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29.12.2005

Nationale Symbole

Wie alle Symbole verweisen auch die nationalen Symbole über sich selbst hinaus auf etwas anderes. Durch sie wird jeder Staat für seine Menschen wahrnehmbar. Elmar Elling erklärt beispielhaft die unterschiedlichen Arten nationaler Symbole, ihre Herkunft und Bedeutung.

Der Begriff Nation kam im Zuge der Französischen Revolution auf und wurde zunächst negativ verstanden. Mit ihm grenzte man sich ab gegen Autokratie, gegen feudale Strukturen und, in Deutschland, gegen die Kleinstaaterei. Eine darüber hinausgehende, bejahende Bestimmung entstand mit Blick auf eine (vermeintlich) gemeinsame Abstammung der als Nation verstandenen Großgruppe, mit Blick auf ihre gemeinsame Religion, ihre staatlichen Strukturen oder – ein häufiges Kriterium – als Bekenntnis zu gemeinsamer Kultur (Traditionen, Sitten, Gebräuche) und Sprache. Damit gründet das Konzept der Nation wesentlich auf symbolischen Systemen; Nation ist eine "vorgestellte Gemeinschaft", wie Anderson formuliert.

Das Symbol Brandenburger Tor

Allen Symbolen ist gemeinsam, dass sie über sich hinausweisen. Das Brandenburger Tor etwa war bei seiner Errichtung nichts anderes als der westliche Abschluss der damaligen Residenzstadt Berlin. Später war es prononcierter Bau an der berüchtigten Mauer, ein Tor, das seiner Aufgabe, Durchlass zu gewähren, vollends beraubt war und einsam und sinnlos auf einem nahezu freien Platz stand. In diesem historischen Kontext konnte das Tor mehr versinnbildlichen als das Gebäude für sich darzustellen vermocht hätte.


Symbole entstehen oft aus (politischen) Handlungen heraus und werden in solchen benutzt. So durfte der mittlere Torbogen des Brandenburger Tores ehedem nur vom Kaiser durchfahren werden. Eben deswegen führte am 30. Januar 1933 der Fackelzug der SA durch diesen Torbogen: Es war Demonstration der frisch errungenen Macht und gleichzeitig des Anspruchs auf nationale Kontinuität.

So war es denn kein Zufall, dass US-Prädident Reagan 1987 genau gegenüber diesem Tor die Forderung erhob, die Mauer niederzureißen. Heute findet sich das Brandenburger Tor zum Beispiel auf den kleineren Euromünzen deutscher Prägung.

Vielfalt der nationalen Symbole

Menge und Art der Symbole, die für Nationen stehen, sind erstaunlich zahlreich und vielfältig. Von sprachlichen Zeugnissen, Melodien, Speisen und anderem abgesehen, stehen folgende Objekte häufiger in der Funktion nationaler Symbole: Pflanzen (Kleeblatt, Lilie, Ahornblatt), Tiere (Adler, Kiwi, Löwe), Gebäude (Brandenburger Tor, Big Ben, Akropolis), politische Personen (Atatürk, Garibaldi, Mandela), Dichter (Dante, Goethe und Schiller, Shakespeare), Gestirne (aufgehende Sonne, Davidstern, Kreuz des Südens), Orte (Amselfeld, Masada, Rütliwiese), Musikinstrumente (Harfe, Dudelsack), sakrale Gegenstände (siebenarmiger Leuchter) und anderes mehr.

Nationale Symbolfiguren

Viele Nationen besitzen Symbolfiguren, die nicht unbedingt einen historischen Hintergrund haben, in denen sich aber Wertvorstellungen, historische Momente oder Züge der nationalen Mentalität wiederfinden. Zu den bekannteren Beispielen zählen der schweizerische Wilhelm Tell, der dänische Holger Danske, Italia, Helvetia und, in Deutschland, Germania, Bavaria, Arminius und einige mehr. Die weithin bekanntesten sind die französische Marianne, der englische John Bull, der us-amerikanische Uncle Sam und der deutsche Michel.

Die französische 'Marianne' mit ihrer phrygischen Mütze, dem Zeichen der befreiten Sklaven, gilt als Symbol der Freiheit. Oft trägt sie eine Lanze und bildet so als wehrhafte Dritte zusammen mit Brüderlichkeit und Gleichheit das Trio der demokratischen Grundwerte. Wenngleich die ersten Darstellungen dieser allegorischen Frauengestalt bereits 1775 auftauchten, gewann sie erst im Zuge der Französischen Revolution breite Beachtung und Anerkennung; 1792 wurde die Figur gar zur offiziellen Repräsentantin erhoben. Auf dem bekannten Gemälde (1830) von Eugène Delacroix (1798-1863) führt die Freiheit das Volk in die Juli-Revolution von 1830, damit es die politischen Rechte wieder herstelle.

Der deutsche Michel besitzt angeblich ein historisches Vorbild, aber als Sinnbild für Dummheit und Trägheit gilt er auch unabhängig davon. Im 16. Jahrhundert verkörperte er für die am Ausland orientierte Schicht deutscher Akademiker das gemeine Volk, war also das Symbol dessen, was man ablehnte. Vorurteile des Auslands über "den Deutschen" verstärkten dieses Bild und seine Funktion. Aber Michel behielt seine frühen Charakteristika nicht: Im 17. Jahrhundert stand er für das Bekenntnis zur deutschen Sprache und Kultur, später auch für deutsche Gemütlichkeit und Biederkeit. Eben darauf reagierten Karikaturisten des 19. und 20. Jahrhunderts und nutzten die Figur, um den Deutschen den Spiegel vorzuhalten.

John Bull, untersetzt, meistens mit Frack und Kniebundhose bekleidet sowie einer Weste aus dem Union Jack, wurde 1712 geschaffen. In ihm verdichtet sich der gesunde Menschenverstand, gepaart mit konservativer Haltung und nicht unbedingt guter Laune. Vom Ende des 18. Jahrhunderts an nutzen zahlreiche Künstler diese Figur in karikaturistischer Absicht. Aber auch in zahlreichen Kampagnen taucht sie auf und ist wahrscheinlich Vorlage für Uncle Sam und eines der bekanntesten Plakate mit dieser Figur.

Der "Neffe" John Bulls kam zu Beginn des 19. Jh.s auf: Ein hagerer älterer Herr, ausgestattet mit nationalen Attributen, steht Uncle Sam (von U.S.) eher für die offiziellen Vereinigten Staaten, die Regierung und ihre Absichten. Angeblich ist sein Vorbild eine historische Figur der amerikanischen Armee. Die bekannteste Darstellung ist "Uncle Sam needs you", offiziell genutzt, aber gleichzeitig zur Kritik und Satire. Für gewöhnlich wird Uncle Sam respektiert und als Symbol für amerikanisches Bewusstsein verstanden.

Adler, Löwe und andere

Viele Figuren und Zeichen stehen nicht für eine bestimmte Nation, werden aber von etlichen in Anspruch genommen. Löwe und Adler etwa sind bekannte Beispiele dafür. Sie begleiten die Menschheit vom Beginn ihrer Geschichte an und symbolisieren Mut, ewiges Leben, Königtum und Weiteres. Ihre Bedeutungen variieren, so wie auch die Darstellungen variieren und dem Verständnis und Geschmack der Zeiten angepasst werden.

Ein weniger häufiges Symbol ist die Eiche. Der Baum bzw. sein Laub und seine Früchte sind indogermanische Symbole und wurden schon von den Griechen und Römern benutzt. Die Eiche stand für Zeus, Jupiter und, bei den Germanen, für Donar. Sie galt als Symbol für Leben und Unsterblichkeit, da sie, wie man meinte, nicht verwest. Seit dem 18. Jh. gilt die Eiche in Deutschland als Sinnbild des Heldentums und seit dem 19. Jh. wird ihr Laub für Siegerehrungen genutzt – aber auch das war bereits im antiken Rom üblich.

Nach dem Wiener Kongress (1815) begann die Entwicklung Deutschlands zu einem einheitlichen Staat. Die Zollschranken fielen und in der 1830er Jahren setzte eine Entwicklung zu gemeinsamen Münzen ein. Auf die damaligen Bemühungen um Einigkeit und Einheitlichkeit geht die Verwendung des Eichenlaubs (zusammen mit der Ähre) auf deutschen Münzen zurück.

Auch in Frankreich war ein Kranz aus Eichenlaub in Gebrauch bis Napoleon ihn durch den kaiserlichen Lorbeer ersetzte. In Deutschland verband sich der Eichenlaubkranz mit den aufkommenden Nationalfarben und stand für die Hoffnung auf die Einheit der Nation. Das Eichenlaub hat sich bis in unsere Tage gehalten und ziert heute die Cent-Stücke deutscher Prägung.

Die dänische Flagge, der Danebrog

Längst nicht alle Staaten der Erde haben ein Wappen, wohl aber eine Flagge, sie ist staatliches Symbol schlechthin. Die Nationalflagge Dänemarks, der Dannebrog (dt. Dänentuch), gilt gemeinhin als älteste, noch immer in Gebrauch befindliche Nationalflagge der Welt. Im 14. Jahrhundert zum ersten Mal schriftlich erwähnt, zählt sie mindestens 600 Jahre, wahrscheinlich mehr.

Der Sage nach fiel der Danebrog am 15. Juni 1219, als Dänen unter ihrem König Waldemar II. (1170-1241) in der Nähe von Lyndanisse (Estland) gegen heidnische Esten kämpften, vom Himmel. Das muss man nicht glauben, aber Ursprungsgeschichten wie diese umgeben nicht wenige visuelle Symbole. Die Erzählungen erklären oder rechtfertigen, rühmen oder rühren, jedenfalls tragen sie zur Sinngebung bei.

Zum offiziellen Staatssymbol wurde der Danebrog erst 1854 erklärt. Ohnehin konnte vor der amerikanischen (1776) bzw. der französischen Revolution (1789) und deren staatspolitischen Folgen nicht von Nationen im heutigen Sinne die Rede sein und folglich auch nicht von nationalen Symbolen.

Die häufigste Farbkombination: Weiß-Rot

Die Farben des Danebrog, Rot und Weiß, stehen symbolisch oft für Blut bzw. Licht oder Frieden. Und keine andere Farbkombination kommt in europäischen Flaggen so häufig vor wie diese, so etwa in den Flaggen von

Fahne Brandenburgs (© Wikimedia)

Monaco, Polen, und auch Österreich, aber auch denen von Lübeck, Bremen, Brandenburg und anderen Regionen. Selbst in der Kombination von Farbe und Form, genauer: rote Flagge, weißes Kreuz, lassen sich etliche Verwandtschaften ausmachen, so zwischen den Flaggen der Schweiz und Maltas, denen des Templerordens, Savoyens, Danzigs und Wiens. Hingegen stand eine weiße Flagge mit rotem Kreuz zunächst für England (12. Jh.), später dann für Frankreich (14. Jh.). Einer plausiblen Interpretation zufolge geht der Dannebrog letzten Endes auf die um 1200 aufgekommene Flagge des Heiligen Römischen Reiches deutscher Nation zurück, das Dänemark als Vasallen betrachtete.

Schwarz-Rot-Gold

Die Zusammenstellung von Schwarz, Rot und Gold ist auf alten deutschen Wappen und Bannern immer wieder anzutreffen, so etwa auf einem Wappen in der Manessischen Handschrift (14. Jh.), das, wie das kaiserliche Banner bis 1401, einen schwarzen Adler mit rotem Schnabel und roten Krallen auf goldenem Grund zeigt.

Es gab sogar eine traditionelle Flagge mit drei waagerechten Streifen in Schwarz, Rot und Gold, nämlich die des Fürstentums Reuß (heute Thüringen). Aber das alles hat nichts mit der heutigen Bundesflagge oder ihrer Vorgeschichte zu tun. Ohnehin waren die entscheidenden staatlichen Symbole des Heiligen Römischen Reiches deutscher Nation Reichsapfel, Zepter, Krone und weitere so genannte Reichskleinodien.

Französische Flagge (© European Communities)

Die deutsche Bundesflagge geht, ähnlich wie die heutigen Nationalflaggen Frankreichs, Italiens, der Niederlande, Ungarns, Griechenlands und weiterer Staaten, auf Protest, Erhebung, Revolution zurück. Solche politischen Lagen sind ideal, um Symbole entstehen zu lassen, die das Neue, das formuliert, gefordert, gesucht wird, repräsentieren.

Das Wartburgfest

Das "Lützowsche Freikorps", auch "Lützower Jäger" genannt, hieß nach seinem Major und späteren preußischen Generalmajor Ludwig A.W. Freiherr von Lützow (1782-1834). Diese Einheit von etwa dreitausend Mann war in viele Kämpfe gegen die napoleonischen Truppen verwickelt. Es war nicht das einzige Freikorps unter preußischem Oberkommando, wohl aber das berühmteste, da ihm Leute wie der Dichter Theodor Körner (1791-1813), der "Turnvater" Friedrich Ludwig Jahn (1778-1852) und Josef Freiherr von Eichendorf (1788-1857) angehörten sowie viele Studenten und Akademiker aus allen Regionen Deutschlands. Weil es sich um Freiwillige handelte, bekamen sie weder Sold noch Kleidung oder Ausrüstung. Um dennoch eine Art Uniform zu haben, färbten sie ihre private Kleidung schwarz, also in jener Farbe, in die sich beinahe alles umfärben ließ. Die Aufschläge ihrer Jacken aber waren rot und die Knöpfe golden bzw. messingfarben. Oft zu lesen, vielfach bezweifelt, ist dies die bekannteste Geschichte über den Ursprung der "deutschen" Farben. Fest steht jedoch, dass am 18. Oktober 1817 anlässlich des Wartburgfestes eine Fahne mit den Farben Schwarz, Rot und Gold auftauchte; golden waren allerdings nur ihre Fransen. Eine Kopie des Originals ist im Palas der Burg zu besichtigen, das Original befindet sich im Jenaer Stadtmuseum. Wegen der engen Verbindung zur Wartburg heißt diese Fahne Wartburgfahne. Das Original trägt den Schriftzug: "Von den Frauen und Jungfrauen zu Jena am 31.März 1816". Warum die Frauen die Farben in Form dreier Bahnen angelegt haben, ist nicht klar, vermutlich aber waren sie durch die französische Trikolore beeinflusst.

Die Farben tauchten in den folgenden Jahren in Form von Flaggen und Kokarden auf, allerdings ohne die heute feststehende Abfolge. August von Binzer (1793-1868) allerdings, ein Student aus Kiel, schrieb ein Gedicht in dem es heißt: "Schwarz-Rot-Gold lebe!" Die Flagge wurde mehr und mehr zum Symbol für Freiheit und Einheit, scheint aber erst akzeptiert worden zu sein, nachdem die (unzutreffende) historische Erläuterung sich verbreitete, dass es sich bei diesen Farben um die des alten Reiches handle, was abermals zeigt, wie wichtig Kontinuität bei der Begründung und Durchsetzung von politischen Symbolen ist.

Das Hambacher Fest

Der Zug zum Hambacher Schloss (© Wikimedia)

Die Speyerer Zeitung hatte Anfang April 1832 für den 26. Mai zur traditionellen Feier der bayerischen Verfassung auf die eingeladen. Dem Journalisten Philipp Jakob Siebenpfeiffer (1789-1845) und dem Juristen und Publizisten Johann Georg August Wirth (1798-1848) war es nicht genug, das Erreichte zu feiern, und so luden sie für den 27. Mai zu einem Nationalfest auf die Hambacher Ruine ein. Äußerlich ein Bankett, wie dies seit 1815 üblich geworden war, stand weniger das Schlemmen im Vordergrund, als vielmehr die Politik.

Von Neustadt a.d. Weinstraße ging es in langem Zug, Lieder singend, hinauf zur Ruine . Ziemlich zu Anfang des Zuges schritt die polnische Gruppe mit der weiß-roten Flagge, etwas weiter dahinter eine Gruppe mit einer schwarz-rot-goldenen Flagge, die mit der Inschrift versehen war: "Deutschlands Wiedergeburt".

Die polnische Flagge hisste man gleich am Eingang zum Schloss, die deutsche auf seinem höchsten Turm. Bis zum 30. Mai wurden Reden gehalten, vor allem aber wurde debattiert. Siebenpfeiffer forderte Volkssouveränität und nationale Einheit, und zwar nicht nur für Deutschland, sondern für alle Völker Europas, insbesondere für die Polen. Nationale Einheit wurde also damals unter ausdrücklicher Einbeziehung Europas verlangt und darüber hinaus, was sehr modern wirkt, Gleichberechtigung der Frauen, religiöse Toleranz, Absage an Antisemitismus und vieles mehr.

Allem Anschein nach gab es vom Zug der Feiernden eine Lithografie, die bei Gelegenheit verschiedener Abdrucke unterschiedlich koloriert wurde. Es spricht aber manches dafür, dass beim Hambacher Fest schwarz-rot-goldene Fahnen mitgeführt wurden .

Europaflagge

Flagge der Vereinten Nationen (© Wikimedia)

Als Farben für Flaggen supranationaler Vereinigungen sind Blau und Weiß besonders beliebt, so in den Fahnen der UN, NATO, Süd-Pazifik-Kommission und Seato zeigen. Beide Farben symbolisieren den Frieden, Sterne Unabhängigkeit und Einheit. Und diese beiden Symbole finden sich auch in der Europaflagge, die zunehmend als Flagge der EU angesehen wird, aber auch für Europa insgesamt steht. Es ist keine nationale Flagge, entwickelt aber einen vergleichbaren Stellenwert.

Immer wieder findet man Darstellungen der Europaflagge, die in der Farbgebung oder der Zeichnung der Sterne abweichen, obgleich beides präzise festgelegt ist.

Flagge der EU (© European Communities)

Auch die Flagge der EU knüpft an Vorbilder an, allerdings ist die Geschichte ihrer Entwicklung trotz des jungen Alters nicht ganz klar. Einer Erklärung zufolge geht sie auf das Emblem der paneuropäischen Bewegung zurück. Das Symbol dieser 1922 gegründeten Bewegung war kobaltblau und hatte ebenfalls einen Ring von zwölf Sternen. In dessen Mitte befand sich jedoch eine goldeneScheibe mit rotem Kreuz, weswegen der Versuch, sie zum Emblem des Europarats zu machen, scheiterte. Die Sozialisten sahen in dem Kreuz ein ideologisches Symbol und verweigerten ihre Zustimmung, die Türkei ebenso. Ohne goldenen Kreis mit Kreuz wurde das Symbol jedoch akzeptiert.

Flagge der paneuropäischen Bewegung (© Wikimedia)

Eine andere Erklärung besagt, dass Paul M. G. Lévi, damaliger Leiter der Kulturabteilung des Europarats, Schöpfer des Emblems sei. Er soll eine blaue Flagge mit 15 kreisförmig angeordneten goldenen Sternen vorgeschlagen haben, von denen jeder einen der damaligen Mitgliedsstaaten des Rates repräsentierte. Damit wäre das Saarland als eigenständiges Mitglied des Europarates anerkannt worden, weswegen Deutschland diesen Entwurf ablehnte.

Vermutlich gab auch die amerikanische Flagge Anregung, denn in ihrer frühesten Form, der Betsy Ross Flag, besitzt auch sie einen Ring von zwölf Sternen auf blauem Grund.

Flagge der Europäischen Bewegung (© wikipedia.org)

Das grüne E auf weißem Grund ist seit 1949 Emblem der Europa-Bewegung. Das 'E' steht natürlich für Europa, seine Farbe für die Hoffnung, und der weiße Untergrund für den Frieden. Diese Flagge hat sich allerdings nicht durchsetzen können, vielleicht, weil sie zu wenig symbolträchtig ist.

Nicht selten wird angenommen, die 12 Sterne stünden für die 12 Mitgliedstaaten, aus denen die EU zwischenzeitlich bestand. Das aber ist falsch. Seit der Antike gilt die Zwölf als Zahl der Vollkommenheit und ebenso der Kreis. Die Europaflagge soll mittels ihrer Symbole zum Ausdruck bringen, dass jenseits

Flagge Bosnien-Herzegowinas (© Wikimedia)

aller innereuropäischen Gruppierungen und Zusammenschlüsse, eine gemeinsame Identität besteht, für die eine politische Einheit angestrebt wird.

So wie die Europaflagge Gebrauch macht von vorhandenen Symbolen und anknüpft an Früheres, so ist sie auch selbst Vorbild, bei dem Anlehnung gesucht wird. Dies ist der Fall bei der Flagge Bosnien-Herzegowinas, die seit 1992 anstelle der alten gilt. Die Sterne in dieser Flagge wurden gewählt mit Blick auf die EU, der man eines Tages angehören möchte.

Dr. Elmar Elling

elling Zur Person

Dr. Elmar Elling

Dr. Elmar Elling, Jg. 1952, Linguist und Medienwissenschaftler, ist freiberuflich tätig als Autor und Redakteur sowie als Sprachlehrer.


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