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25.6.2012

Der Spion mit dem silbernen Deckmantel

Baupiloten – Praxisbeispiel Bildungsarchitektur

Die Schülerinnen und Schüler der Carl-Bolle-Grundschule in Berlin-Wedding mögen Spionagegeschichten und interessieren sich für Naturwissenschaft und Technik. Dies ist Grundlage der Erzählung, aus der Architekten die Raumgestaltung des neuen Freizeitbereichs der Schule in einem ehemaligen Flur und Abstellraum entwickelten.

Link zum Hintergrundartikel "Bildungsarchitektur partizipativ gestalten"
Link zur Methode "Baupiloten: Bildungsarchitektur gestalten"

Durch die Umstellung der Berliner Grundschulen auf einen Ganztagesbetrieb müssen die Schulen nicht nur ein Mittagessen anbieten, sondern auch Freizeitbereiche in der Schule schaffen. Eigentlich sollten in der Carl-Bolle-Grundschule in Berlin-Wedding dafür Klassenzimmer umgebaut werden, aber während der Entwurfsarbeit trat ein bislang als Abstellraum genutzter Flur wieder zu Tage. Dieser 40 Meter lange und fast 3 Meter breite Raum wurde dann zu einem Freizeitbereich umgebaut, der auch pädagogischen Ansprüchen gerecht werden sollte.

Der von den Baupiloten mit den Schülerinnen und Schülern durchgeführte Partizipationsworkshop brachte ein großes Interesse der Kinder an Spionagegeschichten zutage, das sehr gut mit dem pädagogischen Grundprinzip der Schule, dem "Entdeckenden Lernen" korrespondierte. Zudem bestand ein großes Interesse der Kinder an naturwissenschaftlich-technischen Phänomenen, das sich bei einem gemeinsamen Besuch im Berlin Museum für Verkehr und Technik zeigte. Die Baupiloten entwickelten gemeinsam mit den Kindern die Geschichte "Der Spion mit dem schimmernden Deckmantel", die in sechs Abschnitten erzählt wird. Zu diesen sechs Abschnitten der Geschichte wurde jeweils eine Station entworfen und gebaut, die zusammen einen Entdeckungsparcours bilden. Er erstreckt sich von der Eingangshalle durch den bislang verborgenen Flur:

1

Schärft eure Sinne! Ein Spion ist in der Schule! Er will Kindergeheimnisse ausspionieren. Seine Schwachstelle: sein schimmernder Deckmantel. Eine auffällige Bewegung, und der Deckmantel beginnt verräterisch zu schimmern.

Eingangsgalerie: In der Eingangsgalerie stellen sich die Schülerinnen und Schüler mit ihren Bildern und Modellen vor.

(© Die Baupiloten)

(© Die Baupiloten)




2

Angelockt von einem geheimnisvollen farbenfrohen Schatten beginnt er zu spionieren. Ein Begrüßen. Ein Wächter, verborgen. Der Spion fährt herum: sein Mantel beginnt zu schimmern!

Blinzelschleuse: Das an den Paneelen reflektierte Licht ist in seiner Farbe komplementär zu dem transmittierten Licht. So können der Farbkreis kennengelernt und unterschiedliche Atmosphären erfahren werden. Spielend lassen sich die Funktionsweise des Periskops erlernen, räumliche Vorstellungen hinterfragen, Grenzen überwinden, das Gesichtsfeld erweitern. Im Nachschimmern kann man die Wirkung von farbigem Licht spüren.

(© Die Baupiloten)

(© Die Baupiloten)




3

Heimlich um die Ecke gelugt – er spitzt die Ohren – nichts. Nun doch, er lauscht. Die hohen Tasten bewegen sich. Stimmen Lieder.

Lauschwand: Durch Bewegung lassen sich Töne auslösen, Hebelkräfte können erfahren werden und das fühlende Hören wird möglich.

(© Die Baupiloten)

(© Die Baupiloten)




4

Sein Deckmantel bleibt tückisch. Er legt ihn ab, mischt sich unter die Kindermenge und verharrt regungslos am Spionspiegel. Er mustert die Reflexionen. Von hier aus hat er alles genau im Blick. Geheimnisvolle Codes?

Tarnwand: Die Paneele sind als Elemente der Wand frei drehbar, damit die Farbigkeit des Lichts manipuliert werden kann. Es können Codes entwickelt werden, um sich mit anderen zu verständigen. Alle Farben des Regenbogenspektrums lassen sich entdecken. Additive und optische Farbmischungen kann man erproben, die Gesetzmäßigkeiten des Lichts erlernen und sich mit dem Licht tarnen. Der Venezianische Spiegel ist je nach Lichtverhältnissen spiegelnd, verbergend oder durchsichtig.

(© Die Baupiloten)



5

Er schnellt um die Ecke und: hinter ihm, vor ihm, über ihm - überall Kinder! Er rennt los, klettert. Spionzelle. Pusteblitze. Die Kinder haben ihn schon lange im Visier! Ein drunter und drüber!

Spionwand: Die Parallelogramm-förmigen Öffnungen der Wand fungieren als Leitersprossen und stärken das Körpergefühl. Die Pusteblitze setzen sich durch unsichtbare und unhörbare Luftströme Teile in Bewegung. Die zufällig entstandenen Lichtblitze und Reflektionen können bestaunt werden. In der Spionzelle werden die Sinne geschärft, mit optischen Sehhilfen lässt sich das eigene Sehfeld erweitern. Der erhöhte Beobachtungsstandpunkt ist als Veranschaulichung der Vogelperspektive für den Erdkundeunterricht von Bedeutung.

(© Die Baupiloten)

(© Die Baupiloten)




6

Er rennt weiter, legt falsche Fährten und verschwindet. Das Periskop befragen? Ist er entkommen? Wer fängt nun wen?

Gretelspionage: Spielend lassen sich an dieser Station die Funktionsweise des Periskops erlernen, räumliche Vorstellungen hinterfragen und Grenzen überwinden. In die Lesebänder kann man sich konzentriert zurückziehen.

(© Die Baupiloten)



Hier finden Sie eine PDF-Icon Übersicht über die Stationen des Projekts.

Susanne Hofmann

Susanne Hofmann

Susanne Hofmann

Seit 2009 Vertretungsprofessorin für Entwerfen und Konstruieren, Wohnungsbau und Kulturbauten an der TU Berlin. In einem Joint Venture leitet sie als freie Architektin seit 2003 das Projekt "Die Baupiloten".


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