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19.3.2015

Politikdidaktische Forschung

In der Bundesrepublik Deutschland begann Ende der 1950er-Jahre ein Prozess, in dem sich die Politikdidaktik als eigene Wissenschaftsdisziplin, die das politische Lernen und Lehren im Politikunterricht erforscht, an den Hochschulen etabliert hat. Seit dieser Gründungsphase haben sich drei Forschungsbereiche der Politikdidaktik herausgebildet. Man kann zwischen theoretischen, empirischen und historischen Forschungen unterscheiden.

(© Thomas Egger / www.photocase.de )


Theoriebildung

Die Etablierung der Politikdidaktik als eigenständige Wissenschaftsdisziplin seit Ende der 1950er-Jahre wird als "didaktische Wende" bezeichnet (Gagel 1994). In einem engeren Sinne ist damit gemeint, dass Fragen des politischen Lernens jetzt ausdrücklich zum Gegenstand einer eigenständigen wissenschaftlichen Theoriebildung werden, um so die "fachliche Identität" der politischen Bildung als eigenständiges Unterrichtsfach der Schule zu begründen (Sander 2003). In der Theorieentwicklung der Politikdidaktik lassen sich seitdem mehrere Phasen beobachten (Sander 2006). Die Gründungsphase der Politikdidaktik als Wissenschaft wurde entscheidend durch die Arbeiten von Wolfgang Hilligen, Kurt Gerhard Fischer und Hermann Giesecke bestimmt. Hier standen Fragen der Einbürgerung der Demokratie nach dem Faschismus im Mittelpunkt. In den 1970er-Jahren sind hier insbesondere die Arbeiten von Bernhard Sutor, Bernhard Claußen und Rolf Schmiederer einschlägig. Diese Phase war durch die starke Polarisierung zwischen konservativen und emanzipatorischen Konzepten der politischen Bildung geprägt. Danach stagnierte die politikdidaktische Theoriebildung etwas. In den 1990er-Jahren dann kam es zu einer doppelten Neubelebung der politikdidaktischen Theorieentwicklung. Die Theorie der politischen Bildung wurde zum einen durch Arbeiten aus der "Gründergeneration" der Politikdidaktik belebt (Sutor, Giesecke, Claußen, Wolfgang Mickel), die ihre bisherigen Konzepte weiter entwickelten (ebd.). Zum anderen legten jüngere Politikdidaktiker entweder eigene politikdidaktische Konzeptionen vor (Tilman Grammes, Wolfgang Sander), oder sie veröffentlichten theoretische Forschungen zu Grundproblemen der politischen Bildung, z.B. zur politischen Urteilsbildung (Ingo Juchler) oder zur Werteerziehung (Armin Scherb). Insgesamt ist diese letzte Phase durch eine pragmatische, an der Unterrichtswirklichkeit ausgerichtete Orientierung der Politikdidaktik geprägt.

Empirische Forschung

Seit Anfang der 1990er-Jahre lässt sich eine wachsende Bedeutung empirischer Forschungen beobachten. In der Politikdidaktik entwickelte sich zunächst ein qualitativ-empirisches Forschungsparadigma. Im Rahmen dieser qualitativen Forschungen lassen sich insbesondere vier Ansätze unterscheiden (Henkenborg 2005): Im Unterschied zu qualitativen Ansätzen ist die Bedeutung quantitativer Forschungen in der Politikdidaktik bislang geringer. Zwar hat es in der politischen Bildung schon frühe Ansätze einer quantitativen empirischen Forschung gegeben (Hilligen 1956, Karl Rothe 1993; IEA-Civic-Education-Studie 2001, dennoch führen sie in der Politikdidaktik bislang eher ein "Randdasein", auch weil sie noch in den "Kinderschuhen" stecken (Weißeno 2012b). Aktuell haben quantitative Forschungen – auch in Folge der empirischen Ausrichtung der Bildungspolitik als Konsequenz der Pisa-Untersuchungen – an Bedeutung gewonnen. Folgt man Überblicksdarstellungen von Weißeno (2012a, 2012b) lassen sich bislang vor allem folgende Forschungsfelder der quantitativen Forschung in der Politikdidaktik identifizieren. Danach gibt es Forschungen insbesondere:

Historische Forschungen

Dieser eher kleine Forschungsbereich bezieht sich bislang vor allem auf Forschungen zur Geschichte der schulischen politischen Bildung (Sander 2003) und auf die Geschichte der Politikdidaktik in der Bundesrepublik (Gagel 1994).

Inzwischen hat sich die Politikdidaktik als eine normale Wissenschaft an den Hochschulen etabliert. Im Jahre 2008 gab es 28 Professuren in diesem Bereich an den deutschen Universitäten.

Literatur

Walter Gagel, Geschichte der politischen Bildung in der Bundesrepublik Deutschland 1945 – 1989, Opladen 1994.

Peter Henkenborg, Empirische Forschungen zur politischen Bildung - Methoden und Ergebnisse, in: Wolfgang Sander (Hrsg.), Handbuch politische Bildung, Schwalbach/Ts. 2005, S. 48 – 61.

Wolfgang Sander, Politik in der Schule. Kleine Geschichte der politischen Bildung, Bonn 2003.

Wolfgang Sander (Hrsg.), Theorie der politischen Bildung: Geschichte – didaktische Konzeptionen – aktuelle Tendenzen und Probleme, in: Derselbe (Hrsg.), Handbuch politische Bildung, Schwalbach/Ts. 2005, S. 13 – 47.

Wolfgang Sander, Phönix aus der Asche. Politische Bildung als Gegenstand von Forschung und Theoriebildung, in: Kursiv. Journal für politische Bildung, 2 (2006), S. 66 – 74.

Georg Weißeno, Zum Stand empirischer politikdidaktischer Forschung, in: Juchler, Ingo (Hrsg.), Unterrichtsleitbilder in der politischen Bildung, Schwalbach/Ts. 2012a, S. 115 – 126.

Georg Weißeno, Quantitative politikdidaktische Forschung in Deutschland, in: Dominik Allenspach/Beatrice Ziegler (Hrsg.), Forschungstrend in der politischen Bildung, Zürich/Chur 2012b, S. 111 – 126.
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Peter Henkenborg

Peter Henkenborg

Peter Henkenborg

Prof. Dr. Peter Henkenborg, ab 1999 Hochschullehrer für Didaktik der politischen Bildung zuerst am Institut für Politikwissenschaft der TU Dresden und von 2006 bis 2015 am Institut für Politikwissenschaft der Philipps-Universität Marburg.


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