euch im Plenum über das Gesagte aus.

Während des Filmsichtung:
h) Teilt euch in fünf Gruppen (A, B, C, D, E, F) ein. Was erfahren Zuschauende über den Alltag von Musikerinnen, Musikern und jugendlichen Fans in der DDR? Wie nehmen die Erwachsenen im Film Musiker/-innen und Jugendliche wahr? Mit welchen filmischen Mitteln (unter anderem Kameraeinstellungen, -perspektiven, Montage) und Motiven wird deren jeweiliger Eindruck unterstützt? Haltet eure Ergebnisse unmittelbar nach der Filmsichtung fest.

Optional für die Oberstufe:
i) Sehen Sie sich den Dokumentarfilm Winter adé (1988) von Helke Misselwitz an. Vergleichen Sie filmische Motive und die Alltagserfahrungen der porträtierten Frauen mit den Erfahrungen der Personen aus Flüstern & Schreien. Diskutieren Sie abschließend die von Kai-Uwe Kohlschmidt verwendete Metapher "verstaubte Zufriedenheit" für die Situation in der DDR.


Aufgabe 2: Ein Land vor dem Umbruch – die Leipziger Montagsdemonstrationen

Fächer: Deutsch, Sozialkunde, Ethik, Geschichte ab Klasse 10

Der Mauerfall am 9. November 1989 war ein bedeutsames Ereignis in der jüngsten deutschen Geschichte. Dabei spielt die Stadt Leipzig eine wichtige Rolle.

Vor der Filmsichtung:

a) Woran denkt ihr beim Begriff Mauerfall? Welche Ursachen führten zu dem historischen Ereignis? Wann fand es statt? Inwieweit änderte sich der Alltag der Bevölkerung? Wendet im Plenum die Blitzlichtmethode an.
Während der Filmsichtung:

b) Seht euch den Dokumentarfilm Leipzig im Herbst von Gerd Kroske und Andreas Voigt an. Welche Gründe geben die interviewten Demonstrierenden an, warum sie auf die Straße gehen? Achtet auf die filmischen Mittel, beispielsweise Kameraarbeit, Montage und Ton, und deren Wirkung. Haltet eure Ergebnisse stichpunktartig fest.

Nach der Filmsichtung:

c) Im Film kommen auch Arbeiter/-innen, Vertreter/-innen der Partei Neues Forum, Theologen und Volkspolizisten zu Wort. Fasst deren Ansichten zur Situation in der DDR im Herbst 1989 zusammen.

d) Lest den Artikel "Jetzt oder nie" über die Leipziger Montagsdemonstrationen und seht euch den Beitrag aus dem Magazin "Kontraste" an.

e) Verfasst eine Filmkritik, basierend auf euren Ergebnissen der Aufgaben b) bis d). Ihr könnt anstatt eines Textes auch eine Aufnahme für einen Podcast oder eine Videokritik erarbeiten. Wie der Text aufgebaut sein sollte, könnt ihr hier nachlesen.


Aufgabe 3: Zwischen Stillstand und Aufbruch – die Zeit nach dem Mauerfall

Fächer: Deutsch, Sozialkunde, Ethik, Geschichte ab Klasse 10

a) Hört euch die beiden Ausschnitte aus den Dokumentarfilmen Glaube, Liebe, Hoffnung und Stau – Jetzt geht's los an. Was erfahrt ihr über die persönliche und berufliche Situation der Protagonistinnen und Protagonisten?
Szene aus "Glaube, Liebe, Hoffnung" von Andreas Voigt

Stau – Jetzt gehts los!, Szene (© bpb, ÖFilm Dörr & Schlösser GmbH)

b) Wie stellt ihr euch die jeweiligen Personen vor? Wie alt könnten die Männer in etwa sein? Welcher Kleidungsstil und welche Frisuren könnten sie in der jeweiligen Situation auszeichnen? Wie stellt ihr euch die Umgebung vor, in der gefilmt wurde? Beschreibt möglichst detailgenau. Alternativ könnt ihr eine Zeichnung anfertigen.

c) Seht euch nun die Szenen noch einmal mit Bild und Ton an. Welche eurer Erwartungen wurden erfüllt, welche nicht? Tauscht euch im Plenum darüber aus.

d) Neben den Aussagen und Handlungen der Protagonistinnen und Protagonisten entfaltet ein Dokumentarfilm seine Wirkung durch die Mise-en-scène. Dazu gehören beispielsweise die Auswahl der Drehorte und die Kameraführung. Seht euch die beiden Szenen noch einmal an und analysiert, inwieweit die filmischen Mittel die Narration und Atmosphäre unterstützen.

e) Zur Professionalität des Dokumentarfilmers gehört es, Distanz zu wahren. Thomas Heise wurde vorgeworfen, dass er in Stau – jetzt geht’s los rechtsextremen Jugendlichen ein Forum biete und er deren Ansichten und Handlungen nicht kommentiere. In der folgenden Szene aus Stau – jetzt geht's los begleitet Thomas Heise drei jugendliche Protagonisten, die der rechtsextremen Szene angehören, zur Gedenkstätte Buchenwald. Analysiert, wie Heise mittels der Mise-en-scène seine Haltung zum Geschehen ausdrückt.
Szene aus "Stau"

f) Teilt euch in Gruppen zu viert (A) und zu sechst (B) auf. Gruppe A bereitet eine Präsentation der Dokumentarfilme Glaube, Liebe, Hoffnung und Alles andere zeigt die Zeit von Andreas Voigt vor. Gruppe B erstellt eine Präsentation über die Neustadt-Trilogie von Thomas Heise (Stau – Jetzt geht's los, Neustadt. Stau – Stand der Dinge und Kinder. Wie die Zeit vergeht.). Jeweils zwei Gruppenmitglieder sollten Experten/Expertinnen zu einem Film sein.

Bei der Sichtung sollten folgende Leitfragen beachtet werden, die Schwerpunkte der Präsentation bilden: Bei der Erarbeitung der Präsentation solltet ihr mit Filmausschnitten arbeiten, die eure Ergebnisse illustrieren. Geht dabei besonders auf den Aspekt der Mise-en-scène ein.

g) Präsentiert eure Ergebnisse im Plenum. Gruppen, die die gleichen Filme vorbereitet haben, nehmen gegebenenfalls Ergänzungen vor. Gebt euch kritierienorientiertes Feedback.

h) Diskutiert, inwieweit sich aktuelle Phänomene wie Rechtspopulismus bereits in der sogenannten Nachwendezeit andeuten.

i) Die Filme von Andreas Voigt und Thomas Heise sind aussagekräftige Zeitdokumente. Falls ihr einen ähnlichen Dokumentarfilm drehen würdet, welche Orte in eurem Dorf/eurer Stadt sollten darin vorkommen? Mit welchen Personen würdet ihr sprechen wollen? Welche Themen und Fragestellungen stünden dabei im Vordergrund? Schreibt ein Konzept.

Optional:

k) Setzt euer Konzept ganz oder teilweise mit eurer Handykamera um.




Dieser Artikel erschien erstmals am 2.8.2018 auf kinofenster.de, dem Onlineportal für Filmbildung der Bundeszentrale für politische Bildung.

Ronald Ehlert-Klein

Ronald Ehlert-Klein

Theater- und Filmwissenschaftler, Pädagoge und kinofenster.de-Redakteur


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