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20.7.2005

Informieren statt Schweigen

Orientierungspunkte für Pädagogen und Fernsehproduzenten

Heute kann man Kinder von Themen wie Krieg oder Terroranschläge nicht mehr fernhalten. Erzählungen und Bilder finden immer einen Weg, wenn auch nur bruchstückhaft. Erwachsene sollten helfen, die Bruchstücke in ein verständliches Bild einzuordnen, um so Ängste abzubauen.

In unserer von Medien durchdrungenen Gesellschaft nehmen nicht nur Jugendliche, sondern auch Kinder aktuelle Ereignisse, Kriege, Terroranschläge sehr wohl wahr. Die Welt rückt dichter zusammen, geografisch entlegene Kriege kommen direkt in den Alltag und die Wohnzimmer von Kindern. Das heißt, heute kann es nicht mehr darum gehen, Kinder und Jugendliche von diesen Ereignissen fernzuhalten, was nicht gelingen kann; sondern es muss ein angemessener Umgang mit den Themen, den Gefühlen und dem Wissen von Kindern und Jugendlichen gefunden werden.

Aus einem Online-Forum von BBC Newsround zum Thema Irak-Krieg: "Es nervt mich total, dass die Erwachsenen jedesmal, wenn irgendeine heikle Angelegenheit in den Nachrichten zur Sprache kommt, sagen: 'Das könnte den Kindern schaden!'. Beleidigend! Vielleicht ist das der Fall bei sehr jungen Kindern, aber wenn sie von Kindern sprechen, meinen sie alle, vom Kleinkind bis zu den 18-Jährigen. Es sieht fast so aus, als würden sie glauben, Leute in meinem Alter hätten keinen eigenen Verstand ... zu behaupten, dass uns Infos schaden, beleidigt unsere Intelligenz." (Gemma, 14 Jahre, am 29. Mai 2004)

Ludwig hat viele Fragen zum Krieg. (© IZI 2005)



Aus Medien und Gesprächen mit Freunden und Freundinnen haben Kinder meist schon eine Reihe von Informationen. Oft sind es jedoch nur kleine Details, zum Teil deutlich emotional oder politisch gefärbt. Meist sind die Konstruktionen, die sich die Kinder erarbeiten, bildhaft, in Anlehnung an Fernsehen und Pressefotos. Hier brauchen Kinder Informationen, die auf sie zugeschnitten sein sollten, die weder traumatisieren noch trivialisieren. Die Informationen sollten ihnen helfen, die Bruchstücke, die sie schon wissen, einzuordnen, die Geschehnisse zu verorten und Ängste abzubauen.

Während Ludwig, ein 9-jähriger Junge aus Deutschland, sein Bild malt, erzählt er uns, was er aus dem Fernsehen gerne erfahren würde: "Ich möchte gerne wissen: Wer denn Krieg gegen wen führt? Wer hat mehr Chancen zu gewinnen? Wie sehen denn die Soldaten aus? Wie viele gibt´s denn überhaupt?", gefolgt von einer Menge weiterer Fragen.

Orientierungspunkte für Pädagogen, Pädagoginnen und Fernsehproduzierende

Auf die Frage, was sie als Fernsehchefin gemacht hätte, antwortet die 9-jährige Shirley aus Israel: "Ich hätte eine spezielle Sendung für Kinder gemacht, weil Erwachsene wissen, was Krieg ist, und Kinder nicht".

Maya Götz

Dr. phil Maya Götz Zur Person

Maya Götz

Dr. phil. Maya Götz, Jg. 1967, studierte Lehramt und Pädagogik in Kiel und promovierte 1998 in Kassel über Fernsehen im Alltag von Mädchen. Seit 2003 ist sie Leiterin des Internationalen Zentralinstituts für das Jugend- und Bildungsfernsehen (IZI) München.


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